Ronco sopra Ascona

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Ronco sopra Ascona
Wappen von Ronco sopra Ascona
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Locarnow
Kreis: Kreis Isole
BFS-Nr.: 5125i1f3f4
Postleitzahl: 6622
Koordinaten: 699392 / 11109446.1448.725353Koordinaten: 46° 8′ 38″ N, 8° 43′ 30″ O; CH1903: 699392 / 111094
Höhe: 353 m ü. M.
Fläche: 5,0 km²
Einwohner: 652 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 130 Einw. pro km²
Website: www.ronco-s-ascona.ch
Ronco sopra Ascona

Ronco sopra Ascona

Karte
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Ronco sopra Ascona, im alpinlombardischen Ortsdialekt Rónch [roŋk],[2][3] ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Tessin (Bezirk Locarno, Kreis Isole).

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde Ronco liegt einerseits zwischen Ascona und Brissago und anderseits zwischen dem Langensee (193 m ü. M.) und der Corona di Pinz (1294 m ü. M.; höchster Punkt der Gemeinde 1374 m ü. M.). Das Dorfzentrum befindet sich auf einer Felsterrasse rund 160 Meter über dem See; zur Gemeinde gehören überdies die mit dem historischen Nucleo heute baulich weitgehend verschmolzenen, in Hanglage situierten Weiler Livurcio, Gruppaldo und Fontana Martina sowie das am See liegende Porto Ronco.

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsname[Bearbeiten]

Der Name Ronco stammt von mittellateinisch runchum ‘frisch gerodetes Land, das urbargemacht werden soll; Weinberg’, was seinerseits auf lateinisch runcāre ‘graben, roden, urbar machen’ zurückgeht.[2][3]

Entwicklung[Bearbeiten]

Ronco wurde erstmals 1264 als Roncho de Schona (‘Ronco/Weinberg von Ascona’) erwähnt. Es bildete im Spätmittelalter mit Ascona eine Nachbarschaft mit eigenen Statuten von 1369. Eine selbständige Kirchgemeinde wurde es 1626, und 1641 löste sich die Dorfgemeinde von der Nachbarschaft. In der älteren Neuzeit waren Einwohner von Ronco am Monopol für den Gepäckverlad am Zoll von Florenz und Livorno beteiligt, wovon noch heute eine Inschrift an der Kapelle von Gruppaldo zeugt.

Baulich sind die verschiedene Epochen immer noch gut ablesbar. Neben mittelalterlichen Bauten und Elementen zeugen im 17. und 18. Jahrhundert umgeformte oder neugebaute Häuser, Raum- und Fassadenmalereien, granitene Eingangsportale sowie zierliche Balkone mit schmiedeisernen Gittern von einem relativen Reichtum, der mit der damaligen Emigration bedeutender Teile der Bevölkerung in Zusammenhang zu bringen ist.[2]

Heute ist Ronco ein beliebtes Feriendorf und weist dementsprechend einen hohen Bestand an Zweitwohnungen auf.

Künstlerdorf[Bearbeiten]

Das ursprüngliche Weinbauern- und Viehzüchterdorf entwickelte sich im frühen 20. Jahrhundert zu einem Künstlerdorf. Über längere Zeit wirkten in Ronco etwa der Maler, Graphiker und Schriftsteller Richard Seewald (1889–1976), die im Circolo Verbano zusammengeschlossenen Maler Jan Schutter (1890–1956), Manfred Henninger (1894–1986), Erwin Schönmann (1906–1999), Willy Hug (1910–1996), Karl Gerber (1912–1974) und Rös Schutter-Peter (1920–2001),[4] der Kunstmaler Paul W. Loosli (1896–1962) sowie der Textilkünstler Rolf Lenne (1904–1986).

Der zu Ronco gehörende Weiler Fontana Martina war zeitweilig eine kleine Land- und Künstlerkooperative, nachdem die damals zerfallene Häusergruppe 1923 vom Berner Buchdrucker Fritz Jordi (1885–1938) gekauft und zusammen mit dem vielseitig tätigen Künstler Heinrich Vogeler und dem Graphiker Clément Moreau wieder hergerichtet worden war.[5] Ideales Ziel war die Errichtung eines künstlerischen Zentrums, wie es der Barkenhoff in Worpswede darstellte, und von Oktober 1931 bis November 1932 gab die Gruppe eine eigene Halbmonatszeitschrift namens «Fontana Martina» heraus.

In Ronco liessen sich auch etwa der Schriftsteller Erich Maria Remarque (1898–1970) und seine Frau, die Schauspielerin Paulette Goddard (1910–1990), nieder, ebenso die Schriftstellerin Eveline Hasler (* 1933). Der Zitruspflanzenzüchter Edwin Frey (1911–2000) nannte eine seiner Züchtungen Corafora, benannt nach einer Örtlichkeit in Ronco.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten]

Bis ins 18. Jahrhundert zählte man in Ronco rund 100 fuochi ‘Feuer, Herdstellen’, gemeint Familien, was einer Bevölkerung von 450 bis 500 Einwohnern entspricht. 1869 lebten in der Gemeinde 110 Familien; anschliessend sank die Bevölkerungszahl, so dass man um 1900 nur noch 257 Personen zählte. Einen neuen Höchststand erlebte Ronco mit 745 Einwohnern im Jahr 1980, seither hat sie sich auf etwas unter 700 eingependelt. Der Ausländeranteil lag 2006 bei 167 Personen.[2]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 18. Jh.[2] 1850[6] 1900[6] 1950[6] 1980[6] 2000[6] 2010 2011 2012 2013
Einwohner 450–500 378 257 540 745 659 678 664 675 652

Sprache und Dialekt[Bearbeiten]

Im Jahre 2000 waren 405 Einwohner italienischer, 222 deutscher, 8 französischer und 24 anderer Muttersprache. Im gleichen Jahr sprachen im Alltag 12 % der Bevölkerung ausschliesslich den örtlichen alpinlombardischen Dialekt und 28 % sowohl Dialekt als auch Italienisch. Der Anteil von Dialektsprechern liegt damit bedeutend tiefer als im Tessiner Durchschnitt (14 % ausschliesslich Dialekt, 40 % Dialekt und Italienisch).[2]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im Jahre 2000 arbeiteten 7 Personen im primären, 55 Personen im sekundären und 167 im tertiären Sektor.[2] Drei Fünftel der Erwerbstätigen waren Wegpendler. In der Landwirtschaft waren 2007 noch drei Familien tätig (1990 noch neun). In Calz gibt es eine Ziegenfarm.[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sakrale Bauten

  • Pfarrkirche San Martino mit Monatsfresken[7][8][9] sowie den Fresken San Defendente,[10] San Fabiano,[11] die Apostel[12][13] und dem Altarbild San Martino vescovo di Tours[14]
  • San Martino, einst Kirche der Humiliaten, heute Oratorium[15][8]
  • Oratorium Madonna delle Grazie (1712)[8]
  • Oratorium Santa Maria Assunta, im Ortsteil Porto Ronco[8]
  • Oratorium Vergine Immacolata, im Ortsteil Gruppalto[8]
  • Oratorium Madonna dei Pozzuoli, im Ortsteil Monti di Ronco, (1886)[16][8]

Zivile Bauten

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Cornelia Ammann: Ronco com’era – wie es war. C. M. Schwarz, Ronco s/Ascona 2011.
  • Rodolfo Huber: Ronco sopra Ascona. im Historischen Lexikon der Schweiz, Band 10, S. 437.
  • Agostino Robertini, Silvano Toppi, Gian Piero Pedrazzi: Ronco sopra Ascona. In: Il Comune. Edizioni Giornale del popolo, Lugano 1974, S. 313–326.
  • Cornelia Schwarz-Ammann, in Zusammenarbeit mit Stefano Vassere, Ermanno Barioni und Tarcisio Pellanda: Repertorio toponomastico ticinese. I nomi di luogo dei comune del Cantone Ticino: Ronco sopra Ascona. Hrsg. vom Staatsarchiv des Kantons Tessins, Bellinzona 2007 (zweisprachig italienisch und deutsch).
  • Niklaus Stark: Circolo Verbano. Die Maler von Ronco sopra Ascona. Porzio Verlag, Ascona 2015.
Kunstführer
  • Virgilio Gilardoni: I monumenti d’arte e di storia del Canton Ticino. Volume II: L’alto Verbano I. Il circolo delle Isole (Ascona, Ronco, Losone e Brissago). (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 68). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte SKG. Bern 1979, ISBN 3-7643-1117-7, S. 22, 23, 41, 48, 77, 81, 85, 94, 95, 112, 128, 218, 245, 273, 278, 363, 415, 419, 423.
  • Simona Martinoli und andere: Ronco sopra Ascona. In: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 156, 157, 178, 205, 206, 210, 212, 219.
  • Mario De Rossa: B.D.L. (Benefattori di Livorno). Le loro testimonianze nelle Terre di Pedemonte, nelle Centovalli e a Ronco s/Ascona. In: Arte&Storia: Svizzeri a Pisa e Livorno. Edizioni Ticino Management, 14. Jahrgang, Nummer 62, Lugano 2014, S. 262–281.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ronco sopra Ascona – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. a b c d e f g h Repertorio toponomastico ticinese. I nomi di luogo dei comune del Cantone Ticino: Ronco sopra Ascona. Hrsg. vom Staatsarchiv des Kantons Tessins, Bellinzona 2007, S. 167–170.
  3. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 755.
  4. Vgl. Niklaus Stark: Circolo Verbano. Die Maler von Ronco sopra Ascona. porzio.ch, [Ascona 2015].
  5. Vgl. Repertorio toponomastico ticinese. I nomi di luogo dei comune del Cantone Ticino: Ronco sopra Ascona. Hrsg. vom Staatsarchiv des Kantons Tessins, Bellinzona 2007, S. 197.
  6. a b c d e Ronco sopra Ascona. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Band 10, S. 437.
  7. Buetti 1969, 222–226
  8. a b c d e f g h i j Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 205–206.
  9. Kirche San Martino mit Monatsfresken (Foto)
  10. Fresko San Defendente (Foto)
  11. Fresko San Fabiano (Foto)
  12. Fresko die Apostel (Foto)
  13. Fresko die Apostel (Foto)
  14. Gemälde San Martino vescovo di Tours (Foto)
  15. Borrani 1896, 375.
  16. Borrani 1896, 304–306.

Bilder[Bearbeiten]

Blick auf die Brissago-Inseln von Ronco aus
Blick auf die Via Livurcio und die Via Ronco von de Kirche San Martino aus
Via Antonio Ciseri
Panorama auf den Langensee