Raphael Mechoulam

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Raphael Mechoulam

Raphael Mechoulam (hebräisch רפאל משולם; * 5. November 1930 in Sofia) ist ein vielfach ausgezeichneter israelischer Hochschullehrer für Pharmazeutische Chemie und Naturstoffe an der Hebräischen Universität Jerusalem.[1] Er gilt als der Großvater der Erforschung des medizinischen Cannabis und überzeugte die Politik in Israel von ihrem Nutzen. Er erforschte die Pflanze über Jahrzehnte und entdeckte das Endocannabinoid-System des Nervensystems.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raphael Mechoulam wurde 1930 in eine sephardischen Familie in Sofia, Bulgarien geboren, wo sein Vater Leiter des Jüdischen Krankenhauses war. Nachdem die Familie vor den Nazis fliehen musste, wurde der Vater Hausarzt in kleinen Dörfern. Er wanderte im Jahr 1949 mit seiner Familie aus Bulgarien nach Israel aus. Nach seiner Auswanderung musste Mechoulam ein Jahr warten, bevor er sein Studium der Chemie antreten konnte, da zunächst noch die Arabische Legion das Gebiet kontrollierte, in dem sich die Labore der Hebrew University befanden. Während seines Militärdienstes widmete er sich der Erforschung von Insektiziden. Mechoulam studierte Biochemie an der Hebrew University of Jerusalem, promovierte 1958 am Weizmann-Institut für Wissenschaften und erhielt im Anschluss eine Postdoktorandenstelle am Rockefeller Institute (heute Rockefeller University) in New York. 1960 begann er am Weizmann Institut seine Forschung an den natürlichen Produkten der Cannabispflanze und 1966 setzte sie an der Hebrew University of Jerusalem fort.[2][3][4] [5]

Schon 1963 isolierte er aus den rund 1.000 Substanzen das Cannabidiol (CBD), ein Molekül, das einen therapeutischen Effekt auslöst – und dabei kaum psychoaktiv wirkt. Es ist eines der medizinisch bedeutendsten Bestandteile von Cannabis. Ein Jahr darauf isolierte er auch den Stoff, der die Bewusstseinsänderung bewirkt – Tetrahydrocannabinol (THC).

Der tschechische Chemiker Lumír Ondřej Hanuš und der amerikanische Molekularpharmakologen William Anthony Devane.

Dreißig Jahre später fand Mechoulam auch noch die Rezeptoren, an denen Cannabis im Hirn andockt: 1992 isolierte und identifizierte er zusammen mit seinen Mitarbeitern die Endocannabinoide Anandamid, zusammen mit Lumír Hanuš und William Devane[6] und 1995 und das 2-Arachidonylglycerol (2-AG) zusammen mit Shimon Ben-Shabat.[7] Diese bilden zusammen mit den spezifischen Rezeptoren das Endocannabinoid-System – ein wichtiges biochemisches endogenes System, das sich im Gehirn befindet und an einer Vielzahl von physiologischen Funktionen beteiligt ist. Mechoulam belegte in wissenschaftlichen Studien die Effektivität von Cannabis bei zahlreichen Krankheiten. Er sorgte dafür, dass israelische Firmen an mehr als 80 Prozent aller weltweiten Cannabis-Patente beteiligt sind.[8]

Mechoulam erhielt im Jahr 2000 den Israel-Preis für Chemie und ist international bekannt für seine Forschung über natürliche und endogene Cannabinoide. Ihm und seiner Arbeitsgruppe gelang als erstes die Synthese von Tetrahydrocannabinol, Cannabidiol und Cannabigerol, sowie die Identifizierung der Endocannabinoide Anandamid und 2-AG. Er publizierte bisher mehr als 350 wissenschaftliche Artikel und ist gewähltes Mitglied der Israelischen Akademie der Wissenschaften.[9]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsätze
  • R. Michoulam, Y. Shvo: Hashish. I. The structure of cannabidiol. In: Tetrahedron. Band 19, Nummer 12, Dezember 1963, S. 2073–2078, PMID 5879214.
  • Y. Gaoni, R. Mechoulam: Isolation, Structure, and Partial Synthesis of an Active Constituent of Hashish. In: Journal of the American Chemical Society. 86, 1964, S. 1646–1647, doi:10.1021/ja01062a046.
  • Yechiel Gaoni, Raphael Mechoulam: Isolation and structure of .DELTA.+- tetrahydrocannabinol and other neutral cannabinoids from hashish. In: Journal of the American Chemical Society. 93, 1971, S. 217–224, doi:10.1021/ja00730a036.
Monografien
  • Marijuana, Chemistry, Pharmacology, Metabolism and Clinical Effects. Academic Press, New York, 1973.
  • Cannabinoids as Therapeutic Agents. CRC Press, FL. 1986.
  • Trends in Medicinal Chemistry. S. Sarel, R. Mechoulam, I. Agranat (eds). Blackwell Publ. Oxford, 1991.
  • Cannabinoids as Therapeutics. Birkhauser, Basel, 2005.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der einstündige biographische Dokumentarfilm The Scientist auf YouTube von Zach Klein zum Lebenswerk von Prof. Raphael Mechoulam, 2015, Canna Foundation

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Israel Academy of Sciences and Humanities: Professor Raphael Mechoulam (70kB, PDF)
  2. Conversation with Raphael Mechoulam. In: Wiley (Hrsg.): Addiction. 102, Nr. 6, 2007, S. 887–893. doi:10.1111/j.1360-0443.2007.01795.x. PMID 17523982.
  3. Michael Denman: Mechoulam, Raphael. In: Encyclopaedia Judaica 13, 2007, S. 711–712.
  4. Raphael Mechoulam: Curriculum Vitae, Hebrew University of Jerusalem, ab gerufen 25. September 2016
  5. L’expert en herbe de Jérusalem, Libération, 21. Januar 2014
  6. Devane WA, Hanus L, Breuer A, et al: Isolation and structure of a brain constituent that binds to the cannabinoid receptor. In: Science. 258, Nr. 5090, 1992, S. 1946–9. PMID 1470919.
  7. R. Mechoulam, S. Ben-Shabat, L. Hanus et al: Identification of an endogenous 2-monoglyceride, present in canine gut, that binds to cannabinoid receptors. In: Biochem. Pharmacol.. 50, Nr. 1, 1995, S. 83–90. PMID 7605349.
  8. High und gesund werden im Heiligen Landl, Die Welt, 23. September 2016
  9. R. Mechoulam: Conversation with Raphael Mechoulam. In: Addiction (Abingdon, England). 102, Nr. 6, Juni 2007, S. 887–93. doi:10.1111/j.1360-0443.2007.01795.x. PMID 17523982.