Produktvariation

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Produktvariation oder Produktmodifikation bezeichnet eine bewusste Änderung von technischen oder ästhetischen Produkteigenschaften im Zeitablauf zur Anpassung an kundenseitig geänderte Erwartungen oder an veränderte Verbrauchs- und/oder Potentialfaktoreigenschaften oder an neue gesetzliche Anforderungen. Produktvariation kann auch erfolgen, indem zu einem Produkt Dienstleistungen hinzugefügt oder bereits vorhandene Dienstleistungen verändert werden. Im Gegensatz zur Produktdifferenzierung ändert sich die Produktprogrammtiefe bei der Produktvariation nicht.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Automobilhersteller bringen PKWs oder LKWs in regelmäßigen Abständen primär mit veränderter Form bzw. veränderten Abmessungen und sekundär mit veränderter Motorstärke, verändertem Fahrwerk bzw. veränderter Ausstattung heraus (so genanntes Face-Lifting). Das Produktionsprogramm bleibt hierbei konstant. Werden neue Fahrzeugmodelle vorgestellt, wie der neue VW Up!, zählt dies zur Produktinnovation, da die Produktbreite und somit das Produktionsprogramm ausgeweitet wird.

Im Gegensatz dazu steht die Produktdifferenzierung. Dort gibt es gleichzeitig viele verschiedene Ausprägungen von einem Produkt, z. B. ein eigentlich baugleiches Fahrzeug in verschiedenen Farben, stärkeren und schwächeren Motoren oder als Benzin- und Dieselfahrzeuge.

Die Definition aller Produktvariationen einschließlich der Produktdifferenzierungen sollte aus Kundensicht möglichst einheitlich erfolgen. Die genaue Produktbeschreibung kann für den Kunden mitunter sehr aufwändig werden, wenn die Anzahl der Ausstattungen und damit der theoretisch möglichen Varianten extrem hoch ist, wie dies im Automobilbau der Fall ist. Hier setzt sich die Definition eines Kraftfahrzeugs aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Aggregaten und Ausstattungen bzw. Merkmalen zusammen. Zwischen diesen existieren zahlreiche Abhängigkeiten und Restriktionen, die es für den Kunden zu beachten gilt. So sind bei einem PKW bestimmte Motor-Getriebe-Kombinationen 'verboten' oder es müssen ganz bestimmte Ausstattungskombinationen 'zwangsweise' gewählt werden. Um eine eindeutige und korrekte Produktdefinition zu erreichen, ist der Einsatz eines Produktkonfigurators sinnvoll, der den Kunden bei der Auswahl der Ausstattungen unterstützt. Durch eine Definition der Produktvariationen, die den Anforderungen an eine ideale Boolesche Algebra entspricht, kann eine einheitliche und konsistente Produktdefinition gewährleistet werden. Dies schließt auch die Definition der Fahrzeugklassen, -baureihen und -typen mit ein, die der Produktdifferenzierung zuzuordnen sind. [1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Herlyn: PPS im Automobilbau, Hanser Verlag, München, 2012, S. 81-101

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gabler Wirtschaftslexikon - Band 6; 13. Auflage; Wiesbaden: Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, 1993, ISBN 3-409-30375-8
  • Frank Thomas Piller: Mass Customization: Ein wettbewerbsstrategisches Konzept im Informationszeitalter. Gabler, Wiesbaden 2000, ISBN 3-8350-0355-0.
  • Ralf Reichwald, Frank Thomas Piller: Interaktive Wertschöpfung: Open Innovation, Individualisierung und neue Formen der Arbeitsteilung. Gabler, Wiesbaden 2006, ISBN 3-8349-0106-7.
  • Herlyn, Wilmjakob: PPS im Automobilbau - Produktionsprogrammplanung und -steuerung von Fahrzeugen und Aggregaten. Hanser Verlag, München 2012, ISBN 978-3-446-41370-2.