Losone

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Losone
Wappen von Losone
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Locarnow
Kreis: Kreis Isole
BFS-Nr.: 5115i1f3f4
Postleitzahl: 6616
Koordinaten: 702698 / 113554Koordinaten: 46° 9′ 56″ N, 8° 46′ 6″ O; CH1903: 702698 / 113554
Höhe: 238 m ü. M.
Fläche: 9,5 km²
Einwohner: 6612 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 696 Einw. pro km²
Website: www.losone.ch
Losone

Losone

Karte
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Losone, im alpinlombardischen Ortsdialekt [loˈɕoŋ],[2] ist eine politische Gemeinde im Kreis Isole, Bezirk Locarno, im Schweizer Kanton Tessin.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Losone liegt am Ufer der Maggia und der Melezza und grenzt an die Gemeinden Ascona, Locarno, Terre di Pedemonte und Centovalli. Die Gemeinde besteht in der Ebene aus den Ortsteilen Al Ponte, Arbigo, Saleggi, San Giorgio, San Lorenzo, San Rocco, Trisnera sowie dem Industriegebiet Zandone. Oberhalb des Dorfkerns liegen das Naturschutzgebiet Collina di Maia, das Dorf Arcegno, die Maiensässe Monti di Losone und das steile, waldige Berggebiet unterhalb des Aussichtspunkts Corona dei Pinci, die auf 1293 m ü. M. liegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologische Funde weisen nach, dass das Gemeindegebiet von Losone schon in der Jungsteinzeit besiedelt war, und Grabausstattungen aus dem 1. bis 4. nachchristlichen Jahrhundert lassen auf eine antike Nekropole schliessen. Die Gegend war auch während der Römerzeit bewohnt, 1945 wurde in Arcegno ein Grab aus dieser Epoche gefunden.[3]

Erste Erwähnungen des Ortes sind de Loxono (1061, Kopie von 1402) und de Losono (1200). Der Ortsname geht wahrscheinlich auf keltisch *lausā ‘grosser Stein, grosse Steinplatte’, ergänzt um das italo-romanische Vergrösserungssuffix -ōne zurück und bedeutet damit ‘bei der grossen Steinplatte’.[2] 1274 wird er als Borgo (Flecken) bezeichnet. Losone verfügte über eigene, noch 1734 bestätigte Satzungen. Die Pfarrkirche San Lorenzo trennte sich vor 1580 von der Mutterkirche San Vittore in Muralto und wurde 1747 zur Propsteikirche erhoben.

Die moderne Entwicklung setzte dank dem Bau der Maggiabrücke (1815), der Strassen nach Ascona und Golino (1824–1825) und der Eindämmung der Maggia (ab 1890) ein. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Gemeindehaus und ein Schulhaus gebaut, ebenso wurde eine Güterzusammenlegung verwirklicht. 1941–1947 waren im Ortsteil Arbigo polnische und ukrainische Soldaten interniert, die während dieser Zeit die Strasse von Arcegno nach Golino bauten. 1949–1950 wurde dieses Internierungslager in eine Kaserne umgewandelt, wo bis 1973 Grenadiere und danach bis 2000 Sanitäter ausgebildet wurden.

1957 liess sich die Maschinenfabrik Agie in Losone nieder und trug wesentlich zur Bildung einer Industriezone bei Zandone und in Saleggi bei. Nach 1960 entwickelte sich Losone immer mehr zu einer Wohngemeinde, von 1940 bis 1980 verzeichnete Losone das stärkste Bevölkerungswachstum aller Gemeinden im Sopraceneri. 1976 konnte das neue Schulzentrum, und 1982 das Altersheim eingeweiht werden.[4]

Höhere Flussverbauungen an der Maggia und der Melezza wurden nötig, nachdem ein Hochwasser Teile von Losone und dem Industriegebiet Zandone im Sommer 1978 überschwemmt hatten.[5]

Ortsbürgergemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche San Rocco
Aktive Ortsbürgerfamilien vor 1995 und ihre Spitznamen

Albertini (Bertòcc, Cànua, Patipp, Schizz), Ambrosini (Bésénta, Consigliéér, Fiaschitt, Foitt, Mèra, Pizzurà, Tona o Tuna, Tonascitt, Sctopa, Za), Angeloni (Batacc, Fèèr, Pedoi, Pólta), Baldassari, Bertini (Zucch), Bianda (Bacch, Bagèla, Bajetô, Burghisa o Pedoi, Ciribucol, Jacomoj, Mazza o Mazzitt, Melchise, Mèu, Padèll, Picch, Ranzéta, Scarpéta, Vairora), Braguglia (Térésina, Za), Broggini (Böscer, Canzéléé, Ghighi, Lissandritt, Pedrói, Péntol), Brogini (Scigala), Camani (Camanitt, Scpufer), Capra, Conti (Falda),Cortella (Scé), Daghini, Fornera (Frutili, Gioachitt, Linôsa, Marlè, Rètt o Ratitt, Saéta, Scénvèi, Ucenói, Vérdèès, Zépa), Giroldi (Dova, Rara, Verdachia, Paol), Grassi, Jelmolini, Lorenzetti (Budéé, Longh o Lunghitt, Marègna, Michelitt, Sciabéchi, Sctiven, Trè-Trè), Modini (Moditt), Oroni, Pinoja, Tonaccia (Scquéll, Massimilièn).

Neue Ortsbürgerfamilien gemäss LOP (Legge Organica Patriziale) seit 1. Januar 1995

Basso, Bellini, Bernasconi, Citterio, Daghini, Decarli, Delbue, Delea, Filippi, Follini, Franzosi, Ghirardelli, Janetto, Jardini, Invernizzi, Lupatini, Lurati, Maggi, Meoli, Pawlowski, Pigazzini, Pisoni, Salvan, Sasselli, Trapletti, Servalli, Spadetti, Spigaglia, Tiraboschi, Turuani, Zenoni.

Ehemalige Ortsbürgerfamilien

Ambrosetti, Baldassari, Baldossi, Martinoli, Masera, Massera, Mattea, Petrolli, Rantoni, Rigalli, Rossi, Spigaglia, Zanoni.[6]

Wirtschaft, Energie und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen seiner flachen und zentralen Lage ist Losone Standort für Rebbau, etlicher Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe sowie einiger Industrieanlagen, die mehrheitlich in Ortschaft Al Ponte und Zandone angesiedelt sind.

Die Mittelschule

2015 wurde in Saleggi eine unterirdische Wärmeerzeugungsanlage unter dem Namen Energia rinnovabile Losone (ERL) eröffnet, die mehrheitlich mit einheimischem Holz gespiesen, eine Leistung von 6 MW aufweist und Fernwärme für viele, grosse Gebäude in diesem Quartier liefert. Ein unterirdisches Ringleitungsnetz von 3 Kilometer Länge wurde erstellt, worin das 80 gradige Wasser zirkuliert.[7]

Die zwei grössten Firmen und Arbeitgeber im Ort sind:

  • die Präzisionsmaschinenfabrik Agie, die zur Georg Fischer AG gehört,[8] seit 1957 in Losone, und
  • die Glasfaserkomponentenfabrik Diamond SA[9]

Losone ist mit drei Buslinien der Ferrovie autolinee regionali ticinesi (FART) öffentlich erschlossen. Hauptlinie und häufigster Bus ist die Nummer 7, der vom Bahnhof Locarno her durch Losone bis zur Kaserne und teilweise sogar bis nach Zandone fährt. Daneben tangiert auch der Bus Nummer 1 Losone im Bereich Al Ponte, Bus Nummer 314 fährt ebenfalls durch Losone und Arcegno nach Ronco sopra Ascona und zurück. Die Postautolinie Nummer 324 fährt durch Losone, Golino und Intragna hindurch und erschliesst dann das ganze Onsernonetal.[10]

Kaserne und Asylzentrum San Giorgio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Losone ist nicht zuletzt wegen seiner auf der Arbigo-Ebene nach dem Zweiten Weltkrieg erbauten Kaserne, die 1951 eingeweiht wurde, bekannt. Zuvor waren dort 1941–1947 polnische und ukrainische Soldaten interniert, welche die Strasse von Arcegno nach Golino gebaut hatten.

Die Kaserne und die Turnhalle Vacchini

Auf dem ehemaligen Waffenplatz wurden bis 1973 und 2000–2006 die Grenadiere und bis im Jahr 2000 Sanitätssoldaten der Schweizer Armee ausgebildet.[11][12] Danach stand die Kaserne leer, die Gemeinde wollte darin ein Raumentwicklungs-, Archäologie- und Naturwissenschaftsmuseum einrichten. Ab 20. Oktober 2014 wird die ehemalige Kaserne jedoch für drei Jahre als Asylaufnahmezentrum für maximal 170 Flüchtlinge gebraucht werden, die in der Schweiz Asyl beantragen.[13][14] Die mittlere Belegung im Jahr 2014 betrug 140 Personen, die vorwiegend aus Afghanistan, Eritrea, Libyen, Nigeria, Somalia, Sudan und Syrien stammen. Teilweise können sie auch gemeinnützige Arbeiten wie Waldpflege, Wegreinigung und Abfallentsorgung in Losone und Umgebung leisten. Dutzende Personen aus Losone und Umgebung haben sich im Rahmen von Freiwilligenarbeit organisiert, sie begegnen und helfen Asylsuchenden im katholischen Kirchgemeindehaus und in der ehemaligen Kaserne.[15][16][17] Die Flüchtlingskrise in Europa ab 2015 liess die einquartierten Flüchtlinge vorübergehend bis auf 270 Personen ansteigen.[18] In den zwei Jahren des Betriebs durchliefen insgesamt 4.500 Flüchtlinge dieses Erstaufnahmezentrum, von wo sie nach Wochen oder Monate auf definitive Asylzentren in der Schweiz verteilt wurden.[19]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Losone ist heute ein beliebter Urlaubsort mit Appartementanlagen, 15 Hotels und 30 Restaurants. 1999 wurde im auslaufenden Centovalli ein Golfplatz angelegt. Anziehungspunkt im Sommer ist auch das Badeufer der Maggia bei Meriggio, Merisch in Tessinerdialekt.[20]

Der Zweitwohnungsanteil betrug 2014 gemäss Gebäude- und Wohnungsstatistik 23,5 %, so dass der Bau weiterer Zweitwohnungen nach schweizerischer Gesetzgebung nicht mehr zulässig wäre.[21]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Losone Sportiva[32]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martino Adami (* um 1330 in Losone; † nach 1366 ebenda), 1366 genannt als Vertreter von Losone im Rate der Pieve von Locarno und Ascona[33]
  • Werner von Rheinbaben (* 19. November 1878 in Kowary; † 14. Januar 1975 in Losone), deutscher Politiker (DVP), Diplomat und Publizist[34]
  • Julius Schmidhauser (* 29. März 1893 in Zürich; † 6. Januar 1970 in Losone), Schweizer Philosoph[35][36][37]
  • Emanuele «Lello» Bianda (* 1912 in Losone; † 1990 in Ascona), Flughafenbetreiber und «Signor Ascona»[38]
  • Romano Broggini (* 11. März 1925 in Locarno; † 9. Mai 2014 ebenda, aus Losone), Dozent an der Handelsschule Bellinzona, Chefredaktor der Zeitung Popolo e Libertà, Redaktor am Vocabolario dei dialetti della Svizzera italiana, Rektor des Liceo von Bellinzona; 2005 Doktor honoris causa der Universität Zürich
  • Lucio Battaglia (* 1929 in Losone; † 2003 in Rom), Kunstmaler[39]
  • Innocente «Cente» Pinoja (* 1927 in Arcegno, Losone; † 12. Februar 2017 ebenda)[40], Gemeinderat und Tessiner Grossrat;[41] Autor von Un pizzico di storia d’Arcegno (Losone 1994)[42]
  • Renata Broggini (* 1939 ? in Locarno, aus Losone), Lehrerin, Historikerin, Präsidentin der Società culturale locarnese, Autorin[43]
  • Teodoro Zeli (* 1941 in Locarno; † 2014 in Bosco/Gurin), Ingenieur, Mitgründer der Società Genealogica della Svizzera Italiana (1997)
  • Manuele Bertoli (* 29. September 1961 in Balerna, aus Novaggio), Lehrer, 1988 Rechtsanwalt, Tessiner Grossrat und Staatsrat, wohnt in Losone[44]
  • Diego Glaus, Hotelier und Ehrenkonsul von Norwegen[45]
  • Melanie Winiger (* 1979 in Locarno), Model und Filmschauspielerin, in Losone aufgewachsen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  2. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 543.
  3. Aldo Crivelli: Tomba romana di Arcegno. In: Rivista Storica Ticinese, Anno 9, N. 1-6, Gennaio-Dicembre 1946, Istituto Editoriale Ticinese, Bellinzona 1946, S. 1219.
  4. Rodolfo Huber: Losone. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  5. Bilder des Hochwassers 8. August 1978 auf www.ist-supsi.ch
  6. Ortsbürgergemeinde Losone (italienisch) auf http://www.patriziatolosone.ch/it/ (abgerufen am 16. September 2016.)
  7. Energie Rinnovabili Losone (italienisch) auf erl-sa.ch/progetto (abgerufen am 10. Oktober 2016)
  8. AG für Industrielle Elektronik auf portal.dnb.de (abgerufen am 24. Januar 2017).
  9. Diamond SA (italienisch) auf ated.ch/soci (abgerufen am 24. Januar 2017).
  10. Buslinien der FART
  11. a b c d e f g h i j Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bellinzona 2007, S. 202–204.
  12. Maturitätsarbeit von Lucia Zamaroni, Liceo Locarno
  13. Tessiner Zeitung. 12. September 2014, S. 3.
  14. Losone. In: Bolletino ufficiale del Comune di Losone. Oktober 2014, S. 2–6: Il 20 ottobre apririà il centro asilanti a Losone
  15. Losone. In: Bolletino ufficiale del Comune di Losone. Dezember 2014, S. 3–6: Centro federale San Giorgio di Losone: un primo bilancio dopo due mesi di apertura
  16. Gerhard Lob: Losone und seine Asylsuchenden. In: Tagesanzeiger. Tamedia, Zürich, 17. Dezember 2014.
  17. srf.ch Flüchtlinge
  18. blick.ch Flüchtlinge
  19. Patrick Soergel: Benvenuti a Losone. Dokumentationsfilm RSI (Schweizer Fernsehen in italienischer Sprache) 2016
  20. Tessinerdialekt
  21. Gemeindeliste mit Zweitwohnungsanteil. Gebäude- und Wohnungsstatistik, Sonderauswertung GWS, BFS 2012, gültig am 1. Januar 2014. CATEF 17. März 2015
  22. Pfarrkirche San Lorenzo (Foto)
  23. Beinhaus (Foto)
  24. Kirche San Rocco (Foto)
  25. Kirche San Giorgio (Foto)
  26. Innenraum (Foto)
  27. Barocker Beichtstuhl (Foto)
  28. Alte Pfarrhaus (Foto)
  29. Mittelschule (Foto)
  30. Mittelschule
  31. Franco Binda: Il mistero delle incisioni. Armando Dadò editore, Locarno 2013, S. 180.
  32. Losone Sportiva auf portal.dnb.de (abgerufen am 24. Januar 2017).
  33. Martino Adami auf biblio.unibe.ch/digibern/hist_bibliog_lexikon_schweiz (abgerufen am 6. Mai 2017).
  34. Werner von Rheinbaben auf ticinarte.ch
  35. Hervé Dumont: Schmidhauser, Julius. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  36. Julius Schmidhauser auf ticinarte.ch
  37. Julius Schmidhauser (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti (abgerufen am 10. Oktober 2016).
  38. Emanuele «Lello» Bianda auf ticinarte.ch
  39. Lucio Battaglia. In: Sikart
  40. Innocente Pinoja: Todesanzeige
  41. Innocente Pinoja Tessiner Grossrat auf sbt.ti.ch/bcbweb/vgc/ricerca/deputati
  42. Innocente Pinoja: Un pizzico di storia d’Arcegno. auf altebuecher.ch (abgerufen am 13. Februar 2017).
  43. Renata Broggini (italienisch) auf rizzolilibri.it/autori (abgerufen am 13. März 2017).
  44. Manuele Bertoli (italienisch) auf www4.ti.ch/decs/chi-siamo (abgerufen am 19. November 2016).
  45. Diego Glaus porta a Losone il Reals Consolato di Norvegia, Losoneè, Losone September 2017, S. 15