St. Niklaus VS

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VS ist das Kürzel für den Kanton Wallis in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens St. Niklaus zu vermeiden.
St. Niklaus
Wappen von St. Niklaus
Staat: Schweiz
Kanton: Wallis (VS)
Bezirk: Visp
BFS-Nr.: 6292i1f3f4
Postleitzahl: 3924
Koordinaten: 628127 / 113981Koordinaten: 46° 10′ 36″ N, 7° 48′ 10″ O; CH1903: 628127 / 113981
Höhe: 1'120 m ü. M.
Fläche: 89,37 km²
Einwohner: 2290 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 26 Einw. pro km²
Website: www.st-niklaus.ch
St. Niklaus Dorf mit Kirche und Kirchturm von Süden her gesehen. Im Hintergrund von links Embd, Törbel und Berner Alpen.

St. Niklaus Dorf mit Kirche und Kirchturm von Süden her gesehen. Im Hintergrund von links Embd, Törbel und Berner Alpen.

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St. Niklaus (walliserdeutsch Zaniglas [ˌtsaniˈglaːs][2] oder Saniglas [ˌsaniˈglaːs][3][4], französisch Saint-Nicolas) ist eine Munizipalgemeinde im Bezirk Visp im Schweizer Kanton Wallis. St. Niklaus ist der Hauptort des Nikolaitals (auch Mattertal genannt). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war St. Niklaus ein Zentrum des Bergsteigens in den Alpen und das Zentrum des Bergführerwesens.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde St. Niklaus liegt im Nikolaital, das von insgesamt 36 Hauptgipfeln der Viertausender der Alpen umrahmt wird, am Fusse der Weisshorngruppe mit dem Hauptgipfel Weisshorn (4'505 m ü. M.) und der Mischabel mit dem Hauptgipfel Dom (4'545 m ü. M.). Sie ist eine Streusiedlung und besteht aus drei Dorfsiedlungen

  • St. Niklaus Dorf (1'120 m ü. M.),
  • Gasenried / Ried (1'659 m ü. M.) und
  • Herbriggen (1'260 m ü. M.),
  • 29 ständig bewohnten Weilern,
    • zum Beispiel Riedmatten (1'080 m ü. M.) und
    • Lochmatten (1'070 m ü. M.), sowie
  • der noch bewirtschafteten Alp Jungen (1'960 m ü. M.).

Sie gilt mit einer Längenausdehnung von 7,5 km als längstes Dorf im Oberwallis. Die nördlichste, ständig bewohnte Siedlung ist der Weiler Rittinen (1'455 m ü. M.), die südlichste der Weiler Breitmatten (1'280 m ü. M.), die tiefstgelegene der Weiler Steg (1'060 m ü. M.), die höchstgelegene das Dorf Gasenried (1'659 m ü. M.). Von den rund 9'000 ha Gemeindefläche sind gerade 4'000 ha produktive Fläche.

Die Alp Jungen oberhalb St. Niklaus Dorf, linke Talseite.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quarzitplatten aus dem Nikolaital (hier aus den Quarzitplattenbrüchen Lochmatter in St. Niklaus VS). Die aus dem Felsverband gelösten Quarzitblöcke wurden in Handarbeit in diese Platten aufgespalten, wobei die sichtbaren Oberflächen der Platten nicht bearbeitet sind

Auf der linken Talseite am nördlichen Ende der heutigen Gemeinde St. Niklaus wurde kommerziell auf etwa 1'300 Meter der St. Niklauser Quarzit von bis zu 600 Meter langen Stollen aus dem Berg gebrochen.[5] Hierbei ist eine rund 40 Grad von Osten nach Westen abfallende Schicht von 2 bis 3 Meter Höhe eines aus sedimentärem Vorgängergestein durch tektonische Einflüsse hervorgegangenen Umwandlungsgestein vorzufinden. Es handelt sich um einen grünlichen Quarzit als Folge der Beimischung von Serizit, wobei Kaliglimmer dem Stein einen schimmernden Glanz auf dessen Oberfläche geben.

Was den St. Niklauser Quarzit einzigartig macht, sind die beiden folgenden Eigenschaften zusammen: dessen grüne Farbe und dessen gute Spaltbarkeit.

Zudem zählen die Quarzitplattenbrüche der Gemeinde St. Niklaus zu den wenigen europäischen Steinbrüchen ohne Strassenerschliessung.

Schliesslich sind die Gebäude im Kern von St. Niklaus Dorf einheitlich mit den einheimischen Quarzitplatten gedeckt.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Name der Gemeinde geht auf den Schutzheiligen des Ortes und der Pfarrkirche zurück, Nikolaus von Myra. Die Kirche wird 1272 als ecclesia Sancti Nicholai de Chouson, Gebreitun de Gazun erwähnt.

Dieser ältere frankoprovenzalische Name für den Ort erscheint erstmals 1233 anlässlich der Nennung von Waltherus de Chousun. In den folgenden Jahrhunderten findet er sich in verschiedenen Varianten wie Chosun, Gauson, Zauxon, Gason, Schouson noch bis 1674 regelmässig bezeugt. Heute lebt er weiter im Namen des oberhalb von St. Niklaus Dorf gelegenen Weilers Gasenried. Möglicherweise liegt ihm der lateinische Personennamen Calidius zugrunde; der Ortsname würde damit auf einen einstigen Landbesitzer zurückgehen.[4]

Archäologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahe unter der Balmulägni auf dem Weg nach Jungen und in den Irmenzen (1'140 m ü. M.) wurden interessante Funde des Mesolithikums gemacht. Sowohl Gräber und Feuerstellen konnten nachgewiesen werden, aber auch ein Steinteller mit Löffeln und ein sehr schön erhaltenes Steinbeil, das eine Länge von 35 cm hat, wurden gefunden.[6] 1891 wurden in den Lochmatten auf einer Höhe von 1'098 m ü. M. zwanzig Steinplattengräber aus dem Neolithikum entdeckt. Unter einer der Steinplatten konnte sogar ein Grab geöffnet werden, das einen Steinbecher von 6 cm Höhe und zwei Armbänder enthielt.[7][8] Am 20. Juli 1971 stiess man bei den Aushubarbeiten für die Fundamente eines in den Gerstern (1'083 m ü. M.) erstellten Hauses auf eine Grabstätte, welche Armspangen und andere Schmuckstücke enthielt. Vom Schweizerischen Landesmuseum wurden die Fundstücke als der alten Rhonekultur entstammend bezeichnet. Übereinstimmend wurde von den Experten in Sitten und Zürich erklärt, dass dieses Grab auf das erste Jahrtausend vor Christus zurückgeht.[9]

Dass die Süd-Nord-Handelsroute, die durch St. Niklaus geht, auch schon vor Tausenden von Jahren benutzt wurde, beweisen verschiedene Funde. Bei der steinzeitlichen Siedlung in den Irmenzen in Richtung Jungen und Augstbordpass (2'893 m ü. M.) trifft man auch auf die Bicki-Technik der gestellten Steine, die für alte Verbindungswege von besonderer Bedeutung war. Im August 2003 wurde auf dem Weg nach Jungen auf einer Höhe von rund 1'440 m ü. M. eine beidseitig gearbeitete Pfeilspitze aus Bergkristall entdeckt, die eine Datierung in die erste Hälfte des dritten Jahrtausends v. Chr. zulässt. Die gestielte Pfeilspitze wiegt 1,66 g, misst in der Höhe 2,4 cm und in der Breite 1,9 cm. Sie ist nicht vollständig erhalten. Die Spitze fehlt, eine Flügelspitze ist abgebrochen und die zweite etwas angestossen. Ebenso der Stiel ist beschädigt.[10] Bei den Renovationsarbeiten der Kapelle von Jungen auf 1'960 m ü. M. wurden Tierknochen gefunden, die auf eine mesolithische Besiedlung schliessen lassen.[11]

Im weiteren Verlauf fand dieser Handelsweg Zulauf durch Kranke und Gebrechliche, die an der nahe gelegenen Heilquelle, dem Goldenen Brunnen, ihre Leiden zu lindern suchten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familienwappen der von Riedmatten, Hildebrand von Riedmatten (um 1530–1604), Bischof von Sitten von 1565–1604, 1594 Reichsversammlung im Regensburger Rathaus
Versicherung gegen Feuerschaden der Gemeinde St. Niklaus vom 30. Juni 1894 bis 10. Juli 1904.

Mit zunehmenden Zerfall des Römischen Reiches in der zweiten Hälfte des 4. und der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts nahmen der Bischof von Sitten und der Pfarrer von St. Niklaus bald eine Position ein, die bis anhin – als Zentralgewalt und Reichsstruktur noch intakt waren – Angehörige der Munizipal- und Staatsverwaltung innegehabt hatten. Das ehemalige Wappen von St. Niklaus, welches auf der Stubenbinde des alten Gemeindehauses gefunden wurde, stellt in zwei diagonal gegenüberliegenden roten Feldern zwei kongruente Mitras und in den beiden anderen grünen Bereichen zwei gleiche Bücher mit je drei Kugeln dar. Dies waren sicherlich Zeichen dafür, dass die Macht im Tal in den Händen der Kirche von St. Niklaus bzw. des Bischofs von Sitten lag. Die Mitra steht als Zeichen für den Bischof und das Buch mit drei Kugeln als Zeichen für Nikolaus von Myra, der sowohl der Schutzpatron des Nikolaitals als auch der heutigen Pfarrei St. Niklaus ist. Sodann wird St. Niklaus als bischöfliches Meiertum unter dem Namen Chouson im Jahr 1218 in einer ersten noch erhaltenen Urkunde zitiert. Zwischen 1218 und 1257 wird in alten Schriften der Meier Anselm von St. Niklaus bzw. von Chouson mehrmals erwähnt.[12]

Im Mittelalter war das Gebiet der heutigen Gemeinde auf fünf verschiedene Verwaltungseinheiten aufgeteilt, nämlich:

  • Dorf / Dorfmark,
  • Jungen,
  • Matt (oder Mad),
  • Wichel und
  • Gasenried / Ried.

Bis aufs Mittelalter zurück kann auch nachgewiesen werden, dass die Kommune Dorfmark Hauptort der Talschaft ist.[13] Was die Gemeinde Jungen auf 1'960 m ü. M. betrifft, kann gesagt werden, dass es im Alpengebiet bis zum Einbruch der Kleinen Eiszeit ganzjährig bewohnte Siedlungen bis in Höhenlagen um 2'200 m ü. M. gab.

Im Jahre 1361 kam es zu einem Aufruhr gegen Bischof Witschard Tavelli (Guichard Tavel). St. Niklaus wurde zur Strafe mit dem Kirchenbann belegt, von dem es 1362 wieder befreit wurde. 1435 erhielten die Zenden vom Bischof das Recht, ihre Meier und Kastläne (Richter) selbst zu ernennen.[14] Der Meier wurde durch die Dorfschaften auf befristete Zeit gewählt. Die Aufgaben und Pflichten des gewählten Meiers können im grossen und ganzen mit jenen eines heutigen Gemeindepräsidenten verglichen werden. Zwei grosse Meier von St. Niklaus waren Georg Majoris und Thomas von Schallen. Georg Majoris brachte es in den Jahren 1494–1495 und 1499–1501 zweimal bis zum Walliser Landeshauptmann.[15] Er präsidierte am 6. Dezember 1499 den Landrat in der Walliser Hauptstadt, der die päpstliche Ernennung des Matthäus Schiner zum Bischof von Sitten annahm. Georg Majoris war seinerzeit einer der mächtigsten Männer des Oberwallis.[16] Thomas von Schallen hat in jungen Jahren als Meier von St. Niklaus seine erfolgreiche Laufbahn begonnen. Mehrfach war Thomas von Schallen auch Landratsabgeordneter des Zenden Visp in Sitten. Er nahm am 21. März 1524 als Vertreter für das Wallis an einer eidgenössischen Tagsatzung in Luzern teil, dem ersten gemeinsamen Staatsorgan der eidgenössischen Orte, die halb Gesandtenkongress halb oberster Föderationsrat war. Auch zog er im Solde Frankreichs über die Alpen. In späteren Jahren wurde er Grosskastlan der Walliser Hauptstadt.

Seit 1618 waren St. Niklaus und sein Tal selbständig. Bis zur Französischen Revolution im Jahre 1789 war St. Niklaus mit Zermatt zusammen ein Viertel des Zenden Visp und stellte turnusgemäss auch die höchsten Magistraten, den Kastlan, den Bannerherrn oder den Zendenhauptmann. Die Meier vertraten St. Niklaus zudem im parlamentarischen Zendenrat in Visp und im Walliser Landrat in Sitten. Peter Josef Imboden (1763-1858) war 1798 der letzte Meier von St. Niklaus.[17] Im Franzosenkrieg starben im Jahre 1798 und 1799 zweiundzwanzig Zaniglaser.[18]

Bis 1865 war die heutige Kommune St. Niklaus in vier verschiedene Verwaltungseinheiten gegliedert:[19]

  • Dorfmark / Dorfmatt, das das Gebiet des heutigen Dorfes St. Niklaus mit Jungen umfasste (südliche Begrenzung: Spisszug und Stockschleif),
  • äussere Matt (die heutigen Weiler Biffig, Ballacker, Balmatten, Schwiedernen, Stahlen und Stock),
  • innere Matt (das heutige Dorf Herbriggen sowie die Weiler Mattsand und Breitmatten) und
  • Gasen / Ried (das heutige Dorf Gasenried / Ried sowie die Weiler Rittinen und Wichel).

In den vier Sternen des heutigen Gemeindewappens ist dies verdeutlicht. Das Kleeblatt im Wappen deutet auf die Familie von Riedmatten,[20] die ihre Wurzeln in St. Niklaus im Weiler Riedmatten hat und die schon seit dem Ende des 13. Jahrhunderts genannt wird.[21] Sitten, Münster und St. Gingolph wurden mehrheitlich ihre späteren Wohnorte. Aus ihr gingen 6 Bischöfe, 20 Domherren, 16 Landvögte, 1 General, ferner Landes- und Zendenhauptmänner hervor. Die zweite Frau von Kaspar Stockalper (1609–1691), des Fuggers der Alpen, war Cäcilia von Riedmatten. Doch führen Linien der Familie von Riedmatten auch nach Wien sowie Paris und in die USA, nach Argentinien und Haiti.

Im Jahre 1866 vereinigten sich die zwei bis zu diesem Zeitpunkt noch selbständigen Gemeinden St. Niklaus Dorf (Dorfmark/Dorfmatt) und St. Niklaus Matt (äussere und innere Matt) zur neuen Gemeinde St. Niklaus. 1870 wurde die Gemeinde Gasenried (Gasen / Ried) mit St. Niklaus fusioniert.

Am 26. August 1890 fuhr der erste Zug von Visp bis nach St. Niklaus. Über das Jahresende 1927/1928 erreichte die Visp-Zermatt-Bahn (VZ) St. Niklaus zum ersten Mal während der Winterzeit. Gäste wurden mit Pferdeschlitten weiter nach Zermatt gebracht.[22] Vom November 1928 bis Mai 1929 verkehrte ein Zugspaar erstmals fahrplanmässig zwischen Visp und St. Niklaus. Zudem fuhr vom 21. Dezember 1928 bis Ende Februar 1929 ein Sportzug von Visp über St. Niklaus bis nach Zermatt. Mit dem Abschluss der Schutzbauten Ende Oktober 1933 konnte die heutige Matterhorn-Gotthard-Bahn den ganzjährigen fahrplanmässigen Betrieb bis nach Zermatt aufnehmen, wie er bereits seit 1928 bis St. Niklaus bestand.

1937 wurde die Autostrasse bis St. Niklaus gebaut,[23] die sich im Gegensatz zum alten Saumweg nicht am linken sondern rechten Talhang des vorderen Nikolaitals entlang schlängelt. Da die Kantonshauptstrasse 213[24] im Jahre 1967 bis nach Herbriggen und dann zu den weiteren, südlicher im Nikolaital liegenden Gemeinden Randa, Täsch und Zermatt fertiggestellt wurde, war St. Niklaus über 30 Jahre, wie Täsch heutzutage, der Dreh- und Angelpunkt für Automobilisten. In St. Niklaus mussten die Autos parkiert werden.[25]

Die Bergführerdynastie von St. Niklaus (Zaniglas)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pioniere des Alpinismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Knubel (1832–1919)
Das stattliche Wohnhaus des Bergführers Alois Pollinger senior in St. Niklaus Dorf von der Dorfstrasse aus gesehen. Alois Pollinger war der Erfinder des Abseilens mit doppeltem Seil.

In der alpinen Literatur lesend, treffen wir immer wieder auf einen Namen: St. Niklaus. Der Lorbeerkranz für grosse und aussergewöhnliche Bergführer muss zweifellos dieser Oberwalliser Gemeinde im Nikolaital zuerkannt werden. St. Niklaus entwickelte sich dank

zum Zentrum der Bergsteigerschule in der Schweiz und zum Ausgangszentrum für anspruchsvolle Touren.

Josef Marie Lochmatter und Peter Knubel waren die ersten kundigen Matterhornführer und somit die Wegbereiter der heutigen touristischen Entwicklung im Nikolaital und insbesondere in Zermatt. Die beiden Freunde aus St. Niklaus wiederholten die Besteigungen auf das Matterhorn so oft, dass sie fast ausschliesslich ein Monopol für Matterhornbesteigungen innehatten. Peter Knubel hatte zudem als erster Schweizer Führer im Jahre 1874 einen Berg ausserhalb der Alpen bestiegen: im Kaukasus die Erstbesteigung des höchstens Gipfels Europas, des Elbrus (5642 m). Alois Pollinger war der Erfinder des Abseilens mit doppeltem Seil, denn er war der erste, der auf diese Art und Weise den ersten Abstieg über den Ferpèclegrat der Dent Blanche bewerkstelligte. Josef Imboden hatte als erster Schweizer im Jahre 1883 im Himalaja, dem höchsten und mächtigsten Gebirge der Erde, einen Berg erklommen, wobei er die Erstbesteigung des damals unbenannten Khanla Kang (6058 m) vollbrachte.[26]

Die Initiatoren der neuen Schule (ihre Söhne)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früh schon nahmen die Väter die Söhne auf ihre Touren mit. Aus deren Reihen kamen abermals die Bahnbrecher einer neuen Schule, die wieder einen Aufschwung des Bergsteigens zustande brachte, der bis in die dreissiger Jahre des 20. Jahrhunderts unerreicht blieb. Sie begnügten sich nicht mehr damit, einen hohen Gipfel zu besteigen, sondern wählten dazu immer schwierigere Routen. Die Zaniglaser Seilschaften

hatten in den Alpen praktisch alles bezwungen, was es damals zu besteigen gab. Die zweite Generation der Zaniglaser Bergführer stellten die ersten Skiführer und waren auch in Übersee die Pioniere.

Das Alpine Zentrum mit über 300 Erstbesteigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mount Sarbach in Kanada (3155 m)

Über 300 Erstbesteigungen gehen auf das Konto der Zaniglaser Bergführer, sowohl in der Schweiz als auch weit über die Landesgrenzen hinaus. Routen und Berge in der Schweiz, in Frankreich, in Norwegen und in Kanada sind von ihnen benannt worden oder tragen ihre Namen. Zu denken ist da u.a.

  • an den Viereselsgrat der Dent Blanche in den Walliser Alpen (Zinalgrat der Dent Blanche, so benannt nach einem Ausspruch von Alois Pollinger, nach der Erstbesteigung im Jahre 1882),
  • an das Lochmatter-Kamin der Aiguille du Grépon in den französischen Alpen (Erstroute eröffnet durch Josef Lochmatter im Jahre 1913),
  • an das Knubel-Kamin der Aiguille du Grépon in den französischen Alpen (Erstroute eröffnet durch Josef Knubel im Jahre 1911),
  • an den Imbodentind in Norwegen (Erstbesteigung durch Josef Imboden im Jahre 1899),
  • an den Mount Pollinger und Mount Sarbach in Kanada.

In gleicher Weise sei den Ehefrauen ein Kränzlein gewunden, die mit ihrer Kooperation und Ausdauer den Grundstein für das Alpine Zentrum gelegt hatten. Bis heute starben 21 Zaniglaser Bergführer eines gewaltsamen Todes. Für ihre Frauen und Kinder bedeuteten diese Berufsunfälle folgenschwere Schicksalsschläge.

Das Bergführerdenkmal und das erste Bergführermuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In neueren Schriften aber wurde dieses wichtige Kapitel Alpinismus immer mehr übergangen. Viele wertvolle Zeugnisse aus dieser Zeit sind verloren gegangen oder wurden zerstört. Folglich wurde am Pfingstsonntag, dem 4. Juli 1995, ein Denkmal für alle Bergführer von St. Niklaus eingeweiht. Dieses steinerne Monument nimmt auch Bezug auf die oben beschriebenen geschichtlichen Tatsachen. In 2000 wird zudem in St. Niklaus Dorf im historischen Meierturm ein Bergführermuseum eröffnet, das weltweit das erste seiner Art ist.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Exekutive, der Gemeinderat, besteht aus sieben Mitgliedern. Gemeindepräsidentin ist Gaby Fux-Brantschen (CVP,[27] Stand 1. November 2015).

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Niklaus beheimatet den Industriebetrieb Scintilla AG, eine Tochtergesellschaft der Robert Bosch GmbH.[28] In diesem Betrieb stellen die heute 600 Arbeitnehmenden (550 fest angestellt und 50 temporär) Zubehör für Elektrogeräte her, wobei St. Niklaus u.a. weltweiter Branchenleader in der Herstellung von Stichsägeblättern ist. In 60 Jahren der Stichsäge-Produktion des Werkes St. Niklaus VS konnte im Jahre 2007 das viermilliardste Sägeblatt hergestellt werden.[29]

Im tertiären Sektor ist durch den Zusammenschluss der Raiffeisenbanken St. Niklaus, Grächen (1993), Randa (1997), Täsch (1998), Zermatt (1999), Embd (2000), Vispertal (Stalden, Staldenried, Törbel und Eisten 2005), Saas-Grund (2005) und Saas-Fee (2005) die grösste Raiffeisenbank des Kantons Wallis mit Hauptsitz in St. Niklaus VS und mit einer Bilanzsumme von über einer Milliarde Schweizer Franken unter dem neuen Namen Raiffeisenbank Mischabel-Matterhorn entstanden. Die Darlehenskasse St. Niklaus System Raiffeisen wurde im Jahre 1907 gegründet und ist somit die älteste Kasse dieser Art im Kanton Wallis.

Im Sog des grossen Industriebetriebes der Scintilla AG als auch durch die Nähe der Tourismusstationen Grächen und Zermatt ist in der Gemeinde St. Niklaus ein gesundes Kleingewerbe herangewachsen.

Am 25. Februar 2005 erteilten die Urversammlungen der Gemeinde Embd und am 12. März 2005 der Gemeinde St. Niklaus der EVN Energieversorgung Nikolai AG (EVN) die Konzession für die Stromversorgung auf deren Territorien. Bisher wurden diese beiden Gemeinden von der Walliser Elektrizitätsgesellschaft AG (WEG) mit Strom beliefert. Am 26. April 2005 wurde die EVN in der Burgerstube des Bergführermuseums in St. Niklaus Dorf gegründet und die Statuten genehmigt. An der Aktiengesellschaft mit Sitz in St. Niklaus sind die Gemeinde St. Niklaus mit 55 %, die Gemeinde Embd mit 10 % und die EnAlpin AG mit 35 % beteiligt.[30]

Am 2. Juli 2012 fand die Gründung der KW Jungbach AG statt, an der die Einwohnergemeinde St. Niklaus mit 51 % sowie die Aletsch AG, eine Tochtergesellschaft der EnAlpin AG, mit 49 % beteiligt sind. Deren Kraftwerk am Jungbach konnte am 29. April 2015 eingeweiht werden. Die Wasserfassung befinden sich im Jungtal auf einer Höhe von 2'360 m ü. M. und die vollständig unterirdische Zentrale auf 1'259 m ü. M., die die 2,8 km lange Druckleitung mit einem Durchmesser von 500 mm verbindet. Die Jahresproduktion von 14.3 Millionen Kilowattstunden deckt den jährlichen Stromverbrauch von 3'000 Haushalten ab.[31]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Augusttage 1864 in St. Niklaus.
Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege: Einzigartiges Beispiel einer Kragbalkenbrücke[32], die vom Weiler Eye über die Vispa nach St. Niklaus Dorf führte (Aufnahme um 1910).
Hausziegen auf und bei der Holzbrücke über den Jungbach des Wanderwegs von St. Niklaus Dorf auf die Alp Jungen (Jungerweg).
Seilbahn auf Jungen. Blick oberhalb Gafinu auf St. Niklaus und das hintere Nikolaital. Im Hintergrund von rechts Klein Matterhorn, Breithorn, Pollux und Castor. Häusergruppe rechts Sparren, darunter Teli.
Blick vom Höhenweg Moosalp–Jungen auf die Mischabel, von rechts Hohberghorn (4'219 m), im Hintergrund Dom (4'545 m), Stecknadelhorn (4'241 m), Nadelhorn (4'327 m) und im Hintergrund Lenzspitze (4'294 m).

St. Niklaus hatte grosse Bedeutung für den Tourismus (siehe oben unter «Die Bergführerdynastie von St. Niklaus (Zaniglas)») und ist insbesondere im Winter Ausgangspunkt zu den Orten Grächen, Zermatt und Saas-Fee.

Bordierhütte auf 2'886 m, noch vor der Renovation und dem Anbau im Jahre 2010.
Blick vom Gross Bigerhorn (3'626 m) auf Riedgletscher, Nadelgrat, Lenzspitze und Ulrichshorn, von rechts Dürrenhorn (4'035 m), Hohberghorn (4'219 m), Stecknadelhorn (4'241 m), Nadelhorn (4'327 m), im Hintergrund Lenzspitze (4'294 m), Windjoch (3'850 m) und Ulrichshorn (3'925 m).

Spazieren und Wandern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spaziergänge zu den insgesamt neun Kapellen auf dem Gebiet der Gemeinde St. Niklaus sind empfehlenswert, auch über den Kreuzweg zur Lourdes-Grotte im Weiler Stock gegen den Weiler Balacker hin ob den Grossen Steinen.

Das Netz der Wanderwege rund um die Gemeinde wird ständig ausgebaut:

Alpaufzug und Älplerfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeweils Anfang Sommer findet die Alpbelegung mit einer Messfeier in der Kapelle Jungen statt. Im Hochsommer ziehen dann die Älpler und die Tiere weiter ins Jungtal.

Auf der Alp Jungen findet seit dem Jahre 1980 alljährlich gegen Ende des Monats Juli oder Anfang des Monats August das Älplerfest statt, welches mit einem Feldgottesdienst beim Rastplatz Seewjinen (walliserdeutsch Seewjini) auf 1'998 m eröffnet wird, der sich unweit oberhalb der Endstation (1'990,5 m) der Personenseilbahn St. Niklaus Dorf – Jungen befindet. Bei diesem Rastplatz finden sich ein kleiner See, Feuerstellen und Holztische mit Bänken.

Naherholungszentrum, Bergsteigen und Klettern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Naherholungszentrum Schwiedernen (1'163 m) mit seinen Parkplätzen, Feuerstellen, Tischen und WCs ist idealer Ausgangspunkt für den Klettergarten Medji St. Niklaus VS.[34] Der Weiler Schwiedernen liegt zwei Kilometer südlich von St. Niklaus Dorf (1'120 m) auf der linken Seite der Vispa am Fusse des Wänguberg (2'219 m) bzw. von Walkerschmatt (2'139 m). Im Naherholungszentrum sind auch noch eine alte wasserbetriebene Gattersäge und eine restaurierte Getreidestockmühle mit Horizontalrad, darüber eine Backstube mit Backofen aus dem Jahre 1930 erhalten. Am nördlichen Ende des Naherholungszentrums führt eine Fussgängerbrücke über die Vispa, die im Jahre 2006 erneuert wurde, so dass der Weiler Balmatten (1'100 m) auf der rechten Seite der Vispa erreicht werden kann.

Die 26 Routen des Gneisrissklettergartens Medji St. Niklaus VS (1'480 m) sind bis 90 Meter lang und zwischen 6a und 7b schwierig, der sich oberhalb des Weilers Schwiedernen (walliserdeutsch Schwiedernu, 1'163 m) südlich von St. Niklaus Dorf befindet.

Von Jungen sind Berge wie das Sparrenhorn (2'988 m), Festihorn (3'092 m), Wasuhorn (3'343 m), Rothorn (3'278 m), Steitalhorn (3'164 m), Schwarzhorn (3'201 m), Dreizehntenhorn (3'052 m) und Augstbordhorn (2'971 m) erreichbar. Zwischen dem Steitalhorn und Schwarzhorn führt der Augstbordpass (2'893 m) hindurch.

Auf dem Gebiet der Gemeinde St. Niklaus befinden sich zwei hochalpine Schutzhütten:

Berglauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2002 findet im Juli der Zermatt Marathon bzw. der Gornergrat Zermatt Marathon statt, der der drittgrösste Bergmarathon der Schweiz ist und der von St. Niklaus Dorf (1'116 m) über Zermatt (1'616 m) auf den Riffelberg (2'585 m) und den Gornergrat (3'089 m) führt. Am 12. Mai 2005 wurde in St. Niklaus der Trägerverein des Zermatt Marathons gegründet.[36] Vorstands- und OK-Präsident ist der ehemalige Gemeindepräsident von St. Niklaus Steffan Truffer.

Mountainbike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • St. Niklaus Dorf – Tennjen (1'360 m) – Hellenen (1'523 m) – Schalbetten (1'683 m) – Flüewald – Biffig (1'272 m) – Schwiedernen (1'151 m) – Balmatten (1'100 m) – St. Niklaus Dorf (mittlerer Schwierigkeitsgrad: asphaltierte Strassen, Naturstrassen und gute Wege)[37]
  • St. Niklaus Dorf – Schwiedernen (1'163 m) – Mattsand – Herbriggen – Breitmatten – Randa – Täsch – Zermatt (schwerer Schwierigkeitsgrad: meist Naturstrassen und Wege)[38][39]
  • St. Niklaus Dorf – Kalpetran – Stalden – Visp (schwerer Schwierigkeitsgrad: meist Naturstrassen und Wege, die zwischen Kalpetran und Visp immer auf der linken Flussseite bleiben) [40]
  • St. Niklaus Dorf – Jungen (1'960 m)[41] – Moosalp (2'048 m) – Brand (1'595 m) – Unterbäch (1'193 m) – Turtig (635 m) – Visp (658 m) – Stalden (795 m) – Kalpetran (896 m) – St. Niklaus Dorf (extremer Schwierigkeitsgrad: steile Wege, mit Tragstrecken)
Der Kirchturm von St. Niklaus im Schweizer Kanton Wallis wird im Advent als Nikolausfigur dekoriert. Gemäß Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde handelt es sich dabei um die weltweit grösste Nikolaus-Figur.

Kultur / Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Jahr wird das über 250 Jahre alte Neujahrslied während der Neujahrszeit von den Mitgliedern des Neujahrsvereins in den Haushaltungen gesungen und musikalisch begleitet.

Seit 1949 und 1955 wird alle fünf Jahre am Pfingstwochenende die Heimattagung in St. Niklaus durchgeführt.

Seit 1998 steht im Dezember der grösste Nikolaus der Welt immer in St. Niklaus. Hierzu finden jeweils am 5. und 6. Dezember (Zaniglastag) der Nikolaus-Event und eine Messfeier zu Ehren des Schutzpatrons statt.

Weltweit grösste Nikolaus-Figur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kirchturm von St. Niklaus VS erhielt im Jahre 2000 einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde[42]. Während der Weihnachtszeit 1998 wurde der gesamte Kirchturm, der in der Höhe 36,80 Meter misst, unter dem Slogan der grösste Nikolaus der Welt im tiefstem Tal der Schweiz als Nikolaus eingekleidet, wobei die Zwiebelhaube als Kopf diente. Nikolaus ist sowohl der Schutzpatron des Nikolaitals als auch der Pfarrei St. Niklaus.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalterlicher Kirchturm der Kirche von St. Niklaus, der der grösste Zwiebelturm im Oberwallis ist und der in der Höhe 36,80 Meter misst.
Das ehemalige, 1640 erbaute Gemeindehaus von St. Niklaus.
  • Die Kirche St. Niklaus mit mittelalterlichen Zwiebelturm, der der grösste Zwiebelturm im Oberwallis ist.
  • Das 3,70 Meter hohe Bergführerdenkmal, das sich auf dem Kirchplatz befindet.
  • Der Meierturm mit Bergführermuseum, der 1273 erbaut wurde und der das älteste noch erhaltene Gebäude im Nikolaital ist. Das Bergführermuseum wurde im Jahre 2000 eröffnet und ist somit weltweit das erste.
  • Das ehemalige Hotel Kreuz / Croix, dessen erste noch erhaltene schriftliche Erwähnung auf das Jahr 1563 zurückgeht[43] und das somit das erste Hotel der Vispertäler (Nikolai- und Saastal) ist.
  • Das ehemalige Gemeindehaus, das gemäss Inschrift 1640 erbaut wurde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mitglieder der Familie von (de) Riedmatten (vgl. oben unter «Geschichte»). Der Familienname Riedmatten stammt vom Weiler Riedmatten in St. Niklaus VS ab.
  • Georg Majoris, Meier von St. Niklaus (vgl. oben unter «Geschichte»).
  • Thomas von Schallen, Meier von St. Niklaus (vgl. oben unter «Geschichte»).
  • Johann Peter Imboden (1686–1764), Priester in St. Niklaus von 1730 bis 1764, Dichter und Theaterregisseur. Er schrieb unter anderem mehrere populäre Theaterstücke, so auch sechs Tragödien, die er unter anderem auch in St. Niklaus aufführte.[44] Sein Werk bewertet Domherr Dr. Albert Carlen als eine wichtige dichterische Schöpfung.[45]
  • Josef Marie Lochmatter (1833–1882), Gründer und Stammhalter der bekannten St. Niklauser Bergführerdynastie. Der Familienname Lochmatter stammt vom Weiler Lochmatten in St. Niklaus ab.
  • Otto Bayard–Chanton (1881–1957), Arzt in St. Niklaus, der der Vater der richtig dosierten Beimischung von Jodkali zum Kochsalz ist.
  • Rudolf Bittel (1901–1977), Gemeindepräsident von St. Niklaus von 1944 bis 1960, Initiator der Ansiedlung der Industrie Scintilla AG in den Jahren 1946 bis 1947. Anlässlich des Jubiläums 50 Jahre Scintilla AG wurde das Andenken an Präsident Bittel durch ein Bronze-Relief beim Regionalschulhaus in St. Niklaus Dorf, dem Standort des ehemaligen Grand Hotels und der ersten Fertigungsstätte der Scintilla AG in St. Niklaus, geehrt.
  • Erwin Lochmatter (1911–1987), Bergführer und Unternehmer, der die St. Niklauser Quarzitsteinplatten über die Grenzen des Wallis hinaus bis nach Deutschland bekannt machte.
  • Ulrich Imboden (1911–1988), Bergführer und Unternehmer, der bis in die 1970er Jahre dessen Unternehmen zur grössten Schweizer Privatfirma des Baugewerbes ausbaute und als Pionier im Hochgebirgsbau gilt (Seilbahn Klein-Matterhorn auf 3'820 m ü. M. oberhalb Zermatt, Drehrestaurant Metro Alpin auf dem Mittelallalin auf 3'500 m ü. M. oberhalb Saas Fee usw.).
  • Karl Burgener (1918–1994), Priester in St. Niklaus von 1965 bis 1993, Komponist, Schriftsteller, Liedtexter, Chorleiter und Dirigent.
  • Hans Schock (* 1934), ehemaliger Direktor der Scintilla St. Niklaus VS, der das Unternehmen zwischen 1970 und 1996 zum weltweiten Branchenleader in der Herstellung von Stichsägeblättern führte. Er wurde 1969 Burger von St. Niklaus und erhielt im Jahre 2015 die Ehrenburgerschaft der Gemeinde St. Niklaus.
  • Jean-Paul Brigger (* 1957), ehemaliger Nationalspieler der Schweiz und Fussballtrainer. Zu seinen Ehren wurde einer der drei Sportplätze auf dem Gebiet der Gemeinde St. Niklaus nach ihm benannt (Sportplatz Jean-Paul Brigger, der sich unweit oberhalb des Bahnhofs St. Niklaus (1'126,7 m ü. M.) der Strecke der Brig-Visp-Zermatt-Bahn der Matterhorn-Gotthard-Bahn auf 1'142 m ü. M. befindet, Sportplatz Birchmatten (1'142 m ü. M.) und Sportplatz Herbriggen (1'236 m ü. M.)).

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Schule im Nikolaital stand in St. Niklaus. Wolf schreibt hierzu: Zu St. Niklaus eröffnete im Jahre 1509 Pfarrer Anton Platter eine Schule, welche nicht nur von seinem Vetter Thomas Platter, sondern auch von andern Knaben besucht wurde.[46]

Im Jahre 1626 befahl der Walliser Bischof Hildebrand Jost, dass in den Pfarrschulen auch die Mädchen unterrichtet werden. Der Schulunterricht wurde dann im Jahre 1828 für die sieben bis vierzehnjährigen Mädchen und Knaben für fünf Monate im Jahr obligatorisch erklärt.

1874 wurde bei der Kirche in St. Niklaus Dorf ein Schulgebäude erbaut. Vorher wurde der Unterricht in Hotelräumlichkeiten, in Privathäusern oder im Pfarrhaus abgehalten.

Einer der grossen Förderer der Sekundarschule im Wallis war Viktor Summermatter aus St. Niklaus. Die Gemeinde St. Niklaus hatte so schon ab 1949 ihre eigene Sekundarschule.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zwei noch erhaltenen Zinnkannen der Schützenzunft von Herbriggen aus dem 19. Jahrhundert.

Die Bürger der Gemeinde St. Niklaus zeichnen sich u. a. auch durch ein reges Vereinsleben aus. Gibt es doch in der Gemeinde 69 aktive Vereine (Stand 23. September 2015)[47]. Die ältesten Vereine von St. Niklaus sind die folgenden:

  • Der heute noch existierende Theaterverein Alpenrösli St. Niklaus VS wurde im Jahre 1934 gegründet. Möglicherweise hat vorher schon ein Theaterverein in St. Niklaus bestanden, da Johann Peter Imboden (1686–1764) im 18. Jahrhundert Theaterstücke in St. Niklaus aufführte.
  • Der älteste, heutzutage noch bestehende Verein von St. Niklaus ist der Neujahrsverein. Aus handschriftlichen Belegen der Bibliothek des Kollegiums Brig geht hervor, dass im Volksschauspiel Contrafei der edlen Jungfrau Walesia, verfasst von Johann und Augustin Steffen zu Viesch 1770 -1780, die Regieanweisung sagt, der Chorusabschluss des ersten Aktes solle im Ton wie ein glückseliges neues Jahr gesungen werden. Das St. Niklauser Neujahrslied wird also als bekannt vorausgesetzt. Darüber hinaus findet das Neujahrslied 1833 eine Erwähnung in der Pfarrei-Chronik, das bis zum heutigen Tage in den Haushaltungen von St. Niklaus während der Neujahrszeit von den Mitgliedern des Neujahrsvereins gesungen und musikalisch begleitet wird.
  • Die Schützenzunft von Herbriggen wurde im Jahre 1848 gegründet. Es sind zwei alte Zinnkannen vorhanden. Auf einem der Deckel ist die Jahrzahl 1826 eingraviert.
  • Die heute noch aktive Musikgesellschaft Edelweiss St. Niklaus VS wurde im Jahre 1872 ins Leben gerufen. In den Gründungsstatuen der Musikgesellschaft Edelweiss St. Niklaus heisst es: Im Jahre 1872, den 14. November, zu St. Niklaus, ist eine neue Musikgesellschaft gegründet worden. Folglich muss es vorher schon eine Musikgesellschaft in St. Niklaus gegeben haben.

Sagen und Legenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie jedes Dorf hat auch St. Niklaus seine Sagen und Legenden. Die wohl berühmteste ist jene des Heiligen Nikolaus, als er das Dorf vor der Verschüttung rettete.

Es ist auffallend, dass die Vorfahren von St. Niklaus ihre Kirche und das Dorf unter einem so steilen und zerklüfteten Berg, dem Dorftossen (im Dialekt «Dorftossu») und im Bereich eines gefährlichen Lawinenzuges bauten. Als man einst eine neue Kirche, die alte wurde verschüttet, im Feld, wo keine Gefahren drohten, bauen wollte, verschwanden jede Nacht auf geheimnisvolle Weise das Baumaterial und die Bauinstrumente. Man fand sie unter dem Dorftossen und dem gefährlichen Sparrenzug wieder. Eines Abends erzählten zwei Hirtenknaben, sie hätten im Dorftossen zwei Kobolde gesehen und gehört, wie sie miteinander den Anschlag machten, den Dorftossen herunterzuwerfen, um das Tal zu verschütten. Der eine sollte unten die Stützen des Berges losgraben, der andere oben den Berg hinabstossen. Beide machten sich sogleich ans Werk. Doch es klappte nicht. Der Berg bewegte sich keinen Zentimeter. Der untere Kobold, darüber wütend, feuerte den Gehilfen an: «Choluremi zich!» («Zieh fest!»). Dieser heulte laut: «Ds Glasi laht nit!» («Der Heilige Nikolaus lässt es nicht zu!»). Weil der Heilige Nikolaus den Berg nicht herunterstürzen liess, bauten die Zaniglaser ihm zu Ehren eine Kirche wieder an der gleichen Stelle, wo die alte stand.

Das heutige St. Niklaus Dorf steht gemäss einer Sage auf einem verschütteten Dorf. Die Weiler Biffig und Balmatten auf der rechten Talseite stehen auf Bergsturzgebiet. Gegenüber beim Blattbach liegt nach der Sage unter dem Schutt ein untergegangenes Dorf. Ebenso soll der Weiler Mattsand auf den Trümmern einer von einem Bergsturz zerstörten Siedlung liegen.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

«Zaniglas over the year»[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 4 Jahreszeitenfilm «Zaniglas over the year» zeigt die Schönheit der Natur der Gemeinde St. Niklaus (Zaniglas) und ihr Spiel mit der Zeit. Hierzu wurden während einem Jahr von März 2014 bis März 2015 mit Kameras und Zeitrafferfotografien unterschiedlichste Landschaftsaufnahmen eingefangen.[48]

«Mein Dorf St. Niklaus» und «Hiä im liäbu Zaniglas»[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Komponiert hat die beiden Lieder «Mein Dorf St. Niklaus»[49] und «Hiä im liäbu Zaniglas» («Hier im lieben St. Niklaus»)[50] Karl Burgener, der von 1965 bis 1993 Pfarrer in St. Niklaus war.

Galerie «Freilichtmuseum» St. Niklaus Dorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Impressionen wurden am Sonntag, dem 4. September 2016, in St. Niklaus Dorf während eines Spaziergangs durch die Nikolaigasse, die Turugasse und die Dorfstrasse aufgenommen, wobei man auf der Höhe des Monte Rosa, das an der Dorfstrasse liegt, über die Dorfgasse in die Nikolaigasse gelangt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernard Truffer: Sankt Niklaus (VS) im Historischen Lexikon der Schweiz.
  • Christian Imboden: Berge: Beruf, Berufung, Schicksal. Die St. Niklauser Bergführer als Wegbereiter des internationalen Alpinismus. Rotten Verlag, Visp 2013, ISBN 3-907624-48-3.
  • Christian Imboden: Tourismus in der Gemeinde St. Niklaus: Rückblick, Gegenwartsanalyse und Grundlagen für ein zukunftsgerichtetes Tourismuskonzept. Universität Bern, 1992.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Niklaus VS – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Vgl. etwa Poscht us Zaniglas, Mitteilungsblatt der Gemeinde St. Niklaus.
  3. Sprachatlas der deutschen Schweiz, Band V, 1a.
  4. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen, hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 793 f.
  5. Christian Imboden, Berge: Beruf, Berufung, Schicksal, Rotten Verlag, Visp, 2013, Seite 96
  6. Christian Imboden, Berge: Beruf, Berufung, Schicksal, Rotten Verlag, Visp, 2013, Seite 23 sowie Poscht us Zaniglas, Gemeinde St. Niklaus, 1981 / 1982, Seite 18
  7. Christian Imboden, Berge: Beruf, Berufung, Schicksal, Rotten Verlag, Visp, 2013, Seite 23 f. sowie Jahrbuch des Schweizer Alpen-Clubs, 1922, Seite 247
  8. Walther Staub: Über die Verbreitung von „Heidengräbern“ am Ausgange des Vispertales und des Turtmanntales im Wallis, im Jahresbericht der Schweizerischen Gesellschaft für Urgeschichte (Société suisse de préhistoire), Band 18, 1926, Seite 150 f.
  9. Christian Imboden, Berge: Beruf, Berufung, Schicksal, Rotten Verlag, Visp, 2013, Seite 25 sowie Josef Summermatter, Michael Imboden, Zaniglaser Chroniksplitter, 1980, Seite 20
  10. Prof. Dr. Amei Lang, Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie, Band 172, Universität Leipzig, 2009, Seiten 713 ff.
  11. Christian Imboden, Berge: Beruf, Berufung, Schicksal, Rotten Verlag, Visp, 2013, Seite 32
  12. J. Ruppen und V. Summermatter, St. Niklaus, 1975, Seite 511
  13. Josef Summermatter, Michael Imboden, Zaniglaser Chroniksplitter, 1980, Seite 21
  14. Josef Summermatter, Michael Imboden, Zaniglaser Chroniksplitter, 1980, Seite 22
  15. J. Ruppen und V. Summermatter, Familienstatistik, 1975, Seite 474
  16. Josef Summermatter, Michael Imboden, Zaniglaser Chroniksplitter, 1980, Seite 22
  17. J. Ruppen und V. Summermatter, Familienstatistik, Seite 241
  18. J. Ruppen und V. Summermatter, Familienstatistik, Seite 296
  19. Adrian Imboden, Die Land- und Alpwirtschaft im Wallis, 1972, Seite 54 und Josef Summermatter, Michael Imboden, Zaniglaser Chroniksplitter, 1980, Seite 21
  20. Walliser Wappenbuch, 1914, Seite 230
  21. P. Henry de Riedmatten: Eine St. Niklauser Familie: die Riedmatten, BWG Band XIII, Seiten 531—561.
  22. Christian Imboden, Berge: Beruf, Berufung, Schicksal, Rotten Verlag, Visp, 2013, Seite 196
  23. Christian Imboden, Berge: Beruf, Berufung, Schicksal, Rotten Verlag, Visp, 2013, Seite 197
  24. Liste der Autobahnen, Autostrassen, Hauptstrassen und Europastrassen der Schweiz, Durchgangsstrassenverordnung 741.272 vom 18. Dezember 1991 (Stand am 1. Januar 2016)
  25. St. Niklaus Endstation Terminus im Jahre 1961
  26. Christian Imboden: Berge: Beruf, Berufung, Schicksal. Die St. Niklauser Bergführer als Wegbereiter des internationalen Alpinismus, Rotten Verlag, Visp, 2013, ISBN 3-907624-48-3, S. 68–69
  27. Website CVP St. Niklaus VS, abgerufen am 1. November 2015
  28. Betriebsleiter Marzell Chanton, Interview: Scintilla AG St. Niklaus VS, 12. August 2013
  29. Scintilla AG St. Niklaus VS (PDF), abgerufen am 27. September 2016
  30. Website EVN Energieversorgung Nikolai AG, abgerufen am 27. September 2016
  31. Kraftwerk Jungbach AG, abgerufen am 27. September 2016
  32. Heimatschutz, 1973, Heft 1, Abbildung 1
  33. Obudir 2013 (YouTube Videoclip), abgerufen am 11. Februar 2016: Alp Jungen in Wort und Bild
  34. Naherholungszentrum
  35. Wanderweg Gasenried zur Bordierhütte, 21. und 22. Juli 2015 (YouTube Videoclip)
  36. Website Zermatt Marathon Organisation, abgerufen am 18. November 2015
  37. Biken Biffig, abgerufen am 10. Februar 2016
  38. Biken im Oberwallis, abgerufen am 10. Februar 2016
  39. Biken Mattertal (PDF), abgerufen am 10. Februar 2016
  40. Biken im Oberwallis, abgerufen am 11. Februar 2016
  41. Mountainbike Jungen–St. Niklaus (YouTube Videoclip), abgerufen am 11. Februar 2016
  42. Guinness-Buch der Rekorde, Milleniumausgabe, 2000, Seite 232
  43. Christian Imboden, Berge: Beruf, Berufung, Schicksal, Rotten Verlag, Visp, 2013, Seiten 36 f. und 191
  44. Karl Burgener: Pfarrei und Kirche St. Niklaus. Selbstverlag, St. Niklaus 1976, S. 61 f.
  45. Dr. Albert Carlen: Theatergeschichte des deutschen Wallis. Rotten Verlag, Visp 1982, S. 33 und 84.
  46. Christian Imboden, Berge: Beruf, Berufung, Schicksal, Rotten Verlag, Visp, 2013, Seite 46 sowie F.O Wolf, Die Vispertäler, 1896, Seite 159
  47. Vereine St. Niklaus VS, abgerufen am 23. September 2015. Der Bergführerverein Nikolaital fusionierte im Jahre 2013 mit dem Bergführerverein Zermatt. Auf der gegenständlichen aktuellen Liste der Vereine fehlt der Verein Zaniglaser Bergführerwesen.
  48. Film «Zaniglas over the year», abgerufen am 20. Januar 2016
  49. Lied «Mein Dorf St. Niklaus», abgerufen am 7. März 2016
  50. Lied «Hiä im liäbu Zaniglas» («Hier im lieben St. Niklaus»), abgerufen am 7. März 2016