Quantenheilung

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Die Quantenheilung ist eine alternativmedizinische, esoterische Methode, deren Grundlage und Wirksamkeit wissenschaftlich nicht belegt sind. Sie wurde Ende der 1980er Jahre von dem US-amerikanischen Chiropraktiker Frank Kinslow erfunden und wird in Büchern und im Internet mit dem Werbeslogan Wirkt sofort – und jeder kann es lernen! propagiert.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deepak Chopra

Die sogenannte Quantenheilung verspricht den Patienten "Harmonie in gesundheitlichen, finanziellen und partnerschaftlichen Angelegenheiten". Dies soll nach Angaben der Anwender durch das Ordnen eines postulierten "Energiefeldes des Körpers" auf Quantenebene erfolgen. Hierzu berührt der Behandler den Körper des Behandelten an zwei Punkten, um so sein vorgebliches Quantenfeld einzugrenzen.[1] Ein bekannter „Quantenheiler“ ist Deepak Chopra.

Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vertreter der Quantenheilung behaupten, die Methode sei so alt wie die Menschheit selbst, „jedem Einzelnen von uns wurde die Gabe der Heilung in die Wiege gelegt“ und auch die Hawaiianer würden sie schon seit Jahrhunderten praktizieren, „und sicherlich auch andere Völker auf die eine oder andere Art und Weise“. So soll die Methode, grundsätzlich etwa dem Handauflegen entsprechend, bereits vor 3000 Jahren von Urvölkern praktiziert worden sein.[2]

Kritiker wenden ein, dass man nun versuche, eine neue Legitimation dieses Verfahrens zu erreichen, indem man lediglich wissenschaftliches Vokabular verwende. Mit der Quantenphysik hat die Quantenheilung (wortwörtlich) keinerlei Berührungspunkte. Nach dem Quantenphysiker Florian Aigner handelt es sich um „eine reine Verkaufsstrategie“, die Aussagen aus der Quantenphysik willkürlich auf medizinische Probleme verallgemeinere, dabei aber „nichts mit Heilung zu tun“ habe.[2]

So würden zur Begründung der Quantenheilung auch häufig das Doppelspaltexperiment und Schrödingers Katze eingebracht. Allerdings gäbe es nur Analogieerklärungen; zwischen der Quantenphysik und dem menschlichen Wohlbefinden werde keine logische Brücke gebaut. Laut Aigner ist dem so, als wenn man sagte: „Ich erkläre Ihnen jetzt, wie ein Auto funktioniert, da drehen sich die Räder, und im Atom dreht sich auch ein Elektron um den Atomkern, und deshalb fährt das Auto.“ Ebenso wie hierbei keine logische Brücke gebaut werde, würden lediglich Begriffe aus der Physik verwendet und umgelegt, um eine Erklärung zu liefern.[3] Sämtliche positiven Effekte gehen jedoch auf Placeboeffekte und Autosuggestion zurück.[3] Insgesamt sei unter der Quantenheilung nicht mehr als eine Entspannungsübung zu verstehen.[1]

Als starke Motivation hinter diesem Konzept wird oft der immense finanzielle Umsatz angebracht. Insgesamt beläuft sich der Umsatz der Esoterik mit etwa Chakrenaktivierung, Klangschalentherapien oder Seminaren zur Quantenheilung allein in Deutschland derzeit auf 20 bis 25 Milliarden Euro pro Jahr.[4]

Am Institut für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften der Universität Frankfurt (Oder) wurde 2014 eine Doktorarbeit zur Wirksamkeit der Quantenheilung veröffentlicht, was erneut auf heftige Kritik stieß.[5] Der Universität wurde zuvor bereits im Fall einer Masterarbeit über das Hellsehen[6] vorgeworfen, eine "völlige Entgleisung akademischer Qualitätsstandards" zu unterstützen,[7] so dass die Brandenburgische Hochschulstrukturkommission die Auflösung des Instituts empfohlen hatte.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Faszination Wissen: Der Esoterik-Test - Wissenschaft oder Humbug? (Memento vom 3. März 2014 im Internet Archive) In: Bayerisches Fernsehen vom 18. Februar 2014
  2. a b Eva Tinsobin: Mit Quanten heilen. In: Der Standard vom 3. Mai 2013
  3. a b Eva Tinsobin: Quantenphysik hat nichts mit Quantenheilung zu tun In: Der Standard vom 3. Mai 2013
  4. Martina Forsthuber, Arndt Müller, Vanessa Voss: Das Geschäft mit der kranken Seele- In: Format vom 30. April 2014
  5. a b Gesundheits-Check 23. August 2014
  6. taz.de
  7. sueddeutsche.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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