Reichsausstellung Schaffendes Volk

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Skulpturengruppe Die Rossebändiger von Edwin Scharff als Relikt der Reichsausstellung Schaffendes Volk im Nordpark Düsseldorf

Die Reichsausstellung Schaffendes Volk 1937 in Düsseldorf war die wichtigste, auch nach außen hin bedeutendste Propagandaschau Deutschlands während des Nationalsozialismus. Sie war die größte bis dahin in Deutschland gezeigte Ausstellung und sicherlich die größte deutsche Ausstellung des Jahres 1937, einem Jahr, welches viele Ausstellungen sah, u. a. in München die Große Deutsche Kunstausstellung und die Ausstellung Entartete Kunst, in Berlin die Groß-Ausstellung des Reichsnährstandes und die rein politische Vierjahresplanausstellung „Gebt mir vier Jahre Zeit…“. Zudem wurde in Paris die Weltfachausstellung mit einer auftrumpfenden Beteiligung des Deutschen Reiches veranstaltet.

Die Große Reichsausstellung Schaffendes Volk gehörte zu jenem Programm des Reichspropagandaministeriums, das dem deutschen Volk die Omnipotenz und heilbringenden Kräfte der NSDAP und der nationalsozialistischen Weltanschauung näherbringen sollte. Durch die offizielle Ernennung Düsseldorfs zum „Reiseziel des Jahres 1937“ versuchte man möglichst viele Menschen zum Besuch der Ausstellung zu bewegen. Am 8. Mai 1937 wurde die Ausstellung durch Hermann Göring eröffnet.

Mit der Ausstellung entstand ein völlig neues Stadtviertel in Düsseldorf, das nach Albert Leo Schlageter Schlageterstadt genannt wurde und von dem heute nur noch die Parkanlage des Nordpark sowie die anschließenden Siedlungen erhalten sind. Über sechs Millionen Menschen strömten aus dem In- und Ausland an den Rhein, um hier das „neue deutsche Wohnen“, das „neue deutsche Arbeiten“ und die „neue deutsche Kunst“ zu sehen.

Der Ausstellungsverein[Bearbeiten]

Ausstellungsplakat „Große Reichsausstellung Schaffendes Volk“
Vorlage:Infobox Gemälde/Wartung/KünstlerArno Drescher, 1937
Düsseldorf

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Die Reichsausstellung Schaffendes Volk hatte eine Vorbereitungsphase von anderthalb Jahren. Die Durchführung der Ausstellung Schaffendes Volk sollte durch einen Verein organisiert werden, der technisch und finanziell eine Unabhängigkeit von der Stadt garantieren würde. Zu diesem Zweck plante Oberbürgermeister Hans Wagenführ, den noch bestehenden Verein der GeSoLei umzubenennen und zu reaktivieren. Am 12. Juni 1935 konnte unter dem Namen "Große Ausstellung Düsseldorf - Schlageterstadt 1937 für Gartenkultur, Städtebau, Industrie und Handwerk e.V." der Ausstellungsverein gegründet werden. Hauptträgerin war die Stadt Düsseldorf. Als erster Vorsitzender wurde Generaldirektor Ernst Poensgen, Spiritus rector der GeSoLei, bestimmt. Seine Vertreter waren Hans Wagenführ und der Kreisleiter Karl Walter (NSDAP). Dem erweiterten Vorstand gehörten Bürgermeister Willy Thelemann, Stadtrat Robert Meyer, Stadtrat Horst Ebel (* 1905)[1], Akademiedirektor Peter Grund und der städtische Gartendirektor Wilhelm Tapp an. Am 1. Dezember 1935 wurde Ernst W. Maiwald, der für den Werberat der Deutschen Wirtschaft tätig war und gleichzeitig als stellvertretender Reichskommissar die deutsche Abteilung auf der Pariser Weltausstellung leitete, zum Hauptgeschäftsführer des Ausstellungsvereins gewählt.

Mit der Ernennung Maiwalds kam es zu personellen Veränderungen. Die Direktoren Heinrich Hattrop und Emil Berg wurden zu Stellvertretern Maiwalds gewählt. Die kaufmännische und finanzielle Oberleitung hatte ebenfalls Hattrop erhalten, für die bautechnische Oberleitung war Grund zuständig, Presse und Propaganda-Arbeit übernahm Stadtrat Ebel und die gärtnerische Oberleitung lag bei Gartendirektor Wilhelm Tapp. Am 1. November 1935 hatte man mit drei Arbeitskräften und einer Schreibmaschinenkraft im eigenen Büro mit den eigentlichen Vorbereitungsarbeiten begonnen. Am Ende desselben Jahres bestand der Durchführungsapparat aus 55 Personen. Bis zur Eröffnung der Ausstellung wuchs diese Zahl auf.

Das Ausstellungsgelände[Bearbeiten]

Lageplan Große Deutsche Ausstellung Düsseldorf-Schlageterstadt 1937

Man wusste, dass große Ausstellungen in Düsseldorf nur nutzbringend sein konnten, wenn sie in der Nähe der Stadt lagen, wo die Besucher das Düsseldorfer Gewerbe stärken konnten. Daher richtete der Ausstellungsverein sein Augenmerk auf ein zentral gelegenes Gelände. Neben den geplanten Hallen wollte man eine Garten- und Siedlungsschau in einer Freilandausstellung zeigen und man bemühte sich schon zu Beginn der Planungen um Erweiterungsmöglichkeiten, vor allem für die beiden Siedlungen. Für die Siedlerstellen war in der nicht weit entfernten Golzheimer Heide nördlich des GeSoLei-Geländes genügend Raum vorhanden. Hier befand sich auch das Nationalheiligtum der Deutschen, die Todesstätte Albert Leo Schlageters. Somit wurde das gesamte Ausstellungsgelände in den Norden Düsseldorfs verlegt, dort, wo ohnehin die Siedlungen gebaut werden sollten und obendrein in die Nähe des Schlageterkreuzes, womit die gesamte Ausstellung nicht nur ideologisch, sondern auch geografisch an die Todesstätte des „Düsseldorfer Nationalhelden Schlageter“ angebunden wurde. Peter Grund, der ebenfalls mit den Planungen für das Schlageterforum betraut war, fertigte die ersten Pläne an. Die Lage und Aufteilung des Ausstellungsgeländes basierend auf dem Entwurf für das Gebiet zwischen der Uerdinger Straße und dem Schlageterforum unmittelbar am Rhein.

Haus der Konditoren

Die Ausstellung wurde auf vier Säulen gestellt: Industrie und Wirtschaft, Landnutzung und Stadtplanung, Fortschritt, sowie Kunst und Kultur.

Rossebändiger von Edwin Scharff, Eingang zum Nordpark

Beteiligte Architekten[Bearbeiten]

  • Fritz Becker - künstlerische Gestaltung der Freifläche; des Weiteren der Bau des Konditorencafé, die runde Pflanzenhalle, Bauten am Konzertplatz und am Wassergarten, die Pergola am Irisgarten und den Laubengang im Rosengarten
  • Arnold Emundts - künstlerische Leitung des Architekturbüros
  • Robert Meyer - Leitung des Architekturbüros
  • Wilhelm Mohr
  • Leopold Schmalhorst
  • Walter von Wecus - Verantwortlicher für die „gesamtkünstlerische Gestaltung“ der „Licht-, Fahnen- und Wasserspiele“

Beteiligte Gartenarchitekten[Bearbeiten]

Beteiligte Künstler[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefanie Schäfers: Vom Werkbund zum Vierjahresplan. Die Ausstellung Schaffendes Volk, Düsseldorf 1937., Quellen und Forschungen zur Geschichte des Niederrheins. Hrsg. v. Düsseldorfer Geschichtsverein, Band 4 Droste, Düsseldorf 2001. ISBN 3-7700-3045-1Webseiten
  • Wieland Koenig (Vorwort), Werner Alberg (Bearbeitung): Düsseldorfer Kunstszene 1933-1945, Stadt Düsseldorf. Stadtmuseum, 1987, ISBN 3926895004
  • Stefanie Schäfers: Vom Werkbund zum Vierjahresplan. Die Ausstellung Schaffendes Volk, Düsseldorf 1937, Droste, 2001, ISBN 3-7700-3045-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1929 Horst Ebel: 1929 Stadtsekretär, 1933 Verwaltungsdezernent, 1936 Stadtrat, 1936-1939 und 1940-1943 Leiter des NS-Gauamtes für Kommunalpolitik
  2. Liste der Häuser - Bauherren und Architekten