St. Paulus (Worms)

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St. Paulus (Gemälde von Albert Emil Kirchner, um 1855)

Die Kirche St. Paulus in Worms hat eine über tausendjährige bewegte Geschichte. Heute ist sie die Klosterkirche des Wormser Dominikanerkonvents.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bischof Burchard von Worms errichtete ab 1002 eine Stiftskirche auf den Fundamenten der Salierburg. Es handelte sich damals um eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika mit drei Apsiden im Osten und zwei runden Türmen im Westen. Im 13. Jahrhundert wurde der Ostchor zu einer fünfseitigen Apsis umgebaut. Das Äußere der Chorapside von St. Paulus kopiert etwas vereinfacht und in kleinerem Maßstab die um 1080–1195 errichtete spätromanische Chorapside des Fritzlarer Doms, der ebenfalls von Wormser Bauleuten errichtet wurde. Die Türme erhielten Dächer im byzantinischen Stil der Jerusalemer Grabeskirche. Nördlich der Kirche entstanden die Stiftsgebäude mit einem gotischen Kreuzgang. 1689 wurde die Kirche im pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört und Anfang des 18. Jahrhunderts als barocke Saalkirche wieder aufgebaut. 1797 wurde das Stift durch die Franzosen aufgehoben, und die Kirche diente erst als Warenlager und ab 1880 unter dem Namen Paulusmuseum als Stadtmuseum. 1929 wurde sie Klosterkirche der Dominikaner. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche durch Luftangriffe stark beschädigt und die barocken Deckengemälde zerstört. 1947 war sie wiederhergestellt, und 1999 wurde sie gründlich renoviert.

1730 wurde dort der historisch bedeutsame Wormser Weihbischof Johann Baptist Gegg beigesetzt und erhielt ein schönes Epitaph, das am 21. Februar 1945, bei der Zerstörung der Pauluskirche, durch übergroße Hitzeeinwirkung zugrunde ging. Es ist allerdings fotografisch gesichert. Bei Ausgrabungen stieß man 1928 im Chor der Kirche auf Bischof Geggs Grab, das mit Backsteinen gemauert war. Es fand sich ein Skelett mit Überresten priesterlicher Kleidung, das 1929 links hinter dem neu aufgebauten Hochaltar wieder beigesetzt wurde.

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Besonderheit der Architektur sind die beiden um das Jahr 1100 errichteten Rundtürme mit steinernen Kuppeln in orientalischer Manier (drei ähnliche Kirchtürme in Rheinhessen werden als Heidenturm bezeichnet). Das romanische Westwerk stammt aus dem 13. Jahrhundert. Das Westportal aus Bronze ist eine verkleinerte Kopie der Bernwardstür des Hildesheimer Doms von 1015. Der barocke Hochaltar im Chor wurde 1718 für die Pfarrkirche St. Peter von Herrnsheim geschaffen und kam 1928 in die Pauluskirche. In der Altarinsel vorne im Kirchenschiff befinden sich Reliquien der Märtyrer Gratia, Castus und Gaudiosus. An den Säulen zum Chor stehen zwei lebensgroße Gipsfiguren aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, rechts Paulus, links Dominikus. Der Kreuzweg im Westwerk, gemalt um 1935 vom Dominikanerpater Lukas Knackfuß, Bruder des Historienmalers Hermann Knackfuß und Bruder des Archäologen Hubert Knackfuß sowie Neffe des Kirchenmalers Joseph Anton Nikolaus Settegast, zeigt die Passionsgeschichte in der Szenerie des alten Worms.

Während der Nutzung als Museum hatte das Gebäude Ausschmückungen durch den Künstler Lorenz Gedon.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: St. Paulus (Worms) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hyacinth Holland: Gedon, Lorenz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 49, Duncker & Humblot, Leipzig 1904, S. 258–263.

Koordinaten: 49° 37′ 50″ N, 8° 21′ 56″ O