Orthodoxe Kirchen in der Ukraine

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Orthodoxe Kirchen in der Ukraine sind heute die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche – Kiewer Patriarchat, die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats und die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche. 2016 zählten sich zur Ukrainisch-Orthodoxen Kirche – Kiewer Patriarchat 45,7 % der Bevölkerung, zur Ukrainisch-Orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats 13,3 % und zur Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche 0,8 %[1].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kiewer Rus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kiewer Höhlenkloster, Gemälde von Wassili Wereschtschagin, 1905

988 wurde eine orthodoxe Kirche in der Kiewer Rus durch Großfürst Wladimir den Großen gegründet. Diese unterstand dem Patriarchat von Konstantinopel, der Metropolitansitz war Kiew. 992 wurde der erste Bischof für Wladimir in Wolhynien erwähnt. Es entstanden Kirchen und Klöster, das bedeutendste ist das Kiewer Höhlenkloster.

Neue Eparchien wurden in Halitsch, Cholm, Luzk und Peremyschl gebildet. Seit 1303 gab es einen Metropoliten von Galizien, dem die Eparchien in Galizien und Wolhynien zugeordnet waren. 1305 verlegte der Metropolit von Kiew seinen Sitz nach Wladimir an der Kljasma, 1325 nach Moskau.

Polen-Litauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orthodoxe Bevölkerung (grün) in Polen-Litauen 1573
Jesuit wirbt bei der Bevölkerung von Witebsk für die Union, Zeichnung von Ilja Repin, 1893

1340 kamen die Gebiete der heutigen Ukraine zu Polen. Sie unterstanden wechselweise einem Metropoliten von Litauen oder von Galizien. Seit 1391 unterstanden alle Eparchien den Metropoliten von Moskau.

1439 wurde wieder eine eigene Metropolie Kiew geschaffen. Die orthodoxe Kirche stand unter einem ständigen Druck von Seiten der römisch-katholischen Kirche in Polen. Im 16. Jahrhundert agitierten Jesuiten wie Peter Skarga sehr aktiv unter der orthodoxen Bevölkerung, auch reformatorische Einflüsse wurden spürbar (calvinistische Kirche). Der moralische Zustand des orthodoxen Klerus war nachlässig. Es gab Konkubinate und Ämter wurden an eigene Nachkommen und Bekannte vergeben (Simonie).

Seit 1590 strebten die ruthenischen Bischöfe eine Union mit der römisch-katholischen Kirche an. 1596 schlossen sie die Union von Brest. Es wurde die unierte griechisch-katholische Kirche gebildet, die organisatorisch und kirchenrechtlich der katholischen Kirche unterstand, aber den byzantinisch-orthodoxen Ritus in Liturgie und geistlichem Leben beibehielt.

Die Bischöfe von Lwów und Przemyśl verweigerten ihre Zustimmung, ebenso die meisten Klöster und die orthodoxen Bruderschaften. Nach anfänglichem Widerstand wurden die meisten Klöster und Kirchen in den folgenden Jahrzehnten der unierten Kirche unterstellt.

1620 wurde wieder ein orthodoxer Metropolit von Kiew ernannt, allerdings unter dem Schutz der Kosaken. 1633 ernannte dann der polnische König erstmals wieder einen orthodoxen Metropoliten von Kiew.

Russisches Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1647 stand Kiew unter der militärischen Kontrolle der Kosaken, seit 1667 gehörte es zum Russischen Reich. Die dortigen orthodoxen Kirchen unterstellten sich dem Patriarchen von Moskau.

1772 kamen Wolhynien und weitere Gebiete der heutigen Ukraine zu Russland. Es entstanden dort wieder orthodoxe Kirchen Gemeinden und Eparchien.

1919 bis 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1921 gründete sich in der unabhängigen Ukraine die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche. Diese bestand bis 1937. 1941 entstand sie im deutsch besetzten polnischen Generalgouvernement wieder neu. Im Reichskommissariat Ukraine entstand zur gleichen Zeit die Ukrainische Autonome Orthodoxe Kirche. Beide wurden 1944 nach der Eroberung der Gebiete durch die Rote Armee aufgelöst. Die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche setzte ihre Existenz in den USA und in Westeuropa fort. In der Ukrainischen SSR gehörten alle orthodoxen Eparchien zur Russisch-Orthodoxen Kirche.

Seit 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1990 gab es im Exarchat Ukraine der Russisch-Orthodoxen Kirche Bestrebungen nach mehr Selbstständigkeit. 1990 wurden auch die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche und die Ukrainische griechisch-katholische Kirche wieder offiziell zugelassen. Es wurden Kirchengebäude und weitere Immobilien zwischen diesen drei Kirchen neu verteilt.

1992 verließ Metropolit Philaret von Kiew die Russisch-Orthodoxe Kirche. Es entstanden daraufhin die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (Moskauer Patriarchat) und die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (Kiewer Patriarchat). Letztere wird von den meisten orthodoxen Kirchen nicht anerkannt. Auch zwischen diesen beiden Kirchen kam es zu Streit um Immobilien und den Status der Nationalkirche.

In den politischen Konflikten in der Ukraine seit 2014 ergriffen alle Kirchen Partei für die ukrainischen Positionen, mit Ausnahme der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat), die die russische Position verteidigte. 2016 zählten sich zur Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (Kiewer Patriarchat) 45,7 % der Bevölkerung, zur Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat) 13,7 % und zur Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche 1,3 %

Orthodoxe Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orthodoxe Kirchen in der Ukraine

Ukrainische Orthodoxe Kirchen im Ausland

  • Ukrainische Orthodoxe Kirche in Amerika
  • Ukrainische Orthodoxe Kirche in Kanada
  • Ukrainische Orthodoxe Kirche in der Diaspora innerhalb des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel

Gemeinden in Deutschland

  • Ukrainische orthodoxe Gemeinde St. Nikolaus in Düsseldorf, Ukrainische Orthodoxe Kirche in der Diaspora[2]
  • Ukrainische orthodoxe Gemeinde in Ingolstadt
  • Ukrainische orthodoxe Gemeinde in Köln, Kiewer Patriarchat[3]
  • Ukrainische orthodoxe Gemeinde Mariä Schutz in Krefeld, Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche, Exarchat Westeuropa[4]
  • Ukrainische orthodoxe Gemeinde in München, Ukrainische Orthodoxe Kirche in der Diaspora
  • Ukrainische orthodoxe Gemeinde in Neu-Ulm

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Religious Self-Identification and Prayer in Ukraine, Olena Bogdan, Kiev International Institute of Sociology, 2016, pdf
  2. Ukrainische orthodoxe St. Nikolaus Kirche in Düsseldorf Webseite
  3. Ukrainische orthodoxe Kirchengemeinde Verklärung des Herrn Köln, Website
  4. Orthodoxe Kirchengemeinde Mariä Schutz in Krefeld Website