Patienten-Empowerment

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Patienten-Empowerment (aus dem Englischen entlehnt, wörtlich [teilweise lehnübersetzt] Patienten-Ermächtigung) ist das Anbieten von Ressourcen für den Einzelnen, das Vorantreiben von Solidarität und die Förderung einer Politik der bürgerschaftlichen Teilhabe. Es zielt darauf ab, dass Menschen die Fähigkeit entwickeln und verbessern, ihre soziale Lebenswelt und ihr Leben selbst zu gestalten.

Konkret gehören zum Patienten-Empowerment also alle Aktionen zum Beispiel von Ärzten oder Gesundheitsorganisationen, die darauf abzielen, dass Betroffene besser über die Krankheit und Behandlung informiert sind und selbständiger in Bezug auf ihre Erkrankung handeln können. Einer der wichtigsten Punkte ist dabei die Vermittlung einer höheren Gesundheitskompetenz. Darunter versteht man die Fähigkeit eines Patienten, wichtige Informationen über die Krankheit und Therapie verstehen und beurteilen zu können. Wichtig ist in dieser Hinsicht auch das Engagement der Betroffenen selber, das Self-Empowerment der Patienten (Patientenkompetenz). Durch die neuen Medien und sozialen Netzwerke gibt es heute immer mehr Menschen, die manchmal auch Selpers (abgeleitet aus englisch self für „selbst“ und helper für „Helfer“) genannt werden und sich aktiv mit ihrer Erkrankung, mit Therapiemöglichkeiten und der Erhaltung ihrer Lebensqualität auseinandersetzen. Dabei geht es um einen eigenständigen Beitrag der Patienten zur Genesung, der medizinische Leistungen ergänzt (aber niemals ersetzt). Allerdings herrscht hier ein Gefälle innerhalb sozialer Schichten und Bildungsschichten in der Bevölkerung.[1]

Nutzen von Maßnahmen des Patienten-Empowerments[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studien zeigen, dass die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung steigen, wenn Patienten in die medizinischen Entscheidungen mit einbezogen werden.[2] Allerdings gab bei einer Untersuchung der Mayo Clinic der Großteil der befragten Krebspatienten an, dass sie sich unzureichend informiert fühlen, wenn es um das Verständnis der Erkrankung, Untersuchungsmethoden, Ernährung, Stressbewältigung und Umgang mit bestimmten Nebenwirkungen geht.[3] Inzwischen haben zahlreiche Länder und Institutionen verschiedene Kampagnen zum Patienten-Empowerment ins Leben gerufen. So führt zum Beispiel die Europäische Union seit 2005 in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verschiedene Programme zur Förderung von Patientenrechten und zur besseren Information von Patienten durch.[4] 2012 wurde in Dänemark die erste internationale Konferenz zum Patienten-Empowerment abgehalten.[5] Als Ergebnis dieser Konferenz wurde darauf hingewiesen, dass so gut wie jeder Mensch irgendwann in seinem Leben Patient sein wird. Um bessere Behandlungserfolge zu erreichen ist es unumgänglich, die Fähigkeit zu verbessern, seine eigene Gesundheit und Erkrankung zu verstehen und zu managen, mit Ärzten zu kommunizieren und sich im komplexen Gesundheitssystem zurechtzufinden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philipp Grätzel von Grätz: „Vernetzte Medizin. Patienten-Empowerment und Netzinfrastrukturen in der Medizin des 21. Jahrhunderts“, Verlag Heinz Heise, Hannover, 2004, S. 224, ISBN 3-936931-19-4
  • Klaus Zerres, Christine Scholz (Hrsg.): „Schwerpunkt seltene Erkrankungen im Kontext gesundheitspolitischer Diskussion: Implikationen neuer Technologien, gesetzlicher Regelungen und Patienten-Engagement“; München: Verl. Med. Genetik, 2003, S. 96 (Schriftenreihe: Medizinische Genetik Jg. 14, Nr. 3, Beil. vom Berufsverband Medizinische Genetik e.V.)
  • M.H.J. Gouthier: „Patienten-Empowerment“, in: Kreyher, V.J. (Hrsg.): Handbuch Gesundheits- und Medizinmarketing – Chancen, Strategien und Erfolgsfaktoren, Heidelberg, 2001, S. 53–82
  • Eva Röthinger: „Patientenerwartungen und deren Wahrnehmung durch die Hausärztin sowie der Einfluß der Patienten auf die ärztliche Handlung - aus Sicht der Ärztinnen“; Marburg: Tectum-Verl., 1999, S. 154 (Marburg, Univ., Dissertation, 1999)
  • Frank Elste: „Marketing und Werbung in der Medizin“; Wien: Springer-Verl., 2008, S. 300

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anne McMurray (2007). Community Health and Wellness: A Sociological Approach (3rd ed.). Brisbane: Elsevier. ISBN 978-0-7295-3788-9.
  2. The Institute of Medicine: Health Literacy: A Prescription to End Confusion (2004). PMID 25009856
  3. Padrnos L, Bennett R, Kosiorek H, et al. Living with Cancer: an Educational Intervention in Cancer Patients Can Improve Patient-Reported Knowledge Deficit. J Cancer Educ (2016). doi:10.1007/s13187-016-1123-1 PMID 27730534
  4. Torrey, T. The Wise Patient's Guide to Being an Empowered Patient. Verywell. About, Inc (2014).
  5. Patient empowerment—who empowers whom? The Lancet 379, No. 9827, p1677 (2012). doi:10.1016/S0140-6736(12)60699-0