RHI AG

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RHI AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN AT0000676903
Sitz Wien, OsterreichÖsterreich Österreich
Leitung Stefan Borgas [1]
Mitarbeiter 7.385[2]
Umsatz 1.651,2 Mio. Euro[2]
Branche Feuerfest
Website www.rhimagnesita.com
Stand: 2017 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2017
RHI Headquarters, Wien

Die RHI AG ist ein bedeutender Produzent für die Erzeugung nicht substituierbarer Feuerfestwerkstoffe für alle industriellen Brenn- und Schmelzprozesse. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Wien und beschäftigt weltweit 7.900 Mitarbeiter an rund 30 Produktionsstandorten sowie über 70 Vertriebsstandorten. Jährlich werden von RHI mehr als 1,5 Millionen Tonnen Feuerfestmaterialen (feuerfeste Steine, Massen, Mörtel und Funktionalprodukte) hergestellt. Insgesamt beliefert RHI mehr als 10.000 Kunden aus der Stahl-, Zement-, Nichteisenmetalle-, Glas-, Energie-, und Chemieindustrie in über 180 Ländern.[3]

RHI und Magnesita sind seit Oktober 2017 ein kombiniertes Unternehmen: RHI Magnesita.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Spaeter

Friedrich Ferdinand Didier erwarb 1834 eine Ziegelei und Kalkbrennerei bei Stettin im damaligen Preußen und gründet die „Chamottefabrik F. Didier in Podejuch“. Didier wurde damit zu einem der ersten Hersteller von Feuerfeststeinen in Deutschland. Carl Spaeter entdeckte 1881 in Veitsch (Österreich) eine Magnesitlagerstätte und gründete 1899 die „Veitscher Magnesitwerke Actien-Gesellschaft“.

Der Bergingenieur Josef Hörhager entdeckte 1908 eine Magnesitlagerstätte auf der Millstätter Alpe (Österreich). Der Deutsch-Amerikaner Emil Winter erwarb die Schürfrechte und gründete die Austro-American Magnesite Company[4] (auch: Österreichisch-Amerikanische Magnesit AG,[5] ÖAMAG;[6] später Radex Austria – aus RADenthein + EXport). In Leoben (Steiermark) wurde 1959/60 ein Forschungs- und Entwicklungsinstitut der Veitscher Magnesitwerke gegründet. Heute sind hier die weltweiten F&E-Aktivitäten konzentriert. Aus der amerikanischen General Refractories Co. entstand 1987 im Rahmen eines Management Buy-out die Radex Heraklith Industriebeteiligungs AG (seit 1998: RHI AG). Die beiden traditionsreichen österreichischen Feuerfestunternehmen Radex Austria AG und Veitscher Magnesitwerke Actien-Gesellschaft fusionierten 1993 zur Veitsch-Radex AG – heute als Veitsch-Radex GmbH & Co OG eine 100-%-Tochter des RHI Konzerns.

1995 erwarb RHI die Aktienmehrheit am vormaligen Mitbewerber Didier-Werke AG. In 2001 übernahm RHI amerikanische Firmen, die mit Asbestklagen belastet waren. Diese führten das Unternehmen fast in den Ruin. Das folgende sogenannte Chapter-11-Verfahren konnte nach 11 Jahren abgeschlossen werden.[7] Mit dem Verkauf der Dämmstoffsparte Heraklith und der damit erfolgten Fokussierung auf die Kernkompetenz Feuerfest wurde 2006 die strategische Neuausrichtung des Konzerns abgeschlossen. Mit der Integration von Monofrax verstärkte RHI sich 2007 die Position als Komplettanbieter für schmelzgegossene Feuerfestspezialitäten im nordamerikanischen Spezialglasmarkt. RHI akquiriert zwei Werke von Foseco und baute 2008 ihre Position im ISO-Bereich aus. Hochwertige ISO-Produkte werden für das kontrollierte, geschützte Vergießen von Stahl im Strangguss benötigt. Die Didier-Werke AG wurden 2010 vollständig von RHI übernommen. 2011 wurden die ZAO Podolsk (Russland), Premier Periclase Ltd.(Irland) und SMA Mineral Magnesia AS (Norwegen) akquiriert. Die Stopnic AG (Schweiz) wurde 2012 vollständig übernommen. [8] Orient Refractories Ltd. (Indien) wurde 2013 mehrheitlich übernommen. [9] Die Konzerngesellschaft Monofrax (USA) wurde an Callista Private Equity im Jahre 2016 verkauft. [10] RHI erklärte 2016 die Absicht der Fusion mit der brasilianischen Magnesita zu RHI Magnesita, die Kosten dafür könnten sich auf bis zu 450 Millionen € belaufen, die Aktie soll ab 30. Oktober 2017 in London gehandelt werden, der Hauptsitz (die Holding RHI MAG N.V.) soll von Wien in die Niederlande verlegt werden. Die Steuerung des Konzerns sowie die Steuerabgaben sollen in Österreich bleiben.[11] Anfang August 2017 stimmte die Aktionärsversammlung mit 99,7 % zu und hatten drei Wettbewerbsbehörden grünes Licht gegeben.

Einer der Hauptaktionäre (22,8 Prozent) ist Martin Schlaff, dessen Sohn David im Aufsichtsrat vertreten ist.[12][13]

Nach erfolgreichen Verhandlungen mit Christian Kern das Amt des Vorstandsvorsitzenden zu übernehmen, wechselte dieser aber für die SPÖ als Bundeskanzler in die Politik.[14] Bis zu einer Anfechtungsklage des Investors Rupert-Heinrich Staller gegen vier Mitglieder des Aufsichtsrates, darunter auch Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) und Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach (FPÖ/BZÖ), wegen Verstoßes gegen die im Aktiengesetz geforderte Diversität bei der Besetzung des Aufsichtsrates mit Frauen,[15] schieden Gusenbauer und Gorbach aus.[12][16]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kerngeschäft von RHI ist die Herstellung, der Vertrieb und die Zustellung hochwertiger keramischer Feuerfestprodukte, die Entwicklung und Umsetzung maßgeschneiderter Systemlösungen sowie die Realisation von Service- und Dienstleistungen für die Schlüsselindustrien Stahl, Zement, Kalk, Nichteisenmetalle, Glas und Umwelt/Energie/Chemie.

RHI bietet ein über 120.000 Einzelartikel umfassendes Produktsortiment an, das den – bei allen industriellen Prozessen im Hochtemperaturbereich anfallenden – extremen thermischen, mechanischen und chemischen Belastungen standhalten muss.

Das Produktportfolio umfasst geformte Feuerfestprodukte, wie hydraulisch gepresste und schmelzgegossene Steine, isostatisch gepresste Produkte und Fertigbauteile aus Massen, ungeformte Feuerfestprodukte, wie Reparatur-, Bau- und Gießmassen und Mörtel sowie Funktionalprodukte, die neben hochtemperaturbeständigen zusätzliche verfahrenstechnisch-metallurgische Funktionen erfüllen müssen.

Forschung und Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RHI Technologiezentrum, Leoben
Forscher im TCL

Im Technologiezentrum (TCL) der RHI in Leoben, Österreich, ist auch die Forschung und Entwicklung des Unternehmens konzentriert. Das Forschungsinstitut wurde 1959 gegründet und ist heute weltweit die größte industrielle Forschungseinrichtung im Bereich Feuerfest.

Etwa 165 Forscher aus zehn Nationen arbeiten hier, davon ein Drittel Frauen. Auch am chinesischen Standort Dalian hat RHI eine weitere, deutlich kleinere, Forschungseinheit etabliert.

RHI verfügt über rund 139 Patentfamilien mit mehr als 1.425 einzelnen Patenten bzw. Patentanmeldungen sowie etwa 1.300 Markenschutzrechte für rund 120 geschützte Markennamen und Logos.

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorstand der RHI AG besteht aus fünf Personen (Stand: Jänner 2017):

  • Stefan Borgas (CEO, interimistischer CFO)
  • Thomas Jakowiak (CSO, Division Industrial)
  • Gerd Schubert (COO, CTO)
  • Reinhold Steiner (CSO, Division Stahl)

Marken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dachmarke RHI fasst mehrere am Markt etablierte Marken zusammen:

  • Didier
  • Dolomite Franchi
  • Interstop
  • Radex
  • Refel
  • Veitscher

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. neuer Vorstand
  2. a b Geschäftsbericht, April 2017
  3. RHI im Überblick
  4. Geschichte. In: rhi-ag.com. Abgerufen am 25. Juli 2017.
  5. Wasserbuch-Auszug. In: portal.tirol.gv.at. Abgerufen am 25. Juli 2017.
  6. Betriebliche Gesundheitsvorsorge: Wartungsverträge für Mitarbeiter « DiePresse.com. In: diepresse.com. Abgerufen am 25. Juli 2017.
  7. RHI: Asbestklagen endgültig vom Tisch. In: Der Standard. 2. Mai 2013 (derstandard.at).
  8. RHI AG: RHI AG: RHI AG übernimmt Schweizer Feuerfest-Spezialhersteller Stopinc AG. 18. Januar 2012, abgerufen am 25. Februar 2016.
  9. Geschäftsbericht 2013. RHI AG, abgerufen am 25. Februar 2016.
  10. Callista acquires 100% of shares in Monofrax LLC, Falconer, New York, 7. Juni 2016
  11. RHI kehrt Wiener Börse nach Fusion den Rücken. In: Der Standard. 6. Oktober 2016 (derstandard.at).
  12. a b Hedi Schneid: RHI: Klage gegen den „Männerverein“. In: Die Presse. 9. Juni 2017, S. 26 (Online [abgerufen am 24. Oktober 2017]): „Bei der RHI standen vier Aufsichtsräte zur Wiederwahl - Herbert Cordt, Helmut Draxler, Hubert Gorbach und Alfred Gusenbauer. Die Anfechtung richtet sich gegen die Wahl aller vier - zumindest aber (aus rechtlichen Gründen) gegen die Wahl Gusenbauers, die als letzte erfolgt ist.“
  13. Bei RHI müssen fast alle Kontrolleure gehen - auch Gusenbauer und Gorbach. In: Industriemagazin. 14. September 2017, abgerufen am 24. Oktober 2017.
  14. Kern ließ Millionen sausen. In: Kurier. 24. September 2017, S. 9 (Online [abgerufen am 24. Oktober 2017]).
  15. § 87 Abs. 2a Aktiengesetz
  16. RHI-Aufsichtsrat künftig ohne Gorbach und Gusenbauer. In: Der Standard. 15. September 2017, S. 22.