Döllnitzbahn

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Döllnitzbahn GmbH
Basisinformationen
Unternehmenssitz Mügeln
Webpräsenz www.doellnitzbahn.de
Geschäftsführung

Ingo Neidhardt

Verkehrsverbund MDV
Linien
Spurweite 750 mm
Eisenbahn Oschatz–Mügeln (b Oschatz)

Mügeln (b Oschatz)–Glossen Nebitzschen–Kemmlitz

Anzahl Fahrzeuge
Lokomotiven 8 (3 betriebsfähig; 1 verliehen)
Länge Liniennetz
Eisenbahnlinien 18,64 km
Betriebseinrichtungen
Betriebshöfe 1 (Mügeln)

Die Döllnitzbahn GmbH (DBG) ist ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen und ein Eisenbahnverkehrsunternehmen mit Sitz in Mügeln, Sachsen. Die Gesellschaft ist Betreiber der schmalspurigen Nebenbahnen Oschatz–Mügeln, Mügeln–Glossen und Nebitzschen–Kemmlitz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 17. Dezember 1993 übernahm die neu gegründete Döllnitzbahn GmbH die vom Mügelner Netz übriggebliebene Strecke zwischen Oschatz, Mügeln und Kemmlitz. Hauptziel der Gesellschaft war zunächst der Erhalt des noch vorhandenen Güterverkehrs von der Kaolingrube in Kemmlitz. Dafür wurden von der Mansfelder Bergwerksbahn gebrauchte Schmalspurgüterwagen beschafft und in Oschatz entstand eine neue Umladeanlage zur Normalspur. Mit gebrauchten Diesellokomotiven vom Typ FAUR L30H gelang es, den Güterverkehr vorerst zu erhalten. Trotzdem verringerten sich die Transporte allmählich, so dass der Güterverkehr 2001 dann doch eingestellt werden musste. Damit war die Döllnitzbahn die letzte Schmalspurbahn mit öffentlichem Güterverkehr in Sachsen.

Regelverkehr mit Diesellokomotive 199 031 (2010)
Bahnhofsfest in Mügeln anlässlich des Jubiläums "130 Jahre Schmalspurbahnstrecke Oschatz - Mügeln" (2014)

Heute verkehren nur noch Schülerzüge und dampfbespannte Sonderzüge auf der Strecke der Döllnitzbahn. Die Döllnitzbahn GmbH ist Partner der Dampfbahn-Route Sachsen. Ende 2010 wurde ihr für die Neuausrichtung und Konsolidierung des Unternehmens der Claus-Köpcke-Preis verliehen.[1] Zwischenzeitlich war das Weiterbestehen gefährdet, da im Februar 2011 der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig angesichts gekürzter Mittelzuweisungen durch den Freistaat Sachsen beschloss, die Finanzierung des Bahnverkehrs zum Schuljahresende am 8. Juli 2011 einzustellen.[2]

Am 15. Juni 2011 teilte jedoch ein Sprecher des sächsischen Verkehrsministeriums (SMWA) mit, dass die Finanzierung des Bahnbetriebes bis zum Ende des Jahres 2012 gesichert ist. Zur dauerhaften Sicherung des Betriebes fasste die Gesellschafterversammlung der Döllnitzbahn am 16. November 2012 den Beschluss, die Geschäftsführung per Dienstleistungsvertrag an die Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft (SOEG) zu übertragen, deren Geschäftsführer Ingo Neidhardt diese ab Anfang 2013 in Personalunion übernahm.[3] Ende Dezember 2012 konnte dann ein Verkehrsvertrag zwischen der Döllnitzbahn GmbH und dem Zweckverband Döllnitzbahn geschlossen werden, der die Finanzierung für die Jahre 2013 und 2014 sichert, wobei die Hälfte der Mittel vom sächsischen Verkehrsministerium kommen. Für die darauf folgenden Jahren von 2015 bis 2020 sind diese Mittel in der am 18. Dezember 2012 beschlossenen ÖPNV-Finanzierungsverordnung des Freistaates Sachsen bereits vorgesehen.[4]

Auch die Sanierung der Infrastruktur ist seit 22. November 2013 gesichert, als die Döllnitzbahn einen Fördermittelbescheid des SMWA erhielt. In insgesamt vier Bauabschnitten soll zunächst bis 2014[veraltet] der Streckenabschnitt Mügeln–Glossen und danach bis 2016 der Streckenabschnitt Oschatz–Mügeln instandgesetzt werden. Die Investitionskosten betragen insgesamt rund 2,6 Millionen Euro, wobei die Förderung durch den Freistaat Sachsen 75 Prozent beträgt.[5]

Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Döllnitzbahn GmbH zieht es in Betracht, die stillgelegte Strecke von Glossen nach Wermsdorf wieder aufzubauen. Damit könnte man das Schloss Hubertusburg an die Strecke anbinden. Dadurch hätte die Döllnitzbahn erstmals ein neues, attraktives Fahrtziel, welches die Fahrgastzahlen langfristig erhöhen könnte. Doch würde die Strecke bei einer Reaktivierung 1,7 Kilometer vor dem Schloss, am ehemaligen Haltepunkt Wermsdorf/Döllnitz-Stausee, enden. Dies sieht Lutz Haschke als ein "lösbares" Problem. Demnach sollen Omnibusse oder Pferdekutschen die Lücke schließen. "Und wer kann, geht zu Fuß." Der Neubau würde Schätzungen zufolge drei bis vier Millionen Euro kosten.[6]

Förderverein Wilder Robert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonderfahrt anlässlich des Jubiläums "130 Jahre Schmalspurbahnstrecke Oschatz - Mügeln" (2014)

Eng verbunden mit der Döllnitzbahn ist der Förderverein Wilder Robert, der 1994 gegründet wurde. Er gründete sich 1994 mit den Ziel, die historischen Anlagen und Fahrzeuge des „Wilden Robert“ zu erhalten. Am Anfang bestand das Tätigkeitsfeld des Vereins im Durchführen von Sonderfahrten mit vorhandenem, betriebsfähigem Fahrzeugmaterial unter anderem mit den Dampflokomotiven (IV K) 99 561, 99 574 und 99 584.

Nach und nach begannen Mitglieder des Vereins, mit Hilfe von ABM und ortsansässigen Firmen, mit der Sanierung von markanten Gebäuden entlang der Schmalspurbahn. So wurden der Güterboden Mügeln, das Sanitätsgebäude, Stellwerk I und das Bahnmeistereigebäude saniert. In Oschatz wurde im Jahr 2009 weiter an der Sanierung des dortigen Heizhauses gearbeitet. Die größte Leistung des Fördervereins „Wilder Robert“ war der Wiederaufbau der Strecke Nebitzschen–Glossen mit Hilfe der Gemeinde Sornzig-Ablaß.

Auch im Fahrzeugsektor ist einiges erreicht worden, so wurde die Hauptuntersuchung an der IV K 99 561 (2001–2003) und 99 574 (2006–2007) durchgeführt. Auch Wagen wurden aufgearbeitet; so konnte im Jahr 2001 der Traglastenwagen 970-277 fertiggestellt werden. Es folgten der Güterwagen GGw 97-15-02, Klappdeckelwagen KKw 97-27-18 und Packwagen KD4 974-309. Für weitere Fahrzeuge ist die Aufarbeitung geplant.

Triebfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betriebs-Nr. Herkunft Bauart Baujahr Baureihe / Typ Hersteller Anmerkungen
99 561 B'B' n4vt 1909 Sächsische IV K Sächsische Maschinenfabrik, Reko Raw Görlitz Fristablauf, beschildert als 99 1561-2
99 574 B'B' n4vt 1912 Sächsische IV K Sächsische Maschinenfabrik, Reko Raw Görlitz beschildert als 99 1574-5
99 584 B'B' n4vt 1898 Sächsische IV K Sächsische Maschinenfabrik, Reko Raw Görlitz Fristablauf
199 030 ÖBB 2091.010 1'Bo1' 1940 BBÖ 2041/s Simmeringer Maschinen- und Waggonbaufabrik/Siemens-Schuckert
199 031 ÖBB 2091.012 1'Bo1' 1940 BBÖ 2041/s Simmeringer Maschinen- und Waggonbaufabrik/Siemens-Schuckert von Öchsle-Schmalspurbahn
199 032 DR 199 008 C 1954 LKM Ns4 Lokomotivbau Karl Marx
199 033 C dh 1981 FAUR L30H Lokomotivfabrik 23. August abgegeben an SOEG
199 034 C dh 1981 L30H Lokomotivfabrik 23. August Fristablauf, im Juli 2015 im Lokschuppen Oschatz hinterstellt

Alle Angaben nach Fahrzeugliste der Döllnitzbahn.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Döllnitzbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinz Grossnick: Ansporn und Hoffnung für Döllnitzbahn. In: Oschatzer Zeitung. 10. Dezember 2010, abgerufen am 26. Februar 2011 (PDF).
  2. Ralf Julke: ZVNL beschließt Kürzungspaket: Umfangreiche Einschnitte im westsächsischen Nahverkehr. In: Leipziger Internet Zeitung. 17. Februar 2011, abgerufen am 26. Februar 2011.
  3. Döllnitzbahn hat neuen Geschäftsführer. Ingo Neidhardt der Öffentlichkeit vorgestellt. Döllnitzbahn GmbH, 4. Dezember 2012, abgerufen am 30. Januar 2013 (PDF; 280 kB).
  4. Döllnitzbahn fährt in eine sichere Zukunft. Stadtverwaltung Oschatz, 20. Dezember 2012, abgerufen am 30. Januar 2013 (PDF; 98 kB).
  5. Minister Morlok übergibt Förderbescheid für ersten Abschnitt zur Sanierung der Infrastruktur an die Döllnitzbahn. Döllnitzbahn GmbH, 22. November 2013, abgerufen am 29. November 2013 (PDF).
  6. Döllnitzbahn will künftig nach Wermsdorf fahren. MDR Sachsen, 24. Juli 2014, abgerufen am 15. September 2014.
  7. Fahrzeuge des „Wilden-Robert“. In: Wilder-Robert.de. Abgerufen am 10. Januar 2014.