Race Across America

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Start des Race Across America 2007 in Oceanside (Kalifornien)
Der Slowene und fünffache Sieger Jure Robič beim RAAM 2007

Das Race Across America (RAAM) ist ein jährlich ausgetragenes, ultralanges Radrennen, das von der Westküste der Vereinigten Staaten zur Ostküste verläuft. Ziel ist es, auf einer jährlich mitunter variierenden Route die Strecke von etwa 4800 bis 5000 km bei einer Gesamthöhendifferenz von rund 52.000 m innerhalb eines festen Zeitlimits zurückzulegen.[1]

Rennmodus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt auf der Strecke etwa 57 Kontrollstellen, die zu durchfahren sind. Um das Rennen erfolgreich zu beenden, muss ein Zeitlimit eingehalten werden: Für Einzelfahrer beträgt dieses Limit 288 Stunden (zwölf Tage). Außerdem müssen vier Kontrollstellen auf der Strecke innerhalb einer bestimmten Zeit ab Beginn des Rennens erreicht werden.[2]

  • Jeder Fahrer wird von einem KFZ mit Schlafmöglichkeit und einem Betreuerteam begleitet.
  • Neun Klassen (divisions) decken Solo-Mann, Solo-Frau und Teams (M, F oder Mixed) bis zu acht Personen ab.
  • Sechs Kategorien (categories) gibt es für unterschiedliche Radtypen: Rennrad, Tandem, Liegerad, HPV (verkleidetes Liegerad), Handbike; eine Kategorie ist offen.[3]

Das bedeutet eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 17 km/h, inklusive aller Pausen, Schlaf und verkehrsbedingten Stopps. Jeder Teilnehmer kann selbst wählen, wann und wo er Schlafpausen einlegen möchte. Er muss dadurch abwägen zwischen dem Wert zusätzlicher Fahrzeit und der Möglichkeit zur Regeneration durch den Schlaf. Die meisten Teilnehmer schlafen täglich durchschnittlich etwa zwei Stunden. Ob die Teilnahme am Race Across America aufgrund der körperlichen und mentalen Beanspruchung zu bleibenden Schäden führt, ist umstritten.

Das RAAM wurde erstmals 1982, damals noch unter dem Namen Great American Bike Race, mit vier Teilnehmern ausgetragen. Im Laufe der Jahre wurde das RAAM um eine Damen- sowie verschiedene Team- und Alterswertungen (Senioren) erweitert.

Herausragende Teilnehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erfolgreichsten Teilnehmer im Einzelrennen der Herren sind der Slowene Jure Robič, sowie der Österreicher Christoph Strasser. Beide konnten das RAAM fünfmal gewinnen. Zur Legende geworden ist Rob Kish, der beim RAAM bis zum Jahr 2005 20-mal an den Start ging, 19-mal das Ziel erreichte und dabei insgesamt drei Siege feiern konnte. Ebenfalls drei Siege erreichte der Österreicher Wolfgang Fasching. Im Jahr 2006 siegte der Schweizer Dani Wyss als erster Rookie. 2012 schaffte dieses Kunststück wiederum ein Schweizer, diesmal Reto Schoch, ebenso wie 2015 der Österreicher Severin Zotter und 2016 der Deutsche Pierre Bischoff. Der Österreicher Christoph Strasser gewann 2013 das Rennen als erster Soloathlet in unter acht Tagen (Siegerzeit 7 Tage 22 Stunden 11 Minuten), und unterbot diesen Rekord im nächsten Jahr mit 7 Tagen 15 Stunden und 56 Minuten erneut.

Die US-Amerikanerin Seana Hogan konnte das Rennen der Frauen zwischen 1992 und 1998 sechsmal für sich entscheiden.

Auf eine besondere Taktik griff Michael Nehls 2008 zurück: Statt den Schlaf auf ein Minimum zu beschränken, fuhr er jeden Tag in etwa 15 Stunden rund 400 km und hatte so abzüglich Essenspausen jede Nacht rund sechs Stunden Schlaf. Er kam damit als Siebter ins Ziel. Nach eigenen Angaben wurde er auf der Straße nicht ein einziges Mal überholt.[4]

Das österreichische Team Crataegutt Senioren,[5] bestehend aus vier Senioren mit einem Durchschnittsalter von über 70 Jahren beendete das Rennen 2014 mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 30 km/h in 7 Tagen und 4 Stunden. Das Team bestand aus den Niederösterreichern Herbert Lackner, Anton Gierer, Lothar Färber und Josef Schalk.[6]

Viele Teilnehmer verbinden das RAAM mit einem Spendenprojekt. Das rotarische Team Rotary Raams Polio hat mit seiner Teilnahme 2016, 2017 und 2018 über 1,8 Millionen Dollar an Spenden zur Ausrottung der Kinderlähmung gesammelt.

Betrachtet man die Herkunftsnationen der Sieger dominieren klar die USA. Von 1982 bis 2018 gehen in 37 Bewerben 15 Siege im Männer-Einzel in die USA, die nächststärkste Nation ist Österreich mit 10 Siegen (ab 1988), 5 davon durch Christoph Strasser. Drei Siege gingen (ab 2006) bereits in die Schweiz, einer (2016) nach Deutschland. Im Frauen-Einzel kamen von 1982 bis 2017 in 36 Bewerben 27 mal zumindest eine Teilnehmerin ins Ziel. 18-mal siegte eine Frau aus den USA, sechs Siege gingen dabei an Seana Hogan. Drei Siege gingen (ab 2012) an drei Schweizerinnen. Mit Alexandra Meixner kommt 2017 erstmals eine Österreicherin (als Zweite) ins Ziel.

Todesfälle und Unfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bisher gab es während der Rennen zwei Todesfälle. 2003 wurde der Team-Teilnehmer Brett Malin bei einem Zusammenstoß mit einem LKW getötet. Der Unfall ereignete sich bei Pie Town (Catron County).[7] 2005 starb der RAAM-Pionier und Solo-Teilnehmer Bob Breedlove bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug nahe Trinidad (Colorado). Der Unfallhergang ist bis heute ungeklärt, da Breedlove alleine unterwegs war, sein Begleitfahrzeug fuhr einige Kilometer hinter ihm.[8]

Am 18. Juni 2018, 21.25 Uhr Ortszeit kollidierte der in dritter Position liegende Österreicher Thomas Mauerhofer, in Illinois beim Linksabbiegen durch Kollision mit einem bei Rot entgegenkommenden Auto; seine erste Teilnahme endete so mit gebrochenem 6. Halswirbel.[9]

Sieger Herren Einzel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1982 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Lon Haldeman
  • 1983 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Lon Haldeman -2-
  • 1984 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Pete Penseyres
  • 1985 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Jonathan Boyer
  • 1986 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Pete Penseyres -2-
  • 1987 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Michael Secrest
  • 1988 OsterreichÖsterreich Franz Spilauer
  • 1989 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Paul Solon
  • 1990 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Bob Fourney
  • 1991 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Bob Fourney -2-
  • 1992 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Rob Kish
  • 1993 AustralienAustralien Gerry Tatrai
  • 1994 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Rob Kish -2-
  • 1995 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Rob Kish -3-
  • 1996 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Danny Chew
  • 1997 OsterreichÖsterreich Wolfgang Fasching
  • 1998 AustralienAustralien Gerry Tatrai -2-
  • 1999 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Danny Chew -2-
  • 2000 OsterreichÖsterreich Wolfgang Fasching -2-
  • 2001 LiechtensteinLiechtenstein Andrea Clavadetscher
  • 2002 OsterreichÖsterreich Wolfgang Fasching -3-
  • 2003 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Allen Larsen
  • 2004 SlowenienSlowenien Jure Robič
  • 2005 SlowenienSlowenien Jure Robič -2-
  • 2006 SchweizSchweiz Daniel Wyss
  • 2007 SlowenienSlowenien Jure Robič -3-
  • 2008 SlowenienSlowenien Jure Robič -4-
  • 2009 SchweizSchweiz Daniel Wyss -2-
  • 2010 SlowenienSlowenien Jure Robič -5-
  • 2011 OsterreichÖsterreich Christoph Strasser
  • 2012 SchweizSchweiz Reto Schoch
  • 2013 OsterreichÖsterreich Christoph Strasser -2-
  • 2014 OsterreichÖsterreich Christoph Strasser -3-
  • 2015 OsterreichÖsterreich Severin Zotter
  • 2016 DeutschlandDeutschland Pierre Bischoff
  • 2017 OsterreichÖsterreich Christoph Strasser -4-
  • 2018 OsterreichÖsterreich Christoph Strasser -5-

Sieger Frauen Einzel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1982 – keine am Start
  • 1983 – keine im Ziel (eine angetreten)
  • 1984 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Shelby Hayden-Clifton
  • 1985 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Susan Notorangelo-Haldeman
  • 1986 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Elaine Mariolle
  • 1987 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Casey Patterson
  • 1988 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Cindi Staiger
  • 1989 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Susan Notorangelo-Haldeman -2-
  • 1990 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Nancy Raposo
  • 1991 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Cathy Ellis
  • 1992 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Seana Hogan
  • 1993 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Seana Hogan -2-
  • 1994 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Seana Hogan -3-
  • 1995 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Seana Hogan -4-
  • 1996 – keine im Ziel
  • 1997 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Seana Hogan -5-
  • 1998 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Seana Hogan -6-
  • 1999 – keine am Start
  • 2000 AustralienAustralien Cassie Lowe
  • 2001 AustralienAustralien Cassie Lowe -2-
  • 2002 – keine im Ziel
  • 2003 – keine im Ziel
  • 2004 – keine am Start
  • 2005 SchwedenSchweden Cat Berge
  • 2006 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Shanna Armstrong
  • 2007 – keine im Ziel
  • 2008 – keine im Ziel
  • 2009 BrasilienBrasilien Daniela Figueiredo Genovesi
  • 2010 FrankreichFrankreich Barbara Buatois
  • 2011 IsraelIsrael Leah Goldstein
  • 2012 SchweizSchweiz Trix Zgraggen
  • 2013 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Cassie Schumacher
  • 2014 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Janice Sheufelt
  • 2015 SchweizSchweiz Isabelle Pulver
  • 2016 SchweizSchweiz Nicole Reist
  • 2017 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Sarah Cooper
  • 2018 SchweizSchweiz Nicole Reist

Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnellste Zeiten je Klasse fuhren folgende Teilnehmer:

Kategorie Teilnehmer/Team Jahr Distanz Zeit Durchschnitts-
geschwindigkeit
Männer Einzel OsterreichÖsterreich Christoph Strasser 2014 4860,2 km 7 Tage 15 Std. 56 Min. 26,42 km/h
Frauen Einzel Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Seana Hogan 1995 4686 km 9 Tage 04 Std. 02 Min. 21,30 km/h
Tandem Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Bob Breedlove/Lon Haldeman 1992 4685 km 8 Tage 08 Std. 08 Min. 23,41 km/h
2er-Team DeutschlandDeutschland Heinemann XP Team (Anders Asberg & Axel Fehlau) 2014 4860,2 km 6 Tage 09 Std. 41 Min. 31,62 km/h
4er-Team Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Team Action Sports 2004 4761 km 5 Tage 08 Std. 17 Min. 37,11 km/h
4er-Team (HPV) Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Team Lightning/Tim Brummer 1989 4685 km 5 Tage 01 Std. 08 Min. 38,67 km/h

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2014 findet etwa zeitgleich mit RAAM das Trans Am Bike Race (TABR) statt, ein Rennen Westküste-Ostküste USA (2016 auch in der Gegenrichtung), bei dem die Teilnehmer ununterstützt und unbegleitet fahren, sich also in der Regel etwa ein Zimmer zum Übernachten nehmen. Bei diesem Rennen sind auch Liegeräder und Velomobile erlaubt.

Weitere "Race Across ..."-Radrennen:

  • Race across the Alps (RATA)
  • Austria Race across Burgenland
  • Race Across Italy[10]
  • Ultracyclingdolomitica – Race across the Dolomites
  • Race Across Australia (RAAUS)
  • Race Across Mühlviertel

The RACE (The Race across Europe) ist hingegen ein Radrenn-Reiseveranstalter.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 2013 Race Information & Fact Sheet. In: raceacrossamerica.org, aufgerufen am 23. Juni 2013.
  2. Teilnehmebedingungen 2014 (Seite 9) aufgerufen am 18. Juni 2014
  3. http://raceacrossamerica.org/userfiles/file/2018/RAAM%20Rules%20-%20January%202018_Draft.pdf
  4. Birgit Lutz-Temsch: Den Mythos zerstört? In: Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010.
  5. http://www.crataegutt-seniors.at/
  6. http://www.raceacrossamerica.org/raam/rcracer.php?s_N_Year_ID=38&s_N_Entry_ID=3084
  7. RAAM rider killed in New Mexico. In: velonews.com, 18. Juni 2003 (Memento vom 5. Oktober 2008 im Internet Archive)
  8. Outside Magazine, November 2006: Tragedy on Wheels-Wrecked (cont.) (Memento vom 19. Dezember 2007 im Internet Archive)
  9. Halswirbel gebrochen : Rad-Ass Tom Mauerhofer in den USA niedergefahren! krone.at, 20. Juni 2018, abgerufen 21. Juni 2018.
  10. http://www.andreahofmann.at/2018/05/22/race-across-italy/
  11. The RACE (The Race across Europe) facebook.com, abgerufen 30. Juli 2018.