Paul Angerer

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Paul Angerer (* 16. Mai 1927 in Wien) ist ein österreichischer Dirigent und Komponist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paul Angerer wurde am 10. März 1945 vom Reichsarbeitsdienst, zu dem er am 15. Jänner dieses Jahres eingezogen worden war, zum Jägerbataillon 28 (Jg.Eu.A.Blg.28) in Šternberk (damals Sternberg) überstellt und von den Russen bald darauf gefangengenommen. Im russisch-tschechischen Kriegsgefangenenlager in den ehemaligen Baracken des KZ Auschwitz verfasste er in der Zeit von Juni bis August 1945 sein erstes musiktheoretisches Werk Über die geheimnisvollen Zusammenhänge in der Musik, in der Kunst im allgemeinen (Auschwitzer Musikgeschichte), die er auf leeren Papiersäcken niederschrieb. Im gleichen Monat August wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und schlug sich nach Wien durch.[1]

Paul Angerer studierte an der Wiener Musikhochschule Klavier, Orgel, Geige und Viola. Nachdem er 1948 beim Genfer Musikwettbewerb eine Medaille gewonnen hatte, trat er eine Stelle beim Orchestre de la Suisse Romande an. Von 1953 bis 1956 war er Solobratschist der Wiener Symphoniker. Nach dem Gewinn des ersten Preises für eine Orgelkomposition auf dem internationalen Musikwettbewerb in Haarlem, Niederlande war er bis 1962 Chefdirigent des Wiener Kammerorchesters[2] sowie des Wiener Burgtheaters.[3]

Zwischen 1964 und 1982 war Angerer Chefdirigent oder Direktor der Opernhäuser von Bonn und Ulm sowie von 1968 bis 1972 Opernchef des Salzburger Landestheaters. Von 1971 bis 1981 leitete er das Südwestdeutsche Kammerorchester[4] und ab 1982 das Concilium Musicum in Wien. Mit diesen Orchestern machte er eine Vielzahl hoch geschätzter Aufnahmen. 1982 wurde er Professor an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst, wo er bis zu seiner Pensionierung 1992 blieb.[3]

Paul Angerer moderierte 17 Jahre lang im ORF, seit November 2001 gestaltet er eine eigene Sendung, Capriccio, bei Radio Stephansdom. Er lebt in Wien und in seinem Freihof in Unternalb bei Retz, Niederösterreich.[5]

Angerers Kompositionsstil wurde von Paul Hindemith beeinflusst.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kompositionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Musica pro organo. Werk 18 (1946)
  • Konzertantes Quartett, 1951. Oboe, Horn, Viola, Cello (1951)
  • Sempre legato. Pentagonum für Klavier (1953)
  • Agamemnon muss sterben (dramatische Kantate, 1954)
  • „Ei du feiner Reiter“. Spielmusik für vier Stimmen (1954)
  • Die Paßkontrolle (Fernsehoper, 1958)[7]
  • Missa Seitenstettensis (1987)

sowie Konzerte und Kammermusikwerke.

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tondokumente (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Brosche (Red.), —: Musikalische Dokumentation Paul Angerer. Dienstag, den 15. November 1988. Konzert – Ausstellung, Hoboken-Saal der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien (bis März 1989). Österreichische Nationalbibliothek, Wien 1988.
  • —, 107,3 Radio Stephansdom: Paul Angerer liest „Geschichten aus meinem musikalischen Leben“. 1 CD. Wiener Dom-Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-85351-226-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Paul Angerer: Mein musikalisches Leben – ein Capriccio. S, 24–29; Faksimile (Ausschnitt) auf der vorletzten und letzten Deckelseite.
  2. Paul Angerer zurückgetreten. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 8. Februar 1962, S. 4, unten links.
  3. a b CIC Preis für Jagd in der Kunst (2011) (…) Professor Paul Angerer (…). In: cic-wildlife.org, abgerufen am 28. September 2012.
  4. Orchesterbiographie. Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim. In: Andreas Herrmann (Red.), Anne-Katrin Mücke (Red.): swdko-pforzheim.de, abgerufen am 28. September 2012.
  5. Paul Angerer. In: concilium.at, abgerufen am 28. September 2012.
  6. outstanding artist award – Musik (Memento vom 8. Januar 2014 im Internet Archive), Zugriff am 28. Oktober 2012
  7. Radioprogramm der Woche (…) Montag, 8. Juni (…) Fernsehprogramm (…) „Paßkontrolle“. Oper von Angerer. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 7. Juni 1959, S. 20, Spalte 2, oben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]