Luzk

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Luzk
Луцьк
Wappen von Luzk
Luzk (Ukraine)
Luzk
Luzk
Basisdaten
Oblast: Oblast Wolhynien
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: 181 m
Fläche: 42,67 km²
Einwohner: 217.103 (2015[1])
Bevölkerungsdichte: 5.088 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 43000-43499
Vorwahl: +380 3322
Geographische Lage: 50° 45′ N, 25° 20′ OKoordinaten: 50° 45′ 0″ N, 25° 20′ 0″ O
KOATUU: 710100000
Verwaltungsgliederung: 1 Stadt
Bürgermeister: Mikola Romanjuk
Adresse: ул. Б. Хмельницького 19
43025 м. Луцьк
Website: www.lutsk.ua
Statistische Informationen
Luzk (Oblast Wolhynien)
Luzk
Luzk
i1
Stadtplan

Luzk (ukrainisch Луцьк; russisch Луцк, polnisch Łuck; historisch Lutschesk) ist eine Stadt in der nordwestlichen Ukraine. Die am Fluss Styr gelegene Großstadt mit über 210.000 Einwohnern ist das Zentrum der Oblast Wolhynien und Hauptstadt des gleichnamigen Rajons, aber kein Teil desselben.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herkunft des Namens ist unklar. Hinsichtlich der Etymologie existieren verschiedene Vermutungen :

  • der Name stammt von dem altslawischen Wort luka ab (Mäander (Flussschlinge) eines Flusses),
  • der Ort ist nach Luka benannt, einem Anführer des ostslawischen Stamms der Duleben,
  • der Name leitet sich von einem Stamm der Lutschanen her (die allerdings nur im westlichen Böhmen erwähnt sind).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kiewer Rus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg wurde erstmals für das Jahr 1085 in der Hypatioschronik als Lutschesk erwähnt und befand sich im Fürstentum Wolhynien. Die Siedlung entstand um eine aus Holz errichtete Festung eines lokalen Zweigs der Rurikiden. Seit 1154 war sie Mittelpunkt eines eigenen Fürstentums.

Im Mongolensturm 1240 wurde sie von den Mongolen erobert, die aber die Festung nicht zerstörten.

Seit 1288 war sie Sitz der orthodoxen Bischöfe von Luzk.

Großfürstentum Litauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1321 starb mit Georg, Sohn des Lew, der letzte Adlige der Gründungslinie in der Schlacht am Irpen gegen Gediminas, Großfürst von Litauen. Dieser verleibte Festung und Stadt seinem Reich ein. 1340 wurde mit dem Bau der Liubartas-Burg begonnen. 1349 wurde die Stadt von Truppen des polnischen Königs Kasimirs des Großen für kurze Zeit erobert, sie fiel aber bereits kurze Zeit später wieder an Litauen. 1375 wurde das römisch-katholische Bistum Łuck errichtet.

Unter den Litauern nahm die Stadt einen Aufschwung. Fürst Witold warb Kolonisten für Luzk an (überwiegend Juden, Tataren, Armenier und Karaimen).

1429 fand auf Einladung des polnischen Königs Władysław II. Jagiełło und Vytautas, Großfürst von Litauen, in der Stadt eine Versammlung europäischer Herrscher statt, welche die Bedrohung durch das Osmanische Reich zum Thema hatte. Unter den Eingeladenen befanden sich der deutsche Kaiser Sigismund, der russische Großfürst Wassili II., der dänische König Erich von Pommern, der Großmeister des Schwertbrüderordens Zisse von Rutenberg, der pommersche Herzog Kasimir V., Dan III., Herrscher der Walachei, zwei tatarische Chane und weitere deutsche Fürsten.

Königreich Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod von Švitrigaila, dem jüngsten Bruder von Władysław Jagiełło, im Jahr 1452 wurde Wolynien ein Lehnswesen der polnischen Krone. Die Stadt wurde Sitz eines polnischen Woiwoden, die sich später Marschalle des Landes Wolhynien nannten. Im gleichen Jahr erhielt Łuck das Magdeburger Stadtrecht.

Ende des 15. Jh. besaß die Stadt 19 orthodoxe und zwei römisch-katholische Kirchen. Daher trug sie damals auch den Spitznamen Wolhynisches Rom.

1569 kam Łuck nach der Union von Lublin unter direkte polnische Herrschaft und wurde Hauptstadt der Woiwodschaft Wolhynien und des Łucker Powiats. 1596 trat der orthodoxe Bischof Kyrill Terlecki mit der Eparchie Łuck zur neuen unierten griechisch-katholischen Kirche bei. Die orthodoxe Bruderschaft der Stadt vertrat seit 1617 als einzige die Interessen der Orthodoxie. Sie betrieb ein Hospital, eine Schule und eine Druckerei.

Die Stadt wuchs weiter an und zählte in der Mitte des 17. Jahrhunderts etwa 50.000 Einwohner. Beim Kosaken-Aufstand unter Bohdan Chmelnyzkyj wurde 1648 die Stadt von Truppen des Obersten Kolodko geplündert und teilweise niedergebrannt. Hierbei wurden knapp 4.000 Menschen getötet, etwa 35.000 flohen. Von diesem Ereignis hat sich der Ort lange nicht erholen können.

1781 zerstörte ein Feuer 440 Häuser, beide Kathedralen und zahlreiche weitere Kirchen.

Russisches Kaiserreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kathedrale im 19. Jahrhundert

Im Zuge der Dritten Teilung Polens wurde Luzk 1795 von Russland annektiert. Die Woiwodschaft wurde aufgelöst. Luzk war nicht mehr Provinzhauptstadt, sondern wurde von Schytomyr aus regiert. Nach dem Novemberaufstand wurde die Russifizierungsbemühungen in der Stadt verstärkt, wodurch Russisch das Polnische als dominierende Verkehrssprache ablöste. Griechisch-katholische Kirchen wurden in russisch-orthodoxe umgewandelt. 1845 ereignete sich in der Stadt erneut ein Großbrand, der Abwanderungen zur Folge hatte.

1850 wurden drei große Festungen um Luzk gebaut und die Stadt wurde in Michailogorod umbenannt. Bei der ersten gesamtrussischen Volkszählung von 1897 wurde eine Einwohnerzahl von 15.804 festgestellt.[2]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Ersten Weltkrieges wurde die Stadt am 29. August 1915 von der österreichisch-ungarischen Armee besetzt, wobei es zu leichten Zerstörungen kam. In der einjährigen Besatzungszeit hatte die 4. Armee unter dem Erzherzog Joseph Ferdinand hier ihr Hauptquartier. Aufgrund von Problemen bei der Nahrungsmittelversorgung brach in dieser Zeit eine Typhusepidemie aus.

Am 7. Juni 1916 wurde Luzk im Verlauf der Brussilow-Offensive nach einem dreitägigen Artilleriebombardement von der russischen Armee zurückerobert. In der Folge des Friedens von Brest-Litowsk wurde Luzk am 7. Februar 1918 von den Deutschen besetzt, die es am 22. Februar 1918 an die Truppen von Symon Petljura übergaben.

Zweite Polnische Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. Mai 1919 wurde Luzk von polnischen Truppen unter General Aleksander Karnicki erobert.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam Luzk zu Polen und wurde erneut Hauptstadt einer Woiwodschaft Wolhynien. Der bereits seit 1890 bestehende Eisenbahnanschluss von Kiwerzi wurde um die Strecke nach Lemberg erweitert. Während der Zugehörigkeit zu Polen entwickelte sich die Industrie in der Stadt. Luzk wurde Garnison des 13. leichten Artillerieregiments.

Am 1. Januar 1939 lebten in Luzk 39.000 Einwohner, darunter 17.500 Juden und 13.500 Polen. Die Umgebung war dagegen mehrheitlich von Ukrainern bewohnt. So wohnten im Powiat 316.970 Einwohner, wovon 59 % Ukrainer, 19,5 % Polen und 14 % Juden waren. Weiterhin lebten dort etwa 23.000 Tschechen sowie Wolhyniendeutsche in 42 Kolonien.

Ukrainische SSR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1939 wurde Luzk von der Roten Armee erobert. Viele Fabriken wurden abgebaut (inklusive einer seit 1938 in Bau befindlichen Radiostation) und in die Sowjetunion transferiert. Etwa 10.000 Einwohner, überwiegend Polen, wurden in Lager deportiert oder vom NKWD inhaftiert.

Deutsche Besatzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Juni 1941 – kurz nach Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges – nahm die deutsche Wehrmacht Luzk ein. Siehe hierzu Panzerschlacht bei Dubno-Luzk-Riwne.

In der Burg fanden die Deutschen Opfer eines Massakers des NKWD vor. Daraufhin kam es zu einem ersten, von den Deutschen begünstigten Pogrom ukrainischer Nationalisten gegen die jüdischen Einwohner der Stadt. Am 2. Juli 1941 erschoss dann das Sonderkommando 4a der Einsatzgruppe C unter Führung von Paul Blobel und mit Tatbeteiligung eines Zuges Ordnungspolizei und eines Zuges Wehrmacht-Infanterie 1.160 Juden.[3] Die verbliebenen jüdischen Bewohner der Stadt wurden in ein Ghetto umgesiedelt und später beim in der Nähe der Stadt gelegenen Polankahügel ermordet.

1943 und 1944 verübten ukrainische Nationalisten der OUN-UPA, zum Teil unter Beteiligung ukrainischer "Selbstschutzgruppen", an der polnischen Bevölkerung der Westukraine Massaker, mit dem Ziel, diese Gebiete "ethnisch rein" zu machen.[4] Im Zuge dieser wurde der überwiegende Teil der polnischen Einwohner ermordet oder vertrieben (vgl. dazu auch Polnisch-Ukrainischer Konflikt in Wolhynien und Ostgalizien).

Ukrainische SSR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der 1944 wiedererrichteten sowjetischen Herrschaft wurde die Stadt zu einem Industriezentrum.

Ukraine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der ukrainischen Unabhängigkeit wurde die Stadt 1991 Teil der Ukraine.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
1650 1897 1939 1979 1989 2001 2005 2011 2015
50.000 15.804[2] 39.000 137.344[5] 197.724[5] 208.816[5] 202.915[1] 211.783[5] 217.103[1]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sakralbauten

Dreifaltigkeitskathedrale (orthodox)
Kathedrale St. Peter und Paul (römisch-katholisch)
Lutherkirche (protestantisch)

Profanbauten

Burgturm

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luzk hat vierzehn Partnerstädte[6]:

Stadt Land seit
Białystok PolenPolen Polen 2013
Brest WeissrusslandWeißrussland Weißrussland 2003
Chełm PolenPolen Polen 2014
Gori GeorgienGeorgien Georgien 2008
Kaunas LitauenLitauen Litauen 2013
Kyjov TschechienTschechien Tschechien 2013
Lublin PolenPolen Polen 1996
Olsztyn PolenPolen Polen 1997
Patras GriechenlandGriechenland Griechenland 2013
Rzeszów PolenPolen Polen 1991
Toruń PolenPolen Polen 2008
Trakai LitauenLitauen Litauen 2009
Xiangtan China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 2003
Zamość PolenPolen Polen 2005

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der industrielle Schwerpunkt der Stadt liegt auf dem Maschinenbau (u. a. Automobilbau) und der Leichtindustrie. An Hochschulen verfügt der Ort u. a. über eine staatliche Universität und eine industrielle Hochschule.

Luzk liegt am Schnittpunkt der Europastraße 85 (ukrainische Klassifizierung: M 19) mit der N 22 und an der Eisenbahnlinie Lemberg–Luzk–Kiwerzi. Im 14 km nordöstlich der Stadt gelegenen Kiwerzi besteht Anbindung an die Strecke Kowel–Riwne–Kiew. Täglich verkehrt ein durchgehender Schlafwagen zwischen Berlin und Kiew.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1981 wurde am südlichen Stadtrand eine Wälzlagerfabrik gebaut und 1997 von SKF übernommen.[7] Dort werden, vorwiegend mit deutschen Maschinen, Wälzlager mit Außendurchmesser von 45 mm bis 320 mm gefertigt. Es besteht eine enge Kooperation zum Werk in Lüchow, außerdem wurde 2009 eine Fertigungslinie von Schweinfurt hierher verlagert.

Die deutsche Firma Kromberg & Schubert führt in der Nähe von Luzk seit 2006 ein Werk zur Montage von PKW-Kabelbäumen. Ebenfalls in der Automobilbranche arbeitet das Luzker Automobilwerk (LuAZ), das beispielsweise das Amphibienfahrzeug LuAZ-967 fertigte, sowie den Bus BOGDAN, der in der Ukraine zu den meist genutzten Bussen gehört.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Luzk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c [1] auf pop-stat.mashke.org
  2. a b Volkszählungsergebnisse 1897 (russisch)
  3. VEJ 7/27.
  4. Franziska Bruder: Den ukrainischen Staat erkämpfen oder sterben! Die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) 1929–1948. Berlin: Metropol Verlag, 2007, S. 206 ff.
  5. a b c d Bevölkerungsentwicklung auf Citypopulation.de
  6. Partner-Cities. Abgerufen am 2. Dezember 2014.
  7. http://investors.skf.com/skf-a-global-story/9-the-era-of-globalization/eastern-europe-a-new-old-market.php