Sangiovese

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Sangiovese
Synonyme siehe Abschnitt Synonyme
Montalcino 002.jpg
Art Edle Weinrebe (Vitis vinifera subsp. vinifera)
Beerenfarbe schwarz
Verwendung
Herkunft Italien
VIVC-Nr. 10680
Liste von Rebsorten

Sangiovese [sandʒoˈveze] ist eine aus Italien stammende rote Rebsorte. Sie ist dort eine der wichtigsten und häufigsten Traubensorten und bildet die Grundlage für bekannte Weine wie Brunello di Montalcino, Chianti oder Vino Nobile di Montepulciano. Allgemein zeichnet sich ein Sangiovese-Wein durch eine eher helle rote Farbe und eine ausgeprägte Struktur mit einem hohen Säure- und Tanningehalt aus.

Abstammung und Geschichte[Bearbeiten]

Der Schweizer Biologe José Vouillamoz kam im Jahr 2004 zu der Überzeugung, dass die Rebsorte Sangiovese aus einer spontanen Kreuzung der Sorten Ciliegiolo x Calabrese di Montenuovo entstand. Im Widerspruch dazu stehen Untersuchungen aus den Jahren 2007 und 2010, die ergaben, dass Ciliegiolo ein Nachkomme von Sangiovese x Moscato Violetto ist. Sangiovese wäre demnach ein Elternteil von Ciliegiolo. Der französische Ampelograph Thirrry Lacombe legte im Jahr 2012 Untersuchungen vor, nach denen Sangiovese ein Nachkomme aus Foglia Tonda mit Gaglioppo oder aber mit Frappato di Vittoria sein kann. Es gibt viele sich widersprechende Forschungsergebnisse, so dass die genetische Herkunft des Sangiovese als nicht geklärt gilt.

Lange Zeit galt die Einteilung in Sangiovese Grosso (mit den Vertretern Brunello, Prugnolo gentile und Sangiovese di Lamole) und Sangiovese piccolo (Sangiovese piccolo di Montalcino, Morellino di Scansano). Diese grobe Einteilung wurde, wie schon die Namen aussagen, aufgrund der Beerengröße getroffen. Da es aber keine Unterschiede im DNA-Profil gibt, geht man heute von mehreren Spielarten einer Rebsorte aus.[1] Der Prugnolo Gentile, aus dem der Vino Nobile di Montalcino gekeltert wird, sowie der Brunello, Namensgeber des gleichnamigen Weines aus Montalcino, werden heute nicht mehr als eigenständige Sorten geführt. In beiden Fällen sprechen die DOCG Regularien von Sangiovese, der in der jeweiligen Gegend „Brunello“ beziehungsweise „Prugnolo gentile“ genannt wird. [2]

Auch die agronomischen Ursprünge der Rebsorte liegen im Dunkeln. Es findet sich zwar immer wieder die Vermutung, Vorläufer des Sangiovese seien schon zu Zeiten der Römer oder gar der Etrusker angebaut worden, jedoch lassen diese Hypothesen sich nicht belegen. Die Sorte erscheint 1590 erstmals unter dem Namen „Sangiogheto“ oder „Sangioveto“ bei dem toskanischen Agronomen Giovan Vettorio Soderini. Aber auch in der Emilia Romagna finden sich um 1650 Zeugnisse über die Rebsorte „Sanzuvesa“.[3] Da die Traubensorte regional bedingt immer schon sehr unterschiedliche Namen trug und darüber hinaus sehr starke ampelographische Differenzierung je nach Anbaubedingungen ausbildet, sind eindeutige Zuordnungen, welche Rebsorte wann mit welchem Namen belegt wurde, heute kaum noch möglich. Die Herkunft des Namens Sangiovese ist nicht letztendlich geklärt, häufig wird er aber von sanguis jovis (lat.) hergeleitet und mit Blut des Jupiter übersetzt.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Hauptanbaugebiete des Sangiovese sind die traditionellen Siedlungsgebiete der Etrusker, vor allem die Region Toskana. Bedeutend vertreten ist er aber auch in der Emilia-Romagna und in den Marken. Einige der bekanntesten Rotweine der Toskana basieren laut Produktionsbestimmung auf Sangiovese:

  • Brunello und Rosso di Montalcino, für diese Weine ist Sangiovese als einzige Traubensorte zugelassen.
  • Vino nobile und Rosso di Montepulciano, Sangiovese mindestens 70%
  • Chianti Classico, Sangiovese mindestens 80%, Chianti DOCG mindestens 70%
  • Carmignano, Sangiovese mindestens 50%
  • Morellino di Scansano, Sangiovese mindestens 85%

Andere bekannte Weine auf der Grundlage von Sangiovese sind: Rosso di Montefalco aus Umbrien, Rosso Piceno und Rosso Conero aus den Marken oder Sangiovese di Romagna aus der Emilia Romagna. Eine eigene Weinkategorie, in der der Sangiovese eine wichtige Rolle spielt, sind die sogenannten „Supertuscans“. Das sind Weine, die nicht nach den italienischen DOC/DOCG Vorschriften hergestellt sind, mit dem Ziel nach önologischen und marktorientierten Kriterien hochwertige, „bedeutende“ Weine herzustellen, die sich meist an französischen Vorbildern orientieren. Häufig wird der Sangiovese bei diesen Weinen mit internationalen Rebensorten (Cabernet Sauvignon, Merlot) verschnitten und im Barrique ausgebaut.

Der Sangiovese gilt als eine der bedeutenden italienischen Leitsorten und wird auch in den meisten anderen italienischen Regionen angebaut, wenn auch nur in kleiner Menge und in der Verwendung eines Verschnittpartners. Zu einer gewissen Bedeutung hat es die Rebe auf der Insel Korsika gebracht. Von den bis Ende des 18. Jahrhunderts die Insel beherrschenden Genuesen wurde die Rebsorte aus Italien eingeführt. Sie ist dort unter dem Namen Nielluccio in allen AOC / Vin de Pays Rot- und Roséweinen zugelassen. Weitere meist kleinere Anpflanzungen des Sangiovese gibt es in Europa in Griechenland, Malta, Schweiz, Türkei, und Ungarn. Außerhalb Europas wird er in Argentinien, Australien, Brasilien, Chile, Israel, Kanada, Neuseeland, Südafrika, Thailand Tunesien und den USA angebaut.[4]

Ampelographische Sortenmerkmale[Bearbeiten]

  • Triebspitze starkwollig, weißlich grün mit rötlichem Anflug.
  • Junges Blatt hellgrün, leicht bronziert; Blätter mittelgroß, fünflappig, dunkelgrün, Blattoberseite glatt, leicht beborstet, unterseits stark beborstet; Stilbucht U-förmig, offen.
  • Traube mittelgroß, zylindrisch bis leicht pyramidenförmig, geschultert, kompakt.
  • Beere mittelgroß, rund, dickschalig, von schwarzblauer Farbe.

Die Rebe ist sehr starkwüchsig, bevorzugt leichte, kalkhaltige Böden und gute Lagen, bringt hohe Erträge und reift Anfang Oktober.[5]

Der Sangiovese neigt zu Phytoplasmabefall. Der Phytoplasmenbefall führt zu Vergilbungskrankheiten wie der Goldgelben Vergilbung (franz.: Flavescence dorée) oder auch der Schwarzholzkrankheit. [6]

Synonyme[Bearbeiten]

Brunelletto, Brunello, Brunello Di Montalcino, Calabrese, Cardisco, Chiantino, Cordisio, Cuocignola, Gabba Cani, Dolcetto Precoce, Guarnacciola, Ingannacane, Lacrima, Lakhdari, Lambrusco, Lambrusco Mendoza, Maglioppa, Montepulciano, Montepulciano Primutico, Morellino, Morellino de Florence, Morellino di Scansano, Morellone, Moscatale, Moscatele, Negretta, Nerino, Niella, Nielluccia, Nielluccio, Niellucciu, Pigniuolo Rosso, Pignolo Rosso, Pigniuolo, Plant Romain, Primaticcio, Prugnolo, Prugnolo di Montepulciano, Prugnolo Dolce, Prugnolo Gentile, Prugnolo Gentile di Montepulciano, Prugnolo Rosso, San Gioveto Grosso, San Montanino, San Quioveto, San Roveto, San Zoveto, Sancivetro, Sangineto, Sangiogheto, Sangiovese CRNI, Sangiovese dal Cannello Lungo, Sangiovese dal Cannello Lungo di Predappio, Sangiovese Di Lamole, Sangiovese Di Romagna, Sangiovese Elba, Sangiovese Dolce, Sangiovese Gentile, Sangiovese Grosso, Sangiovese Nostrano, Sangiovese Piccolo, Sangiovese Piccolo Precoce, Sangiovese Romagnolo, Sangiovese Toscano, Sangiovete, Sangioveto dell'Elba, Sangioveto Dolce, Sangioveto Grosso, Sangioveto Montanino, Sanvincetro, Sanxhoveze, Sanzoveto, Tabernello, Tignolo, Tignolo Sointovese, Tipsa, Toustain, Uva Abruzzi, Uva Canina, Uvetta.[7]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.wein-plus.eu/de/Sangiovese_3.0.1577.html
  2. https://www.politicheagricole.it/flex/cm/pages/ServeBLOB.php/L/IT/IDPagina/4625
  3. M. Gily, F. Giavedoni: Guida ai vitigni d'Italia (italienisch), 2011, ISBN 978-888499-242-0
  4. http://www.wein-plus.eu/de/Sangiovese_3.0.1577.html
  5. Hans Ambrosi: Farbatlas Rebsorten, 300 Sorten und ihre Weine, Seite 208. 3. Auflage. Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2011, ISBN 978-3-8001-5957-4
  6. Horst Dietrich Mohr: Farbatlas Krankheiten, Schädlinge und Nûtzlinge an der Weinrebe, 2001, Seite 80, ISBN 3800141485
  7. Sangiovese in der Datenbank Vitis International Variety Catalogue des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof (englisch)