Dittelsheim-Heßloch

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Dittelsheim-Heßloch
Dittelsheim-Heßloch
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Dittelsheim-Heßloch hervorgehoben
Koordinaten: 49° 45′ N, 8° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Alzey-Worms
Verbandsgemeinde: Wonnegau
Höhe: 170 m ü. NHN
Fläche: 13,84 km2
Einwohner: 2167 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 157 Einwohner je km2
Postleitzahl: 67596
Vorwahl: 06244
Kfz-Kennzeichen: AZ
Gemeindeschlüssel: 07 3 31 015
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Am Schneller 3
67574 Osthofen
Webpräsenz: www.dittelsheim-hessloch.de
Ortsbürgermeisterin: Elisabeth Kolb-Noack (Grüne)
Lage der Ortsgemeinde Dittelsheim-Heßloch im Landkreis Alzey-Worms
Gimbsheim Hamm am Rhein Eich (Rheinhessen) Alsheim Mettenheim Osthofen Bechtheim Dittelsheim-Heßloch Frettenheim Westhofen Monzernheim Gundheim Bermersheim Gundersheim Hangen-Weisheim Hochborn Offstein Hohen-Sülzen Monsheim Wachenheim (Pfrimm) Mölsheim Flörsheim-Dalsheim Mörstadt Wendelsheim Stein-Bockenheim Wonsheim Wonsheim Siefersheim Wöllstein Gau-Bickelheim Gumbsheim Eckelsheim Gau-Weinheim Vendersheim Wallertheim Partenheim Saulheim Udenheim Schornsheim Gabsheim Wörrstadt Sulzheim (Rheinhessen) Spiesheim Ensheim Armsheim Flonheim Erbes-Büdesheim Nack Nieder-Wiesen Bechenheim Offenheim Bornheim (Rheinhessen) Lonsheim Bermersheim vor der Höhe Albig Biebelnheim Bechtolsheim Gau-Odernheim Framersheim Gau-Heppenheim Alzey Ober-Flörsheim Flomborn Eppelsheim Dintesheim Esselborn Mauchenheim Freimersheim (Rheinhessen) Wahlheim Kettenheim Hessen Mainz Landkreis Mainz-Bingen Worms Rhein-Pfalz-Kreis Landkreis Bad Dürkheim Landkreis Bad Kreuznach DonnersbergkreisKarte
Über dieses Bild

Dittelsheim-Heßloch ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Wonnegau an.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Weindorf liegt im Wonnegau in Rheinhessen. Die Gemeinde besteht aus den beiden Ortsteilen Dittelsheim und Heßloch.

Anton Praetorius: Fassgedicht 1595 (Titelseite)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner II. von Bolanden erhielt um 1190 den Ort Dittelsheim zu Lehen von den Grafen von Katzenelnbogen. Die Kurpfalz erwarb nach und nach die raugräflichen, altbolandischen Anteile und diejenigen der von Wachenheim und von Dalberg (15. bis Anfang des 17. Jahrhunderts). Während des Mittelalters waren die Herren von Dalberg Vogteiherren.

In Dittelsheim wirkte von 1592 bis 1595 als erster reformierter Pfarrer Anton Praetorius. Er wurde als Gegner der Hexenprozesse bekannt. In Dittelsheim verfasste er die älteste Beschreibung des 1. Großen Fasses im Heidelberger Schloss. 2013 haben Schüler des Wormser Rudi-Stephan-Gymnasiums[2] eine Erinnerungstafel an Anton Praetorius am evangelischen Pfarrhaus initiiert.[3]

In der Hexenverfolgung gegen die Heßlocher Frauen 1599 wurden mindestens drei Frauen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Im Hexenprozess gegen Margreth, Frau des Philipp Mohr, gelang der Angeklagten die Flucht aus der Haft.[4]

Die heutige Gemeinde entstand am 7. Juni 1969 durch Zusammenschluss der bis dahin eigenständigen Gemeinden Dittelsheim (damals 916 Einwohner) und Hessloch (880 Einwohner). Gleichzeitig wurde die Schreibweise der Ortschaft „Hessloch“ geändert.[5]

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Dittelsheim-Heßloch bezogen auf das heutige Gemeindegebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[6][1]

Jahr Einwohner
1815 1.124
1835 1.641
1871 1.675
1905 1.874
1939 1.753
1950 2.197
Jahr Einwohner
1961 1.900
1970 1.799
1987 1.746
1997 2.176
2005 2.207
2015 2.167

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Dittelsheim-Heßloch besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzende.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[7]

Wahl SPD CDU FWG Gesamt
2014 5 5 6 16 Sitze
2009 4 6 6 16 Sitze
2004 4 7 5 16 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Wonnegau

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister von Dittelsheim

Name Amtszeit
Joh. Chr. Kirschbaum 1820–1846
Philipp Deforth 1851–1881
Jakob Schiling 1881–1902
Georg Deheck 1902–1908
Adam Schiling 1909–1914
Johann Winter VII. 1920–1933
Kurt Schilling 1933–1934
Karl Deheck 1934–1940
Hans Spies 1940–1943
Gottlieb Spohrer 1944–1945
Gottlieb Spies 1945–1946
Peter Winter 1946–1951
Gg. Philipp Weber 1951–1953
Heinrich Spies IV. 1953–1956
Johann Höflich 1956–1964
Fritz Deheck 1964–1969
Quelle: Buch 1200 Jahre Dittelsheim-Heßloch

Bürgermeister von Heßloch

Name Amtszeit
Peter Stephan III. 1849–1868
Hermann Heinrichs 1868–1876
Moritz Hahn 1901–1925
Martin Ruppert 1925–1933
Adolf Sauer 1933–1945
Wilhelm Blaum 1945–1946
Johann Blaum III. 1946–1960
Kurt Hofmeister 1960–1969
Quelle: Buch 1200 Jahre Dittelsheim-Heßloch

Ortsbürgermeister von Dittelsheim-Heßloch

Name Partei Amtszeit
Kurt Hofmeister 1969–1971
Werner Spies FWG 1971–1989
Herbert Morch SPD 1989–2004
Rainer Fuhrmann CDU 2004–2014
Elisabeth Kolb-Noack Grüne seit 2014

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Geviert; Feld 1 in Silber ein grüner Berg im Schildfuß, dieser geteilt durch einen silbernen Bach, darüber eine rote Brücke, begleitet von zwei grünen Bäumen; Feld 2 in Blau unter dem Schildhaupt mit gestürzten goldenen Spitzen drei silberne Lilien (1:2); Feld 3 Silber und Blau gerautet; Feld 4 in Silber ein gebogener Rosenzweig mit Blättern und vier Hagebutten. “

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sarazenen­turm: Turm der ev. Kirche im Ortsteil Dittelsheim, nach älterer Auffassung um 1200 entstanden, im Volksmund „Heidenturm“ genannt. Dendrochronologische Untersuchungen der Bauhölzer in den oktagonalen Turmgeschossen haben gezeigt, dass diese um 1080 errichtet wurden.[8] Die Kirche selbst wurde 1729 abgebrochen und durch einen Barockbau ersetzt, nur die Vorhalle und der Turm blieben erhalten. Angeblich sind maurische oder byzantinische Stileinflüsse bei diesem romanischen Turm mitbestimmend; er wird oft als der schönste seiner Art in Rheinhessen bezeichnet. Der Turmhelm mit dem 16fach gefächerten Kuppeldach weise auf Beziehungen der hohenstaufischen Rheinlande zum Osten hin und gehört zu einer Gruppe ähnlicher Turmhelme in Rheinhessen (vgl. Alsheim, Guntersblum und St. Paul in Worms). Der Name „Heidenturm“ (Sarazenenturm) nimmt Bezug auf Kreuzfahrer, die ihn erbaut haben sollen.
  • alt-katholische Christuskirche
  • Römisch-katholische Kirche St. Jakobus[9]

Siehe auch:

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • S.C. Dittelsheim-Heßloch
  • Kunstradfahrverein Dittelsheim

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kloppberggugger e. V. – Die erste Guggemusik aus Rheinhessen (aufgelöst 2014)
  • Musikverein Hessloch
Größte
Weinbaugemeinden
im Anbaugebiet
Rang nach
Rebfläche
(innerhalb
von RLP)
Bestockte
Rebfläche
Rebsorten
Weißwein Rotwein
ha  %
Logo von RheinhessenRheinhessen 26.490 69,1 30,9
Worms 3 1.541 62,0 38,0
Nierstein 6 783 75,6 24,4
Alzey 8 769 69,0 30,1
Westhofen 9 764 68,7 31,3
Alsheim 10 704 69,3 30,7
Bechtheim 11 660 71,4 28,6
Ingelheim am Rhein 12 646 47,8 52,2
Flörsheim-Dalsheim 13 635 65,0 35,0
Bingen am Rhein 15 590 73,2 26,8
Saulheim 16 516 74,7 25,3
Osthofen 20 464 67,8 22,2
Guntersblum 21 461 71,8 28,2
Dittelsheim-Heßloch 23 447 70,2 29,8
Stadecken-Elsheim 24 438 71,2 28,8
Quelle: Weinbau 2010. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz


Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinanbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinbau hat hier eine lange Tradition. Dittelsheim-Heßloch umfasst etwa 1.350 ha Fläche, wovon 446 ha mit Weinreben bepflanzt sind.

Höhenunterschiede, verschiedene kleinklimatische Bedingungen und sehr differenzierte Bodenbeschaffenheiten, die von schweren, lehmhaltigen Böden bis hin zu leichten Sandböden reichen, sind gute Voraussetzungen für den Weinbau und deshalb gedeihen in Dittelsheim-Heßloch viele verschiedene Rebsorten, die eine breite Palette von Weinen ermöglichen.

Das Weingut Winter bildet als VDP Mitglied eine Qualitätsspitze in Dittelsheim.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Bahnhofsgebäude

Die durch den Ortsteil Heßloch verlaufende Gaustraße (L 425) verbindet die Gemeinde mit Mainz im Norden und Worms im Süden. Von der Gaustraße zweigt in Heßloch die L 414 nach Gau-Odernheim ab, die auch beide Ortsteile verbindet. Zwischen den beiden Ortsteilen befindet sich der ehemalige gemeinsame Bahnhof an der 1974 im Personenverkehr stillgelegten Bahnstrecke Gau Odernheim–Osthofen.

Persönlichkeiten aus Dittelsheim-Heßloch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jakob Becker (* 15. März 1810 in Dittelsheim; † 22. Dezember 1872 in Frankfurt am Main) Maler, Radierer und Lithograph sowie Kunstprofessor an der Städelschule
  • Anton Praetorius war von 1592 bis 1596 der erste reformierte Pfarrer in Dittelsheim. Er verfasste 1595 die älteste Beschreibung des 1. Großen Fasses im Heidelberger Schloss. Darin pries er das Fass als Symbol für die Überlegenheit des calvinistischen Glaubens. Später wurde er als ein engagierter Gegner der Hexenprozesse und Folter bekannt.
  • Margreth, Frau des Philipp Mohr, Angeklagte im Hexenprozess 1599, gelang die Flucht aus der Haft
  • Julia Metzler war Rheinhessische Weinkönigin 2006/2007 und Deutsche Weinprinzessin 2007/2008
  • Karl Stephan (1853–1927), liberaler Politiker und Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen
  • Peter Stephan (1818–1888), Abgeordneter der 2. Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen und Bürgermeister von Heßloch

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dittelsheim-Heßloch – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Rudi-Stephan-Schüler erinnern an Hexenverfolgung. Tafel zur Würdigung eines Dittelsheimer Pfarrers enthüllt. In: Nibelungen Kurier, 25. Juni 2013 (abgerufen am 28. April 2016).
  3. Evangelische Kirche Dittelsheim-Heßloch, 23. Juni 2013. Enthüllung einer Erinnerungstafel am Pfarrhaus für Pfarrer Anton Praetorius (1560–2013), Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter, zum 400. Todesjahr. (PDF; 4 MB), abgerufen am 28. April 2016.
  4. Namensliste der Opfer der Hesslocher Hexenprozesse (PDF; 9 kB) (abgerufen am 28. April 2016).
  5. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Seiten 174 und 175 (PDF; 2,6 MB)
  6. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  7. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  8. Hans-Jürgen Kotzur: Die rheinhessischen »Heidentürme«, regionalgeschichte.net, Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e. V., abgerufen 18. Juli 2016
  9. Webseite der Kath. Kirche St. Jakobus. 16. April 2015, abgerufen am 25. April 2016.