Peripherer Widerstand

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Der (totale) periphere Widerstand (englisch total peripheral resistance, TPR) ist eine Größe aus der Physiologie des Herzkreislaufsystems mit medizinischer Bedeutung. Sie quantifiziert den Widerstand, den die Blutgefäße und die Viskosität des Blutes dem vom Herzen generierten Volumenstrom entgegensetzen. Peripher heißt in diesem Zusammenhang „außerhalb des Herzens“ in den Gefäßen begründet; ein erhöhter nichtperipherer Widerstand würde z. B. von einer verengten Aortenklappe ausgehen.

Der periphere Widerstand kann im Rahmen der Kreislaufregulation variieren, er sinkt durch Weitung und steigt durch Verengung der Arteriolen, die lokal die Durchblutung bestimmen. Gefäßverengung wird durch den Sympathikus vermittelt und wirkt als Teil des Baroreflexes kurzfristig Abfällen des Blutdrucks entgegen.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Differenz zwischen mittlerem arteriellen Blutdruck und zentralem Venendruck ist der Antrieb für den Blutstrom durch den Körperkreislauf. Der periphere Widerstand ist (analog zum ohmschen Widerstand) als Quotient von Druckdifferenz und Herzzeitvolumen definiert:

Die SI-Einheit des peripheren Widerstandes ist Pa·s/m3N·s/m5. Zu älteren Einheiten besteht die Beziehung 1 mmHg·min/l = 7999320 N·s/m5 ≈ 80 dyn·sek/cm5.

Der periphere Widerstand ergibt sich aus einzelnen Gefäßwiderständen unter sinngemäßer Anwendung der Regeln zur Addition von elektrischen Widerständen in Reihen- und Parallelschaltung.

Messung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Messung des peripheren Widerstands besteht in der Messung der Druckdifferenz und des Herzzeitvolumens. Die Drücke können bei einer Herzkatheteruntersuchung genau bestimmt werden. Unter Verwendung eines Tabellenwerts für den zentralen Venendruck und einer Faustformel zur Berechnung des mittleren arteriellen Drucks sind (mit geringer Genauigkeit) auch systolischer und diastolischer Blutdruck aus der gewöhnlichen Blutdruckmessung verwertbar.

Das Herzzeitvolumen kann beispielsweise durch Echokardiografie oder Impedanzkardiografie bestimmt werden.

Grob abgeschätzt werden kann der periphere Widerstand an der Hauttemperatur (kühle Haut: hoher peripherer Widerstand; warme Haut: niedriger peripherer Widerstand). Der Schockindex (Herzfrequenz durch arteriellen Blutdruck) kann als Maß für den peripheren Widerstand angesehen werden, wobei ein normales Schlagvolumen vorausgesetzt werden muss, sodass von der Herzfrequenz auf das Herzzeitvolumen geschlossen werden kann. Ein niedriger peripherer Widerstand äußert sich dann in einem hohen Schockindex.

Normalwerte[1][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Großer Kreislauf: systemischer oder peripherer Gefäßwiderstand (SVR): 900–1400 dyn×sec×cm−5 = 11,3–17,5 mmHg×min/l
  • Kleiner Kreislauf: pulmonaler Gefäßwiderstand (PVR): 45–120 dyn×sec×cm−5 = 0,56–0,94 mmHg×min/l

Einflussfaktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zustände mit erhöhtem peripheren Widerstand
Zustände mit erniedrigtem peripheren Widerstand
  • dynamische Muskelarbeit, Erholung nach Muskelarbeit
  • verstärkte Durchblutung der Haut zur Wärmeabgabe
  • Schwangerschaft
  • Shunts
  • anaphylaktischer Schock
  • Hypoxie in den Gefäßen des großen Kreislaufes

Die Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) ist ein Zustand, bei dem widerstandserhöhende und widerstandssenkende Einflüsse gleichzeitig wirksam sind. In der Summe wird der periphere Widerstand gesenkt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mewis, Riessen, Spyridopoulos (Hrsg.): Kardiologie compact - Alles für Station und Facharztprüfung. 2. Auflage. Thieme, Stuttgart, New York 2006, ISBN 3-13-130742-0, S. 110.