Sächsische IV K

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
IV K
Baureihe 99.51–60
Sächsische IV K
Sächsische IV K
Nummerierung: siehe Text
Anzahl: 96
Hersteller: Sächsische Maschinenfabrik, Chemnitz
Baujahr(e): 1892–1921
Bauart: B’B’ n4v
Gattung: K 44.7 / K 44.8 *
Spurweite: 750 mm
Länge über Kupplung: 9.000 mm
Höhe: 3.150 mm
Breite: 1.980 mm
Gesamtradstand: 6.200 mm
Leermasse: 21,70–22,40 t
Dienstmasse: 26,8–29,3 t
Reibungsmasse: 26,8–29,3 t
Radsatzfahrmasse: 6,7–7,3 t
Höchstgeschwindigkeit: 30 km/h
Indizierte Leistung: 210 PSi / 154 kW
Anfahrzugkraft: 36,28 kN / 42,17 kN **
Treibraddurchmesser: 760 mm
Steuerungsart: Heusinger
Zylinderanzahl: 4
HD-Zylinderdurchmesser: 240 mm
ND-Zylinderdurchmesser: 370–400 mm
Kolbenhub: 380 mm
Kesselüberdruck: 12/14/15 bar
Rostfläche: 0,97 m²
Strahlungsheizfläche: 4,07 m²
Verdampfungsheizfläche: 49,87 m²
Wasservorrat: 2,4 m³
Brennstoffvorrat: 0,85 t / 1,02 t ***
Lokbremse: Saugluftbremse
Zugbremse: Heberleinbremse
Saugluftbremse
* ab 99 581; ** ab 99 551; *** ab 99 561

Als Sächsische IV K (sprich: vier K) bezeichneten die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen die vierachsigen Schmalspurdampflokomotiven der Bauart Günther-Meyer mit 750 mm Spurweite. Mit 96 Exemplaren handelt es sich bei der sächsischen IV K um die meistgebaute Schmalspur(dampf)lokomotive für eine Staatsbahn in Deutschland. Die Deutsche Reichsbahn ordnete die Lokomotiven 1925 der Baureihe 99.51–60 zu.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

IV K 111 in Kipsdorf (Weißeritztalbahn), 1909
Sächsische IV K vor Güterzug Oschatz-Mügeln (1982)
99 586 vor Güterzug in Oschatz (1988)

Infolge des stetig steigenden Verkehrsaufkommens auf den sächsischen Schmalspurbahnen gegen Ende des 19. Jahrhunderts reichte die Leistung der eingesetzten I K, II K und III K bald nicht mehr aus. Die Sächsische Maschinenfabrik entwickelte daraufhin eine Lokomotive mit vier angetriebenen Achsen, welche einen größeren Kessel und eine größere Reibungsmasse aufwies (basierend auf der 1890 entwickelten Sächsischen M I TV für Normalspur). Im Gegensatz zu den bisher eingesetzten Lokomotiven erhielten diese zwei Triebdrehgestelle, um trotz ihrer Länge ein Befahren krümmungsreicher Strecken zu ermöglichen. Zwischen 1892 und 1921 wurden insgesamt 96 Lokomotiven mit den Bahnnummern 103 bis 198 gebaut. Dabei erhielten sie zunächst die Gattungsbezeichnung H M T K V, welche sie als Lok des Herstellers Hartmann (H) der Bauart Meyer (M) als Tenderlok (T) mit 750 mm Spurweite (K) und Verbundtriebwerk (V) kennzeichnete. Ab 1896 wurden sie als K IV und ab 1900 als IV K bezeichnet. Das „K“ steht für „Kleinspur“.

Die IV K wurde sowohl vor Personen- als auch vor Güterzügen eingesetzt und bewährte sich so gut, dass sie auf fast allen Strecken die anderen Lokomotivgattungen (I K, II K und III K) ablöste.

Fünf Exemplare mussten nach dem Ersten Weltkrieg abgeschrieben werden. Eine dieser Loks war 1918 nach Serbien gekommen, wo sie nach Kriegsende verblieb, die vier anderen waren nach ihrem Einsatz für die Heeresfeldbahnen in Siebenbürgen geblieben, wovon drei im Zweiten Weltkrieg in ungarisches Eigentum gelangten. Alle im Ersten Weltkrieg im Baltikum auf dem Netz um Nowo Swenzjany sowie in Galizien eingesetzten IV-K-Lokomotiven (in Summe soll es sich um mehr als ein Dutzend Maschinen gehandelt haben) kehrten vor Kriegsende nach Sachsen zurück.

Die Deutsche Reichsbahn übernahm 1925 die 90 in Sachsen verbliebenen und die 1921 gebaute 96. IV K mit den Nummern 99 511–546, 99 551–558, 99 561–579 und 99 581–608. Durch die 15 im Jahr 1919 erworbenen fünfachsigen Heeresfeldbahnloks (eingereiht als sächsische Gattung VI K), deren Nachbauten 99.67–71 und die Einheitslokomotiven der 99.73–76 wurden in den 1930er-Jahren zumeist ältere IV-K-Maschinen ausgemustert. Bis 1939 wurden so 18 weitere Maschinen aus dem Bestand gestrichen. Während des Zweiten Weltkriegs gingen nochmals zwölf Maschinen bei Kriegseinsätzen verloren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieben zwei Lokomotiven als Reihe U99.5 bei den Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD),[1][2] vier weitere wurden von der sowjetischen Besatzungsmacht als Reparationsgut beschlagnahmt. Im Bestand der DR verblieben 57 einsatzfähige Maschinen. Neun Lokomotiven kamen später zur Rügenschen Kleinbahn und zu den ehemaligen Prignitzer Kreiskleinbahnen, wo sie mit Knorr-Bremsen ausgerüstet wurden und in diesem Zusammenhang einen auffälligen Druckluftbehälter auf dem Kessel erhielten.

Die Deutsche Reichsbahn plante, die mittlerweile in die Jahre gekommenen Lokomotiven durch die Neubaudiesellok der Baureihe V 36.48 zu ersetzen. Da die Versuche mit den zwei Baumustern jedoch keine zufriedenstellenden Ergebnisse lieferten, wurden ab 1962 30 IV K teils umfangreichen Erneuerungen unterzogen. Dabei erhielten mehrere Lokomotiven nur neue, geschweißte Kessel, bis 1967 aber insgesamt 23 Lokomotiven auch neue Rahmen, Drehgestelle und Zylinder jeweils in Schweißkonstruktion. Äußerliches Kennzeichen der Neubaukessel ist der fehlende Sandbehälter auf dem Kessel und die oben abgeflachte Verkleidung des Dampfdomes. Die komplett neu gebauten IV K sind am schnellsten an der eckigen Rahmenführung unter dem Führerhaus zu erkennen.

Bis 1973 schieden die letzten nicht erneuerten Lokomotiven aus dem Betriebsdienst aus. Die noch originalen Lokomotiven 99 535 (Verkehrsmuseum Dresden), 99 579 (Museum Rittersgrün), 99 581 (in Kirchberg geplantes Museum) und 99 604 (DGEG, heute SSB Radebeul) wurden für eine museale Erhaltung sichergestellt, 99 581 wurde aber im Juni 1983 in Kirchberg verschrottet. Die Ausmusterung der generalreparierten und großteilerneuerten Lokomotiven begann Anfang der 1970er-Jahre, beginnend mit den Maschinen, die noch ihren originalen, genieteten Rahmen besaßen.

Mitte 1991 befanden sich noch 13 IV K im Betriebsbestand der Deutschen Reichsbahn. Im Zuge der Angleichung der Betriebsnummern von DR und DB sollten diese Lokomotiven ab dem 1. Januar 1992 die neuen Betriebsnummern 099 701 bis 099 713 erhalten. Zwei Lokomotiven wurden jedoch im November 1991 an die Museumsbahn Jöhstadt–Steinbach verkauft und 99 562 war schadhaft abgestellt, so dass nur noch zehn Exemplare die neuen Betriebsnummern angeschrieben bekamen. Außerdem trug die Traditionslok 99 539 die Nr. 099 701 nur selten. 1992/93 schieden weitere Lokomotiven durch Verkauf an Vereine und an die Döllnitzbahn GmbH aus. Mehrere Lokomotiven gelangten am 1. Januar 1994 aber noch zur Deutschen Bahn AG, ein planmäßiger Einsatz der Loks erfolgte zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht mehr.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die IV K kamen im Laufe der Zeit auf allen sächsischen Schmalspurstrecken zum Einsatz. Noch in den 1980er-Jahren bewältigten sie das gesamte Verkehrsaufkommen auf den Strecken Wolkenstein–Jöhstadt und Oschatz–Mügeln–Kemmlitz.

Im Ersten Weltkrieg waren einige Lokomotiven auch für die Heeresfeldbahnen im Einsatz, so die 132 (spätere 99 539) mit etwa einem Dutzend weiterer IV K bei der Ersten Gesellschaft für Zufuhrbahnen in Nowo Swenzjany im heutigen Litauen.

Ab den 1950er-Jahren wurden einige Lokomotiven auch im Prignitzer Netz und auf den Rügenschen Schmalspurbahnen eingesetzt.

Die 1945 in der wiedergegründeten Tschechoslowakei verbliebene 99 554 fuhr zunächst auf den Schmalspurbahnen Jindřichův Hradec–Obrataň und Jindřichův Hradec–Nová Bystřice in Südböhmen, bis sie im Jahr 1951 an die Zementfabrik in Králův Dvůr verkauft wurde. Bis zu ihrer Abstellung im Jahr 1956 lief sie auf der Industriebahn Králův Dvůr–Koněprusy.[3]

Erhaltene Lokomotiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt 22 Lokomotiven der sächsischen Gattung IV K blieben bis heute erhalten, ein Teil davon betriebsfähig. Neben den sächsischen Museumsbahnvereinen halten auch die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft (ehemals BVO Bahn) und die Döllnitzbahn GmbH Lokomotiven der Gattung IV K für Sondereinsätze vor Museumszügen vor.

Betriebsnummer Verbleib betriebsfähig
K.Sächs.Sts.E.B. DR alt DR EDV DB
108 99 516 99 1516-6 Museumsbahn Schönheide ja[4][5]
127 99 534 99 1534-9 Denkmallokomotive in Geyer [6]
128 99 535 Verkehrsmuseum Dresden [7]
132 99 539 99 1539-8 099 701-5 Traditionsbahn Radebeul [8]
135 99 542 99 1542-2 Preßnitztalbahn ja[9]
145 99 555 99 1555-4 SOEG, Eigentum Interessenverband der Zittauer Schmalspurbahnen e.V. ja[10]
151 99 561 99 1561-2 099 703-1 Förderverein Wilder Robert [11]
152 99 562 99 1562-0 099 704-9 Deutsches Dampflokomotiv-Museum, Neuenmarkt-Wirsberg [12]
154 99 564 99 1564-6 099 705-6 Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft [13]
156 99 566 99 1566-1 Sächsisches Eisenbahnmuseum, Chemnitz [14]
158 99 568 99 1568-7 IG Preßnitztalbahn ja[15]
164 99 574 99 1574-5 099 707-2 Döllnitzbahn ja[16]
169 99 579 99 1579-4 Schmalspurbahnmuseum Rittersgrün [17]
171 99 582 99 1582-8 099 708-0 Museumsbahn Schönheide ja[18]
173 99 584 99 1584-4 099 709-8 Eisenbahn- und Technik-Museum Rügen [19]
175 99 585 99 1585-1 099 710-6 Museumsbahn Schönheide [20]
176 99 586 99 1586-9 099 711-4 Traditionsbahn Radebeul ja[21]
180 99 590 99 1590-1 IG Preßnitztalbahn ja[22]
184 99 594 99 1594-3 IG Preßnitztalbahn, derzeit (Stand: August 2017) in Meiningen zur Hauptuntersuchung[23]
194 99 604 Stiftung Sächsische Schmalspurbahnen (ex Verein zur Förderung Sächsischer Schmalspurbahnen e.V.) (Schmalspurbahnmuseum Radebeul) [24]
196 99 606 99 1606-5 099 712-2 Stiftung Sächsische Schmalspurbahnen (ex Verein zur Förderung Sächsischer Schmalspurbahnen e.V.) (Stand 1/2017: hinterstellt in Jöhstadt) [25]
198 99 608 99 1608-1 099 713-0 Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft ja[26]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jindřich Bek, Zdeněk Bek: Encyklopedie železnice - Parní lokomotivy [3]. Nakladatelství corona, Praha, 2000 ISBN 80-86116-20-4; S. 206f
  2. Josef Motyčka: Encyklopedie železnice - Parní lokomotivy [5]. Nakladatelství corona, Praha, 2001 ISBN 80-86116-23-9; S. 76
  3. Michal Martinek, Bohuslav Zeman, Radim Šnábl, Vlastimil Novotný: K.B.K. Malodráha Králův Dvůr - Beroun - Koněprusy 1897 - 1962; Stopou dějin našich tratí - 2; KHKD Nymburk, 1987
  4. eisenbahn-magazin 5/2012, S. 22
  5. Fahrzeugportrait Hartmann 1779. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  6. Fahrzeugportrait Hartmann 2275. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  7. Fahrzeugportrait Hartmann 2276. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  8. Fahrzeugportrait Hartmann 2381. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  9. Fahrzeugportrait Hartmann 2384. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  10. Fahrzeugportrait Hartmann 3208. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  11. Fahrzeugportrait Hartmann 3214. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  12. Fahrzeugportrait Hartmann 3215. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  13. Fahrzeugportrait Hartmann 3217. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  14. Fahrzeugportrait Hartmann 3320. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  15. Fahrzeugportrait Hartmann 3450. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  16. Fahrzeugportrait Hartmann 3556. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  17. Fahrzeugportrait Hartmann 3561. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  18. Fahrzeugportrait Hartmann 3593. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  19. Fahrzeugportrait Hartmann 3595. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  20. Fahrzeugportrait Hartmann 3597. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  21. Fahrzeugportrait Hartmann 3606. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  22. Fahrzeugportrait Hartmann 3670. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  23. 99 1594 vor der Instandsetzung. Dampflokwerk Meiningen, 2017; abgerufen am 17. August 2017.
  24. Fahrzeugportrait Hartmann 3792. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  25. Fahrzeugportrait Hartmann 3907. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  26. Fahrzeugportrait Hartmann 4521. In: dampflokomotivarchiv.de. Abgerufen am 1. Februar 2017.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Fischer: 104 Jahre unterwegs. 99 539. In: Lok-Magazin. 261/Jahrgang 42. GeraNova Zeitschriftenverlag, 2003, ISSN 0458-1822, S. 54–59.
  • Dirk Lenhard, Gerhard Moll, Reiner Scheffler: Die sächsische IV K. EK-Verlag, Freiburg 2004, ISBN 3-88255-199-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sächsische IV K – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien