Otto Bayard

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Otto Bayard (* 1881 in Leuk; † 10. Juli 1957 in St. Niklaus) war Arzt in St. Niklaus, Wissenschaftler und Autor. Er ist der Vater der Jodprophylaxe bzw. der richtig dosierten Beimischung von Jodkali zum Kochsalz zur Behandlung von Jodmangel-Erscheinungen.

Lehrjahre, Arzt und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch der Gymnasien in Sarnen, Saint-Maurice und Sitten studierte Otto Bayard Medizin in Zürich und Freiburg im Breisgau. Das Thema der Dissertation aus dem Jahr 1908 trägt den Titel «Die Ophthalmoreaktion nach Calmette bei Kindern mit Berücksichtigung der übrigen spezifischen Reaktionen auf Tuberkulose». 1908 doktorierte er an der Universität Zürich. Dr. med. Otto Bayard wirkte als Allgemeinpraktiker, zuerst in Zermatt, dann in St. Niklaus und Grächen. Während 35 Jahren befanden sich die Praxis und Wohnung vis-à-vie dem Bergführermuseum in der obersten Etage des Hotels Lochmatter in St. Niklaus Dorf, das 1886 vom Bergführer Alexander Lochmatter (1837–1917) eröffnet wurde.

Otto Bayard war der Vater vierer Töchter. Die Kinderärztin Dr. med. Elsa de Chastonay (1918–2007), Tochter von Otto Bayard und Gattin von Doktor Jean-Louis de Chastonay war die erste Frau, die im Spital von Siders 1951 als Abteilungsleiterin in der Pädiatrie angestellt wurde. Mit der wissenschaftlichen Arbeit über das Thema «Normalwerte der Reticulocyten im Kindesalter» erlangte sie im Jahre 1951 an der Universität Zürich den Doktortitel. Von 1955 bis 1963 hat sie in der Clinique Sainte-Claire Kinderkrankenschwestern unterrichtet.

Wissenschaftler und Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1811 entdeckte Bernard Courtois bei der Untersuchung und Veraschung von Braunalgen der Gattung Laminaria aus der Nordsee das Element Jod. Im Jahre 1895 isolierte Eugen Baumann Jod in der Schilddrüse und charakterisierte es als deren wirksamer Bestandteil. Ab 1918 führte Dr. med. Otto Bayard in den Gemeinden seines Praxisgebietes des Nikolaitals ein durch eine richtig dosierte Beimischung von Jodkali zum Kochsalz jodiertes Salz ein und zeigte, dass sich damit die Kröpfe ohne unerwünschte Wirkungen erfolgreich behandeln lassen. 1919 veröffentlichte Benno Schwabe die Resultate der Versuchsreihe von Dr. med. Otto Bayard unter dem Titel «Beiträge zur Schilddrüsenfrage»[1]. Hierfür sind sämtliche Schulkinder von Grächen untersucht worden, von denen die Kinder von fünf Familien ausgewählt und während fünf Monaten behandelt wurden.

Im Jahre 1920 dehnte Bayard die Behandlung auf Grächen und Törbel aus, die nach sechs Monaten das Resultat der Versuchsreihe aus dem Jahre 1918 bestätigte[2]. Explizit am 5. November 1920 teilte Bayard das Ergebnis dem Bundesamt für Gesundheit in Bern in einem diesbezüglichen Schreiben mit[3]. In Grächen führte Bayard die Behandlung für weitere zwölf Monate weiter. Im Jahr 1923 publizierte er seine Forschungsergebnisse in der Schweizerischen Medizinischen Wochenschrift unter dem Titel «Über das Kropfproblem»[4].

Darauf aufbauend empfahl die im Jahre 1922 durch das Bundesamt für Gesundheit gegründete Schweizerische Kropfkommission der Bevölkerung und den fünfundzwanzig kantonalen Behörden den Gebrauch jodhaltigen Kochsalzes, wobei sie auf Basis dieser empirischen Studien die Menge des Jodkalizusatzes zum Kochsalz bestimmte. Die in den folgenden Jahren gesamtschweizerisch durchgesetzte Einführung einer strukturierten Jodprophylaxe nach Bayard hatte weltweiten Pioniercharakter.

Auf Empfehlung von Professor Dr. Ernst Wilczek (1867–1948) und Dr. Peter Dufour fand Bayard im Jahre 1923 Aufnahme in die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft, aus der 1929/1930 austrat. Auch im Bereich der Gesundheitspflege legte Bayard von 1936 bis 1950 mehrere Publikationen auf[5].

Weitere medizinische Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Über das Wesen der Gebärparese, Orell Füssli, Zürich 1916.
  • Gesundheitspflege, Bundesstaatliche Regierungsveröffentlichung, Brig.
  • Beiträge zur Krebsfrage, Seiten 193–208 in Oncologia (Zeitschrift für Erforschung, Bekämpfung, Behandlung und Soziologie der Krebskrankheit), Vol. 2, Nr. 4, 1949, Herausgeber H.R.Schinz Zürich
  • Über Kretinismus, Seiten 51–74 im Walliser Jahrbuch, 46, Visp 1977
  • Gesundheitspflege: für Schule und Haus, Editions VP, Sitten 1997.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dr. med. Otto Bayard: Beträge zur Schilddrüsenfrage (43 Seiten mit drei Tafeln), Benno Schwabe, Basel 1919
  2. Professor Dr. Leopold Arzt: Dritte Österreichische Ärztetagung Salzburg 5. bis 7. September 1949, Tagungsbericht, Springer-Verlag, Wien 1950, Seite 44 f. und H.J. Wespi-Eggenberger: Die Prophylaxe des endemischen Kropfes, Springer-Verlag, Wien 1950, Seite 4
  3. Brief vom 5. November 1920 Dr. med. Otto Bayards von St. Niklaus an das Eidgenössische Departement des Innern in Bern
  4. Magda Whitrow: Julius Wagner-Jauregg (1857–1940), aus dem Englischen übersetzt von Mag. Iris Theyer, Facultas, Wien 2001, Seite 215 und Otto Bayard: Über das Kropfproblem, Seiten 703-707 und 732-737 in Schweizerische Medizinische Wochenschrift, 53, Muttenz 1923
  5. «Gesundheitspflege: im Auftrag des Erziehungsdepartementes des Kantons Wallis» 1936 (St. Niklaus, Eigenverlag) und 1940 (Brig, Tscherrig, Tröndle & Co), «Gesundheitspflege: für Schule und Haus» 1938 (St. Niklaus, Eigenverlag), 1940 (St. Niklaus, Eigenverlag), 1945 (St. Niklaus, Eigenverlag, 71 Seiten mit 21 Abbildungen) und 1950 (Bern)