SNAFU

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Snafu ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zur gleichnamigen britischen Band siehe Snafu (Band).

SNAFU ist ein aus der amerikanischen Soldatensprache entlehntes Akronym für Situation Normal, All Fucked Up bzw. Situation normal, all fouled up (deutsch etwa: „Lage normal, alles im Arsch“). Von vergleichbarer Bedeutung im Deutschen ist die Umkehrung der Lagebeschreibung „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos“ zu der mit Galgenhumor gewürzten Verballhornung „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst“. Zu unterscheiden ist der so beschriebene Zustand SNAFU und das zu diesem Zustand führende SNAFU-Prinzip.

Herkunft des Begriffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff entstand in der US-Armee vor oder während des Zweiten Weltkriegs. Der Ex-Soldat Don Taylor behauptet, den Begriff 1941 während seiner Dienstzeit im 160. Infanterieregiment in Camp San Luis Obispo, Kalifornien geprägt zu haben.[1] Belegbar ist er aber erst ab 1942, als Col. Frank Capra im Auftrag der Armed Forces Motion Picture Unit eine Figur namens Snafu für das Army-Navy Screen Magazine erfand. Zwischen 1943 und 1945 erschienen 28 etwa drei- bis fünfminütige S/W-Cartoons unter dem Titel „Private Snafu“ (einer von MGM, einer von Harman-Ising und 26 von Warner Bros. produziert; 26 Cartoons der Serie sind noch erhalten).[2]

Beschreibungen des SNAFU-Prinzips[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Romantrilogie Illuminatus! von Robert Shea und Robert Anton Wilson spielt das sogenannte SNAFU-Prinzip eine zentrale Rolle, welches besagt, dass innerhalb von Hierarchien Vorgesetzte und Untergebene einander wichtige Informationen gezielt vorenthalten, wodurch dann früher oder später ein totales Chaos entsteht (Situation Normal, All Fucked Up). Die Absicht der Vorgesetzten ist es dabei, einen Informationsvorsprung vor ihren Untergebenen zu behalten, während die Untergebenen, um Schwierigkeiten zu vermeiden, ihre eigenen Fehler und teilweise auch ihre Inkompetenz verschleiern wollen. Die unreflektierte Anwendung des SNAFU-Prinzip ist also die Ursache des Zustandes SNAFU und somit Folge von Inkompetenz in der Sache und im Umgang mit der Inkompetenz.

In dem Buch Der Phrasenprüfer über Wau Holland wird der Informationsverlust bis hin zur Lüge „Gelogen ist nur, wenn’s der andere glaubt.“ als Folge hierarchischer Strukturen als Beispiel für erlebtes SNAFU berichtet. Die Grundlage dafür bildeten Gespräche im Jahr 1999 auf einer Sicherheitstagung von Andreas Pfitzmann.[3] Die Hierarchie, auf die Bezug genommen wurde, war die zwischen dem Management der Firmen und den für die IT-Sicherheit zuständigen Mitarbeitern der IT-Abteilungen, die in einem außerordentlichen Kontext (Tagung) zusammenkamen, was zur teilweisen Aufdeckung des SNAFU-Prinzips geführt hatte.

Erwähnungen des Zustandes SNAFU in Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Roman Die Leopardin (Jackdaws, 2001) von Ken Follett, der von einer britischen Agentin im besetzten Frankreich des Jahres 1944 handelt, wird beim Bericht über eine gescheiterte Kommandoaktion der Begriff „Totaler Snafu“ in der Bedeutung von „Totales Debakel“ verwendet.

In dem US-Film Memphis Belle (1990) kommt in einer Szene ebenfalls der Begriff Snafu vor. In dieser wird Snafu von einer Bomberbesatzung als Situation Normal, All Fucked Up erklärt.

In dem SF-Roman Die Lincoln-Jäger (The Lincoln Hunters, 1958) von Wilson Tucker wird der Begriff SNAFU ebenfalls mehrfach benutzt. Die deutsche Übersetzung (von 1984, Heyne Verlag) merkt dazu beim ersten Vorkommen an: „* SNAFU = Akronym für SITUATION NORMAL; ALL FUCKED UP: etwa Alles Scheiße, Deine Elli.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.snafu.com/Snafu/SnafuStory.html
  2. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18604/1.html
  3. Daniel Kulla: Der Phrasenprüfer: Szenen aus dem Leben von Wau Holland, Mitbegründer des Chaos Computer Clubs. Jungle World Nr. 9, 18. Februar 2004 (Online).
  4. Wilson Tucker: Die Lincoln-Jäger. Heyne 06/4105, ISBN 3-453-31065-9, Deutsche Ausgabe 1984, Seite 45.