Turmalingruppe

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Turmalingruppe
Tourmaline-20303.jpg
Zonar unterschiedlich gefärbter Turmalin (grün-rot-gelb-grün-rot) aus der Himalaya Mine, Gem Hill, Mesa Grande, San Diego County, Kalifornien, USA (Größe: 7,5 cm × 1,9 cm × 1,9 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel XY3Z6(T6O18)(BO3)3V3W

X=(Na,Ca,K,□), Y=(Fe2+,Mg,Mn2+,Al,Li,Fe3+,Cr3+), Z=(Al,Fe3+,Mg,Cr3+), T=(Si,Al,B3+), B=(B3+), V=((OH),O), W=((OH),F,O)[1]

Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
siehe Einzelminerale
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol ditrigonal-pyramidal; 3m
Zwillingsbildung selten Zwillinge nach den Prismenflächen
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 7 bis 7,5
Dichte (g/cm3) 3 bis 3,2
Spaltbarkeit keine, häufig aber Absonderung senkrecht C
Bruch; Tenazität muschelig
Farbe siehe Einzelminerale
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Pleochroismus je nach Mineral teilweise sehr stark
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale Kristalle zeigen piezoelektrischen, pyroelektrischen Effekt und starken Pleochroismus

Die Turmalingruppe besteht aus einer Mischreihe im trigonalen Kristallsystem kristallisierender Ringsilikate mit der komplexen chemischen Zusammensetzung

XY3Z6(T6O18)(BO3)3V3W[1]

X = (Na,Ca,K,□)
Y = (Fe2+,Mg,Mn2+,Al,Li,Fe3+,Cr3+)
Z = (Al,Fe3+,Mg,Cr3+)
T = (Si,Al,B3+)
B = (B3+)
V = ((OH),O)
W = ((OH),F,O)

X, Y, Z, T und V stehen in der Formel für bestimmte Gitterplätze und können durch die jeweils in den Klammern angegebenen Elemente bzw. bei V und W auch durch ein Hydroxidion besetzt werden. Die innerhalb einer runden Klammer angegebenen Elemente können sich zudem in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals. B steht dagegen ausschließlich für Bor in der Oxidationsstufe 3+. Das Symbol □ steht für eine Leerstelle im Kristallgitter.

Turmalin hat eine Härte von 7 bis 7,5 und eine weiße Strichfarbe. Die Farbe selbst ist äußerst variabel und kann sogar entlang der Längsachse eines einzelnen Kristalls variieren. Häufig kommen blaue, grüne, rote, rosafarbene, braune oder schwarze Varianten vor. Helle Kristalle mit dunkler Spitze werden Mohrenkopfturmaline und rote Kristalle mit grüner Hülle werden oft Wassermelonenturmaline genannt. Besonders schön sind die manchmal zu sehenden dünnen Querschnitte durch vermeintlich schwarze Turmaline, die eine mit dem Achat vergleichbare Zeichnung mit den verschiedensten Farbtönen aufweisen können.

An Turmalinen kann man oft den so genannten Pleochroismus beobachten, das heißt, dass ein Kristall je nach Betrachtungsrichtung verschiedene Farben aufweist. Von der Seite aus betrachtete grüne Turmaline sehen oft immer dunkler braun aus, wenn man sie immer weiter von der Spitze her anschaut. Andere Turmaline werden immer dunkler, je weiter man von der Spitze her schaut. Eine besondere Farbe wäre noch ein fast immer sehr dunkler bläulich-roter Farbton, der beim Drehen des Kristalls erst in ein reines Blau und dann in ein fast reines Schwarz übergeht.

Mit dem Pleochroismus einher geht die Eigenschaft der Turmaline, komplementär polarisiertes Licht zu absorbieren, geschliffene dünne Scheiben können als Polarisationsfilter fungieren.

Eine weitere Besonderheit des Turmalins ist der an seinen Kristallen auftretende piezo- und pyroelektrische Effekt: Dabei bewirkt eine mechanische Beanspruchung durch Druck oder Torsion bzw. eine Temperaturänderung, dass sich gegenüberliegende Kristallenden elektrisch entgegengesetzt aufladen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Der Name stammt vom singhalesischen Wort thuramali (තුරමලි) bzw. thoramalli (තෝරමල්ලි) ab, das man allgemein für bunte Schmucksteine verwendete, die man in Sri Lanka fand. Für Europa wurde der Name erstmals 1707 schriftlich belegt[2] bzw. 1711 unter dem Namen Chrysolithus Turmale[3]. Größere Mengen wurden erst seit Mitte des 18. Jahrhunderts von Sri Lanka nach Europa exportiert. Zu dieser Zeit besaß die Holländische Ostindienkompanie praktisch ein Handelsmonopol für Turmaline.

Wegen seiner pyroelektrischen Eigenschaften wurde er im niederländischen Sprachraum auch als Aschetrekker (Aschenzieher) bezeichnet. Volkskundlich wird davon berichtet, dass die Niederländer sich die pyroelektrischen Eigenschaften zunutze machten, indem sie mit Turmalinen die Aschereste aus ihren Meerschaumpfeifen entfernten.

Schörl[Bearbeiten]

Schörl aus Nigeria

Am häufigsten kommt der Fe-Turmalin mit dem Namen Schörl vor. Die erste genauere Beschreibung von Schörl mit der Bezeichnung „schürl“ und dessen Vorkommen im sächsischen Erzgebirge erfolgte 1562 durch Johannes Mathesius (1504–1565).[4]

Die etymologische Untersuchung des geografischen Begriffs Zschorlau (Gemeinde in Sachsen mit der ursprünglichen Bezeichnung Schorl) und der Bezeichnung „Schörl“ für ein Mineral der Turmalin-Gruppe lässt einen gemeinsamen Wortstamm vermuten, der bereits vor 1400 n. Chr. gebräuchlich war. In der Nähe von Zschorlau wurde Zinnstein (Kassiterit), häufig vergesellschaftet mit Schörl (schwarzer Fe2+-reicher Turmalin), gefunden und abgebaut. Bis etwa 1600 waren noch folgende Namen in Gebrauch: „Schurel“, „Schörle“ und auch „Schurl“. Im 18. Jahrhundert setzte sich dann im deutschen Sprachraum der Name „Schörl“ durch, der auch heute noch Verwendung findet. Im 18. Jahrhundert wurden die Bezeichnungen „shorl“ und „shirl“ in den angelsächsischen Sprachraum eingeführt, im 19. Jahrhundert auch die Bezeichnungen „common schorl“, „schörl“, „schorl“ und „iron tourmaline“.[4]

Dravit[Bearbeiten]

Der Name Dravit wurde erstmals von Gustav Tschermak (1836–1927, Professor für Mineralogie und Petrografie an der Universität Wien) in seinem 1884 erschienenen „Lehrbuch der Mineralogie“ für Mg-reichen (und Na-reichen) Turmalin verwendet, dessen Vorkommen nahe der Ortschaft Unterdrauburg in Kärnten lag, also im „Dravegebiet“, dem Gebiet entlang der Drau (lateinisch: Dravus), der österreichisch-ungarischen Monarchie.[5] Heute gehört die Turmalin-Fundstelle (Typlokalität für Dravit) nahe der Gemeinde Dravograd (die Fundstelle befindet sich bei Dobrova pri Dravogradu) zur Republik Slowenien.

Die chemische Zusammensetzung, die Tschermak 1884 für Dravit angibt, entspricht der ungefähren Formel NaMg3(Al,Mg)6B3Si6O27(OH), die bis auf den OH-Gehalt gut mit der heutigen Endgliedformel für Dravit, NaMg3Al6B3Si6O27(OH)4 beziehungsweise NaMg3Al6(BO3)3 (Si6O18)(OH)4 übereinstimmt.[5]

Elbait[Bearbeiten]

Ein Lithium-Turmalin (Elbait) war eines von drei Mineralien aus Utö (Schweden), in welchem das neue Alkali-Element Lithium (Li) im Jahr 1818 von Johan August Arfwedson bestimmt wurde.[6] Die italienische Insel Elba war einer der ersten Fundorte, von dem gefärbte sowie farblose Turmaline extensiv chemisch analysiert wurden. Im Jahr 1850 hat Karl Friedrich Rammelsberg zum ersten Mal Fluor im Turmalin beschrieben. Im Jahr 1870 bewies er, dass alle Turmalin-Varietäten chemisch gebundenes Wasser besitzen.

Scharizer vermutete im Jahr 1889 in rotem Li-Turmalin aus Schüttenhofen (heute Sušice, Tschechien) eine Substitution von (OH). Wladimir Iwanowitsch Wernadski publizierte im Jahr 1914 den Namen „Elbait“ für Li-, Na- und Al-reichen Turmalin von Elba, Italien, mit der vereinfachten Formel (Li,Na)HAl6B2Si4O21. Sehr wahrscheinlich stammt das Typmaterial für Elbait von Fonte del Prete, San Piero in Campo, Campo nell'Elba, Insel Elba, Italien.[6]

Winchell publizierte im Jahr 1933 eine aktualisierte Formel für Elbait, H8Na2Li3Al3B6Al12Si12O62, welche heute allgemein mit der Schreibweise Na(Li1.5Al1.5)Al6 (BO3)3[Si6O18](OH)3(OH) verwendet wird.[6]

Klassifikation[Bearbeiten]

Die Supergruppe der Turmaline wird in primäre Gruppen und sekundäre Untergruppen unterteilt. Die Besetzung der X-Position mit Alkaliionen (Na, K), Calcium oder Leerstellen ist das Kriterium für die drei primären Turmalingruppen:

  • Alkali-Gruppe: (Na+ + K+) > Ca2+ und (Na+ + K+) > □
  • Calcium-Gruppe: Ca2+ > (Na+ + K+) und Ca2+ > □
  • X-Leerstellen-Gruppe: □ > (Na+ + K+) und □ > Ca2+

Die Besetzungsschemata und gekoppelten Substitutionen auf den Positionen Y, Z, V und W liefern die Kriterien für die weiteren Untergruppen der primären Turmalingruppen.[7]

Die einzelnen Minerale der Turmalingruppen sind im Folgenden mit der chemischen Zusammensetzung ihrer Endglieder angegeben:

Alkali-Gruppe[7][1][Bearbeiten]

Alkali-Untergruppe 1[Bearbeiten]

  • Chrom-Dravit: Na Mg3 Cr6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 OH (IMA1982-055)
  • Dravit: Na Mg3 Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 OH (Tschermak, 1884)[8]
  • Fluor-Dravit: Na Mg3 Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 F (IMA2009-089)
  • Fluor-Schörl: Na Fe2+3 Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 F (IMA2010-067)
  • Fluor-Tsilaisit: Na Mn2+3 Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 F (IMA2012-044)
  • Oxy-Vanadium-Dravit: Na V3 (V4Mg2) (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 O (IMA1999-050)
  • Schörl: Na Fe2+3 Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 OH (Matthesius, 1524)[4]
  • Tsilaisit: Na Mn2+3 Al6 Si6O18 (BO3)3 (OH)3 OH (IMA2011-047)
  • Vanadium-Oxy-Chrom-Dravit: Na V3 (Cr4Mg2) (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 O (IMA2012-034)
  • Kalium-Dravit: K Mg3 Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 OH (hypothetisch)

Alkali-Untergruppe 2[Bearbeiten]

  • Elbait: Na (Li1,5Al1,5) Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 OH (Vernadsky, 1913)[9]
  • Fluor-Elbait: Na (Li1,5Al1,5) Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 F (IMA2011-071)

Alkali-Untergruppe 3[Bearbeiten]

  • Chromo-Alumino-Povondrait: Na Cr3 (Al4Mg2) (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 O (IMA2013-089)
  • Oxy-Chrom-Dravit: Na Cr3 (Cr4Mg2) (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 O (IMA2011-097)
  • Oxy-Dravit: Na (Al2Mg) (Al5Mg) (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 O (IMA2012-004a)
  • Oxy-Schörl: Na (Fe2+2Al) Al6Si6O18 (BO3)3 (OH)3 O (IMA2011-011)
  • Povondrait: Na Fe3+3 (Fe3+4Mg2) (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 O (IMA1990-E)
  • Vanadio-Oxy-Dravit: Na V3 (Al4Mg2) (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 O (IMA2012-074)
  • Kalium-Povondrait: K Fe3+3 Fe3+4Mg2 Si6O18 (BO3)3 (OH)3 O (hypothetisch)

Alkali-Untergruppe 4[Bearbeiten]

  • Darrellhenryit: Na LiAl2 Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 O (IMA2012-026)

Alkali-Untergruppe 5[Bearbeiten]

  • Fluor-Buergerit: Na Fe3+3 Al6 (Si6O18) (BO3)3 O3 F (IMA1965-005)
  • Olenit: Na Al3 Al6 (Si6O18) (BO3)3 O3 OH (IMA1985-006)
  • Buergerit: Na Fe3+3 Al6 (Si6O18) (BO3)3 O3 OH (hypothetisch)
  • Fluor-Olenit: Na Al3 Al6 (Si6O18) (BO3)3 O3 F (hypothetisch)

Alkali-Untergruppe 6[Bearbeiten]

  • Na-Al-Al-Al-Turmalin: Na Al3 Al6 (Al3Si3O18) (BO3)3 (OH)3 OH (hypothetisch)
  • Na-Al-Al-B-Turmalin: Na Al3 Al6 (B3Si3O18) (BO3)3 (OH)3 OH (hypothetisch)
  • Fluor-Na-Al-Al-Al-Turmalin: Na Al3 Al6 (Al3Si3O18) (BO3)3 (OH)3 F (hypothetisch)
  • Fluor-Na-Al-Al-B-Turmalin: Na Al3 Al6 (B3Si3O18) (BO3)3 (OH)3 F (hypothetisch)

Nicht eingeteilt[Bearbeiten]

  • Maruyamait: K (MgAl2) (MgAl5) (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 O (IMA2013-123)

Calcium-Gruppe[7][Bearbeiten]

Calcium-Untergruppe 1[Bearbeiten]

  • Adachiit: Ca Fe2+3 Al6 (Si5AlO18) (BO3)3 (OH)3 OH (IMA2012-101)
  • Flour-Uvit: Ca Mg2+3 (MgAl5) (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 F (Kunitz, 1930)[10]
  • Feruvit: Ca Fe2+3 (MgAl5) (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 OH (IMA1987-057)
  • Uvite: Ca Mg2+3 (MgAl5) (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 OH (IMA2000-030a)
  • Fluor-Feruvit: Ca Fe2+3 (MgAl5) (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 F (hypothetisch)

Calcium-Untergruppe 2[Bearbeiten]

  • Fluor-Liddicoatit: Ca (Li2Al) Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 F (IMA1976-041)
  • Liddicoatit: Ca Li2Al Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 OH (hypothetisch)

Calcium-Untergruppe 3[Bearbeiten]

  • Ca-Mg-O-Turmalin: Ca Mg2+3 Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 O (hypothetisch)
  • Ca-Fe-O-Turmalin: Ca Fe2+3 Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 O (hypothetisch)

Calcium-Untergruppe 4[Bearbeiten]

  • Ca-Li-O-Turmalin: Ca Li1,5Al1,5 Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 O (hypothetisch)

Leerstellen-Gruppe[7][Bearbeiten]

Leerstellen-Untergruppe 1[Bearbeiten]

  • Foitit: □ (Fe2+2Al) Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 OH (IMA1992-034)
  • Magnesio-Foitit: □ (Mg2Al) Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 OH (IMA1998-037)

Leerstellen-Untergruppe 2[Bearbeiten]

  • Rossmanit: □ (LiAl2) Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 OH (IMA1996-018)

Leerstellen-Untergruppe 3[Bearbeiten]

  • □-Mg-O-Turmalin: □ MgAl2 Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 O (hypothetisch)
  • □-Fe-O-Turmalin: □ FeAl2 Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 O (hypothetisch)

Leerstellen-Untergruppe 4[Bearbeiten]

  • □-Li-O-Turmalin: □ Li0,5Al2,5 Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 O (hypothetisch)

Verwandt[Bearbeiten]

  • Luinait-(OH) (monoklin): (Na,□)(Fe2+,Mg)3 Al6 (Si6O18) (BO3)3 (OH)3 OH (IMA2009-046)[1]

Varietäten[Bearbeiten]

Nur wenige Minerale weisen eine so große Variabilität ihrer Farbe auf, wie die Turmaline und für ihre Farbvariationen wurden zahlreiche Namen geprägt.[7]

  • Achondrit: farblose Turmaline, meist Dravit oder Rossmanit
  • Aphrizit: dunkelgrauer Schörl
  • Brasilianischer Chrysolith, Ceylon-Chrysolith: gelb-grüner Turmalin
  • Brasilianischer Smaragd, Emeralite: grüner, transparenter Turmalin
  • Brasilianischer Peridot, Ceylon-Peridot: honiggelber bis grüner Turmalin
  • Brasilianischer Rubin, Sibirischer Rubin: roter, transparenter Turmalin
  • Brasilianischer Saphir: blauer, transparenter Turmalin
  • Kanarien-Turmalin: hellgelber Turmalin
  • Katzenaugen-Turmalin: Turmalin mit Chatoyance in verschiedenen Farben
  • Chameleonit, Deuterolit: Turmalin mit je nach Beleuchtung wechselnder Farbe (Alexandrit-Effekt), vermutlich chromhaltieger Dravit
  • Cromolit: grüner Turmalin
  • Indicolit: blauer Turmalin, vermutlich Elbait-Schörl-Mischkristalle
  • Iochroit: violetter Turmalin
  • Mohrenkopf-Turmalin: heller Turmalin mit schwarzer Spitze
  • Paraibaít: blaugrüner, Cu-haltiger Elbait
  • Rubellit: rosa bis roter Turmalin, vermutlich Elbait
  • Siberit: violetter Rubellit
  • Verdelit: grüner Turmalin, vermutlich Elbait-Schörl-Mischkristall
  • Wassermelonen-Turmalin: farblich zonierter Turmalin mit rosa Kern und grünem Rand, meist Elbait

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Turmalin findet sich in Form prismatischer Kristalle in granitischen Pegmatiten, aber auch in metamorphen Gesteinen wie Gneis, die durch borhaltige hydrothermale Lösungen in ihrer Zusammensetzung verändert wurden.

Struktur[Bearbeiten]

Die Minerale der Turmalingruppe kristallisieren mit trigonaler Symmetrie in der Raumgruppe R3mVorlage:Raumgruppe/Unbekannter Anzeige-Typ. Eine Elementarzelle enthält drei Formeleinheiten.[11]

Diese Raumgruppe ist nicht zentrosymmetriesch, sie verfügt über kein Symmetriezentrum. Die 3-zählige c-Achse, die bei Turmalinen parallel zur Längsrichtung der meist prismatischen Kristalle liegt, ist polar, d.h. Eigenschaften der Kristalle unterscheiden sich in Richtung und Gegenrichtung der Achse. Morphologisch äußert sich dies in unterschiedlichen Flächenausprägungen am oberen und unteren Ende der polaren Achse. Weiterhin erlaubt das Fehlen eines Symmetriezentrums pyro- und piezoelektrisches Verhalten, für das Turmaline bekannt sind.

Silikatanion[Bearbeiten]

Turmalinstruktur - 6er Einfachsilikatring

Die Kationen auf der T-Position (Si4+, Al3+, B3+) sind so von vier Sauerstoffatomen verbunden, dass die Sauerstoffatome auf den Ecken eines Tetraeders liegen, in dessen Zentrum sich das Kation befindet. Turmaline sind Ringsilikate. Ihre TO4-Tetraeder sind über zwei Ecken mit benachbarten TO4-Tetraeder zu unverzweigten 6er-Einfachringen der Zusammensetzung [Si6O18]−12verbunden.[11]

Boratanion[Bearbeiten]

Die Kationen auf der B-Position (Bor) sind von drei Sauerstoffatomen umgeben. Alle Atome im Ion [BO3]−3 liegen in einer Ebene. Die Sauerstoffatomee liegen an den Ecken eines Dreiecks, in dessen Mitte sich das Bor-Kation befindet.[11]

X-Position[Bearbeiten]

Turmalinstruktur: X-Position

Die Kationen der X-Positionen sind von 9 bis 10 Sauerstoffatomen umgeben. Die Sauerstoffatome liegen auf den Ecken eines trigonalen Antiprismas, in dessen Zentrum die ein- bis zweifach geladenen Kationen liegen.[11]

Y-Position[Bearbeiten]

Die zumeist zweiwertigen Kationen auf der Y-Position sind von 6 Sauerstoffatomen oktaedrisch umgeben. Die Sauerstoffatome liegen auf den Ecken eines Oktaeders, in dessen Mitte sich das Kation befindet. Jeweils drei dieser Oktaeder sind über gemeinsame Kanten zu Trimeren miteinander verbunden.[11]

Z-Position[Bearbeiten]

Die zumeist dreiwertigen Kationen (Al, ...) auf der Z-Position sind ebenfalls von 6 Sauerstoffatomen oktaedrisch umgeben.[11]

Gesamtstruktur[Bearbeiten]

Die 6er-Silikatringe, M2+-Oktaeder-Trimere (Y-Position) und trigonales Antiprisma der X-Position sind in Richtung der polaren z-Achse übereinander gestapelt. Die freien Tetraederspitzen der Silikatringe weisen alle entgegen der z-Achse und sind mit Ecken der M2+-Oktaeder-Trimere verbunden. Die Kationen auf der X-Position liegen mittig oberhalb der Silikatringe und verbinden diese mit dem darüber liegenden M2+-Oktaeder-Trimer. Die M3+-Oktaeder der Z-Position sind über gemeinsame Kanten zu Ketten in Richtung der z-Achse verknüpft und verbinden benachbarte Stapel aus X- Y- und Tetraederpositionen.

Die planaren BO3-Anionen liegen in der a-b-Ebene und verknüpfen die X-Koordinationspolyeder mit Z-Oktaedern.[11]

Verwendung[Bearbeiten]

Besonders schöne Exemplare finden als Schmuckstein Verwendung, etwa der Rubellit, eine rote Variante des Turmalin. Das bekannteste Beispiel dürfte die Meisterschale der Fußball-Bundesliga sein, die mit insgesamt 21 Turmalinen besetzt ist. Auch der DFB-Pokal ist mit Turmalinen bestückt.

Aufgrund seiner Wirkung als Polarisationsfilter wurden geschliffene Turmalinscheiben bereits im 19. Jahrhundert in der Fotografie verwendet, um störende Glanzreflexe zu unterdrücken. Früh fanden Polarisationsfilter aus Turmalin (neben solchen aus Kalkspat und Herapathit) auch Eingang in die Mikroskopie, daraus wurden Polarisationsmikroskope entwickelt.[12] Wegen der besonderen elektrischen Eigenschaften wird Turmalin zudem auch in der Elektronik genutzt.

Galerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d  Malcom E. Back: Fleischers Glossary of Mineral Species. 11. Auflage. Mineralogical Record, Tucson, Arizona (AZ) 2014.
  2. Johann Georg Schmidt; Curiöse Speculationes bey Schlaflosen Nächten — von einem Liebhaber, der immer gern speculiert. Bey C. Stösseln, Chemnitz und Leipzig 1707
  3. Paul Hermann: Catalogus musei Indici, continens varia exotica, tum animalia, tum vegetabilia etc. 1711
  4. a b c  Andreas Ertl: Über die Etymologie und die Typlokalitäten des Minerals Schörl (PDF; 173 kB). In: Mitteilungen der Österreichischen Mineralogischen Gesellschaft. Nr. 152, 2006, S. 7–16.
  5. a b  Andreas Ertl: Über die Typlokalität und die Nomenklatur des Minerals Dravit (PDF; 109 kB). In: Mitteilungen der Österreichischen mineralogischen Gesellschaft. Nr. 153, 2007, S. 265–271.
  6. a b c  Andreas Ertl: About the nomenclature and the type locality of elbaite: A historical review (PDF; 164 kB). In: Mitteilungen der Österreichischen Mineralogischen Gesellschaft. Nr. 154, 2008, S. 35–44.
  7. a b c d e D. J. Henry, M. Novák, F. C. HawtHorne, A. Ertl, B. L. Dutrow, P. Uher, F. Pezzotta: Nomenclature of the tourmaline-supergroup minerals, American Mineralogiste Vol. 96, 2011, pp. 895-913
  8. Tschermak G (1884) Turmalin, in Lehrbuch der Mineralogie, Alfred Hölder (Wien, Austria) 470-472
  9. Vernadsky W (1913) Über die chemische Formel der Turmaline. Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie 53, 273-288
  10. Kunitz W (1930) Die Mischungsreihen in der Turmalingruppe und die genetischen Beziehungen zwischen Turmalinen und Glimmern, Chemie der Erde 4, 208-251
  11. a b c d e f g G. E. Hamburger, M. J. Buerger: The structure of Tourmaline, American Mineralogiste Vol. 33, 1948, pp. 532 - 540
  12. Dieter Gerlach: Geschichte der Mikroskopie. Harri Deutsch Verlag, S. 709

Literatur[Bearbeiten]

  •  Friedrich Benesch: Der Turmalin. Eine Monographie. Urachhaus, Stuttgart 1990, ISBN 3-87838-650-8.
  •  Andreas Ertl, Franz Pertlik, Heinz-Jürgen Bernhardt: Investigations on olenite with excess boron from the Koralpe, Styria, Austria (PDF; 134 kB). In: Sitzungsberichte und Anzeiger Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse, Abt. I. Nr. 134, 1997, S. 3–10.
  •  Paul Rustemeyer: Faszination Turmalin. Formen, Farben, Strukturen. Spektrum, Heidelberg 2003, ISBN 3-8274-1424-5.
  •  Stiftung Deutsches Edelsteinmuseum Idar-Oberstein (Hrsg.), Joachim Werner Zang (Redaktion): Turmalin 2000. Gebhard + Hilden, Idar-Oberstein 2000, ISBN 3-932515-22-6 (Ausstellungskatalog).
  •  Christian Weise (Hrsg.): Neueste Nachrichten vom Turmalin. Weise, München 1994, ISBN 3-921656-31-1 (Extra-Lapis. Band 6).
  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0.
  •  Stefan Weiß: Das große Lapis-Mineralienverzeichnis. 4. Auflage. Weise, München 2002, ISBN 3-921656-17-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Turmalin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien