Peripherer Widerstand

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Der (totale) periphere Widerstand (englisch total peripheral resistance, TPR) ist ein Fachausdruck aus der Medizin. Er wird in der Physiologie des Herzkreislaufsystems verwendet.

Mit dem Begriff wird beschrieben, dass die Schlagadern und die Venen dem vom Herzen generierten Blutstrom einen Widerstand entgegensetzen, der im Rahmen der Kreislaufregulation variieren kann, wenn zur bedarfsgerechten Organdurchblutung Gefäßwiderstände durch Änderung der Gefäßweite (Vasokonstriktion und Vasodilatation) verändert werden. Peripher heißt in diesem Zusammenhang „außerhalb des Herzens“ in den Gefäßen begründet. Ein erhöhter nichtperipherer Widerstand würde z. B. von einer verengten Aortenklappe ausgehen.

Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptregulation des Blutdrucks erfolgt in den Arteriolen, den präkapillären Widerstandsgefäßen, durch Kontraktion oder Entspannung von glatter Muskulatur in der Gefäßwand. Obwohl der periphere Widerstand im Wesentlichen von der Änderung des Gefäßdurchmessers abhängt, kann er – wenn auch in weitaus geringerem Maße – durch die Blutviskosität beeinflusst werden.

Rechnerisch ist der periphere Widerstand im großen Kreislauf analog zum ohmschen Widerstand als Differenz zwischen mittlerem arteriellen Druck in der Aorta und zentralem Venendruck im rechten Vorhof geteilt durch das Herzzeitvolumen definiert.

R = \frac{\Delta p}{\dot V}

Der periphere Widerstand ergibt sich aus den einzelnen Gefäßwiderständen unter sinngemäßer Anwendung der Regeln zur Addition von elektrischen Widerständen in Reihen- und Parallelschaltung.

Die SI-Einheit des peripheren Widerstandes ist Pa·(s/m3) = N·s/m5. Es existieren eine Reihe älterer Einheiten: dyn·sek/cm5 oder mmHg·min/l.

Messung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Messung des peripheren Widerstands besteht in der Messung der Druckdifferenz und des Herzzeitvolumens. Die Drücke können bei einer Herzkatheteruntersuchung bestimmt werden, weniger genau ist Berechnung des mittleren arteriellen Drucks aus systolischem und diastolischen Blutdruck mit Annahme eines Tabellenwertes für den zentralvenösen Druck.

Das Herzzeitvolumen kann beispielsweise durch Echokardiografie oder Impedanzkardiografie bestimmt werden.

Grob abgeschätzt werden kann der periphere Widerstand an der Hauttemperatur (kühle Haut = hoher peripherer Widerstand; warme Haut = niedriger peripherer Widerstand).

Normalwerte[1][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Großer Kreislauf = systematischer oder peripherer Gefäßwiderstand (SVR): 900 - 1400 dyn x sec x cm−5= 11,3-17,5 mmHg x min/l
  • Kleiner (=Lungen) Kreislauf = pulmonaer Gefäßwiderstand (PVR): Norm: 45-120 dyn x sec x cm−5 = 0,56-0,94 mmHg x min/l

Einflussfaktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zustände mit erhöhtem peripheren Widerstand
Zustände mit erniedrigtem peripheren Widerstand
  • (dynamische) Muskelarbeit, inklusive Erholungsphase
  • Notwendigkeit der Wärmeabgabe
  • Schwangerschaft
  • anaphylaktischer Schock
  • Hypoxie in den Gefäßen des großen Kreislaufes

Die Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) ist ein Zustand, bei dem widerstandserhöhende und widerstandssenkende Einflüsse gleichzeitig wirksam sind. In der Summe wird der periphere Widerstand gesenkt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mewis, Riessen, Spyridopoulos (Hrsg.): Kardiologie compact - Alles für Station und Facharztprüfung. 2. Aufl. Thieme, Stuttgart, New York 2006, ISBN 3-13-130742-0, S. 110.