Raymond Kurzweil

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Ray Kurzweil (2005)

Raymond „Ray“ Kurzweil [ˈkɜrzwaɪl] (* 12. Februar 1948 in Queens, New York City) ist ein US-amerikanischer Autor, Erfinder, Futurist und Leiter der technischen Entwicklung (Director of Engineering) bei Google LLC.

Er gilt als Pionier der optischen Texterkennung (engl. optical character recognition, OCR), Sprachsynthese (computervorgelesene Texte), Spracherkennung, Flachbettscannertechnologie und im Bereich elektronischer Musikinstrumente, insbesondere der Keyboards.

Als bekannter Sachbuchautor schreibt er u. a. über Gesundheit, künstliche Intelligenz (KI) Transhumanismus, technologische Singularität und Zukunftsforschung.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raymond Kurzweil wurde im New Yorker Stadtteil Queens geboren; seine jüdischen Eltern hatten 1939 kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges Österreich verlassen. Er studierte am Massachusetts Institute of Technology Informatik und Literatur und schloss sein Studium 1970 mit dem Bachelor ab.

Nach seinem Studium erfand er die "Kurzweil Reading Machine", die Sehbehinderten erstmals den Zugang zu normalen Drucktexten ermöglichte, indem es die Drucktexte in akustische Signale umwandelte und somit vorlas. Kurzweils Erfindung gilt bis heute als größter Meilenstein zur gesellschaftlichen Integration Sehbehinderter nach der 1829 eingeführten Blindenschrift von Braille.

Kurzweil Music Systems[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1983 gründete Raymond in den USA das Unternehmen Kurzweil Music Systems. Die Herstellung von Synthesizern, die in der Lage waren, natürliche Klänge in guter Qualität zu erzeugen, stellte in dieser Zeit eine große Herausforderung dar.

Die Idee, ein Unternehmen für elektronische Musikinstrumente zu gründen, entstand aus der Freundschaft zu dem blinden Musiker Stevie Wonder. Dieser hatte 1976 von Kurzweils Reading Machine gehört und anschließend Kontakt zum ihm aufgenommen.

Ermutigt durch Wonder, brachte Kurzweil 1984 den sogenannten Kurzweil K250 auf den Markt. Dieses revolutionäre Instrument erzeugte die Klänge verschiedener akustischer Instrumente in einer für diese Zeit herausragenden Qualität. Als Dankeschön für die musikalische Unterstützung produzierte Raymond Kurzweil für Stevie Wonder ein Sondermodell des K250, das sich durch Sprachkommandos steuern ließ.

Der Nachfolger des K250, sowie das letzte Keyboard der Firma unter Kurzweil, war das K1000 von 1988. Es ist allerdings nur kurz gebaut worden, weil Kurzweil Music Systems 1989 an die koreanische Young Chang Akki Co. Ltd. verkauft wurde, die den Markennamen „Kurzweil“ jedoch beibehielt.

Abseits der Musikindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2002 schloss er auf der Website Long Bet One eine Wette über 20.000 US-Dollar ab, dass im Jahr 2029 ein Computer oder eine „maschinelle Intelligenz“ den Turing-Test bestehen werde. Es ist die erste Wette der Website und eine der ältesten öffentlichen Wetten im Internet.[1] Er wurde für seine Leistungen im gleichen Jahr in die National Inventors Hall of Fame aufgenommen und erhielt außerdem von Präsident Bill Clinton die National Medal of Technology.

Im Jahr 2008 gründete er gemeinsam mit Peter Diamandis und Rob Nail die Singularity University.[2] Diese bietet Bildungsprogramme für Führungskräfte, ein Gründerzentrum und Innovationsberatung an.

Im Dezember 2012 wurde Kurzweil „Director of Engineering“ bei Google.[3][4]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ray Kurzweil ist Träger folgender Auszeichnungen bzw. Ehrungen:

Raymond Kurzweil ist überdies Träger von 20 Ehrendoktortiteln, die er von verschiedenen Institutionen verliehen bekam. Ebenfalls wurde er von drei US-Präsidenten ausgezeichnet, unter anderem von Bill Clinton mit der National Medal of Technology, der höchsten Technologie-Auszeichnung der USA.

Einstellung zur Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl Kurzweils Eltern jüdisch waren, erzogen sie ihn unitarisch. Am Ende des Dokumentarfilms Transcendent Man beantwortet er seine rhetorische gestellte Frage "Does God exist?" („Existiert Gott?“) mit "I would say, 'Not yet'" („Ich würde sagen, 'Noch nicht'“) als eine Anspielung auf seine Vorhersagen für die Technologien der Zukunft, die dem Menschen dabei helfen sollen, über seine biologischen Grenzen hinauszugehen und so selbst aus der heutigen Perspektive wie eine Art Gottheit zu wirken.[5]

In „The Singularity is Near“ beschreibt er die Notwendigkeit einer neuen Ethik, die auf den Grundlagen des gegenseitigen Respekts basiert.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurzweils Vorstellungen sind umstritten. Während seine Befürworter in ihm einen Visionär der künstlichen Intelligenz und ein Computer-Genie sehen, werten seine Kritiker seine Methode als unwissenschaftlich und einige seiner Versprechen als "quasi-religiös".[4]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Transcendent Man. The Life and Ideas of Ray Kurzweil. 84 min, USA 2011, Regie: Barry Ptolemy.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Raymond Kurzweil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Julie Bort: Ray Kurzweil Says He Didn't Actually Win The Longest-Running Bet On The Internet. In: www.businessinsider.com. Business Insider, 11. Juni 2011, abgerufen am 9. Februar 2021 (englisch).
  2. Faculty & Experts. In: Singularity University. Abgerufen am 10. April 2021 (englisch).
  3. Ray Kurzweil fängt bei Google an. heise.de, 17. Dezember 2012, abgerufen am 17. Dezember 2012.
  4. a b Ray Kurzweil fängt bei Google an. Spiegel online, 17. Dezember 2012, abgerufen am 17. Dezember 2012.
  5. John Rennie: The Immortal Ambitions of Ray Kurzweil: A Review of Transcendent Man. In: Scientific American. 15. Februar 2011, abgerufen am 23. Januar 2021 (englisch).
  6. CNN-Onlineartikel, inzwischen offline (Memento des Originals vom 8. Juli 2005 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/edition.cnn.com
  7. Heike Buchter, Burkhard Straßmann: Die Unsterblichen. In: Zeit. 27. März 2013, abgerufen am 27. Dezember 2014.
  8. Webseite der Dokumentation.