Ronco sopra Ascona

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ronco sopra Ascona
Wappen von Ronco sopra Ascona
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Locarnow
Kreis: Kreis Isole
BFS-Nr.: 5125i1f3f4
Postleitzahl: 6622
Koordinaten: 699392 / 111094Koordinaten: 46° 8′ 38″ N, 8° 43′ 30″ O; CH1903: 699392 / 111094
Höhe: 353 m ü. M.
Fläche: 5.0 km²
Einwohner: 603 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 121 Einw. pro km²
Website: www.ronco-s-ascona.ch
Ronco sopra Ascona

Ronco sopra Ascona

Karte
Lago di Mognólia Lago di Tomè Lago Barone Lago Laghetto Bagina di Val Malvaglia Lago di Vogorno Lago Delio Lago d'Orglio Lago Maggiore Italien Italien Kanton Graubünden Bezirk Bellinzona Bezirk Blenio Bezirk Leventina Bezirk Lugano Bezirk Riviera Bezirk Vallemaggia Gambarogno TI Ascona Brissago TI Losone Ronco sopra Ascona Locarno Locarno Muralto Orselina Centovalli TI Terre di Pedemonte Brione sopra Minusio Cugnasco-Gerra Cugnasco-Gerra Gordola Mergoscia Minusio Tenero-Contra Gresso Onsernone Brione (Verzasca) Corippo Frasco Lavertezzo Lavertezzo Sonogno VogornoKarte von Ronco sopra Ascona
Über dieses Bild
w

Ronco sopra Ascona, im alpinlombardischen Ortsdialekt Rónch [roŋk],[2][3] ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Tessin (Bezirk Locarno, Kreis Isole).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Ronco liegt einerseits zwischen Ascona und Brissago und anderseits zwischen dem Langensee (193 m ü. M.) und der Corona di Pinz (oder Corona dei Pinci; 1294 m ü. M.), reicht aber auch noch ein kleines Stück über den Grat hinaus in die Centovalli. Den höchsten Punkt der Gemeinde bildet mit 1374 m ü. M. der Berggrat in der Nähe der schon zu Brissago gehörenden Alpe di Naccio.

Das Dorfzentrum befindet sich auf einer Felsterrasse rund 160 Meter über dem See. Zur Gemeinde gehören überdies die in Hanglage situierten Ortsteile Livurcio, Croasca, Corafora, Capella Gruppaldo und Fontana Martina sowie das am See liegende Porto Ronco, die teilweise mit dem historischen Nucleo (Dorfkern) heute baulich verschmolzen sind.

In den Monti di Ronco liegen auf einer Höhe von 650 bis 1150 Meter die Alpsiedlungen Puran, Calzo, Cassina und Purèra sowie gleich darüber die Monti di Schiavardo. Diese sind heute ausser über Fusswege auch mittels einer kurvenreichen Strasse ab Cappella Gruppaldo erreichbar und bieten eine Weitsicht auf den Langensee und die Tessiner Berge.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Ronco stammt von mittellateinisch runchum ‚frisch gerodetes Land, das urbargemacht werden soll‘ oder ‚Weinberg‘, was seinerseits auf lateinisch runcāre ‚graben, roden, urbar machen‘ zurückgeht.[2][3]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ronco wurde erstmals 1264 als Roncho de Schona (‘Ronco/Weinberg von Ascona’) erwähnt. Es bildete im Spätmittelalter mit Ascona eine Nachbarschaft mit eigenen Statuten von 1369. Eine selbständige Kirchgemeinde wurde es 1626, und 1641 löste sich die Dorfgemeinde von der Nachbarschaft. In der älteren Neuzeit waren Einwohner von Ronco am Monopol für den Gepäckverlad am Zoll von Florenz und Livorno beteiligt, wovon noch heute eine Inschrift an der Kapelle von Gruppaldo zeugt.

Baulich sind die verschiedenen Epochen immer noch gut ablesbar. Neben mittelalterlichen Bauten und Elementen zeugen im 17. und 18. Jahrhundert umgeformte oder neugebaute Häuser, Raum- und Fassadenmalereien, granitene Eingangsportale sowie zierliche Balkone mit schmiedeeisernen Gittern von einem relativen Reichtum, der mit der damaligen Emigration bedeutender Teile der Bevölkerung in Zusammenhang zu bringen ist.[2]

Heute ist Ronco nebst Wohnort ein beliebtes Feriendorf und weist dementsprechend einen hohen Bestand an Zweitwohnungen auf. 2014 betrug dieser Anteil gemäss Gebäude- und Wohnungsstatistik 69,8 %. Nach schweizerischer Gesetzgebung dürfen daher keine Zweitwohnungen mehr erstellt werden.[4]

Künstlerdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ursprüngliche Weinbauern- und Viehzüchterdorf entwickelte sich im frühen 20. Jahrhundert zu einem Künstlerdorf. Über längere Zeit wirkten in Ronco etwa der Maler, Graphiker und Schriftsteller Richard Seewald (1889–1976), die im Circolo Verbano zusammengeschlossenen Maler Jan Schutter (1890–1956), Manfred Henninger (1894–1986), Erwin Schönmann (1906–1999), Willy Hug (1910–1996), Karl Gerber (1912–1974) und Rös Schutter-Peter (1920–2001),[5] der Kunstmaler Paul W. Loosli (1896–1962) sowie der Textilkünstler Rolf Lenne (1904–1986).

Der zu Ronco gehörende Weiler Fontana Martina war zeitweilig eine kleine Land- und Künstlerkooperative, nachdem die damals zerfallene Häusergruppe 1923 vom Berner Buchdrucker Fritz Jordi (1885–1938) gekauft und zusammen mit dem vielseitig tätigen Künstler Heinrich Vogeler und dem Graphiker Clément Moreau wieder hergerichtet worden war;[6] auch Paul Klee (1879–1940) war ein häufiger Besucher.[7] Ideales Ziel war die Errichtung eines künstlerischen Zentrums, wie es der Barkenhoff in Worpswede darstellte, und von Oktober 1931 bis November 1932 gab die Gruppe eine eigene Halbmonatszeitschrift namens «Fontana Martina» heraus.

In Ronco liessen sich auch etwa der Schriftsteller Erich Maria Remarque (1898–1970) und seine Frau, die Schauspielerin Paulette Goddard (1910–1990), nieder, ebenso die Schriftstellerin Eveline Hasler (* 1933). Der Zitruspflanzenzüchter Edwin Frey (1911–2000) nannte eine seiner Züchtungen Corafora, benannt nach einer Örtlichkeit in Ronco.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis ins 18. Jahrhundert zählte man in Ronco rund 100 fuochi ‘Feuer, Herdstellen’, gemeint Familien, was einer Bevölkerung von 450 bis 500 Einwohnern entspricht. 1869 lebten in der Gemeinde 110 Familien; anschliessend sank die Bevölkerungszahl, so dass man um 1900 nur noch 257 Personen zählte. Einen neuen Höchststand erlebte Ronco mit 745 Einwohnern im Jahr 1980, seither hat sie sich auf etwas unter 700 eingependelt. Der Ausländeranteil lag 2006 bei 167 Personen.[2]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 18. Jh.[2] 1850[8] 1900[8] 1950[8] 1980[8] 2000[8] 2010 2011 2012 2013
Einwohner 450–500 378 257 540 745 659 678 664 675 652

Sprache und Dialekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2000 waren 405 Einwohner italienischer, 222 deutscher, 8 französischer und 24 anderer Muttersprache. Im gleichen Jahr sprachen im Alltag 12 % der Bevölkerung ausschliesslich den örtlichen alpinlombardischen Dialekt und 28 % sowohl Dialekt als auch Italienisch. Der Anteil von Dialektsprechern liegt damit bedeutend tiefer als im Tessiner Durchschnitt (14 % ausschliesslich Dialekt, 40 % Dialekt und Italienisch).[2]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ronco ist mit zwei Buslinien der Ferrovie autolinee regionali ticinesi (FART) öffentlich erschlossen. Der Bus Nummer 314 fährt vom Bahnhof Locarno nach Losone, Arcegno und bis zum Kern von Ronco sopra Ascona und zurück. Der Bus Nummer 316 fährt ebenfalls vom Bahnhof Locarno nach Ascona, dann durch den Asconatunnel dem Lago Maggiore entlang nach Porto Ronco und Brissago und zurück.[9]

Die Schiffanlegestelle Porto Ronco wird von April bis etwa Mitte Oktober von der Navigazione Laghi, wie die italienische Schiffahrtsgesellschaft des Lago Maggiore heisst, angefahren und bedient. Die Schiffe fahren nordostwärts Richtung Ascona und Locarno oder südwestwärts Richtung Brissago, Cannobio und Verbania.[10] Zudem gibt es noch ein Shuttleboot, das von Mitte März bis Ende Oktober halbstündlich die Brissago-Inseln bedient.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2000 arbeiteten 7 Personen im primären, 55 Personen im sekundären und 167 im tertiären Sektor.[2] Drei Fünftel der Erwerbstätigen waren Wegpendler. In der Landwirtschaft waren 2007 noch drei Familien tätig (1990 noch neun). In Calz oberhalb des Dorfes gibt es eine Ziegenfarm.[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortskern von Ronco sopra Ascona enthält mittelalterliche Elemente ländlicher Bauart und zahlreiche Gebäude aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.

Die Pfarrkirche San Martino ist ein spätmittelalterlicher Bau, der im 17. und im frühen 19. Jahrhundert umgebaut worden ist; der Turm wurde 1563 vollendet, die Bekrönung ist von 1860. Im Innern weist die Kirche spätgotische Fresken von Antonio da Tradate sowie Stuckaturen und Malereien aus dem 17. Jahrhundert auf; das Altarbild im spätbarocken Altar, das den Heiligen Martin zeigt, ist von Antonio Ciseri. – Die in der Nähe stehende Kapelle Madonna delle Grazie ist ein Barockbau von 1712, die Fresken in der Kuppel sind von etwa 1730.[11]

Vis-à-vis der Pfarrkirche liegt die Casa Ciseri, ein Bau aus dem 17. Jahrhundert, der um 1830 umgebaut wurde. Im Erdgeschoss befinden sich Säle mit romantischer und klassizistischer Dekorationsmalerei; diese Räume sind öffentlich zugänglich.[12]

In Porto Ronco liegen am Seeufer zwei Zeugen der klassischen Moderne, nämlich die Casa Hahn oder Fontanelle und die Casa Tutsch, beide 1928/1931 von Carl Weidemeyer erbaut.[12]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ronco sopra Ascona ist der Geburtsort des Malers Antonio Ciseri (1821–1891), der in Florenz Karriere machte. Hauptsächlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liessen sich in der Gemeinde zahlreiche im Kunst- und Kulturbereich tätige Personen nieder, siehe den Abschnitt Künstlerdorf. Max Emden (1874–1940), ein deutscher Grosskaufmann und Kunstsammler, dem ab 1927 die Brissago-Inseln gehörten, liess sich 1934 in Ronco sopra Ascona einbürgern.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelia Ammann: Ronco com’era – wie es war. C. M. Schwarz, Ronco s/Ascona 2011.
  • Rodolfo Huber: Ronco sopra Ascona.. In: Historisches Lexikon der Schweiz., Band 10, S. 437.
  • Agostino Robertini, Silvano Toppi, Gian Piero Pedrazzi: Ronco sopra Ascona. In: Il Comune. Edizioni Giornale del popolo, Lugano 1974, S. 313–326.
  • Cornelia Schwarz-Ammann, in Zusammenarbeit mit Stefano Vassere, Ermanno Barioni und Tarcisio Pellanda: Repertorio toponomastico ticinese. I nomi di luogo dei comune del Cantone Ticino: Ronco sopra Ascona. Hrsg. vom Staatsarchiv des Kantons Tessin, Bellinzona 2007 (zweisprachig italienisch und deutsch).
  • Niklaus Starck: Circolo Verbano. Die Maler von Ronco sopra Ascona. Porzio Verlag, Ascona/Breitenbach 2015.
Kunstführer
  • Virgilio Gilardoni: I monumenti d’arte e di storia del Canton Ticino. Volume II: L’alto Verbano I. Il circolo delle Isole (Ascona, Ronco, Losone e Brissago). (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 68). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte SKG. Bern 1979, ISBN 3-7643-1117-7, S. 22, 23, 41, 48, 77, 81, 85, 94, 95, 112, 128, 218, 245, 273, 278, 363, 415, 419, 423.
  • Simona Martinoli und andere: Ronco sopra Ascona. In: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 156, 157, 178, 205, 206, 210, 212, 219.
  • Mario De Rossa: B.D.L. (Benefattori di Livorno). Le loro testimonianze nelle Terre di Pedemonte, nelle Centovalli e a Ronco s/Ascona. In: Arte&Storia: Svizzeri a Pisa e Livorno. Edizioni Ticino Management, 14. Jahrgang, Nummer 62, Lugano 2014, S. 262–281.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ronco sopra Ascona – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Brissago-Inseln von Ronco aus
Blick auf die Via Livurcio und die Via Ronco von de Kirche San Martino aus
Via Antonio Ciseri
Panorama auf den Langensee

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  2. a b c d e f g h Repertorio toponomastico ticinese. I nomi di luogo dei comune del Cantone Ticino: Ronco sopra Ascona. Hrsg. vom Staatsarchiv des Kantons Tessins, Bellinzona 2007, S. 167–170.
  3. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 755.
  4. Gemeindeliste mit Zweitwohnungsanteil. Gebäude- und Wohnungsstatistik, Sonderauswertung GWS, BFS 2012, gültig am 1. Januar 2014. CATEF 17. März 2015
  5. Vgl. Niklaus Starck: Circolo Verbano. Die Maler von Ronco sopra Ascona. porzio.ch, [Ascona 2015].
  6. Vgl. Repertorio toponomastico ticinese. I nomi di luogo dei comune del Cantone Ticino: Ronco sopra Ascona. Hrsg. vom Staatsarchiv des Kantons Tessins, Bellinzona 2007, S. 197.
  7. Paul Klee auf ticinarte.ch.
  8. a b c d e Ronco sopra Ascona. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Band 10, S. 437.
  9. Buslinien der FART auf centovalli.ch (abgerufen am 15. März 2017).
  10. Navigazione Laghi auf navigazionelaghi.it/ita (abgerufen am 15. März 2017).
  11. Kunstführer durch die Schweiz. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. Bern 2005, S. 621 f.
  12. a b Kunstführer durch die Schweiz. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. Bern 2005, S. 622.