Rettungspunkt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Rettungspunkt in Hessen

Rettungspunkte (auch Rettungskette, Anfahrtspunkt für Rettungsfahrzeug, T-Punkt oder Notfall-Treffpunkt) sind definierte Anfahrtsstellen für Rettungsfahrzeuge. Sie sollen in Notfällen Rettungsfahrzeuge schneller an den richtigen Ort leiten. Gekennzeichnet sind sie mit Schildern, auf denen ein Referenzcode angegeben ist, oft ebenfalls die Euronotrufnummer 112.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rettungspunkt-Schild an der Ruhr

Rettungspunkte wurden in Bayern in den 1990er Jahren eingeführt um die Versorgung von Waldarbeitern in Notsituationen zu verbessern und Rettungsfahrzeuge schneller an den richtigen Ort zu leiten. Die Daten des rein betriebsinternen Rettungssystems wurden nicht veröffentlicht und waren für z. B. Wanderer und Radfahrer nicht nutzbar. Ab 2006 wurden in Bochum entlang der Ruhr in Zusammenarbeit mit DLRG und Feuerwehr entwickelte Schilder des Ruhr-Standort-Informationssystems (RuSIS) aufgestellt um die Wasserrettung zu erleichtern. RuSIS-Schilder wurden seitdem auch in anderen an der Ruhr liegenden Städten angebracht. 2012 wurde in Dänemark damit begonnen, alle Strände mit Rettungspunkten auszustatten. In Bayern wurde von der Bayerischen Forstverwaltung in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium des Innern ab 2013 ein bayernweit einheitliches System fester Rettungspunkte aufgebaut.[1][2][3][4]

Im Oktober 2013 hat das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V. (KWF) – auf Initiative der Bundesländer – einen Workshop zum Thema „Forstliche Rettungspunkte“ veranstaltet. Ergebnis war, dass die in den Forstbetrieben und -verwaltungen vorhandenen Informationen zu Rettungspunkten zentral vom KWF gesammelt und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden sollen.[5]

Am 23. Januar 2014 veröffentlichte das KWF zum ersten Mal einen standardisierten Datensatz aller forstlichen Rettungspunkte zum Download. Seit dem wird der Datensatz fortlaufend erweitert. Auf der Homepage www.rettungspunkte-forst.de veröffentlicht das KWF jeweils im April und Oktober jeden Jahres ein Update bzw. gibt es weiter zu Downloadplattforen. Die Daten können von jedem kostenfrei heruntergeladen und z. B. in digitalen Anwendungen sowie Navigationsgeräten oder als Web Map Service-Dienst (WMS) genutzt werden.[6]

Im April 2018 enthielt der KWF-Rettungspunkte-Datensatz rund 52.167 Rettungspunkte aus zwölf Bundesländern (Landes-, Kommunal- und Privatwald). Es fehlen noch die Daten aus Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Bremen und Berlin.[7]

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empfehlung des KWF für das Beschildern von Rettungspunkten
Rettungspunkt an einem Strand in Dänemark

Rettungspunkt-Schilder sind in Deutschland nicht genormt und sind in jedem Bundesland, teilweise auch regional, sehr unterschiedlich gestaltet. Es werden verschiedene Symbole, Layouts, Größen, Farben und Informationstexte verwendet.[8] Oft verwendet wird ein weißes Kreuz auf grünem oder rotem Hintergrund. In Bayern wird das Piktogramm für Notfall-Sammelstellen benutzt. Als Referenzcode werden teilweise ein Kfz-Kennzeichen oder eine Kennnummer für den Landkreis verwendet und mit einer fortlaufenden Rettungspunkt-Nummer nachgestellt. Teilweise wird statt der Landkreiskennung die entsprechende Kartennummer der TK 25 verwendet. Verschiedentlich werden auch Geographische Koordinaten mit angegeben. Bei RuSIS sind in der vierstelligen Referenznummer der Flusskilometer und die Uferseite kodiert.

Diese Vielfalt erschwert nicht nur die Handhabung für Rettungsdienste und Nutzer, sondern reduziert auch den enorm wichtigen Wiedererkennungswert über Regionen und Landesgrenzen hinaus. Aus diesen Gründen geben das KWF und die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) eine Empfehlung für eine rechtlich sichere und verständliche Beschilderung: Es basiert im Wesentlichen auf dem Rettungszeichen „Sammelstelle“ (nach DIN EN ISO 7010; ASR A1.3), wobei die drei dort abgebildeten Personen durch einen Punkt ersetzt wurden. Das Symbol wird durch die Angabe der Rettungspunktbezeichnung, einer Handlungsanweisung und der Notrufnummer 112 zu einem selbsterklärenden Schild vervollständigt. Durch optionale Ergänzung einer Webadresse, eines oder mehrerer Logos und einem QR-Code können Zuständigkeit und Hintergründe zusätzlich erläutert werden.[9]

Empfehlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[10]

  • Symbol: Vier weiße Pfeile die auf einen zentralen Punkt gerichtet sind, auf grünem Hintergrund (Farbe für Rettungszeichen gemäß DIN EN ISO 7010; ASR A1.3)
  • Text: 1. Zeile: „Rettungspunkt“; 2. Zeile: Rettungspunktbezeichnung; 3. Zeile: Handlungsanweisung; 4. Zeile: „Notrufnummer 112“; 5. Zeile: Angabe Webadresse
  • Optional: Logos der beteiligten Stellen und Aufdruck eines schildbezogenen QR-Codes (Verlinkung auf eine Webseite mit weiterführenden Informationen ggf. in verschiedenen Sprachen, Unterstützung einer fehlerfreien Katalogisierung)
  • Schildgröße: 230 mm × 420 mm (Breite × Höhe, Hochformat)

Verwendung und Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In zahlreichen Wanderkarten sind Rettungspunkte eingetragen. Grundlage viele digitaler Anwendungen (Apps) – z. B. für Mobiltelefone und Tabletcomputer – ist der bundesweite Rettungspunkte-Datensatz des KWF. Auf ihm basiert z. B. auch die weit verbreitete App Hilfe im Wald.[11] Viele Rettungspunkte sind auch in der freien Geodatenbank OpenStreetMap erfasst und über auf OpenStreetMap basierenden Apps wie OsmAnd auffindbar.[12][13] Auf Navigationssystemen kann mit der Software POIbase eine Sammlung vieler Rettungspunkte installiert werden.[14] Verschiedene Landesbehörden oder Forstämter bieten Übersichtslisten oder -karten ihrer Rettungspunkte zum Erwerb oder als Download.[15][16][17][18][19][20] Ob über Ersthelfer-Apps alarmierte Fachkräfte kurzfristigen Zugriff auf die Lagedaten der Rettungspunkte haben, ist nicht bekannt.[21]

Lokale Ausprägungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der föderalen Strukturen und der verschiedenen Waldbesitzarten wird das Konzept der Rettungspunkte in Deutschland sehr unterschiedlich umgesetzt. Für das Ausweisen forstlicher Rettungspunkte gibt es in Deutschland keine direkte gesetzliche Grundlage bzw. öffentlichen Auftrag und somit auch keine einheitliche Regelung. Jeder Waldbesitzer ist selbst dafür verantwortlich. Das Nebeneinander unterschiedlicher Lösungen und mangelnde Absprachen grenznaher Punkte erschweren die Handhabung sowohl für die Rettungsleitstellen als auch für die Nutzer.[22] Der Erhalt der Ausschilderung der Rettungspunkte im Gelände ist nicht überall sichergestellt.

Um ein möglichst einheitliches System sowohl innerhalb der Bundesländer, als auch bundesweit zu erarbeiten, wurden innerhalb einer vom KWF koordinierten Arbeitsgruppe Rahmenbedingungen sowie praxisbewährte Methoden und Verfahren zusammengetragen. Das jeweils praktikabelste Vorgehen wurde in einem Handlungsleitfaden für das Ausweisen forstlicher Rettungspunkte zusammengefasst. Dieser richtet sich in erster Linie an Waldbesitzer und verantwortlichen Stellen. Er kann unter www.rettungspunkte-forst.de als PDF-Dokument abgerufen werden.[23]

Auch Rettungspunkt-Schilder sind in Deutschland nicht genormt und sind in jedem Bundesland, teilweise auch regional, sehr unterschiedlich gestaltet. Es werden verschiedene Symbole, Layouts, Größen, Farben und Informationstexte verwendet.

In Remscheid hat die Feuerwehr die 45 km² große Fläche an Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten mit Waldrettungspunkten bestückt. Ein weißes Schild mit rotem Rand gibt jeweils die Standortbezeichnung bekannt.

In Bayern wurden seit 2013 über 12.000 Rettungspunkte eingerichtet.[24]

In Dänemark wurden seit 2012 über 5000 Rettungspunkte an Badestränden eingerichtet.[25]

In Frankfurt am Main wurden anlässlich des 25-jährigen Tags der Deutschen Einheit am Main eine sehr große Anzahl von Schildern auf einer Länge von 10 km montiert.[26]

In Hamburg wurden über 100 „Notfall-Treffpunkte“ in Wald- und Moorgebieten im Jahr 2016 georeferenziert.[27]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rettungspunkte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sichere Waldarbeit. Rettungskette Forst. Bayerische Forstverwaltung, abgerufen am 15. August 2016.
  2. Redningsnummer.dk. Abgerufen am 15. August 2016 (dänisch).
  3. bochum-lokal: RuSIS für schnelle Rettung. In: www.bochum-lokal.de. Abgerufen am 14. August 2016.
  4. Neue Schilder leiten Retter an der Ruhr (Memento vom 15. November 2013 im Internet Archive) abgerufen am 14.Aug 2016
  5. Forstliche Rettungspunkte - Übersicht. Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF), abgerufen am 4. September 2018.
  6. KWF erstellt digitale Karte forstlicher Rettungspunkte. Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF), abgerufen am 4. September 2018.
  7. Neue Version der KWF-Rettungspunkte veröffentlicht. Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF), abgerufen am 4. September 2018.
  8. Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V.: Ausweisen forstlicher Rettungspunkte 2017, S. 14
  9. Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V.: Ausweisen forstlicher Rettungspunkte 2017, S. 14
  10. Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V.: Ausweisen forstlicher Rettungspunkte 2017, S. 15
  11. INTEND Geoinformatik: Rettungspunkte App „Hilfe im Wald“ zum download bereit. In: forstpraxis.de. Deutscher Landwirtschaftsverlag, 19. Juli 2013, abgerufen am 15. August 2016.
  12. Marc Gehling: Wochenaufgabe Rettungspunkte KW 37/38 08.09.–21.09.2014. In: OSM Blog. FOSSGIS, 8. September 2014, abgerufen am 15. August 2016.
  13. Open Street Maps Automated Navigation Directions. Abgerufen am 15. August 2016.
  14. Blitzer und POIs für Navis und Smartphones. pocketnavigation.de GmbH, abgerufen am 15. Dezember 2018.
  15. Rheinland-Pfalz Informationen zum Rettungspunkt, als Beispiel
  16. Informationen zum Rettungspunkt im Saarland
  17. Informationen zum Rettungspunkt in Hessen
  18. Informationen zur Rettungskette in Hessen
  19. Informationen zum Rettungspunkt in Thüringen
  20. Informationen zum Rettungspunkt in Niedersachsen
  21. Ersthelfer-App: Schneller als jeder Rettungsdienst?
  22. Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik e.V.: Ausweisen forstlicher Rettungspunkte 2017, S. 5/6
  23. KWF-Broschüre zum Ausweisen forstlicher Rettungspunkte veröffentlicht. Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF), abgerufen am 4. September 2018.
  24. Rettungskette Forst. In: Forstcast. Zentrum Wald-Forst-Holz Weihenstephan, 30. September 2014, abgerufen am 15. August 2016.
  25. Livreddere på kort. TrygFonden, abgerufen am 15. August 2016 (dänisch).
  26. Rettungspunkte am Main. Feuerwehr Frankfurt am Main, abgerufen am 17. August 2016.
  27. Notfall-Treffpunkte. In: hamburg.de. Abgerufen am 17. August 2016.