Private Raumfahrt

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Als private Raumfahrt werden Flüge im Weltraum bezeichnet, die von nichtstaatlichen Organisationen beauftragt oder durchgeführt werden. Heutzutage bieten viele kommerzielle Transportunternehmen rund um die Welt Startdienste in den Weltraum für private und staatliche Kunden an.

Geschichte der unbemannten privaten Raumfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Start einer Proton-Rakete

Während der frühen Jahre des Raumfluges hatten nur Staaten die Ressourcen, Weltraumfahrzeuge zu entwickeln, zu bauen und zu betreiben. Sowohl die US-amerikanische als auch die sowjetische Raumfahrt nutzten Militärpiloten als Astronauten oder Kosmonauten. In dieser Phase waren für kommerzielle Unternehmen keine Weltraumstarts verfügbar, und keine private Organisation war in der Lage, Weltraumstarts anzubieten. Später waren private Organisationen in der Lage, sowohl Weltraumstarts zu buchen, zu kaufen und auch selbst auszuführen. Dies war der Beginn der privaten Raumfahrt.

2005 gab es insgesamt 18 kommerzielle Anbieter und 37 nichtkommerzielle Möglichkeiten für Transportdienstleistungen in den Weltraum.[1]

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein US-Gesetz von 1962 eröffnete den Weg für kommerzielle Konsortien, Satelliten in Privatbesitz zu haben und zu betreiben, obwohl diese damals noch von staatlichen Raketen ins Weltall befördert wurden.

Bis zur Challenger-Katastrophe 1986 war es die Politik der Vereinigten Staaten, dass die NASA der Lieferant für Weltraumtransportkapazitäten sein solle.[2] Anfangs subventionierte die NASA Satellitenstarts mit der Absicht, den Shuttle-Dienst auf einer Langzeitbasis zu fördern.

Am 30. Oktober 1984 unterzeichnete der US-Präsident Ronald Reagan den Commercial Space Launch Act. Dieses Gesetz vereinfachte den Zugang privater Unternehmen zu Raumfahrt- und Weltraumtechnologie und ermöglichte der amerikanischen Industrie, Raketen und Startplätze zu betreiben, ohne auf die NASA angewiesen zu sein.[3]

Am 5. November 1990 unterzeichnete Präsident George H. W. Bush das Launch Services Purchase Act (Gesetz zum Kauf von Weltraumstarts).[4]

1996 wählte die U.S. Air Force im Rahmen des Programms Evolved Expendable Launch Vehicles (EELV, „weiterentwickelte Einwegstartfahrzeuge“) Lockheed Martin und Boeing als Dienstleister für Startaufträge aus. Die beiden Unternehmen betrieben dazu die Raketen Atlas V und Delta IV.

Im Jahre 1997 wurden von den Startplätzen in Florida erstmals mehr kommerzielle als staatlich beauftragte Raketenstarts durchgeführt.[5]

Im Dezember 2004 unterzeichnete US-Präsident George W. Bush ein Gesetz zur Förderung der Entwicklung einer kommerziellen US-Raumflugindustrie.[6]

Aufgrund einer schwachen Nachfrage nach EELV-Starts gründeten Lockheed Martin und Boeing im Jahre 2005 das Joint Venture United Launch Alliance, um gemeinsam den Startdienst für die amerikanische Regierung zu betreiben.[7] Diese Monopolisierung führte bis in die 2010er Jahre zu einem starken Anstieg der Startkosten für US-Regierungsaufträge, der erst durch die Konkurrenz durch das neue Privatunternehmen SpaceX gestoppt wurde.

Am 18. Januar 2006 kündigte die NASA eine Gelegenheit für kommerzielle Unternehmen an, orbitale Transporte zu tätigen.[8] Die NASA plante, mehr als 500 Millionen US-Dollar bis 2010 zu investieren, um den Transport zur Internationalen Raumstation zu betreiben. Dies war insofern eine größere Herausforderung, da Präzision und Rendezvousfähigkeiten mit einem anderen Raumfahrzeug gefordert war.

Am 18. August 2006 kündigte die NASA an, dass die Unternehmen SpaceX und Rocketplane Kistler die beiden Gewinner der Phase I des COTS-Programms seien.[9]

Die erfolgreiche Premiere für das Unternehmen SpaceX gab es dann am 22. Mai 2012: Im Rahmen der Mission, die bis zum 31. Mai dauerte, fand der erste Flug eines Dragon-Raumschiffs zur ISS statt. Das Raumschiff transportierte 520 kg Fracht zur ISS und landete mit über 600 kg an nicht mehr benötigten Ausrüstungsgegenständen wieder auf der Erde.[10]

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. März 1980 schuf die französische Raumfahrtbehörde CNES unter der Beteiligung der Unternehmen, die die Ariane-Raketen produzieren, Arianespace, ein teilweise privat gehaltenes Weltraumunternehmen. Arianespace kauft und vermarktet die Familie der Ariane-Raketen. Die Entwicklung der Raketen erfolgt im Auftrag der Europäischen Weltraumagentur unter der Führung der CNES. 1995 startete Arianespace ihren 100. Satelliten in die Umlaufbahn, und 1997 hatte Arianespace ihren 100. Raketenstart.[11]

Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eines der ersten russischen privaten Raumfahrtprojekte war 1992 das Raumfahrtprojekt Europe America 500.

Der russische Staat verkaufte 1994 Anteile an seinem größten Raumfahrtkonzern RKK Energija an private Investoren.

Seit 1995 vermarktet International Launch Services die Proton-Rakete des russischen Herstellers GKNPZ Chrunitschew, während die Sojus-Rakete über Starsem vermarktet wird. Energia baut die Sojus-Rakete und besitzt die Mehrheit am Sea-Launch-Projekt, das die ukrainische Zenit-Rakete betreibt.

Internationale Konsortien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2003 bildeten Arianespace, Boeing Launch Services und Mitsubishi Heavy Industries die Launch Services Alliance.

Geschichte der bemannten privaten Raumfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Privatpersonen, die ihren Raumflug selbst finanzierten, flogen als Weltraumtouristen mit Space-Shuttle-Flügen oder den russischen Sojus-Raketen zur Raumstation Mir oder zur ISS. Alle Privatpersonen, die vor Dennis Tito in den Weltraum flogen, waren von ihren nationalen Regierungen unterstützt worden, beispielsweise der US-Kongressabgeordneten Bill Nelson, der im Januar 1986 mit dem Columbia flog, und der japanische Fernsehreporter Toyohiro Akiyama, der 1990 zur Weltraumstation Mir flog.

Der Ansari X-Prize war gestiftet worden, um privates Investment in die Entwicklung von Raumfahrt-Technologien zu fördern. Am 21. Juni 2004 fand der Testflug von SpaceShipOne statt, einem Wettbewerber zum X-Prize. Dies war der erste bemannte Weltraumflug in einem privat entwickelten und betriebenen Raumfahrzeug.

In der Nachfolge dieses Ereignisses kündigten am 27. September 2004 Richard Branson, der Eigentümer der Virgin und Burt Rutan, der Entwickler des SpaceShipOne an, dass Virgin Galactic die Technologie lizenziert hat und binnen der nächsten 2,5 bis 3 Jahre nutzen werde. Eine Flotte von fünf Fahrzeugen wird konstruiert, und es sollen Flüge zu einem Preis von 200.000 US-Dollar angeboten werden, obschon Branson sagte, dass er plant, sein Geld zur Entwicklung preiswerterer Flüge einzusetzen.

Am 12. Juli 2006 startete Bigelow Aerospace Genesis 1, ein kleinmaßstäbliches Testmodell einer orbitalen, entfaltbaren Raumstation. Genesis 2 wurde am 28. Juni 2007 gestartet, und es gibt Pläne für weitere Prototypen zur Vorbereitung der entfaltbaren Raumstation BA 330.

Im Oktober 2014 kam es für das Projekt SpaceShipTwo mit dem Flugzeug VSS Enterprise zu einem tödlichen Unfall.[12] Scaled Composites führte die Entwicklung des SpaceShipTwo im Auftrag von Virgin Galactic durch.

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Weitere Entwicklung bei Virgin Orbit, Commercial Crew Development (Crew Dragon, CST-100 Starliner), New Shepard. Zukunft: Starship / Dear Moon / Marskolonisation.
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Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Federal Aviation Administration: Commercial Space Transportation: 2005 Year In Review. (PDF; 430 kB) Abgerufen am 23. September 2008.
  2. US-Kongress: Setting Space Transportation Policy for the 1990s. (PDF; 6 MB) Archiviert vom Original am 27. Juni 2009; abgerufen am 22. September 2008.
  3. Statement on Signing the Commercial Space Launch Act. Abgerufen am 22. September 2008.
  4. Sec 2465d – Requirement to procure commercial launch services. In: law.justia.com. Abgerufen am 22. September 2008.
  5. United States National Academy of Sciences: Streamlining Space Launch Range Safety - Executive Summary. Abgerufen am 22. September 2008.
  6. House Approves H.R. 3752, The Commercial Space Launch Amendments Act of 2004. House Committee on Science, Space, and Technology, abgerufen am 23. September 2008 (Pressemeldung).
  7. spaceref.com: Boeing, Lockheed Martin to Form Launch Services Joint Venture. Abgerufen am 22. September 2008.
  8. spaceref.com: NASA Seeks Proposals for Crew and Cargo Transportation to Orbit. Abgerufen am 22. September 2008.
  9. NASA: NASA Invests in Private Sector Space Flight with SpaceX, Rocketplane-Kistler. Abgerufen am 23. September 2008.
  10. COTS-2 Mission Press Kit. (PDF; 6 MB) SpaceX, abgerufen am 19. Mai 2012 (englisch).
  11. Arianespace: Milestones. Archiviert vom Original am 18. September 2008; abgerufen am 22. September 2008.
  12. Sebastian Fischer: "SpaceShipTwo"-Unglück: Absturz eines Prestige-Projekts. In: Spiegel online. Abgerufen am 1. November 2014.