Paul Angerer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Paul Angerer (* 16. Mai 1927 in Wien; † 26. Juli 2017)[1] war ein österreichischer Dirigent, Bratschist, Komponist und Radiomoderator.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem 6. Lebensjahr erhielt Paul Angerer Instrumentalunterricht in Violine und Klavier. Er besuchte das humanistische Gymnasium und anschließend das Konservatorium.[2]

Am 15. Jänner 1945 wurde Angerer vom Reichsarbeitsdienst eingezogen und noch mit 17 Jahren, am 10. März, zum Jägerbataillon 28 (Jg.Eu.A.Blg.28) in Šternberk (damals Sternberg) überstellt und geriet bald darauf in sowjetische Gefangenschaft. Im sowjetisch-tschechischen Kriegsgefangenenlager in den ehemaligen Baracken des KZ Auschwitz verfasste er in der Zeit von Juni bis August 1945 sein erstes musiktheoretisches Werk Über die geheimnisvollen Zusammenhänge in der Musik, in der Kunst im allgemeinen (Auschwitzer Musikgeschichte), das er auf leeren Papiersäcken niederschrieb. Im gleichen Monat August wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und schlug sich nach Wien durch.[3]

Angerer studierte an der Wiener Musikhochschule Klavier, Orgel, Violine und Viola. Nachdem er 1948 beim Genfer Musikwettbewerb eine Medaille gewonnen hatte, trat er eine Stelle beim Orchestre de la Suisse Romande an. Von 1953 bis 1956 war er Solobratschist der Wiener Symphoniker. Nach dem Gewinn des ersten Preises für eine Orgelkomposition auf dem internationalen Musikwettbewerb in Haarlem, Niederlande war er bis 1962 Chefdirigent des Wiener Kammerorchesters[4] sowie des Wiener Burgtheaters.[5] Angerers Kompositionsstil war von Paul Hindemith beeinflusst.

Zwischen 1964 und 1982 war Angerer Chefdirigent oder Direktor der Opernhäuser von Bonn und Ulm sowie von 1968 bis 1972 Opernchef des Salzburger Landestheaters. Von 1971 bis 1981 leitete er das Südwestdeutsche Kammerorchester[1][6] und ab 1982 das Concilium Musicum in Wien. Mit diesen Orchestern machte er eine Vielzahl hoch geschätzter Aufnahmen. 1982 wurde er Professor an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst, wo er bis zu seiner Pensionierung 1992 blieb.[5]

Paul Angerer moderierte 17 Jahre lang im ORF-Hörfunk, seit November 2001 gestaltete er in Radio Ö 1 eine eigene Sendung, Capriccio, bei Radio Stephansdom (seit 2015: radio klassik Stephansdom). Er lebte in Wien und in seinem Freihof in Unternalb bei Retz, Niederösterreich.[7]

Angerer hat einen Sohn Christoph (geb. 1966).

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kompositionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Musica pro organo. Werk 18 (1946)
  • Konzertantes Quartett, 1951. Oboe, Horn, Viola, Cello (1951)
  • Sempre legato. Pentagonum für Klavier (1953)
  • Agamemnon muß sterben (dramatische Kantate, 1954)
  • „Ei du feiner Reiter“. Spielmusik für vier Stimmen (1954)
  • Die Paßkontrolle (Fernsehoper, 1958)[9]
  • Missa Seitenstettensis (1987)

sowie Konzerte und Kammermusikwerke.

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tondokumente (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Brosche (Red.), —: Musikalische Dokumentation Paul Angerer. Dienstag, den 15. November 1988. Konzert – Ausstellung, Hoboken-Saal der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien (bis März 1989). Österreichische Nationalbibliothek, Wien 1988.
  • —, 107,3 Radio Stephansdom: Paul Angerer liest „Geschichten aus meinem musikalischen Leben“. 1 CD. Wiener Dom-Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-85351-226-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Todesmeldung mit Angabe des Wochentags (Mittwoch)
  2. Paul Angerer – ORF News, 26. Juli 2017
  3. Paul Angerer: Mein musikalisches Leben – ein Capriccio. S, 24–29; Faksimile (Ausschnitt) auf der vorletzten und letzten Deckelseite.
  4. Paul Angerer zurückgetreten. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 8. Februar 1962, S. 4, unten links.
  5. a b CIC Preis für Jagd in der Kunst (2011) (…) Professor Paul Angerer (…). In: cic-wildlife.org, abgerufen am 28. September 2012.
  6. Orchesterbiographie. Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim. In: Andreas Herrmann (Red.), Anne-Katrin Mücke (Red.): swdko-pforzheim.de, abgerufen am 28. September 2012.
  7. Paul Angerer. In: concilium.at, abgerufen am 28. September 2012.
  8. outstanding artist award – Musik (Memento vom 8. Januar 2014 im Internet Archive), Zugriff am 28. Oktober 2012
  9. Radioprogramm der Woche (…) Montag, 8. Juni (…) Fernsehprogramm (…) „Paßkontrolle“. Oper von Angerer. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 7. Juni 1959, S. 20, Spalte 2, oben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]