Fritz Reuter

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Fritz Reuter, Lithographie von Josef Kriehuber nach Haertel
Büste Fritz Reuters in der Hansestadt Wismar, 2020
Ein deutscher Notgeldschein (Vorder- und Rückseite) aus Dömitz, mit der Darstellung Fritz Reuters und des Fritz Reuter Gefängnisses, von 1921.

Fritz Reuter, eigentlich: Heinrich Ludwig Christian Friedrich Reuter (* 7. November 1810 in Stavenhagen; † 12. Juli 1874 in Eisenach) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller der niederdeutschen Sprache. Er gilt gemeinsam mit Klaus Groth als einer der Begründer der neueren niederdeutschen Literatur.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit in Mecklenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fritz Reuter im Selbstbildnis, 1830
Ehemaliges Rathaus in Stavenhagen (heute Fritz-Reuter-Literaturmuseum) mit Statue Reuters

Fritz Reuter wurde im Rathaus der mecklenburgischen Kleinstadt Stavenhagen geboren, wo seine Eltern wohnten. Sein Vater war Stavenhagens Bürgermeister und Stadtrichter Georg Johann Reuter (1776–1845) und die Mutter Johanna (1787–1826), Tochter des Bürgermeisters und Stadtrichters von Tribsees, Nikolaus Gottfried Bernhard Ölpke (1740–1792).[1] Nach der Geburt ihres zweiten Sohnes 1812 war Reuters Mutter lebenslang gelähmt, der Junge verstarb im Alter von knapp zwei Jahren. Aus zahlreichen vor- und außerehelichen Beziehungen des Vaters hatte Fritz Reuter vier Halbschwestern, von denen zwei später legitimiert wurden.

Fritz Reuter besuchte zwischenzeitlich als einziger Junge eine Mädchenschule, wurde sonst aber bis zum 13. Lebensjahr von Eltern, Verwandten und Bekannten zu Hause unterrichtet. Mit 14 Jahren lernte er dann, zusammen mit seinem Vetter August Reuter, an der Gelehrtenschule in Friedland. Reuters Leistungen in der Schule waren schlecht, was sein Vater darauf zurückführte, dass es dem Sohn an Disziplin mangele. Der junge Reuter wollte gern Maler werden, und so sagte ihm neben dem Turnen als einziges Schulfach das Zeichnen zu. Über das Turnen, populär durch den Turnvater Jahn, und seinen Lehrer Karl Horn (Mitglied der Lützower Jäger) begegnete Fritz Reuter den Ideen der Urburschenschaft. Dadurch wurde die Grundlage seiner demokratischen Gesinnung geprägt, die seinen Lebenslauf nachhaltig beeinflussen sollte.

Im Jahr 1826 verstarb seine Mutter. Zu Ostern 1827 wollte der Vater den Schulwechsel auf das Friedrich-Franz-Gymnasium (Parchim) erwirken; auf Grund mangelnder Konzentration und Zuspätkommens wurde sein Sohn jedoch nicht in die Prima eingestuft. Erst Ostern 1828 wurde Fritz Reuter der Wechsel erlaubt. Das Verhältnis zu seinem Vater kühlte in der Folgezeit weiter ab. In den Ferien kehrte er ungern nach Hause zurück. Reuters „Fleiß war ungleich; in einigen Fächern anzuerkennen, in anderen vermisst“,[2] dennoch schaffte er es, am 24. September 1831 das Reifezeugnis zu erhalten.

Studium und Burschenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fritz Reuter im Selbstbildnis, 1833

Am 19. Oktober 1831 begann Fritz Reuter das Studium der Jurisprudenz, nach dem Willen seines Vaters in Rostock.[3][4] Dort schloss er sich dem Corps Vandalia Rostock an, das ihn kurze Zeit später wegen „rüpelhaften Verhaltens“ und „burschenschaftlicher Umtriebe“ wieder exkludierte.[5] Im Wintersemester 1831/32 schloss er sich der Rostocker Burschenschaft/Allgemeinheit an.[6] Zeitlebens verbanden Reuter die Freundschaft mit Moritz Wiggers sowie eine innige Abneigung gegen John Brinckman, die als Studenten beide ebenfalls bei Vandalia aktiv gewesen waren.[7] Ab Mai 1832 setzte er das Studium jedoch in Jena fort. Dort wurde er am 13. Juli 1832 Mitglied der Allgemeinen Burschenschaft und schloss sich ihrer radikalen Richtung „Germania“[8] an, weswegen er noch im selben Jahr zum ersten Mal festgenommen wurde. Am 19. Februar verließ Reuter Jena und ging zunächst nach Camburg. Er versuchte, eine Studienerlaubnis für Halle oder Leipzig zu erlangen, was ihm jedoch nicht gelang.

Verhaftung und Prozess vor dem Kammergericht Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Jena geriet Reuter als Mitglied der verbotenen Burschenschaft Germania in die 2. Welle der Demagogenverfolgung, die durch den Frankfurter Wachensturm ausgelöst wurde. Preußen und Österreich, die mit den Karlsbader Beschlüssen von 1819 die Demagogenverfolgung eingeleitet hatten, verschärften ihre Verfolgungsmaßnahmen und errichteten wieder eine Bundeszentralbehörde, die die Verfolgungsmaßnahmen der Deutschen Bundesstaaten koordinieren sollte. In Preußen wurde das Kammergericht zum allein zuständigen Gericht für alle Verfahren bestimmt und eine Ministerialkommission eingerichtet, die insbesondere darüber entschied, gegen wen eine Kriminaluntersuchung einzuleiten sei und welchem Untersuchungsrichter die Untersuchung unter Leitung des Kammergerichts zu übertragen sei[9]. Nach den Worten des Historikers Thomas Nipperdey befestigte das politische System damit „seinen Charakter als Obrigkeits- und Beamtenregiment, als Vormundschaft und Kontrolle, es wurde – zugespitzt – zum Poizeiregiment ...ein System der Repression... In diesem System gedieh der Radikalismus der Intelligenz.“[10]. In diesem Klima der Repression studierte der eigentlich unpolitische Fritz Reuter ab 1832 in Jena. Am 31. Oktober 1833 wurde Fritz Reuter auf der Heimreise nach Stavenhagen in Berlin festgenommen.

Die polizeilichen und gerichtlichen Untersuchungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die polizeilichen Vernehmungen des Studiosus juris Heinrich Ludwig Christian Friedrich Reuter aus Stavenhagen in Mecklenburg Schwerin wegen seiner Mitgliedschaft von und um der geheimen burschenschaftlichen Verbindung Germania zu Jena“ wurden im November und Dezember 1833 durchgeführt. Es schloss sich die gerichtliche Untersuchung an, die mit dem Schlussverhör im September 1834 abgeschlossen wurde. Ausführlich wurde dieser zum Zweck der Verbindung und den Mitteln zur Erreichung dieses Zwecks befragt. Hinsichtlich des Zwecks der Germania und den dafür einzusetzenden Mitteln ging es primär um die Frage, ob auch die Anstiftung einer Revolution oder zumindest die Beteiligung daran zum gebilligten Zweck gehörten. Während Reuter in den bisherigen Befragungen stets behauptet hatte, dies nie als Zweck der Germania angesehen zu haben, erklärte er jetzt: „Erregung einer Revolution war ausgeschlossen, wohl aber wollte man, wenn ein Volk für die Freiheit aufstünde d. h. Deutschland, dasselbe mit den Waffen in der Hand unterstützen“. In seinem Schlusswort erklärte Reuter: „Ich weiß nichts weiter anzuführen, als daß ich bei meiner Theilnahme an der Verbindung keine strafbare Handlung beabsichtigt habe, vielmehr sogleich ausgetreten bin, als ich erkannte, daß die Verbindung eine tadelnswerte Richtung nahm. Ich habe nur mein Studentenleben möglichst genießen wollen und es werden mir Alle bezeugen, daß ich mich für die Tendenz der Verbindung, soweit sie aus dem Kreis des Universitätslebens lag, durchaus nicht interessiert habe.“[11]. Mit diesem Geständnis hatte sich Reuter – bildlich gesprochen – ans Messer geliefert. Das Kammergericht wertete dies, wie noch zu zeigen sein wird, als versuchten Hochverrat. Das Urteil sollte, so die Vorgabe der Ministerialkommission, das Aufsehen rechtfertigen, das die ganze Untersuchung in der Bevölkerung erregt hatte und die Bedeutung, Gefährlichkeit und Strafwürdigkeit der politischen Umtriebe aufzeigen.[12] Deshalb wurden die bisher getrennt bearbeiteten Verfahren zu einem einzigen gegen 204 Angeklagte zusammengefasst. Das Urteil erging schließlich am 4. August 1836.

Der Tenor des Urteils[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt wurden 198 Angeschuldigte verurteilt, zwei freigesprochen und gegen vier wurde „die Untersuchung und das Urtheil noch vorbehalten.“ Gegen 39 Angeschuldigte, wurde die Todesstrafe verhängt, davon gegen vier in verschärfter Form („mit dem Rad von oben“) und gegen 35, auch Fritz Reuter, mit dem Beil. 159 Angeklagte wurden wegen Mitgliedschaft in einer geheimen Verbindung zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Auf Vorschlag der Ministerial-Kommission wurden die Todesurteile allerdings vom König unmittelbar in langjährige Festungshaft umgewandelt.[13]

Die allgemeinen Rechtsfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gericht unterteilt seine rechtliche Bewertung in zwei Blöcke. Die allgemeinen Rechtsfragen und die konkreten Tatvorwürfe. Viele der 204 Angeschuldigten waren, wie Reuter, nicht preußische Untertanen und hatten die ihnen vorgeworfenen Taten auch nicht in Preußen begangen. Deshalb stand das Kammergericht vor folgenden komplexen Rechtsfragen: 1. Kann von einem Ausländer im Ausland Hochverrat gegen Preußen begangen werden? 2. Welche Gesetze gelten für diese Taten? 3. Waren Attentate gegen den Deutschen Bund überhaupt in Preußen mit Strafe bedroht? 4. Gab es beim Hochverrat einen milder zu bestrafenden Versuch?[14]. Entscheidend für die Verurteilung ausländischer Studenten, die ihre angeblichen Taten nicht in Preußen begangen hatten, war die Bestimmung des § 91 II 20 ALR (Zweiter Teil, 20.Titel Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten für die Preußischen Staaten). Danach konnte ein Hochverrat nur von preußischen Untertanen begangen werden. Umso erstaunlicher ist es, dass das Kammergericht § 91 II 20 ALR und die darin liegende Problematik überhaupt nicht erwähnt, sondern nur die allgemeinen Bestimmungen des ALR und der Kriminalordnung über die Bestrafung von Ausländern untersucht und daraus das „höhere Prinzip“ entwickelt, dass der Staat berechtigt sei, „die Idee des Rechts zu verwirklichen, so weit sein Arm reicht. Ein Ausländer, der im Auslande ein Verbrechen gegen den diesseitigen Staat oder dessen Fürsten begeht, ist unbedingt strafbar.“[15]. Damit ebnet das Gericht entgegen dem ALR den Weg für die Bestrafung auch der zahlreichen nichtpreußischen Angeschuldigten, die ihren angeblichen Hochverrat im Ausland begangen hatten. Bei diesen richterlichen Argumentationen zeigt sich besonders deutlich die Technik des Kammergerichts, die einschlägigen preußischen Gesetze solange zu kombinieren und zu „kneten“, bis das gewollte Ergebnis (pseudo)juristisch begründbar ist. Das Gericht wendet hier – und auch bei weiteren Fragen – eine Auslegungstechnik an, die man mit einem von Rüthers eingeführten Begriff als „unbegrenzte Auslegung“ bezeichnen kann.[16] Auch das preußische Staatsministerium vertrat die Auffassung, Hochverrat gegen den preußischen Staat, begangen von Ausländern im Ausland, sei schon nach geltendem Recht strafbar und sollte nur „näher declarirt“ werden. Dies geschah durch die Kabinettsorder vom 6. April 1834 mit der auch Ausländer für entsprechende Taten im Ausland als Hochverräter in Preußen für strafbar erklärt wurden.[17] Hülle sieht in der Kabinettsorder eine „authentische Interpretation“ des Königs, wozu er nach § 6 II 13 ALR berechtigt gewesen sei.[18] Aber der verwendete Sprachgebrauch verschleiert bewusst den Inhalt der Kabinettsorder. Diese erläutert bzw. erklärt nicht den geltenden § 91 ALR, sondern ändert diesen materiellrechtlich entscheidend. Sie will die Bestrafung in solchen Fällen auf alle Ausländer erstrecken, die ihre Taten vor Erlass der Kabinettsorder begangen haben. Damit verstößt sie aber gegen das Rückwirkungsverbot des ALR. Das Kammergericht hätte der Kabinettsorder nicht Folge leisten dürfen, sondern die betroffenen Angeschuldigten freisprechen müssen. Offenbar sah sich das Gericht aber angesichts des massiven Drucks des Staatsministeriums und der Ministerialkommission und der Erwartungshaltung des Königs nicht in der Lage, die eindeutigen Bestimmungen des ALR anzuwenden und damit einen offenen Konflikt mit dem König auszulösen. Um die geschilderten rechtlichen Probleme auf Dauer zu beseitigen, wurde in der Gesetzesrevisions-Kommission vorgeschlagen, das schwierige Problem der Bestrafung von Ausländern gesetzlich zu regeln. Ausländer, die des Hochverrats schuldig seien, sollten, auch wenn sie ihre Tat außerhalb Preußens begangen hatten, nach den preußischen Hochverratsbestimmungen bestraft werden und zwar auch rückwirkend.[19] Es spricht viel für die These des Historikers Blasius, dass der Strafjustiz in Preußen mit den Vorschlägen zur Gesetzrevision die Linie des Handelns vorgegeben wurde und diese das bestehende Recht schon im Voraus entsprechend auslegte, wie sich auch an dem Urteil des Kammergerichts vom 4. August 1836 zeige.[20] Das Gesamtergebnis seiner allgemeinen Rechtsausführungen fasst das Gericht wie folgt zusammen: „Das Ergebniß dieser Erörterungen ist für das gegenwärtige Erkenntniß von großer Bedeutung. Es liegen hochverrätherische Verbindungen vor, welche als Mittel zur Veränderung der Staatsverfassung nur eventuell, wenn die andern Mittel nicht anschlügen, die Gewalt anerkannten, und selbst dann nur in so weit, daß ein Volksaufstand zur Erreichung des Zweckes nicht erregt, wohl aber unterstützt werden sollte. Der Gebrauch der Gewalt war hier bedingt durch die fruchtlose Anwendung der übrigen Mittel und durch die Existenz eines Volksaufstandes. Dennoch leidet es kein Bedenken, daß die Theilnehmer einer solchen Verbindung des Hochverraths schuldig sind und den Tod verwirkt haben. Diese Form der Hochverrätherischen Verschwörung ist diejenige, welche von der wirklichen Vollführung am entferntesten ist.“[21]

Die konkreten Tatvorwürfe gegen Fritz Reuter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die strafrechtlich relevanten Vorwürfe gegen Reuter fasst das Gericht in vier Punkten zusammen: „Gegen Reuter liegt vor: 1. seine Theilnahme an der vereinigten Burschenschaft als Commentbursche und Mitglied, 2. seine Theilnahme an der neuen Germania als Mitglied, 3. seine Kenntnis des revolutionairen Stuttgarter Beschlusses, 4. die Beleidigung Seiner Majestät des Königs.“ In den Punkten zwei und vier hält das Gericht Reuter für strafbar. Das Gericht formuliert wörtlich: „Straffällig erscheint er dagegen nach den oben entwickelten allgemeinen Principien als Mitglied der neuen Germania, die auch nach seinem Geständniß zufolge als Mittel zur Erreichung des Verbindungs Zweckes, Theilnahme an einer Revolution anerkannte. Der Beweis gegen ihn ist durch sein qualificirtes Geständniß geführt. Ebenso hat er, wegen Beleidigung Sr. Majestät des Königs eine außerordentliche Strafe verwirkt.“[22]. Die Verurteilung wegen Majestätsbeleidigung ist nach den damals geltenden Strafvorschriften im Ergebnis nicht zu beanstanden. Angesichts der Zeugenaussagen, nach denen das Lied und auch dessen erste Strophe („Fürsten zum Land hinaus, Jetzt kommt der Völkerschmaus! Hinaus, Hinaus, Hinaus! Erst hängt den Kaiser Franz. Dann den im Siegerkranz!“) häufig auf studentischen Kneipen in Jena gesungen wurde, ist Reuters Aussage in der Tat unglaubwürdig. Reuter hat sich, wie er selbst einräumt, gern an „Kneipereien“ beteiligt und war der studentischen Geselligkeit sehr zugetan. Anders sieht es mit Reuters Strafbarkeit wegen Hochverrats aus. Zu den vom Kammergericht dafür entwickelten allgemeinen Prinzipien wurde bereits oben kritisch Stellung genommen. Wenn man dieser Rechtsauffassung folgt, hat sich Reuter schon aus allgemeinen Rechtsgründen in Preußen nicht wegen Hochverrats strafbar gemacht. Aber auch wenn man dies, wie das Kammergericht und ihm folgend Figge und auch Hülle, anders beurteilt, bleibt die Frage, ob die Reuter vorgeworfenen Tathandlungen schon den Beginn eines Hochverrats darstellen. Das vom Gericht gefundene Ergebnis ist aber nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheinen könnte. Zwar sind nach dem ALR auch schon „vorläufige Anstalten“ als Versuch strafbar, wenn nur ein Zufall den Tatfortschritt unterbrochen hat.[23] Anders gesagt heißt dies: wenn nicht ein Zufall den Tatfortschritt unterbrochen hat, sondern der Täter die Vorbereitung des fraglichen Verbrechens freiwillig aufgegeben hat, liegt kein strafbarer Versuch, sondern eine straflose Vorbereitungshandlung vor. So ist es hier. Die revolutionären Reden und eventuell auch Beschlüsse der Jenaer Studenten waren noch weit von konkreten Tathandlungen entfernt und sind deshalb nach den oben dargestellten Maßstäben als straflose Vorbereitungshandlung zu werten. Denn zwischen revolutionären Reden und entsprechenden Taten besteht ein himmelweiter Unterschied.

Resümee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Urteil enthält, wie gezeigt wurde, gravierende Fehler im rechtlichen und tatsächlichen Bereich. Rechtlich sticht hervor die Bestrafung Reuters und der weiteren ausländischen Angeschuldigten wegen Hochverrats, obwohl diese keine preußischen Untertanen waren und die ihnen angelasteten Taten im Ausland begangen hatten. Tatsächlich ist die Einordnung von Reuters eventueller Bereitschaft, an einem Volksaufstand teilzunehmen, als strafbarer Versuch und nicht als straflose Vorbereitungshandlung hochproblematisch. Auf das mit hohem interpretatorischem Aufwand und ausgefeilten Auslegungsmethoden erarbeitete Urteil passt der bissige Spruch des gelernten Juristen Goethe: „Im Auslegen seid frisch und munter! Legt ihr's nicht aus, so legt was unter.“[24]. Allerdings hat sich das Gericht schon wenige Jahre später indirekt von seinem drakonischen Urteil distanziert. Es nutzte ein Gnadengesuch eines der Hauptbeschuldigten, um dem König die Begnadigung aller 1836 zu Tode verurteilten Studenten zu empfehlen. Die Mehrheit der Angeklagten, in der damaligen Situation nach der Pariser Revolution politisch verführt, wäre sich „der Größe des Verbrechens“ eines Hochverrats nicht bewusst gewesen und hätte überdies nie „die ernstliche Absicht zur Vollführung eines solchen Verbrechens“ gehabt. Damit verneint das Gericht im Nachhinein eine für die Todesurteile wegen Hochverrats zentrale Bedingung, nämlich den Vorsatz. Friedrich Wilhelm III. lehnte die vorgeschlagenen Begnadigungen rundweg ab.[25] In der juristischen Literatur hat der Verfassungsrechtler Ernst Rudolf Huber das Urteil scharf kritisiert. Die Straftaten hätten zu den verhängten Strafen in einem „groben Mißverhältnis“ gestanden. Bei diesem Missbrauch der Gerichtsgewalt werde „das Strafurteil aus einem Mittel der Abschreckung zu einem Mittel des Schreckens“ und diene dem „Terror“, damit gebe „die Justiz sich selbst preis.“[26] Wie drakonisch das Urteil des Kammergerichts ausgefallen ist, zeigt ein Bericht der Frankfurter Bundeszentralkommission. Danach sind in den übrigen deutschen Staaten nur sieben weitere Todesurteile ausgesprochen, aber in der Revisionsinstanz auf Freiheitsstrafen reduziert worden. In zahlreichen Fällen seien anstatt der an sich gerechtfertigten Kriminalstrafen sogar nur Disziplinarstrafen der Universitäten verhängt worden.[27]

Sieben Jahre Haft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Oktober 1833 wurde Fritz Reuter auf der Heimreise nach Stavenhagen in Berlin festgenommen. Er wurde in der Festung Silberberg interniert[28] und am 4. August 1836 wegen „Teilnahme an hochverräterischen burschenschaftlichen Verbindungen in Jena und Majestätsbeleidigung“ zum Tode verurteilt. Erst am 28. Januar 1837 erfolgte die Zustellung des Urteils und die gleichzeitige Begnadigung zu 30 Jahren Festungshaft. Abgemildert wurde die Strafe später auf Betreiben des Großherzogs von Mecklenburg zu acht Jahren. Die Festungshaft verbrachte Reuter in Groß Glogau (ab Mitte Februar 1837), Magdeburg (ab Mitte März 1837), Graudenz (ab 15. März 1838) und der Festung Dömitz (ab 20. Juni 1838). Am 25. August 1840 wurde er in Dömitz entlassen.

Reuter hat die ihm und seinen Mitangeklagten vorgeworfenen Taten später in der niederdeutschen Verarbeitung seiner Festungszeit treffend und zugleich selbstkritisch wie folgt bewertet:

„Un wat hadden wi denn dahn? Nicks, gor nicks. Blot in uns’ Versammlungen un unner vir Ogen hadden wi von Ding’ redt, de jetzt up apne Strat fri utschrigt warden, von Dütschlands Friheit und Einigkeit. Äwer taum Handeln wiren wi tau swack, taum Schriwen tau dumm, dorum folgten wi de olle dütsche Mod’: wi redten blot doräwer.“

„Und was hatten wir denn getan? Nichts, gar nichts. Nur in unseren Versammlungen und unter vier Augen hatten wir von Dingen geredet, die jetzt auf offener Straße frei heraus geschrien werden, von Deutschlands Freiheit und Einigkeit. Aber zum Handeln waren wir zu schwach, zum Schreiben zu dumm, darum folgten wir der alten deutschen Mode: wir redeten nur darüber.“

Zitat nach Julius Stinde

Erfolg auf Niederdeutsch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel am Reuterhaus in Altentreptow

Nach einem kurzen Versuch, das Studium in Heidelberg fortzusetzen, zog er zu seinem Onkel, der Pastor in Jabel war. 1842 trat Fritz Reuter eine Stellung als „Strom“ (Volontär) bei einem Gutspächter in Demzin an. Dort lernte er seine spätere Frau Luise kennen, die Tochter des Roggenstorfer Pastors Kuntze. Sie arbeitete als Kindererzieherin im Haus des Pastors Augustin in Rittermannshagen. Am 3. März 1845 starb Fritz Reuters Vater, der seinen Sohn enterbt hatte. Fritz Reuter begann nun seine schriftstellerische Tätigkeit, zunächst auf Hochdeutsch, später mit mehr Erfolg auf Niederdeutsch. Im April 1850 ließ sich Reuter im pommerschen Treptow an der Tollense, seit 1939 Altentreptow, als Privatlehrer für Zeichnen und Turnen nieder. Er wurde preußischer Staatsbürger und Stadtverordneter. Am 16. Juni 1851 heiratete er Luise Kuntze in Roggenstorf.

Reuterhaus in Neubrandenburg

1853 gelang ihm mit dem Büchlein Läuschen un Rimels sein erster größerer Erfolg. Die Anfangsauflage von 1.200 Exemplaren war bereits nach wenigen Wochen ausverkauft. 1856 zog Reuter als freier Schriftsteller nach Neubrandenburg. Dort lebte Reuter nacheinander in vier Wohnungen (nur das Haus seiner zweiten Wohnung ist heute als „Reuterhaus“ erhalten). Ab 1859 verlegte Dethloff Carl Hinstorff Reuters Werke, was entscheidend zu deren Verbreitung beitrug. Eine enge Freundschaft entwickelte sich auch zwischen Fritz Reuter und Julian Schmidt, dem damals bekanntesten Literaturkritiker, der in der Zeitschrift „Grenzboten“ Reuters Werke rezensierte. „Die sieben Neubrandenburger Jahre von 1856 bis 1863 waren Fritz Reuters literarisch produktivste und - wie er zum Abschied schrieb - auch seine glücklichste Zeit.“[29]

Grab Reuters in Eisenach

Die Universität Rostock verlieh ihm 1863 die Ehrendoktorwürde.[30] Im selben Jahr siedelten Reuter und seine Frau nach Eisenach über. Dort ließen sie sich 1866/68 nach einem Entwurf des Architekten Ludwig Bohnstedt in Eisenach, am Fuße der Wartburg, eine Villa im Stil der Neorenaissance errichten (heute Reuter-Wagner-Museum). Von kreativer Bedeutung war während dieser Zeit eine Gesellschaftsreise nach Konstantinopel im Jahr 1864, die er später in seinem letzten großen Roman De Reis’ nah Konstantinopel oder de meckelnbörgschen Montecchi un Capuletti (1867) verarbeitete. Eine bleibende Erinnerung dieser Reise war auch die Begegnung mit dem in der Schweiz lebenden Hamburger Journalisten François Wille, mit dem er fortan in sporadischem Briefverkehr blieb und dessen er sich auch in dem Roman erinnert.[31] Anfang April 1874 traf ihn ein Schlaganfall, der ihn an den Rollstuhl fesselte, am 12. Juli 1874 starb Fritz Reuter im Alter von 63 Jahren in Eisenach.

Die nach einem Gedicht Reuters benannte Zeitschrift De Eekboom,[32] deren Schriftleiter der hinterpommersche Mundartdichter Albert Schwarz war, war jahrzehntelang das wichtigste Sprachrohr der niederdeutschen literarischen Bewegung.

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reuter-Wagner-Museum in Eisenach

Neben Klaus Groth gehört Fritz Reuter zu denjenigen Schriftstellern, die bewusst das Niederdeutsche nutzten. Reuter schrieb nach eigenen Angaben „in mecklenburgisch-vorpommerscher Mundart“.[33] Gemeinsam mit seinem Verleger Hinstorff entwickelte Reuter dabei eine neue Kunstform des Niederdeutschen, die entscheidend zur Verbreitung seiner Werke im niederdeutschen Sprachraum und weit darüber hinaus beitrug. Dennoch weist Reuters Platt viele Eigenheiten des Mecklenburgischen auf.[34] Reuter wurde zu einem Wegbereiter der Wiederbelebung der niederdeutschen Sprache als Literatursprache und bewies durch seinen Erfolg zugleich weiten Kreisen der Bevölkerung die Literaturfähigkeit der niederdeutschen Sprache. Seine Werke sind von feinsinnigem Humor und zahlreichen satirischen Anspielungen geprägt. Reuter zeigte sich in seinen Geschichten als ein Autor, der dem Volk „aufs Maul“ zu schauen verstand. Dabei brachte er immer wieder soziale Problematiken ins Spiel und benutzte die Stilmittel des Niederdeutschen, um versteckte Spitzen auf Aristokratie und Obrigkeit an der Zensur vorbei anzubringen. Seine Bücher wurden ins Dänische, Englische, Finnische, Französische, Italienische, Japanische, Niederländische, Norwegische, Polnische, Rumänische, Russische und Schwedische übersetzt, zwei seiner Werke (Woans ick tau ’ne Fru kamm und Ut de Franzosentid) auch ins Friesische.

Hochdeutsche Übertragungen seiner Werke, welche Reuter selbst nie zugelassen hatte,[35] erschienen erst ab 1905 in wachsender Zahl.[36]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Institutionen der heutigen Reuter-Rezeption gehören die Fritz Reuter Gesellschaft e. V. mit Sitz in Neubrandenburg, das Fritz-Reuter-Literaturmuseum in Stavenhagen, das Reuter-Wagner-Museum in Eisenach, der Förderverein Reuter-Museen e. V. und das Fritz Reuter Literaturarchiv Hans-Joachim Griephan in Berlin. Das Archiv führt eine Kartei der Briefe von und an Fritz Reuter.

Ein noch weitgehend weißer Fleck in der Forschung zu Fritz Reuter ist die Reuterrezeption von 1933 bis 1945 (Nationalsozialismus) und von 1945 bis 1989 (Sowjetische Besatzungszone/DDR).[37]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgewählte Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Klammern ist die hochdeutsche Entsprechung angegeben.

Ausgewählte Gedichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ik weit einen Eikbom, de steiht an de See (Ich weiß einen Eichenbaum, der steht an der See)
  • De Koppweihdag’ (mit der zum Zitat gewordenen Zeile „Wat is woll gaud för Koppweihdag’?“ – Was ist wohl gut gegen Kopfschmerzen?)
  • De Reknung ahn Wirt[38]

Werkausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sämmtliche Werke von Fritz Reuter. 15 Bände. Hinstorff, Wismar 1864–1897[39]
  • Sämmtliche Werke von Fritz Reuter. Volks-Ausgabe in 7 Bänden. Hinstorff, Wismar 1877 ff.[40]
  • Fritz Reuters Sämtliche Werke in Fünfzehn Büchern. 4 Bände. Hrsg.: Hermann Jahnke, Albert Schwarz. A. Weichert, Berlin 1900 bis 1920 (wechselnde Aufl.)
  • Fritz Reuters sämtliche Werke in 12 Bänden. Hrsg.: Karl Theodor Gaedertz. Reclam, Leipzig 1905 (mehrfach nachgedruckt).
  • Fritz Reuters sämtliche Werke. Hrsg.: Carl Friedrich Müller. Hesse, Leipzig 1905
  • Reuters Werke. Kritisch durchgesehene und erläuterte Ausgabe in sieben Bänden. Hrsg.: Wilhelm Seelmann. Bibliographisches Institut, Wien 1905/1906.
  • Fritz Reuters Werke. 2 Bände. Hrsg.: Karl Macke. 1905/1906.
  • Fritz Reuter – Gesammelte Werke und Briefe. 9 Bände. Hrsg.: Kurt Batt. Hinstorff, Rostock 1967 (Nachdr. Reich, Rostock 1990, ISBN 3-86167-003-8).

Hörbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Briefe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Leben und Wirken und Fritz Reuter werden in folgenden Museen thematisiert:

Fritz Reuters Geburtshaus, das alte Rathaus von Stavenhagen, präsentiert sich heute als Fritz-Reuter-Literaturmuseum und beherbergt die größte Museumsausstellung zu Leben und Werk des Dichters, darunter sein Geburtszimmer. Im letzten Wohnhaus Reuters in Eisenach, einer weißen Villa an der Auffahrt zur Wartburg, ist heute das Reuter-Wagner-Museum untergebracht. Hier finden auch Konzerte und Trauungen statt. Reuters Frau Luise vererbte Villa und Garten (exklusive „Mobilien, Hausgeräte usw.“) der Schiller-Stiftung in Weimar, die ihr Erbe ein Jahr später an die Stadt Eisenach verkaufte. Im Kaufvertrag wurde festgelegt, dass das Arbeitszimmer Reuters und zwei weitere Räume im ursprünglichen Zustand erhalten bleiben sollen. Außerdem sollten diese Räume, einer musealen Nutzung überführt, zur bleibenden Erinnerung an den Dichter dienen. Das Museum wurde 1897 eröffnet. Das Grab Fritz Reuters und seiner Frau befindet sich auf dem neuen Friedhof in Eisenach. Von Reuters vier Neubrandenburger Wohnungen überstand nur die zweite das Flammeninferno 1945. Es ist heute als Reuterhaus vielbesuchtes Touristenziel.

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Seit 1949, seinem 75. Todestag, trägt Reuters Geburtsstadt Stavenhagen den Beinamen Reuterstadt. In der Hansestadt Rostock wurde der Stadtteil Reutershagen nach ihm benannt.
  • Der nördliche Teil des Berliner Stadtteils Neukölln wird aufgrund des dort befindlichen Reuterplatzes und der Reuterstraße allgemein als Reuterkiez oder Reuterquartier bezeichnet.
  • Bilder und Zitate von Fritz Reuter wurden auf dem sogenannten Reutergeld abgedruckt, das heute ein begehrtes Sammlerobjekt ist.
  • In der in den Jahren 1925 bis 1933 in Berlin-Neukölln errichteten Fritz-Reuter-Stadt, der Großsiedlung Britz mit der Hufeisensiedlung tragen die Straßen zur Erinnerung an den Dichter Namen einiger biographischer Stationen (Stavenhagener Straße, Parchimer Allee, Gielower und Talberger Straße u. a.) und seiner Werke (Onkel Bräsig, Paster Behrens, Jochen-Nüßler-Straße, Dörchläuchting, Hüsung, Mining, Liningstraße u. v. a.). Um das charakteristische Hufeisen verläuft der Lowise-Reuter-Ring, am östlichen Rand der Siedlung verläuft die Fritz-Reuter-Allee.
  • Außerdem tragen heute eine Vielzahl von Schulen, Straßen, Geschäften, Vereinen und Arbeitsgruppen und vieles andere mehr den Namen von Fritz Reuter oder von Figuren aus seinen Werken.

Denkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel in der Reuterstraße, in Berlin-Neukölln
Fritz-Reuter-Denkmal in Neubrandenburg
Detail des Fritz-Reuter-Denkmals in Stavenhagen: Ut mine Festungstid
  • 1875 in Eisenach, Grabdenkmal von Walter Kyllmann mit Büste von Bernhard Afinger[43]
  • 1876 in Union Hill, New Jersey (USA)
  • 1885 in der Kalißer Heide (zwischen Alt Kaliß und Göhren), Reuter-Stein[44]
  • 1888 in Jena, Büste von Ernst Paul
  • 1893 in Chicago, Statue von Franz Engelsman (Reliefs verloren)
  • 1893 in Neubrandenburg, Statue von Martin Wolff
  • 1896 in Wismar, Büste von Hermann Zimmermann
  • 1910 in Malliß, Reuter-Stein
  • 1910 in Cottbus, Reuter-Stein am Badesee Cottbus-Madlow
  • 1910 im Krakower See auf der Halbinsel Lehmwerder, Reuter-Stein
  • 1910 in Ostseebad Wustrow, Reuter-Eiche und Reuter-Stein
  • 1911 in Glogau, Figurengruppe „Hawermann mit Mining und Lining“ (1959 zerstört)
  • 1911 in Stavenhagen, Statue von Wilhelm Wandschneider
  • 1912 in Bremerhaven, Speckenbütteler Park, Reuter-Stein
  • 1914 in Rostock, Brunnen „Hanne Nüte“ von Ewald Holtz (Reliefporträt heute gesondert auf einem Findling an neuem Standort)
  • 1914 in Berlin-Neukölln, Brunnen „Mining und Lining“ von Heinrich Mißfeldt (im Zweiten Weltkrieg zerstört, 1957 völlig verändert wieder aufgestellt, 1992 auf Grundlage des 1914 erstellten Brunnens wiederhergestellt)
  • 1921 in Aue, Wandbrunnen und Gedenktafel an der Gaedtvilla
  • 1923 in Neubrandenburg, Brunnen „Mudder-Schulten-Brunnen“ von Wilhelm Jäger
  • 1924 in Röbel/Müritz, Reuter-Stein (zum 50. Todestag)
  • 1949/58 in Berlin-Neukölln, Brunnen von Karl Wenke (weitgehend zerstört)
  • 1993 in Berlin-Neukölln, Brunnen unter Verwendung alter Teile
  • 2004 in Rostock, Statue von Thomas Jastram
  • in Stavenhagen, Reuter-Stein
  • in Dömitz, Büste von Friedrich Fuhrmann (1926–1983), Bildhauer in Dömitz
  • in Barmstedt, Reuter-Stein mit Relief von?
  • in Gadebusch (Mecklenburg-Vorpommern), Reuter-Stein

Widmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Felix Eberty widmete Fritz Reuter seine siebenbändige Geschichte des preußischen Staats. Breslau 1867–1873.[45]

Briefmarken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

200. Geburtstag Reuters: Deutsche Briefmarke von 2010

Zu Ehren von Fritz Reuter gab die Postverwaltung der DDR 1954 zum 80. Todestag eine Gedenkmarke heraus. Die Deutsche Bundespost folgte 1985 zum 175. Geburtstag mit einer Sonderbriefmarke. 2010 veröffentlichte die Bundesrepublik Deutschland ein Sonderpostwertzeichen zum 200. Geburtstag. Der private Nordkurier-Briefdienst des Neubrandenburger Kurierverlages legte 2010 die vier Werte umfassende Briefmarkenedition „200. Geburtstag von Fritz Reuter“ auf.

„Wenn einer dauhn deiht, wat hei deiht, denn kann hei nich mihr dauhn, as hei deiht (Wenn einer tut, was er tun kann, dann kann er nicht mehr tun, als er tut)

Fritz Reuter: De Reis’ nah Bellingen

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1912: Die Nachbarskinder
  • 1919: Ut mine Stromtid
  • 1924: Livet på landet (nach Ut mine Stromtid)
  • 1925: Kampf um die Scholle
  • 1936: Onkel Bräsig (nach Ut mine Stromtid)
  • 1943: Livet på landet (nach Ut mine Stromtid)
  • 1954: Kein Hüsung
  • 1965: Landmandsliv
  • 1978: Onkel Bräsig (TV-Serie)
  • 1981: Aus der Franzosenzeit (TV)

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geburtstagsfeiern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medaille zum 100. Geburtstag 1910 (Silber 33 mm)

Der 200. Geburtstag von Fritz Reuter 2010 wurde in Mecklenburg-Vorpommern durch vielfältige Ehrungen, Veranstaltungen, Publikationen und Feierlichkeiten begangen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landesbibliographie Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet derzeit mehr als 1770 Publikationen über Fritz Reuter und sein Werk. Über keine andere Persönlichkeit aus Mecklenburg oder Vorpommern existiert auch nur annähernd vergleichbar viel Literatur.

  • Hermann Ebert: Fritz Reuter. Sein Leben und seine Werke. F. Opitz, Güstrow 1874 OCLC 3955768. (Erste Biografie nach Reuters Tod)
  • Karl Theodor Gaedertz (Text); Conrad Beckmann (Illustrationen): Fritz Reuter-Gallerie. (Zum 10. Todestag). Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft, München 1884.
  • Boëß.: Reuter, Fritz (1. Art.). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 28, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 319–327.
  • Karl Theodor Gaedertz: Aus Fritz Reuters jungen und alten Tagen. 3 Bände. Hinstorff’sche Hofbuchhandlung Verlagscontor, Wismar 1897–1898. [2 weitere Auflagen]
  • Karl Theodor Gaedertz: Reuter, Fritz (2. Art.). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 53, Duncker & Humblot, Leipzig 1907, S. 304–310.
  • Otto Clorius; Fritz Reuters Frömmigkeit in seinen Dichtungen und in seinem Leben. 1924
  • Gerhard Figge, Fritz Reuter. Eine aktenmäßige Darstellung seines Prozesses und seiner Auslieferung, in: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft, Bd. 62, 1942.
  • Fritz Meyer-Scharffenberg: Des Bürgermeisters Sohn. Aus Fritz Reuters Kindheit. Petermänken, Schwerin 1960, DNB 575116056.
  • Kurt Batt: Fritz Reuter – Leben und Werk. Hinstorff, Rostock 1967. Nachdruck: Reich, Rostock 1990. ISBN 3-86167-012-7.
  • Carolinum. Historisch-literarische Zeitschrift. Band 40, 1974, Nr. 68/69 = Fritz-Reuter-Sonderheft.
  • Werner Hülle, Über das berüchtigte Todesurteil des preußischen Kammergerichts gegen den Studenten Fritz Reuter wegen Hochverrats, in: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft, Band 89 (1977).
  • Michael Töteberg: Fritz Reuter in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1978. ISBN 3-499-50271-2.
  • Arnold Hückstädt; Wolfgang Siegmund: Fritz Reuter. Wissenschaftliche Bibliographie zu Leben, Werk und Wirkung. Stavenhagen 1982.
  • Jürgen Borchert: Reuter in Eisenach. Briefroman. Hinstorff, Rostock 1982. ISBN 3-356-00033-0. Neuauflage: Demmler, Ribnitz-Damgarten 1997. ISBN 3-910150-33-0.
  • Arnold Hückstädt: Wenn einer Augen hat zu sehen … Fritz Reuter. Sein Leben in Bildern und Texten. Hinstorff, Rostock 1986. [3. Auflage: Hinstorff, Rostock 1990. ISBN 3-356-00043-8.]
  • Arnold Hückstädt: Reisen zu Reuter. Erinnerungsstätten in der DDR. Tourist-Verlag, Berlin (u. a.) 1990. ISBN 3-350-00340-0.
  • Arnold Hückstädt: Wenn Erzähltes sich zum Bilde formt. Die Werke Fritz Reuters im Schmuck ihrer Illustrationen. Hinstorff, Rostock 1991. ISBN 3-356-00393-3.
  • Arnold Hückstädt: Georg Johann Reuter – Stavenhagens tüchtiger Bürgermeister, Mecklenburgs genialer Landwirt, Fritz Reuters strenger Vater. Hinstorff, Rostock 1999. ISBN 3-356-00824-2.
  • Christian BunnersReuter, Fritz Heinrich Ludwig Christian. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 462–464 (Digitalisat).
  • Volker Griese: Fritz Reuter. Chronik seines Lebens. Husum 2003. ISBN 3-89876-098-7.
  • Arnold Hückstädt: Auf Fritz Reuters Spuren in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Wegweiser zu Erinnerungsstätten. Hinstorff, Rostock 2006. ISBN 978-3-356-01162-3.
  • Birgid Hanke: Reformer, Demokrat, Schriftsteller. Auf Fritz Reuters Spuren. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2010. ISBN 978-3-8319-0414-3.
  • Stadt Neubrandenburg [Hrsg.]: »Ich werde nie die freundliche Vorderstadt Neubrandenburg vergessen«. Fritz Reuter zum 200. Geburtstag. Festschrift. Hinstorff, Rostock 2010. ISBN 978-3-356-01374-0
  • Bibliographie der Sekundärliteratur zu Fritz Reuter – Leben, Werk und Wirkung. (= kikut, Band 29). Hrsg.: Fritz-Reuter-Literaturmuseum. Stavenhagen 2010. ISBN 3-910030-08-4.
  • Cornelia Nenz: Theater um Fritz Reuter – die Werke Reuters in der deutschsprachigen Theater- und Filmrezeption. [Dissertation, HU Berlin 2011.] Steffen, Friedland 2011. ISBN 978-3-941683-14-3.
  • Arnold Hückstädt: Fritz Reuter als Zeichner und Porträtmaler. Hinstorff, Rostock 2016. ISBN 978-3-356-02041-0.
  • Norbert Otto: Julian Schmidt – Eine Spurensuche. Hildesheim 2018. ISBN 978-3-487-08617-0. (Über Reuters Beziehung zu Schmidt vgl. bes. S. 188–195)
  • Uwe Bake, Voraueilender Gehorsam oder die unbegrenzte Auslegung. Der Hochverratsprozess gegen Fritz Reuter vor dem Kammergericht Berlin, o. J. (2021), herausgegeb. vom Fritz-Reuter-Literaturmuseum.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Fritz Reuter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Fritz Reuter – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eine alte Familienlegende, die sich hartnäckig bei den Reuters hielt, wollte von einer Abstammung von aus dem Salzburgischen vertriebenen Protestanten wissen. Trotz tiefgründiger genealogischer Forschungen des Schweriner Archivars Hans Heinrich Leopoldi (1917–1978), der Reuters Vorfahren über zehn Generationen hinweg dokumentierte, fand sich keinerlei Ansatzpunkt, der diese Mähr hätte bestätigen können. --- Vgl. Hans Heinrich Leopoldi: Fritz Reuters Herkunft und Verwandtschaft. In: Fritz Reuter - Gesammelte Werke und Briefe. Bd. VIII: Briefe. - Rostock, 1966/67. [Nachdr.: Rostock : Konrad Reich Verl., 1990.] S. 899–920.
  2. vgl. Töteberg, S. 20
  3. Matrikelbuch der Universität Rostock: Juli 1791 – Juli 1841
  4. Immatrikulation von Fritz Reuter im Rostocker Matrikelportal
  5. Gunther Tilse (Hrsg.): Geschichte des Corps Vandalia zu Rostock. Dortmund 1975
  6. Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 5: R–S. Winter, Heidelberg 2002, ISBN 3-8253-1256-9, S. 54.
  7. Hans Joachim Gernentz: Fritz Reuter – Festschrift zum 150. Geburtstag. Rostock 1960
  8. Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band II: Künstler. Winter, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-8253-6813-5, S. 573–575.
  9. Uwe Bake, Vorauseilender Gehorsam oder die unbegrenzte Auslegung. Der Hochverratsprozess gegen Fritz Reuter vor dem Kammergericht Berlin, o.J (2021), S. 24
  10. Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1800-1866.Bürgerwelt und starker Staat, 4. Aufl. 1987, S. 82ff.
  11. Bake, Vorauseilender Gehorsam, S. 21
  12. Gerhard Figge, Fritz Reuter. Eine aktenmäßige Darstellung seines Prozesses und seiner Auslieferung. In: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft, Bd. 62, 1944, S. 320ff., S. 419.
  13. "Bake, Vorauseilender Gehorsam",S. 23
  14. "Bake, Vorauseilender Gehorsam",S. 25
  15. "Bake, Vorauseilender Gehorsam",S. 26
  16. Bernd Rüthers, Die unbegrenzte Auslegung. Zum Wandel der Privatrechtsordnung im Nationalsozialismus, 6. Auflage 2005
  17. abgedruckt in Kamptz Jahrbücher für die preußische Gesetzgebung, Rechtswissenschaft und Rechtsverwaltung, Band 43 (1834) S. 638 f.
  18. Werner Hülle, Über das berüchtigte Todesurteil des preußischen Kammergerichts gegen den Studenten Fritz Reuter wegen Hochverrats. In: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft, Band 89 (1977), S. 899 ff., S. 911
  19. Gesetzrevision(1825-1848). I. Abteilung Straf- und Strafprozeßrecht. Band 3 Straf- und Strafprozeßrecht (Ministerium Kamptz; 1833-1837) herausgeg. von Jürgen Regge, 1984, S. 21
  20. Dirk Blasius, Politische Strafjustiz in der frühen Bundesrepublik. Eine historische Ortsbestimmung. In: Kritische Justiz Band 31 (1998), S. 219 ff., 224
  21. Bake, Vorauseilender Gehorsam, S. 31
  22. Bake, Vorauseilender Gehorsam,S. 35
  23. § 42 II 20 ALR
  24. Johann Wolfgang von Goethe, Zahme Xenien, Band II, 1821
  25. "Bake, Vorauseilender Gehorsam", S. 40
  26. Ernst Rudolf Huber, Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789, Band II, Der Kampf um Einheit und Freiheit 1830 bis 1850, 3. Aufl. 1988, S. 177
  27. Leopold Ilse, Geschichte der politischen Untersuchungen, Nachdruck der Ausgabe von 1860, 1975, S. 366 ff.
  28. Mithäftlinge (nach Arnold Hückstädt: Briefe. Hinstorff: Rostock 2009, S. 526f.)
  29. Oberbürgermeister Dr. Paul Krüger im Geleitwort der Festschrift zum 200. Geburtstag. - Vgl. »Ich werde nie die freundliche Vorderstadt Neubrandenburg vergessen«. Fritz Reuter zum 200. Geburtstag. Hinstorff Verlag, Rostock 2010. ISBN 978-3-356-01374-0. S. 6
  30. Fritz Reuter und die Universität Rostock (PDF; 6,1 MB) Profile Magazin der Uni Rostock, abgerufen am 8. September 2018
  31. Enzo Maaß: Konstantinopel 1864: ‚Sie kennen doch den Dokter Wille?‘: Fritz Reuter und François Wille: Notizen zu einer Reisebekanntschaft. In: Fritz-Reuter-Literaturmuseum (Hrsg.): kikut: Plattdütsch gistern un hüt. Nachrichten ut de Reuterstadt. Band 37. Stavenhagen 2016, S. 17–27.
  32. Fritz Reuter: De Eekboom (Memento vom 26. Juli 2004 im Internet Archive)
  33. Im werbewirksamen Untertitel zu den Läuschen und Rimels heißt es: „Plattdeutsche Gedichte heiteren Inhalts in mecklenburgisch-vorpommerscher Mundart“.
  34. Vgl. Hans-Joachim Gernentz: Niederdeutsch – gestern und heute. Beiträge zur Sprachsituation in den Nordbezirken der Deutschen Demokratischen Republik in Geschichte und Gegenwart. Rostock 1980, S. 28–29 sowie Dieter Stellmacher: Niederdeutsche Sprache. 2. überarb. Aufl. Weidler, Berlin 2000, S. 146–151.
  35. Britta Probohl: Fritz Reuter – ein plattdeutscher Dichter. NDR.de
  36. Den Reigen hochdeutscher Übertragungen einzelner Reuter-Werke eröffnete eine 1905 im Berliner Herlet-Verlag herausgebrachte Prachtausgabe von Ut mine Stromtid und Dörchläuchting. – Vgl. dazu Ilse Barnikol: Fritz Reuter Bibliographie. In: Fritz Reuter – eine Festschrift zum 150. Geburtstag. Hrsg.: Reuter-Komitee der Deutschen Demokratischen Republik. VEB Hinstorff Verlag, Rostock 1960. S. 187–236 [Hier S. 198 f.]
  37. Vgl. Bibliografie der Sekundärliteratur zu Fritz Reuter – Leben, Werk und Wirkung. kikut 29/2007, S. 10–175.
  38. Die obigen drei Gedichte sind aus: Echtermeyer, Deutsche Gedichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Neugestaltet von Benno von Wiese, August Bagel Verlag, Düsseldorf 1960 (491.–525. Tausend) – ohne ISBN
  39. Die einzelnen Bände in unterschiedlicher Auflagenhöhe, es gab bis zu 15 Aufl. einzelner Bände
  40. hohe Auflagen bis 1895
  41. Fritz Reuter – Various Artists (1974, 2 Platten Vinyl 7″). Abgerufen am 12. März 2022.
  42. Plattdütsch Gistern Un Hüt (1980, Vinyl). Abgerufen am 5. April 2021.
  43. Arnd Kniese: Fritz Reuters Grabanlage wird restauriert. (PDF; 16,6 MB) In: Denkmalgeflüster 29. 2/2017, 28. November 2017, S. 6–10, abgerufen am 13. Juli 2019.
  44. Sabine Weigelt: Der Reuterstein. Abgerufen am 9. September 2011.
  45. Felix Eberty: Geschichte des preußischen Staats. Band 1. Breslau 1867. S. VI (books.google.de)