Persisches Alphabet

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Persisches Alphabet
Schrifttyp Abdschad
Sprachen Persisch
Kasachisch
Kirgisisch
Kurdisch
Osmanisch
Panjabi
Sindhi
Urdu
Turkmenisch
Uigur
Usbekisch
Verwendungszeit seit 642 n. Chr.
Abstammung Byblos-Schrift
 → Phönizische Schrift
  → Aramäische Schrift
   → Protosemitisches Alphabet
    → Nabatäische Schrift
     → Arabische Schrift
      → Persisches Alphabet
Besonderheiten horizontal von rechts nach links

Das Persische Alphabet dient der graphischen Präsentation des Neupersischen, einer indogermanischen Sprache, und besteht aus insgesamt 32 Buchstaben. Das Alphabet ist eine modifizierte Form des arabischen Alphabets: Das arabische Grundalphabet wurde um vier Buchstaben erweitert, außerdem wurde die Schreibweise zweier weiterer Buchstaben leicht verändert.

Das persisch-arabische Alphabet wurde ab 642 n. Chr. nach der islamischen Expansion im Iran eingeführt und etablierte sich dort bis ins 9. Jahrhundert. Vor der Adaption des arabischen Alphabetes wurde für das Mittelpersische meist die fälschlicherweise als „Pahlavi“ bezeichnete Kursivform der aramäischen Schrift verwendet, für religiöse Zwecke und das Avestische auch die avestische Schrift, die jedoch ebenfalls auf der aramäischen Schrift basiert.

Die Buchstaben des persischen Alphabets[Bearbeiten]

Das persische Alphabet liest sich wie das arabische von rechts nach links, kurze Vokale werden entweder gar nicht ausgeschrieben oder lediglich durch Diakritika angezeigt. Die Schreibweise der Buchstaben ändert sich abhängig von der Stellung im Wort: initial (nach links verbunden), medial (beidseitig verbunden), final (von rechts verbunden) oder isoliert. Die beschriebene Aussprache bezieht sich auf modernes Teheraner Persisch, Aussprachen in anderen Regionen und Ländern sind zum Teil stark abweichend.

Name DMG[1] Junker/Alavi [2] Aussprache Lautschrift Final Medial Initial Isoliert Anmerkungen Unicode
Alef ā, a (mit Hamza: ʾ ) ā, a

(mit Hamza: U-A725 LATIN SMALL LETTER EGYPTOLOGICAL AIN.gif )

langes offenes a, am Wortanfang oder wenn Hamzaträger mit Knacklaut [ɒ; ʔ] ‎* ا‎* ا Der Knacklaut wird nur transkribiert, wenn Alif im Wortinneren Hamzaträger ist (betrifft arabische Lehnwörter). U+0622 (Alif-e maddī),
U+0627 (Alef)
Be b b b [b] U+0628
Pe p p p [p] پ im arabischen Grundalphabet nicht enthalten U+067E
Te t t t [t] U+062A
Se s s stimmloses s [s] weist auf ein arabisches Lehnwort hin U+062B
Dschim ǧ ǧ dsch [] U+062C
Tsche č č tsch [] im arabischen Grundalphabet nicht enthalten U+0686
He-ye Dschimi h h [h] weist auf ein arabisches Lehnwort hin U+062D
Che x ch wie in Bach [x] U+062E
Dāl d d d [d] ‎* ‎* U+062F
Sāl z stimmhaftes s [z] ‎* ‎* U+0630
Re r r gerolltes r mit einem Zungenschlag [r] ‎* ‎* U+0631
Ze z z stimmhaftes s [z] ‎* ‎* U+0632
Že ž ž j wie in Journal [ʒ] ‎* ژ‎* ژ im arabischen Grundalphabet nicht enthalten U+0698
Sin s s stimmloses s [s] U+0633
Schin š š sch [ʃ] U+0634
Sād s stimmloses s [s] U+0635
Zād ż z stimmhaftes s [z] ﺿ weist auf ein arabisches Lehnwort hin U+0636
t t [t] weist auch auf ein Lehnwort aus anderen Sprachen hin U+0637
z stimmhaftes s [z] weist auf ein arabisches Lehnwort hin U+0638
Eyn ʿ ʿ Knacklaut [ ʔ] weist auf ein arabisches Lehnwort hin U+0639
Gheyn ġ ġ ähnlich dem dt. Gaumen-r,
am Wortanfang etwas härter
[ɣ;ɢ] U+063A
Fe f f f [f] U+0641
Ghāf q ġ ähnlich dem dt. Gaumen-r,
am Wortanfang etwas härter
[ɣ;ɢ] U+0642
Kāf k k k [k] ک vom Arabischen abweichende Schreibweise U+0643
Gāf g g g [g] گ im arabischen Grundalphabet nicht enthalten U+06AF
Lām l l l [l] U+0644
Mim m m m [m] U+0645
Nun n n n [n] U+0646
Wāw v, ū, ou w, u, ou ähnlich w, u, ou [v, oʊ, u] ‎* و‎* و U+0648
He Do Tscheschm h h h [h] U+0647
Je y, ī j, i j, i [j,i] vom Arabischen abweichende Schreibweise U+06CC

*Sieben Buchstaben können nicht nach links verbunden werden, so dass jeweils die initiale und isolierte sowie die mediale und finale Form übereinstimmen.

Im nichtwissenschaftlichen Gebrauch werden ungebräuchliche, besonders diakritische Zeichen der wissenschaftlichen Transkriptionen meist durch einfacher zu tippende Buchstaben ersetzt: ġ wird zu gh, ḫ/x zu ch, č zu tsch, ǧ zu dsch, ž zu j. In englischen nichtwissenschaftlichen Umschriften gibt es Abweichungen, dort wird kh statt ch, j statt dsch, ch statt tsch geschrieben. Da im deutschen Sprachraum sowohl ans Deutsche als auch ans Englische angelehnte Transkriptionen nebeneinander verwendet werden und sich auch innerhalb der Orientalistik keine einheitliche Umschrift durchgesetzt hat, führen diese Abweichungen mitunter zu Uneindeutigkeiten.

Buchstabenkombinationen[Bearbeiten]

Zeichenkombination Lautbeschreibung Phonetische Umschrift Beispiel Persisch (mit Übersetzung)
ای betontes, geschlossenes (i), initial [] ایران ‎ (Irān)
او betontes, geschlossenes (u) wie in „nun" [] او‎ (u – er, sie, es)
خوی ،‏خوا chā, chi (das و ist hier stumm) [xɑː], [xiː] خواهر ‎ (chāhar – Schwester); خویش (chisch – selbst)
لا Kombination von Lām und Alef zu (lā) [lɑː] بالا‎ (bālā – oben)

Abweichungen vom arabischen Alphabet[Bearbeiten]

Die Schreibweise zweier Buchstaben unterscheidet sich etwas vom Arabischen: In der isolierten Form des Kāf (‏ک‎) wird im Gegensatz zur arabischen Schreibweise ‏ك‎ üblicherweise kein Hamza geschrieben. Außerdem werden in der isolierten Form des Ye ‏ى‎ die beiden Punkte der arabischen Variante ‏ي‎ weggelassen. Das persische Ye ist damit in der finalen Form mit dem arabischen Buchstaben Alif maqsura identisch. Da dieser Buchstabe auch in arabischen Lehnwörtern des Persischen auftritt, kommt es dadurch zu Uneindeutigkeiten.

Die Buchstaben Pe (‏پ‎), Tsche (‏چ‎), Že (‏ژ‎) und Gāf (‏گ‎) wurden dem arabischen Grundalphabet hinzugefügt, da die entsprechenden Phoneme nur im Persischen, nicht aber im Arabischen vorkommen.

Sonderzeichen[Bearbeiten]

Eine Reihe von Sonderzeichen wurden aus dem Arabischen übernommen: Das Taschdid zeigt eine Konsonantverdoppelung an, das Hamze über dem Buchstaben He ‏ ۀ‎ das Suffix -ye. Die über ein Alef gesetzten Doppelstriche (Tanwin) dienen zur Präsentation der Lautkombination [an], wie in ‏لطفاً‎ (lotfan).

Ziffern[Bearbeiten]

Die graphische Darstellung der Ziffern deckt sich weitgehend mit der arabischen, lediglich die Symbole für 4, 5 und 6 sind etwas abgewandelt. Diese Ziffern werden in persischen Schriften im Iran, in Afghanistan, Pakistan und Indien verwendet.

0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
۰ ۱ ۲ ۳ ۴ ۵ ۶ ۷ ۸ ۹ ۱۰

Verwendung in anderen Sprachen[Bearbeiten]

Viele Sprachen, die ebenfalls ein modifiziertes arabisches Alphabet benutzen oder benutzten, haben nicht unmittelbar das arabische, sondern das persische Alphabet übernommen und dieses meist wiederum leicht abgeändert. Die zusätzlichen persischen Buchstaben und die etwas abweichenden Verwendungen einiger Buchstaben haben damit auch Eingang in andere Sprachen gefunden. Beispiele sind die arabisch-basierten Schriften des Urdu, indischer Sprachen wie Sindhi und Panjabi, des Osmanischen, des Sorani-Kurdischen sowie zentralasiatischer Turksprachen wie Kasachisch, Turkmenisch, Kirgisisch, Usbekisch und Uigur.

Andere Sprachen außerhalb des persischen Einflussbereiches wie die Jawischrift des Malaiischen und afrikanische Sprachen haben hingegen eigene modifizierte Schriftzeichen für die dem Arabischen fremden Phoneme entwickelt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Transliteration des persische Alphabets der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft
  2. Bozorg Alavi, Heinrich F. J. Junker. Wörterbuch Persisch – Deutsch. Langenscheidt, Berlin München 1965 (7. Auflage 1992) ISBN 3-324-00110-2