Transhumanismus

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Transhumanismus (von lateinisch trans‚ jenseits, über, hinaus‘ und humanus ‚menschlich‘) ist eine philosophische Denkrichtung, die die Grenzen menschlicher Möglichkeiten, sei es intellektuell, physisch oder psychisch, durch den Einsatz technologischer Verfahren erweitern will. Die Interessen und Werte der Menschheit werden als „Verpflichtung zum Fortschritt“ angesehen.

Die Vertreter des Transhumanismus finden sich vor allem im angelsächsischen Raum.[1] Es handelt sich dabei um eine lose[2] und heterogene Verbindung von Vertretern unterschiedlicher soziokultureller Hintergründe und unterschiedlicher Disziplinen.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nick Bostrom zufolge reichen die transzendentalistischen Impulse mindestens bis zur Suche nach Unsterblichkeit im Gilgamesch-Epos zurück, ebenso wie die historische Suche nach dem Jungbrunnen, dem Lebenselixier und anderen Bemühungen, Alterung und Tod zu verhindern.[4] In seiner Göttlichen Komödie prägte Dante Alighieri im ersten Canto del Paradiso das Wort „trasumanar“, was so viel bedeutet wie „die menschliche Natur überschreiten, über die menschliche Natur hinausgehen“[5]

Einer der frühen Vorläufer der transhumanistischen Ideen ist der Diskurs über die Methode (1637) von René Descartes (1596–1650). In diesem Diskurs stellte Descartes eine neue Art von Medizin vor, die sowohl körperliche Unsterblichkeit als auch einen stärkeren Geist gewähren könnte.[6]

Transhumanisten sehen die Wurzeln ihrer Philosophie im Renaissance-Humanismus und dem Zeitalter der Aufklärung angelegt.[7] Es wird von Transhumanisten intensiv diskutiert, ob und inwiefern Friedrich Nietzsche (1844–1900) als Ahnherr des Transhumanismus angesehen werden kann und sollte.[8][9] Die transhumanistischen Philosophien von Max More und Stefan Lorenz Sorgner sind stark vom Denken Nietzsches beeinflusst.[10]

Der Biologe und Eugeniker Julian Huxley, geistiger Vater des evolutionären Humanismus, definierte 1957 in seinem Buch New Bottles for New Wine den Begriff Transhumanismus im gleichnamigen Kapitel wie folgt:

„Die menschliche Spezies kann, wenn sie es möchte, über sich selbst hinauswachsen – nicht nur sporadisch, ein Einzelner mal so, ein anderer mal so, sondern als Ganzes, als Menschheit. Wir brauchen einen Namen für diesen neuen Glauben. Vielleicht passt Transhumanismus ganz gut: Mensch, der Mensch bleibt, aber sich selbst, durch Verwirklichung neuer Möglichkeiten von seiner und für seine menschliche Natur, überwindet.“

Der Begriff kam anschließend in Abraham Maslows Toward a Psychology of Being (Psychologie des Seins, 1968) und Robert Ettingers Man into Superman (1972) vor. Wie Maslow und Ettinger benutzte auch der iranisch-amerikanische Futurist FM-2030 (geborener F.M. Esfandiary, Namensänderung Mitte der 1970er) den Begriff in seinen Schriften aus den 1970er Jahren in Bezug auf Personen, die sich neue Technologien, Lebensweisen und Weltbilder zu eigen machen, die einen Übergang zum Posthumanen erkennen lassen. In seinem Buch Are You Transhuman? von 1989 schreibt der transhumanistische Philosoph FM-2030:

„Transhumane sind die erste Manifestation einer neuen Art von evolutionären Wesen. Sie ähneln darin den ersten Hominiden, die vor vielen Millionen Jahren die Bäume verließen und begannen sich umzuschauen. Transhumane haben nicht notwendigerweise das Ziel, die Evolution höherer Lebensformen zu beschleunigen. Viele von ihnen sind sich ihrer Rolle als Übergangsform der Evolution gar nicht bewusst.“

Eine moderne Definition des Transhumanismus geht auf Max More zurück[11]:

„Transhumanismus ist eine Kategorie von Anschauungen, die uns in Richtung eines posthumanen Zustands führen. Transhumanismus teilt viele Aspekte mit dem Humanismus, einschließlich eines Respekts vor Vernunft und Wissenschaft, einer Verpflichtung zum Fortschritt und der Anerkennung des Wertes des menschlichen (oder transhumanen) Bestehens in diesem Leben. […] Transhumanismus unterscheidet sich vom Humanismus im Erkennen und Antizipieren der radikalen Änderungen in Natur und Möglichkeiten unseres Lebens durch verschiedenste wissenschaftliche und technologische Disziplinen […].“

Die frühen Transhumanisten trafen sich formal in den frühen achtziger Jahren an der Universität von Kalifornien, Los Angeles, die zur zentralen Anlaufstelle für Transhumanisten wurde. Dort konferierte auch FM-2030 über die futuristische Ideologie der Upwingers. John Spencer von der Gesellschaft für Weltraumtourismus organisierte viele transhumanistische Veranstaltungen zum Thema Weltraum. Natasha Vita-More (früher Nancie Clark) stellte „Breaking Away“ bei EZTV-Media aus, ein Treffpunkt für Transhumanisten und andere Futuristen. FM-2030, Spencer und Vita-More lernten sich kennen und organisierten gemeinsam Treffen für Transhumanisten in Los Angeles.

In Australien schrieb der Science-Fiction-Autor Damien Broderick (* 1944) das Judas Mandala. 1982 verfasste Vita-More das Transhumanistische Künstlermanifest und produzierte später die erfolgreiche Fernseh-Show TransCentury Update zum Thema Transhumanität.

1986 wurde Eric Drexlers bekanntes Buch zur Nanotechnologie Engines of Creation veröffentlicht.

Laut einer 2008 veröffentlichten Studie sehen sich fast 50 % der Transhumanisten selbst als politisch links an, es sind aber auch viele weitere politische Strömungen verbreitet, die teilweise auch die klassische links-rechts Unterscheidung verneinen und durch up-down ersetzen.[12]

Technologie und Moral[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oscar Pistorius mit Fußprothesen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff

Der Schwerpunkt der Transhumanismusbewegung ist die Anwendung neuer und künftiger Technologien. Dazu zählen unter anderem:

Die Technologien sollen es jedem Menschen ermöglichen, seine Lebensqualität nach Wunsch zu verbessern, sein Aussehen sowie seine physikalischen und seelischen Möglichkeiten selbst bestimmen zu können. Niemand solle zu irgendeiner Veränderung gezwungen werden.

Transhumanistische Strömungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neil Harbissons Antennenimplantat ermöglicht es ihm, seine Sinne über die menschliche Wahrnehmung hinaus zu erweitern.

Innerhalb des transhumanistischen Denkens gibt es eine Vielzahl von Meinungen. Viele der führenden transhumanistischen Denker vertreten Ansichten, die ständig überarbeitet und weiterentwickelt werden.[15] Es lassen sich im Transhumanismus Unterströmungen ausmachen, die in der Realität aber selten klar voneinander abgegrenzt sind:

  • Demokratischer Transhumanismus: Eine politische Philosophie, die liberale Demokratie, Sozialdemokratie und Transhumanismus zusammenführt[16]
  • Extropianismus: Eine Richtung des Transhumanismus, welche sich bemüht, die weitere Evolution des Menschen proaktiv zu beschleunigen.[17] Der Extropianismus wurde in den 1980er Jahren von Max More und T.O.Morrow in Kalifornien begründet, wobei Extropie als Gegenbegriff zu Entropie fungiert und ein „measure of a system’s intelligence, information content, available energy, longevity, vitality, diversity, complexity, and capacity for growth“ (More 1993: 1) darstellt.[18]
  • Kohlenstoff/Silizium-basiert: Stefan Lorenz Sorgner unterscheidet zwischen zwei Strömungen: solchen, die auf Kohlenstoff, also Dinge wie Genmanipulation setzen, und den auf Silizium basierenden Technologien, also Computer, um Beispielsweise das Bewusstsein auf externe Speicher hochzuladen.[19]
  • Libertarischer Transhumanismus, eine politische Ideologie, die Libertarismus und Transhumanismus miteinander verbindet.[20]
  • Postgenderismus, eine Sozialphilosophie, die die freiwillige Abschaffung des Geschlechts in der menschlichen Spezies durch die Anwendung fortgeschrittener Biotechnologie und assistierter Reproduktionstechnologien anstrebt.[21]
  • Post-Politik, ein transhumanistischer politischer Vorschlag, der darauf abzielt, eine „Postdemokratie“ zu schaffen, der auf Vernunft und freiem Zugang der Menschen zu Enhancement-Technologien beruht.[22]
  • Singularitarianismus: Eine Bewegung basierend auf dem Glauben, dass eine technologische Singularität – die Erschaffung einer Superintelligenz – möglich ist, und überlegte Tätigkeit befürwortet, um diese in sicherer Form herbeizuführen.[23] Diese Phase wird als Transzendenz der menschlichen Spezies gesehen.

Eugenik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eugenik spielt im Transhumanismus eine zentrale Rolle. Allerdings hofft man, nicht durch Sterilisation eine Geburt zu verhindern, sondern durch Genmanipulation für die Geburt eines gesunden Kindes zu sorgen.[7][24] Dabei soll die menschliche Evolution künftig, an vom Menschen gewählten Zielen orientiert, gesteuert werden. Diese Züchtung von Menschen soll nicht in staatlicher Hand liegen (wie etwa von der nationalsozialistischen Eugenik angestrebt), sondern in die Hände der einzelnen Eltern gelegt werden.[25]

In Deutschland knüpfen ähnliche Diskussionen eher an Friedrich Nietzsches Begriff des Übermenschen an und sind damit nicht vornehmlich technisch orientiert, sondern immer auch von Gedanken einer kulturellen Weiterentwicklung durchdrungen.[26]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff und die Aussicht auf menschliches Enhancement und damit zusammenhängende Fragen lösen in der Öffentlichkeit Kontroversen aus.[27] Die Kritik am Transhumanismus und seinen Vorschlägen lässt sich in zwei Hauptformen unterteilen: zum einen in Einwände gegen die Wahrscheinlichkeit, dass die transhumanistischen Ziele erreicht werden (praktische Kritik), und zum anderen in Einwände gegen die moralischen Grundsätze oder die Weltanschauung, die den transhumanistischen Vorschlägen zugrunde liegen oder dem Transhumanismus selbst zugrunde liegen (ethische Kritik). Kritiker und Gegner sehen in den Zielen der Transhumanisten oft eine Bedrohung für die menschlichen Werte.

Die Frage, inwiefern transhumanistische Zukunftsprognosen über die technologische Entwicklung realistisch sind und welche ethischen und anthropologischen Konsequenzen sich gegebenenfalls daraus ergäben, wird kontrovers diskutiert. Der Transhumanismus wurde von Francis Fukuyama – einem ausgesprochenen Gegner – „eine der gefährlichsten Ideen“ genannt,[28] während ein Befürworter (Ronald Bailey) dem entgegensetzte, dass „diese Bewegung das kühnste, mutigste, visionärste und idealistischste Bestreben der Menschheit sei“.[29] Einige Autoren vertreten den Standpunkt, dass die Menschheit bereits transhuman sei, weil der medizinische Fortschritt in den letzten Jahrhunderten die Spezies signifikant verändert habe.[30]

Praktische Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kevin Warwick, erster Mensch der sich einen Computerchip (RFID-Chip) in den Arm implantieren ließ.

Der Genetiker und Wissenschaftsautor Steve Jones (* 1944) argumentiert, dass die Menschheit die Technologie nicht hat und nie haben wird, die die Befürworter des Transhumanismus suchen. Jones behauptet, dass Technologien wie die Gentechnik nie so leistungsfähig sein werden, wie allgemein angenommen wird.

Obwohl Gregory Stock (* 1949), Professor für öffentliche Gesundheit, dem Transhumanismus generell positiv gegenübersteht, ist er skeptisch, was die technische Machbarkeit und die Massenattraktivität der von Raymond Kurzweil, Hans Moravec (* 1948) und Kevin Warwick (* 1954) vorhergesagten Cyborgisierung der Menschheit angeht. Seiner Ansicht nach werden im 21. Jahrhundert viele Menschen tief in Maschinensysteme integriert sein, aber biologisch bleiben. Die primären Veränderungen ihrer eigenen Form und ihres Charakters würden nicht durch Cyberware, sondern durch die direkte Manipulation ihrer Genetik, ihres Stoffwechsels und ihrer Biochemie entstehen.[31]

In seinem Buch Futurehype: Die Tyrannei der Prophezeiung zählt der Soziologe Max Dublin viele fehlgeschlagene Vorhersagen des vergangenen technologischen Fortschritts auf und postuliert, dass moderne futuristische Vorhersagen ähnlich ungenau ausfallen werden. Er tritt auch gegen das ein, was er als Fanatismus und Nihilismus in der Befürwortung transhumanistischer Zwecke sieht, und behauptet, dass historische Ähnlichkeiten zu religiösen und marxistischen Ideologien bestünden.

Ethische Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Transhumanismus wird vorgeworfen, auf technologische Entwicklungen zu setzen, ohne die damit einhergehenden ethischen Aspekte hinreichend zu berücksichtigen.

Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama meint, dass der Transhumanismus die progressiven Ideale der liberalen Demokratie auf kritische Weise unterminieren könne. Dies geschehe durch eine fundamentale Veränderung der menschlichen Natur und der menschlichen Gleichheit.[32] Die Technik- und Medienphilosophin Janina Loh kritisiert, dass die meisten Transhumanisten die gesellschaftlichen und philosophischen Fragen, die sich aus der Technologie ergeben, nur am Rande streifen.[33]

Humanistische Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Humanisten kritisieren unter anderem das meist sehr simple Menschenbild von Transhumanisten, welches auch schon als „Trivial-Anthropologie“ bezeichnet wurde, dabei gehen, nach einigen Philosophen, viele wichtige Eigenschaften des Menschen verloren, die aber auch berücksichtigt werden müssten.

Auch in der Kritik steht die fehlende Achtung vor der Autonomie des Menschen, besonders die Autonomie von ungeborenen Leben werde durch die Anwendung von Genmanipulation missachtet.[34]

Transhumane Elemente in Literatur, Film und Computer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Science-Fiction hat Transhumanismus schon seit vielen Jahren in verschiedensten Formen dargestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der bekannten Neuromancer-Trilogie von William Gibson (* 1948) sind viele Elemente des Transhumanismus enthalten. So sind die meisten Menschen mit Microchips ausgerüstet, die sie unter anderem intelligenter machen und die sie jederzeit auswechseln können. Künstliche Intelligenzen agieren frei im Cyberspace und die Charaktere wechseln zwischen realer und virtueller Welt. Auch die meisten anderen Romane von Gibson (z. B. die Kurzgeschichtensammlung Cyberspace) befassen sich mit Transhumanismus.

Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema findet man bei Greg Egan. In Distress beschäftigt er sich unter anderem mit dem Konzept der morphologischen Freiheit, dem (künstlichen) Anpassen des Körpers an sein eigenes Selbstbild. In Permutation City und Diaspora beschäftigt er sich mit dem Uploaden, mit der Entwicklung komplexer Gesellschaftssysteme basierend auf simulierten Individuen.

Die „Ousters“ im Hyperion-Zyklus von Dan Simmons sind ein Beispiel für eine transhumane Menschheit, bis hin zum Posthumanen. Anstatt „sich an Felsen zu klammern“ wie der Rest der Menschheit (die sie als Barbaren hassten und fürchteten), zogen sie in Richtung Weltraum, passten sich an die Umgebung mittels Nanotechnologie an, und traten in eine symbiotische Beziehung zu ihrer Technologie. Simmons späteres Buch Ilium zeigt eine andere Situation in der fernen Zukunft, wo Posthumane von ihrer eigenen Technologie scheinbar absorbiert wurden, während eine kleine Bevölkerungsgruppe von weniger veränderten Menschen weiterhin auf der Erde lebt und dabei komplett von einer Technologie abhängig ist, die sie nicht länger verstehen (siehe Technologische Singularität).

Der 2008 publizierte Roman Die Abschaffung der Arten von Dietmar Dath, der 2008 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreis war, spielt in einer Welt, in der das transhumanistische Projekt verwirklicht wurde, indem ein Teil der Menschheit sich durch gesteuerte Evolution in die „Gente“ verwandelt hat. Sie sind eine Art umfassendes auf den heute bekannten Tieren beruhendes Geschlecht, welches zur Informationsübermittlung auf ein Duftstoffnetz zurückgreift.

Außerhalb der Science-Fiction wurde der Transhumanismus zum Beispiel von Michel Houellebecq in seinen Romanen Elementarteilchen und Die Möglichkeit einer Insel thematisiert. Die Menschheit beschließt hier als Reaktion auf die Desillusionen der Moderne, zugunsten einer geschlechtslosen, unsterblichen Spezies von der Weltbühne zu verschwinden.

In dem 2012 erschienenen Roman Maschinenmann des australischen Autors Max Barry verliert ein Wissenschaftler durch einen Unfall ein Bein, welches er durch eine biomechanische Prothese ersetzt. Als der Wissenschaftler feststellt, dass sein neues synthetisches Bein wesentlich leistungsfähiger ist als ein natürliches, beginnt der Mann, weitere seiner Körperteile auszutauschen, um seinen organischen Leib zu perfektionieren.

Im 2013 erschienenen Roman Inferno von Dan Brown erschafft ein Wissenschaftler, der sich als Transhumanist sieht, ein Virus, das die Welt vor der drohenden Überbevölkerung und dem seiner Ansicht nach damit unvermeidlichen Kollaps der Erde retten soll. Dan Brown verarbeitet auch in der Fortsetzung der Robert Langdon Reihe Origin die Thematik des Transhumanismus. So errechnet ein Quantencomputer, dass die Menschheit im Jahre 2050 endgültig mit der Technologie verschmolzen sein wird.

Computerspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in Computerspielen tauchen häufig Ideen und Konzepte des Transhumanismus auf. Die Deus-Ex-Reihe behandelt unter anderem die Auswirkungen überlegener Technik wie künstlicher Implantate und künstlicher Intelligenz auf den menschlichen Geist und die Gesellschaft.

Ein weiteres Beispiel für eine transhumanistische Organisation in Computerspielen ist die Cerberus-Gruppe in der RPG-Serie Mass Effect. Diese versucht durch Genmanipulation und Implantologie der Menschheit einen Vorteil im intergalaktischen Wettbewerb mit den anderen, außerirdischen Rassen zu verschaffen. Obwohl der Spieler im ersten Teil der Serie die teils unmoralischen Experimente und Machenschaften der Gruppe aufdeckt, wird er zu Beginn des zweiten Teils durch eben deren Technik wieder zum Leben erweckt. Er versucht im Folgenden mit Cerberus’ Unterstützung die Vernichtung allen organischen Lebens durch die sogenannten Reaper, uralte und hoch entwickelte Maschinenwesen, zu verhindern. Der Spieler kann dabei an mehreren Stellen in Dialogen seine Einstellung zur Cerberus-Gruppe darstellen und sich dabei sowohl loyal zeigen als auch abgrenzen.

Das Computerspiel BioShock dreht sich um ein gescheitertes libertäres Gesellschaftsmodell, welches dem Transhumanismus ähnelt. Die elitären Bewohner der Unterwasserstadt Rapture verwendeten dabei exzessive Genmanipulation, um ihre Körperfunktionen zu erweitern, was ihnen schließlich zum Verhängnis wurde. Autor Ken Levine greift dabei Ayn Rands Objektivismus auf und zeichnet das Porträt einer Gesellschaft, in der diese Weltanschauung in Gänze gelebt wurde, aber letzten Endes scheiterte.[35]

In den Syndicate-Computerspielen ist es möglich, seinen Agenten vorteilsbringende Prothesen zu kaufen, wodurch sie im späteren Spielverlauf zunehmend zu Cyborgs werden.

Der Horror-Titel Soma des schwedischen Studios Frictional Games verwischt die Grenze zwischen Mensch und Maschine und möchte Grauen mit daraus entstehenden Fragen vermitteln.[36]

Das Open-World-Rollenspiel Fallout 4 des US-amerikanischen Spieleentwicklers Bethesda Game Studios, ermöglicht dem Spielenden sich ausführlich mit der Frage zu beschäftigen, ob bzw. ab wann künstliche Intelligenzen (hier: Synths) „Lebewesen“ sind und als solche entsprechende Rechte verdienen. Die fortschrittlichsten dieser Synths sind vollständig synthetische Menschen, die jedoch mittels eines „Synthmoduls“ programmiert und Sprachgesteuert werden können. Das „Institut“, welches für die Entwicklung und Produktion der Synths verantwortlich ist, sieht in ihnen die „Menschheit -neu definiert“, wird dabei jedoch von der Untergrundorganisation „Railroad“ bekämpft, die dem Institut vorwirft, die Synths zu versklaven und auszubeuten. Demgegenüber steht die „Stählerne Bruderschaft“, eine militärisch disziplinierte Organisation, welche die Synths – trotz ihres eigenen Vertrauens in hoch entwickelte Technologien – für eine Gefahr hält.

In dem Videospiel Cyberpunk 2077 ist es möglich, dem Hauptcharacter mit Cyberware physikalische und physische Vorteile zu verschaffen, welche nur von sogenannten „Ripperdocs“ implantiert werden können. Beispiele sind verstärkte Knochen, Brain-Computer-Interfaces und ein verbessertes Immunsystem.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der US-amerikanischen Fernsehserie Altered Carbon ist es den Protagonisten möglich, ihr Bewusstsein und ihre Erinnerungen auf einem Datenträger zu speichern und in andere Körper (Klone) transferieren zu lassen. Durch das regelmäßige Backup des Datenträgers, in der Serie „Stack“ genannt, können Menschen somit de facto Unsterblichkeit erlangen. Diese Möglichkeit sowie die Möglichkeit, Lebensqualität, Aussehen und Fertigkeiten nach Wunsch durch Upgrades zu verbessern, hängen jedoch stark von den individuellen ökonomischen Verhältnissen der Handelnden ab. Die Handlung basiert auf dem Buch Das Unsterblichkeitsprogramm (Roman) von Richard Morgan.

Der Fernsehfilm Maleficius aus der ARD-Serie Tatort (Deutschland 2019) thematisiert das Problem, ob Menschen mit einer Behinderung (zum Beispiel Querschnittslähmung) mit Hilfe eines Brain-Computer-Interface und eines Exoskletts ihre Bewegungsfähigkeit zurückgewinnen könnten und welche ethischen Probleme damit verbunden sind.[37] Die Vorstellungen von der Verschmelzung des menschlichen Gehirns mit künstlicher Intelligenz werden durch einen dem Transhumanismus verpflichteten Neurochirurgen vorgetragen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Transhumanismus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Transhumanismus – Perspektiven, Chancen, Risiken. In: humanistische-vereinigung.de. Abgerufen am 24. Januar 2020.
  2. Nick Bostrom: In Defense of Posthuman Dignity. In: Bioethics. Band 19, Nr. 3, 2005, ISSN 0269-9702, S. 202–214, PMID 16167401 (englisch, Volltext auf der Website des Autors [abgerufen am 31. Juli 2017]): “Transhumanism is a loosely defined movement …”
  3. Jan-Christoph Heilinger: Anthropologie und Ethik des Enhancements. 2009, S. 112.
  4. Nick Bostrom: A History of Transhumanist Thought. In: nickbostrom.com. Abgerufen am 9. Mai 2022 (englisch).
  5. Peter Harrison, Joseph Wolyniak: History of 'transhumanism'. In: academia.edu. 12. Juli 2015, abgerufen am 9. Mai 2022 (englisch).
  6. R. Mirkes: Transhumanist Medicine: Can We Direct Its Power to the Service of Human Dignity? In: The Linacre quarterly. Band 86, Nummer 1, Februar 2019, S. 115–126, doi:10.1177/0024363919838134, PMID 32431394, PMC 6537347 (freier Volltext).
  7. a b Nick Bostrom: A history of transhumanist thought. In: Journal of Evolution and Technology. Band 14, Nr. 1. Institute for Ethics and Emerging Technologies, April 2005, ISSN 1541-0099 (englisch, jetpress.org [abgerufen am 14. Mai 2018]).
  8. Stefan Lorenz Sorgner: Nietzsche, the Overhuman, and Transhumanism. In: Journal of Evolution and Technology. Band 20, Nr. 1. Institute for Ethics and Emerging Technologies, März 2009, ISSN 1541-0099, S. 29–42 (englisch, jetpress.org [abgerufen am 5. Januar 2021]).
  9. Russell Blackford: Editorial: Nietzsche and European Posthumanisms. In: Journal of Evolution and Technology. Band 21, Nr. 1. Institute for Ethics and Emerging Technologies, 2010, ISSN 1541-0099 (jetpress.org [abgerufen am 1. Februar 2022]).
  10. Stefan Lorenz Sorgner: Nietzsche, the Overhuman, and Transhumanism. In: jetpress.org. Journal of Evolution and Technology, abgerufen am 9. Mai 2022 (englisch).
  11. Max More: Transhumanism - Towards a Futurist Philosophy. 1990. Archiviert vom Original am 16. Februar 2011. Abgerufen am 23. Oktober 2015.
  12. Janina Loh: Trans- und Posthumanismus zur Einführung. Hamburg 2018, ISBN 978-3-88506-808-2, S. 72.
  13. Janina Loh: Trans- und Posthumanismus zur Einführung. Hamburg 2018, ISBN 978-3-88506-808-2, S. 75.
  14. Bernd Vowinkel: Auf dem Weg zum Transhumanismus? In: transhumanismus.wordpress.com. Abgerufen am 6. Juli 2020.
  15. Transhumanist FAQ 5. Transhumanism as a Philosophical and Cultural Viewpoint 5.2 What currents are there within transhumanism? In: web.archive.org. World Transhumanist Association, abgerufen am 9. Mai 2022 (englisch).
  16. James Hughes: Democratic Transhumanism 2.0. In: changesurfer.com. Abgerufen am 1. Juli 2020 (englisch).
  17. Was ist Extropie? In: uni-muenster.de. Archiviert vom Original am 29. Mai 2001; abgerufen am 26. November 2019.
  18. Martin Kurthen: Weißer und schwarzer Posthumanismus – Nach dem Bewusstsein und dem Unbewussten. Wilhelm-Fink-Verlag, 2011, ISBN 978-3-7705-5177-4, S. 19 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  19. Janina Loh: Trans- und Posthumanismus zur Einführung. Hamburg 2018, ISBN 978-3-88506-808-2, S. 75.
  20. James J. Hughes: The Politics of Transhumanism. In: changesurfer.com. Abgerufen am 9. Mai 2022 (englisch).
  21. Postgenderism: Beyond the Gender Binary. In: sentientdevelopments.com. 20. März 2008, abgerufen am 9. Mai 2022 (englisch).
  22. Piero Gayozzo: Extrapolitical Theory and Postpoliticism - A Transhumanist Political Theory. In: researchgate.net. 1. September 2018, abgerufen am 9. Mai 2022 (englisch).
  23. Raymond Kurzweil: The Singularity Is Near: When Humans Transcend Biology. Viking Adult, 2005, ISBN 0-670-03384-7.
  24. Do transhumanists advocate eugenics? (Nicht mehr online verfügbar.) In: transhumanism.org. Archiviert vom Original am 9. September 2006; abgerufen am 24. April 2022 (englisch).
  25. Andrés Lomeña: Interview mit Nick Bostrom und David Pearce. In: hedweb.com. Dezember 2007, abgerufen am 9. August 2019.
  26. Vgl. etwa Ernst Benz (Hrsg.): Übermensch. Eine Diskussion. Stuttgart/Zürich 1961.
  27. Garreau, Joel: Radical Evolution: The Promise and Peril of Enhancing Our Minds, Our Bodies – and What It Means to Be Human. Hrsg.: Crown; Reprint Edition. 2006, ISBN 978-0-7679-1503-8 (englisch).
  28. Francis Fukuyama: Transhumanism – the world’s most dangerous idea. In: Website der Universität Aarhus. Abgerufen am 25. Mai 2020 (englisch, ursprünglich erschienen in Foreign Policy, September 2004; aktualisiert am 13. November 2019 von Rasmus Stensgaard).
  29. Ronald Bailey: Transhumanism: The Most Dangerous Idea? In: reason.com. 25. August 2004, abgerufen am 20. Mai 2021 (englisch).
  30. Miquel Casas: El fin del Homo sapiens: La naturaleza y el transhumanismo. Ápeiron, Madrid 2017, ISBN 978-84-16996-35-3.
  31. Joel Garreau: Radical Evolution: The Promise and Peril of Enhancing Our Minds, Our Bodies -- and What It Means to Be Human. Hrsg.: Crown; Reprint Edition. 2006, ISBN 978-0-7679-1503-8 (englisch).
  32. Francis Fukuyama: Our Posthuman Future. 1. Auflage. Picador, New York 2003, ISBN 0-312-42171-0.
  33. Janina Loh: Trans- und Posthumanismus zur Einführung. Hamburg 2018, ISBN 978-3-88506-808-2, S. 65.
  34. Janina Loh: Trans- und Posthumanismus zur Einführung. Hamburg 2018, ISBN 978-3-88506-808-2, S. 79–91.
  35. Anthony Ha: BioShock Infinite Creator Ken Levine Says He Doesn’t Believe In Utopias (Including Peter Thiel’s). Interview mit Ken Levine. In: techcrunch.com. 28. März 2013, abgerufen am 4. Juni 2020 (englisch).
  36. David Chandler: SOMA finds the horror inherent in glitch art. Review. In: killscreen.com. 24. September 2015, abgerufen am 15. April 2020 (englisch).
  37. Tatort – Maleficius. In: daserste.de. 2019, abgerufen am 6. Juli 2022.