Rettungspunkt

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Rettungspunkt in Hessen

Rettungspunkte (auch Rettungskette, Anfahrtspunkt für Rettungsfahrzeug, T-Punkt oder Notfall-Treffpunkt) sind definierte Anfahrtsstellen für Rettungsfahrzeuge. Sie sollen in Notfällen Rettungsfahrzeuge schneller an den richtigen Ort leiten. Gekennzeichnet sind sie mit Schildern, auf denen ein Referenzcode angegeben ist, oft ebenfalls die Euronotrufnummer 112.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rettungspunkt-Schild an der Ruhr

Rettungspunkte wurden in Bayern in den 1990er Jahren eingeführt um die Versorgung von Waldarbeitern in Notsituationen zu verbessern und Rettungsfahrzeuge schneller an den richtigen Ort zu leiten. Die Daten des rein betriebsinternen Rettungssystems wurden nicht veröffentlicht und waren für z. B. Wanderer und Radfahrer nicht nutzbar. Ab 2006 wurden in Bochum entlang der Ruhr in Zusammenarbeit mit DLRG und Feuerwehr entwickelte Schilder des Ruhr-Standort-Informationssystems (RuSIS) aufgestellt um die Wasserrettung zu erleichtern. RuSIS-Schilder wurden seitdem auch in anderen an der Ruhr liegenden Städten angebracht. 2012 wurde in Dänemark damit begonnen, alle Strände mit Rettungspunkten auszustatten. In Bayern wurde von der Bayerischen Forstverwaltung in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium des Innern ab 2013 ein bayernweit einheitliches System fester Rettungspunkte aufgebaut.[1][2][3][4]

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rettungspunkt an einem Strand in Dänemark

Rettungspunkt-Schilder sind nicht genormt und lokal unterschiedlich aufgebaut. Oft verwendet wird ein weißes Kreuz auf grünem oder rotem Hintergrund. In Bayern wird das Piktogramm für Notfall-Sammelstellen benutzt. Als Referenzcode werden teilweise ein Kfz-Kennzeichen oder eine Kennnummer für den Landkreis verwendet und mit einer fortlaufenden Rettungspunkt-Nummer nachgestellt. Teilweise wird statt der Landkreiskennung die entsprechende Kartennummer der TK 25 verwendet. Verschiedentlich werden auch Geographische Koordinaten mit angegeben. Bei RuSIS sind in der vierstelligen Referenznummer der Flusskilometer und die Uferseite kodiert.

Verwendung und Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In zahlreichen Wanderkarten sind Rettungspunkte eingetragen. Für Mobiltelefone und Tabletcomputer existiert eine spezielle App Hilfe im Wald mit vielen Rettungspunkten.[5] Viele Rettungspunkte sind auch in der freien Geodatenbank OpenStreetMap erfasst und über auf OpenStreetMap basierenden Apps wie OsmAnd auffindbar.[6][7] Auf Navigationssystemen kann mit der Software POIbase eine Sammlung vieler Rettungspunkte installiert werden.[8] Verschiedene Landesbehörden oder Forstämter bieten Übersichtslisten oder -karten ihrer Rettungspunkte zum Erwerb oder als Download.[9][10][11][12][13][14] Ob über Ersthelfer-Apps alarmierte Fachkräfte kurzfristigen Zugriff auf die Lagedaten der Rettungspunkte haben, ist nicht bekannt.[15]

Lokale Ausprägungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erhalt der Ausschilderung der Rettungspunkte im Gelände ist nicht überall sichergestellt. Mängel können jedoch über den Bundeslandbeauftragen gemeldet werden.

In Remscheid hat die Feuerwehr die 45 km² große Fläche an Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten mit Waldrettungspunkten bestückt. Ein weißes Schild mit rotem Rand gibt jeweils die Standortbezeichnung bekannt.

In Bayern wurden seit 2013 über 12.000 Rettungspunkte eingerichtet.[16]

In Dänemark wurden seit 2012 über 5000 Rettungspunkte an Badestränden eingerichtet.[17]

In Frankfurt am Main wurden anlässlich des 25-jährigen Tags der Deutschen Einheit am Main eine sehr große Anzahl von Schildern auf einer Länge von 10 km montiert.[18]

In Hamburg wurden über 100 „Notfall-Treffpunkte“ in Wald- und Moorgebieten im Jahr 2016 georeferenziert.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rettungspunkte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sichere Waldarbeit. Rettungskette Forst. Bayerische Forstverwaltung, abgerufen am 15. August 2016.
  2. Redningsnummer.dk. Abgerufen am 15. August 2016 (dänisch).
  3. bochum-lokal: RuSIS für schnelle Rettung. In: www.bochum-lokal.de. Abgerufen am 14. August 2016.
  4. Neue Schilder leiten Retter an der Ruhr (Memento vom 15. November 2013 im Internet Archive) abgerufen am 14.Aug 2016
  5. INTEND Geoinformatik: Rettungspunkte App „Hilfe im Wald“ zum download bereit. In: forstpraxis.de. Deutscher Landwirtschaftsverlag, 19. Juli 2013, abgerufen am 15. August 2016.
  6. Marc Gehling: Wochenaufgabe Rettungspunkte KW 37/38 08.09.–21.09.2014. In: OSM Blog. FOSSGIS, 8. September 2014, abgerufen am 15. August 2016.
  7. Open Street Maps Automated Navigation Directions. Abgerufen am 15. August 2016.
  8. poibase.com
  9. Rheinland-Pfalz Informationen zum Rettungspunkt, als Beispiel
  10. Informationen zum Rettungspunkt im Saarland
  11. Informationen zum Rettungspunkt in Hessen
  12. Informationen zur Rettungskette in Hessen
  13. Informationen zum Rettungspunkt in Thüringen
  14. Informationen zum Rettungspunkt in Niedersachsen
  15. Ersthelfer-App: Schneller als jeder Rettungsdienst?
  16. Rettungskette Forst. In: Forstcast. Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan, 30. September 2014, abgerufen am 15. August 2016.
  17. Livreddere på kort. TrygFonden, abgerufen am 15. August 2016 (dänisch).
  18. Rettungspunkte am Main. Feuerwehr Frankfurt am Main, abgerufen am 17. August 2016 (deutsch).
  19. Notfall-Treffpunkte. In: hamburg.de. Abgerufen am 17. August 2016 (deutsch).