Revisionistischer Zionismus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wladimir Jabotinsky
(Mitte der 1930er Jahre)

Der Revisionistische Zionismus ist eine revisionistische Richtung innerhalb des Zionismus. Gründer und bekanntester Vertreter ist Wladimir Zeev Jabotinsky.

Historische Wurzeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wladimir Jabotinsky nahm 1903 am sechsten Zionistenkongress in Basel teil. Dieses war der letzte Zionistenkongress, an dem Theodor Herzl noch persönlich teilnehmen konnte. Unter anderem wurden dessen Vorschlag für eine Verfassung der Zionistischen Weltorganisation (WZO) und – vor allem wegen des Pogroms von Kischinau – eine Ansiedlung der Juden in einem eigenen Staatsgebiet diskutiert.

Jabotinsky identifizierte sich völlig mit Herzls Zielen und wurde zu einem Sprecher des Zionismus.[1]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1923 gründete er einen revisionistischen Flügel innerhalb der zionistischen Bewegung. Diese wurde zu dieser Zeit hauptsächlich von aschkenasischen, in Europa lebenden Juden getragen. Der revisionistische Flügel orientierte sich an bürgerlichen und nationalen Bewegungen, teilweise auch am italienischen Faschismus und zählte zur politischen Rechten. Damit stand sie im Gegensatz zur vorherrschenden sozialistischen Strömung in den zionistischen Vorstellungen.[2]

Die revisionistische Fraktion wollte den Zionismus, der von Chaim Weizmanns Gedankenwelt dominiert wurde, neu bewerten und überprüfen. Dies ist der namensgebende Grund.

In Riga, Lettland wurde ebenfalls 1923 die Jugendorganisation Betar, die Abkürzung steht für Brit HaNoar HaIvri al shem Joseph Trumpeldor, Hebräischer Jugendbund Joseph Trumpeldor und 1924 der Sportverband gleichen Namens gegründet.

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Revisionistische Zionismus lehnt die Verquickung von Sozialismus und Zionismus ab. Der angestrebte neue Staat sollte nicht sozialistisch, sondern bürgerlich geprägt sein. Er stellte eine Fraktion innerhalb des Zionismus dar, die statt mühseliger und langwieriger Aufbauarbeit in Palästina für direkte diplomatische und politische Bemühungen plädierte. Ziel dieser Bemühungen sollte die schnellstmögliche Einwanderung und die Gründung eines jüdischen Staates sein.

Jabotinsky nahm an, dass die Araber immer gegen die jüdische Besiedlung kämpfen würden, da sie keine territorialen Kompromisse eingehen werden und sich nicht aufkaufen lassen. Daraus schloss er, dass die Araber nur durch eine Position der Stärke zurückgeschreckt werden. Er trat nicht für eine Vertreibung der Araber ein, sondern für eine Integration, allerdings in einem jüdischen Staat.[1]

Ariadna Skrjabin

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mandatszeit (1923–1947)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufstände der Araber des Jahres 1929 mit den Massaker von Hebron und den Ausschreitungen in Safed führten zur Gründung erster militantener Organisation innerhalb des revisionistischen Zionismus, z. B. die Brit HaBirionim. Diese wurden von der Mehrheit der Bewegung abgelehnt.[1]

1930 verlangte Jabotinsky von der Zionistischen Weltorganisation, sie solle gegenüber der britischen Mandatsregierung mit mehr Nachdruck das Ziel vertreten, einen jüdischen Staat in Palästina mit jüdischer Bevölkerungsmehrheit und jüdischer Armee zu errichten. Chaim Weizmann warf er zu starke Zurückhaltung bei der Durchsetzung der zionistischen Staatsidee vor.

1931 gründeten sich die Irgun Tzwaʾi Leʾumi die zunächst als die Parteiarmee der Revisionisten galt. Später entwickelte sie sich immer stärker zu einer militärische Untergrundorganisation, die einen politisch-militärischen Aktionismus propagierte und sich von der Revisionistischen Bewegung verselbständigte.[1]

Am 12. September 1935 gründete Jabotinsky in Wien die „Neue Zionistische Organisation“, deren Programm ein jüdischer Staat beiderseits des Jordan, wie es dem Mandatsauftrag des Völkerbundes entsprach und eine großangelegte jüdische Einwanderung war. Außerdem sollte die Jüdische Diaspora in Europa aufgelöst werden.[3] Die Kultur des neuen Staates sollte auf jüdischen Wertvorstellungen beruhen und Hebräisch als Staatssprache eingeführt werden.

In den 1930er Jahren fanden sich – angesichts der zunehmenden Judenverfolgung in Europa – viele aktive Anhänger in der militärischen Organisation Irgun zusammen. Diese Organisation war vor allem im britischen Mandatsgebiet Palästina aktiv und wandte sich gegen die Einwanderungsbeschränkungen. Zugleich entwickelten sich drei ideologische Richtungen: neben der Irgun gab es die „Zentristen“ und die „Messianisten“.

Ariadna Skrjabin, Tochter des russischen Komponisten Alexander Nikolajewitsch Skrjabin, war eine der bekannten Aktiven aus jener Zeit. Sie gründete 1942 in Toulouse die jüdische Widerstandsbewegung in Frankreich. Ein weiterer bekannter Vertreter war seit 1930 Uri Zvi Greenberg, der als Mitglied der Cherut-Partei 1949 in die Knesset gewählt wurde.[4]

Israels Ministerpräsident Menachem Begin 1978

In Israel (seit 1948)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1948 ging die Bewegung hauptsächlich in der von Menachem Begin gegründeten Cherut-Partei auf. Jabotinsky, der bereits am 4. August 1940 verstorben war, war theoretisches und praktisches Vorbild von Begin.[5]

Niederschlag fanden die Bestrebungen des revisionistischen Zionismus unter anderem im Rückkehrgesetz vom 5. Juli 1950, das allen Juden in der Welt das Recht gibt, nach Israel einzuwandern.[6]

Der Traum der Zionisten, durch die Errichtung eines eigenen jüdischen Staates eine sichere Heimstätte zu finden, erfüllte sich nicht. In einer Ihnen feindlich gesonnenen Umwelt mussten sich die Israelis ihre Existenz hart erkämpfen. Von einer Normalität des Lebens konnte keine Rede sein. Im Juni 1967 besiegte Israel dann im Sechstagekrieg die bedrohlich aufziehende arabische Allianz und konnte gleichzeitig mit der ägyptischen Sinai-Halbinsel samt Gazastreifen, dem jordanischen Westjordanland sowie den syrischen Golanhöhen weitere Gebiete von Eretz Israel erobern. Dieser Triumph löste eine nationale und religiöse Euphorie und belebten den alten zionistischen Geist wieder. Im Zuge dieser Entwicklung brach auch die Diskussion über die Grenzen Israels wieder auf. Gleichzeitig wurde die Awoda als führende zionistische Partei wegen der zögernden Besiedlung der besetzten Gebiete in Frage gestellt. Für den Neo-Zionismus ist die Besiedlung der besetzten Gebiete von zentraler Bedeutung.[1] Diese Entwicklung führte dazu, dass der revisionistisch-nationalistische Likud 1977 erstmals den Ministerpräsidenten stellte und die sozialistische zionistische Bewegung in der Regierung ablöste.

Die Bestrebungen des revisionistischen Zionismus werden auch von anderen Parteien vertreten, so z. B. von der Nationalreligiösen Partei.

Gruppierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Revisionistischen Zionismus sind folgende Gruppierungen entstanden:

  • Cherut, politische Partei, gegründet 1948
  • Irgun Tzwaʾi Leʾumi, paramilitärische Einheit, bestand von 1931 bis 1948
  • Betar, Jugendorganisation, gegründet 1923
  • Likud, politische Partei, gegründet 1973

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Yaacov Shavit: Jabotinsky and the Revisionist Movement, 1925–1948. Frank Cass, London 1988, ISBN 0-7146-3325-9.
  • Joseph Heller: The Stern Gang: Ideology, Politics and Terror, 1940–49. Frank Cass, London 1995, ISBN 0-7146-4558-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Israels Siedlungspolitik, Grundlagen des Nahostkonfliktes. In: bornpower.de, abgerufen am 30. März 2018.
  2. Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. München/ Wien 1995, ISBN 3-446-16021-3, S. 170.
  3. Mordecai Naor: Eretz Israel. Das 20. Jahrhundert. Könemann, Köln 1998, ISBN 3-89508-594-4, S. 187.
  4. Knesset Members: Uri-Zvi Greenberg
  5. Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. München/ Wien 1995, ISBN 3-446-16021-3, S. 152.
  6. Englische Übersetzung des Gesetzes, Internetseite des Israelischen Ausministeriums.