Ruud Koopmans

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Ruud Koopmans (geboren 1961 in Uithoorn) ist ein niederländischer Sozialwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruud Koopmans studierte an der Universität Wageningen und Politikwissenschaft an der Universität von Amsterdam, wo er 1992 mit der Dissertation Democracy from Below. New Social Movements and the Political System in West Germany promoviert wurde.[1] Von 1994 bis 2004 war er Angestellter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Von 2003 bis 2010 war er Professor für Soziologie an der Vrije Universiteit Amsterdam. Seit 2007 leitet er in Berlin am WZB die Abteilung Migration, Integration und Transnationalisierung. Er wurde 2013 Professor für Soziologie und Migrationsforschung am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität.[2] Die Flüchtlingspolitik Angela Merkels bezeichnete er als „absolute Fehlleistung“.[3]

Koopmans forscht zur Integration und Assimilation von Migranten.[1] Dabei seien als Ergebnis einer WZB-Studie gute Sprachkenntnisse, die überwiegende Nutzung deutscher Medien und interethnische Kontakte entscheidende Erfolgsfaktoren für Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt.[4][5] In einer weiteren WZB-Studie zu Fundamentalismus und Fremdenfeindlichkeit von Muslimen und Christen in Europa kam Koopmans zu dem Ergebnis, dass ein erheblicher Teil der in Europa lebenden Muslime fundamentalistische Auffassungen vertrete. So gaben drei Viertel der in den sechs untersuchten Ländern befragten Muslime an, es gebe nur eine mögliche Auslegung des Korans, 60 Prozent lehnten Homosexuelle als Freunde ab. Jeweils 45 Prozent waren überzeugt, dass man Juden nicht trauen könne und dass der Westen den Islam zerstören wolle. Zu Vergleichszwecken befragte europäische Christen stimmten analogen Aussagen zu weit geringeren Teilen zu[6][7] Diese Studie ist allerdings umstritten.[8][9] Kritiker monieren u.a., dass nur Einwanderer befragt wurden, die selbst oder deren Eltern aus der Türkei und Marokko stammen, und dass er in den Medien Fundamentalismus pauschal mit Fanatismus gleichsetze.[3]

Koopmans engagierte sich bei den niederländischen Grünen, bis deren Fraktionsvorsitzender Mohamed Rabbae 1994 ein Verbot des Buchs Die satanischen Verse von Salman Rushdie in Erwägung zog.[1]

Im Juni 2017 erschien sein Buch "Assimilation oder Multikulturalismus? Bedingungen gelungener Integration" (LIT-Verlag), das eine deutschsprachige Übersicht seiner Forschungsergebnissen bietet.[10] Neben Migration und Integration publizierte er auch zu sozialen Bewegungen, Rechtsextremismus und europäischer Integration. Er gehört zu den meist zitierten europäischen Sozialwissenschaftlern.[11]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einigen Kreisen und Veröffentlichungen wird Koopmans unverhohlen „ordinärer Rassismus“ vorgeworfen[12] oder beschuldigt, zumindest den „Nährboden für Rassismus zu legen“, weil er findet, dass „Multikulti eine schlechte Idee ist“[13] und weil er aufgrund seiner Forschungen glaubt, „dass MuslimInnen sich weniger integrieren würden als andere Gruppen“[14].

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Verdacht gegen die Vielen, in: DIE ZEIT, 14. Juni 2017, S. 44
  • mit Ines Michalowski: Why Do States Extend Rights to Immigrants? Institutional Settings and Historical Legacies Across 44 Countries Worldwide. In: Comparative Political Studies, Vol. 50, No. 1, 2017, S. 41–74.
  • Does Assimilation Work? Sociocultural Determinants of Labour Market Participation of European Muslims. In: Journal of Ethnic and Migration Studies, Vol. 42, No. 2, 2016, S. 197–216
  • Religious Fundamentalism and Hostility against Out-groups. A Comparison of Muslims and Christians in Western Europe. In: Journal of Ethnic and Migration Studies, Vol. 41, No. 1, 2015, S. 33–57
  • mit Bram Lancee, Merlin Schaeffer (Hrsg.): Social Cohesion and Immigration in Europe and North America. Mechanisms, Conditions, and Causality. Routledge Advances in Sociology, Vol. 137. London/New York, NY: Routledge, 2015
  • „Die Gesellschaft insgesamt muss sich Fragen stellen“. Der Soziologe Ruud Koopmans hält ein NPD-Verbot für kontraproduktiv - die rechte Gewalt würde dann vermutlich zunehmen - Interview. In: Horst Meier (Hrsg.): Verbot der NPD - ein deutsches Staatstheater in zwei Akten. Analysen und Kritiken 2001–2014. Berlin: BWV Berliner Wissenschafts-Verlag, 2015, S. 360–361. (Zuerst publiziert in: Der Tagesspiegel, 5. Dezember 2011)
  • mit Susanne Veit: Cooperation in Ethnically Diverse Neighborhoods. A Lost-letter Experiment. In: Political Psychology, Vol. 35, No. 3, 2014, S. 379–400.
  • Multiculturalism and Immigration. A Contested Field in Cross-national Comparison. In: Annual Review of Sociology, 2013, S. 147–169
  • mit Sarah Carol: Dynamics of Contestation over Islamic Religious Rights in Western Europe. In: Ethnicities, Vol. 13, No. 2, 2013, S. 165–190.
  • mit Ines Michalowski, Stine Waibel: Citizenship Rights for Immigrants. National Political Processes and Cross-National Convergence in Western Europe, 1980–2008. In: American Journal of Sociology, Vol. 117, No. 4, 2012, S. 1202–1245.
  • mit Paul Statham (Hrsg.): The Making of a European Public Sphere. Media Discourse and Political Contention. Communication, Society and Politics. Cambridge u.a.: Cambridge University Press, 2010

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Martin Beglinger: Gespräch mit dem Soziologen Ruud Koopmans: Assimilation funktioniert, in: NZZ, 15. April 2016, S. 23
  2. Ruud Koopmans, bei Humboldt-Universität
  3. a b Daniel Bax: Streit an der Humboldt-Universität - Der Parallelforscher, in: taz, 4. Oktober  2016
  4. Sven Astheimer: Migrationsforscher im Gespräch: „Die meisten Menschen wollen unbequeme Fakten nicht hören“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. April 2016.
  5. Anpassung an die Mittelschichtskultur. (Interview mit Ellen Wesemüller), Neues Deutschland, 23. August 2016, S. 15.
  6. Ruud Koopmans: religious fundamentalism and outgroup hostility. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  7. Nicht von dieser Welt: Für Muslime sind religiöse Gesetze oft wichtiger, 3sat, 9. Januar 2015.
  8. Studie zu Fundamentalismus. Fundamental anders, DRadio Wissen, 12. Januar 2015
  9. Erik Voeten: How widespread is Islamic fundamentalism in Western Europe?, in: Washington Post, 12. Dezember 2013
  10. LIT Verlag Berlin-Münster-Wien-Zürich-London. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  11. Ruud Koopmans - Google Scholar Citations. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  12. Rassismus oder Wissenschaft? TELEPOLIS, 18. Juli 2016; abgerufen am 19. Oktober 2017. Vgl. auch Christoph Twickel in "Sandra Maischberger" zum Einwanderungsgesetz: Themen-durcheinander-bring-Land. Spiegel Online, 19. Oktober 2017; abgerufen am 20. Oktober 2017.
  13. Migrationsforscher im Gespräch: „Die meisten Menschen wollen unbequeme Fakten nicht hören“. FAZ, 29. April 2016; abgerufen am 19. Oktober 2017.
  14. Umstrittener Berliner Integrationsforscher Koopmans fühlt sich angegriffen. taz.de, 10. November 2016; abgerufen am 19. Oktober 2017.