Philcoxia

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Philcoxia
Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Tribus: Gratioleae
Gattung: Philcoxia
Wissenschaftlicher Name
Philcoxia
P.Taylor & V.C.Souza

Philcoxia ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Wegerichgewächse. Sie kommt ausschließlich in Brasilien vor. Sowohl die Gattung wie auch alle drei Arten wurden erst im Jahr 2000 anhand von Aufsammlungen der Jahre 1966, 1981 und 1992 erstbeschrieben. Neuere Arbeiten ziehen in Betracht, dass die Arten der Gattung fleischfressend sein könnten.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Philcoxia-Arten sind krautige Pflanzen, ausdauernd (sicher Philcoxia bahiensis, vermutlich Philcoxia minensis), ansonsten einjährig und erreichen eine Wuchshöhe zwischen 10 und 26 Zentimetern. Die Arten sind meist unterirdisch gestielt, nur Philcoxia goianensis ist ungestielt.

Die ganzrandigen Blätter sind schildartig gestielt und rundlich bis schmal nierenförmig. Ihre Unterseite ist unbehaart, auf der Oberseite sind die Blätter besetzt mit gestielten Drüsen, die ein klebriges Sekret ausscheiden, bei näherer Untersuchung ließen sich bei Philcoxia minensis zahlreiche gefangene Nematoden auf der Blattoberfläche feststellen.

Die Tragblätter sind schuppenartig, Hochblätter fehlen, die Blütenstände sind monotelisch (d. h. Haupt- und Seitenachsen enden alle mit einer Blüte). Die fünf Kelchblätter sind unverwachsen, die fünflappige Krone ist hellblau bis lila, auf der Außenseite haarlos, innen kurz behaart. Die fünf Lappen deuten zwei Lippen an, die obere zwei-, die untere zwei- bis dreilappig. Die Blütenröhre ist am Ansatz schlank, am Schlund geweitet, in ihr finden sich nahe am Ansatz die beiden Staubblätter. Die Staubfäden sind sehr kurz, die Staubbeutel haben nur eine Theke, das Konnektiv ist verdickt, Staminodien fehlen. Der Griffel ist linealisch und an der Spitze abrupt verbreitert. Der Fruchtknoten trägt zahlreiche Samenanlagen. Die rundliche bis annähernd rundliche, zweifächrige Kapselfrucht öffnet sich längs der Scheidewände.

Verbreitung und Habitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung ist auf das östliche Brasilien beschränkt, wo die Pflanzen saisonal trockene und nährstoffarme, tiefgründige Sandböden des Cerrado sowie der Campos Rupestres in Höhenlagen zwischen 800 und 1450 m besiedeln.

In der Trockenzeit kommt es hier häufig zu Feuern. Philcoxia besiedeln als Pionierpflanzen auch gestörte Standorte, wie sie bsp. durch den Diamantenabbau entstehen und die ansonsten fast frei von Vegetation sind.

Botanische Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Exemplare dieser Gattung (später als Philcoxia goiasensis beschrieben) wurden bereits 1966 gesammelt und waren vorläufig zu den Wasserschlauchgewächsen (Lentibulariaceae) gestellt worden. Peter Taylor von Kew Gardens bestimmte sie jedoch in Zusammenarbeit mit David Philcox Anfang der 1970er Jahre als bisher unbeschriebene Gattung der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae). Eine Beschreibung von Gattung und Art begann Taylor zwar, vollendete sie aber über zwei Jahrzehnte lang nicht; das Material blieb unbearbeitet in seiner Hand.

Eine Arbeitsgruppe um Raymond Harley erhielt 1991 Aufsammlungen eines Privatmannes, darunter eine Pflanze, die nicht zufriedenstellend bestimmt werden konnte. Da sie einem Wasserschlauch (Utricularia) ähnelte, wurde das Material an Martin Cheek von den Kew Gardens weitergeleitet, der sie anhand ihrer Plazentation als Braunwurzgewächs bestimmte und sie wiederum an Vinicius Souza weiterreichte, einen Fachmann für brasilianische Braunwurzgewächse. Souza erkannte, dass es sich hier um eine neue Art und zugleich eine neue Gattung der Braunwurzgewächse handelte. Weitere Recherchen förderten ein weiteres, bereits 1981 gesammeltes Herbarexemplar zutage, das – obgleich in schlechtem Zustand und ohne genaue Ortsangabe – als eine zweite Art der Gattung bestimmt werden konnte (später Philcoxia minensis).

Peter Taylor wollte 1994 die Arbeit an der Erstbeschreibung des lange unbearbeiteten Materials abschließen und zeigte Raymond Harley seine Entwürfe und das Herbarexemplar. Dieser erkannte, dass Taylor dieselbe Gattung bearbeitete und dass es sich bei seinem Exemplar um eine dritte noch nicht beschriebene Art der Gattung handelte. Im Jahr 2000 erschien dann ein gemeinschaftlicher Artikel, in dem die neue Gattung zugleich mit drei ihrer Arten erstbeschrieben wurde. Der Gattungsname Philcoxia ehrt den britischen Botaniker David Philcox, einen Experten für tropische Braunwurzgewächse, der Taylor bei der familiären Einordnung half.

Im Rahmen der schweren Veränderungen der Familie seit den frühen 1990ern wurde sie nach molekulargenetischen Untersuchungen 2007 dann den Wegerichgewächsen (Plantaginaceae) zugeordnet. Zugleich wurden erste, einfache Tests auf eine Karnivorie durchgeführt und anhand eines Neufunds die zuvor nur spärlichen Kenntnisse um Philcoxia minensis deutlich ergänzt. 2014 wurde als vierte Art der Gattung Philcoxia tuberosa erstbeschrieben.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter W. Fritsch, Frank Almeda, Angela B. Martins, Boni C. Cruz, D. Estes: Rediscovery and Phylogenetic Placement of Philcoxia minensis (Plantaginaceae), with a Test of Carnivory. In: Proceedings of the Californian Academy of Sciences. 58(21), 2007, pp. 447–467, PDF online
  • Peter Taylor, Vinicius Castro Souza, Ana Maria Giulietti und Raymond Mervin Harley: Philcoxia: a new genus of Scrophulariaceae with three new species from eastern Brazil. In: Kew Bulletin. 55, 2000, pp. 153–163

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carvalho, M.L.S. & L.P. Queiroz (2014). Philcoxia tuberosa (Plantaginaceae), a new species from Bahia, Brazil. Neodiversity 7: 14–20.