Brunello di Montalcino

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Ansicht von Montalcino

Der Brunello di Montalcino ist einer der international bekanntesten Rotweinprovenienzen Italiens. Namensgebend ist die Gemeinde Montalcino im Val d’Orcia, im Süden der Provinz Siena (Toskana) liegend.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Für die Herstellung des Brunello di Montalcino gelten strenge Regeln, die vom „Consorzio del Vino Brunello di Montalcino“ festgesetzt werden. Er wird sortenrein aus einer Spielart der Sangiovese-Traube, die Sangiovese Grosso oder Brunello genannt wird, gekeltert. Der Ertrag ist auf maximal 52 Hektoliter Wein pro Hektar begrenzt. Der Brunello wird erst ab dem 1. Januar des fünften auf die Ernte folgenden Jahres für den offiziellen Handel freigegeben, er muss mindestens zwei Jahre in Eichenfässern ausgebaut sein und mindestens vier Monate Flaschenreife haben. Für den Brunello di Montalcino Riserva gibt es die Handelsfreigabe ab dem 1. Januar des sechsten auf die Ernte folgenden Jahres, er muss dabei mindestens zwei Jahre im Eichenfass ausgebaut sein und mindestens sechs Monate Flaschenreife aufweisen. Dann entsteht daraus ein voller, körperreicher, hocharomatischer Rotwein.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Brunello genannte Sangiovese-Klon wurde von Ferruccio Biondi-Santi auf seinem Gut „Il Greppo“ erstmals selektioniert. Danach hatte die Familie Biondi-Santi über Jahre hinweg praktisch ein Monopol auf diesen Wein, der aber in den ersten Jahren unter der Bezeichnung “Vino Rosso Scelto“ vermarktet wurde. Der Brunello gilt heute nicht mehr als eigenständige Sorte, sondern wird auch im DOCG-Regularium als Sangiovese bezeichnet, der in Montalcino Brunello genannt wird.[1]

Im Jahr 1960 betrug die für den Brunello bestockte Fläche lediglich 63 ha und es gab elf abfüllende Betriebe. Später wurde die Herstellung des Brunello di Montalcino Gemeingut in Montalcino, wodurch es vielen kleinen wie auch großen Betrieben ermöglicht wurde, diese Köstlichkeit zu keltern.

1966 gehörte der Brunello zu den acht ersten Gebieten, die den Status einer Denominazione di origine controllata erhielten; am 1. Juli 1980 war man das erste Gebiet mit dem Status einer DOCG. Im Jahr 1998 wurde die Gesetzesgrundlage letztmals überarbeitet. [2]

Vom Brunello di Montalcino wurden 2007 knapp sieben Millionen Flaschen produziert, die meisten für den Export in die USA (20 %), nach Deutschland (14 %) und in die Schweiz (8 %). 251 Produzenten erwirtschaften mit dem Brunello einen Jahresumsatz von 132 Millionen Euro. Hinzu kommen drei Millionen Flaschen Rosso di Montalcino sowie eine Million Flaschen der neu geschaffenen Kategorie Sant’Antimo. In diese Kategorie fallen Weine mit gebietsfremden Rebsorten und dort soll der Weg für neue, moderne Weine geschaffen werden.

Beste Jahrgänge[Bearbeiten]

Die besten Jahrgänge (fünf Sterne) seit 1945 lauten: 1945, 1955, 1961, 1964, 1970, 1975, 1985, 1988, 1990, 1995, 1997, 2004 und 2006. Seit 1991 wird die Jahrgangsqualität der Weine auf Fliesen – von regionalen Künstlern kreiert – am Rathaus von Montalcino dokumentiert.

Beschreibung[Bearbeiten]

  • Farbe: intensives Rubinrot, nach Alterung ins Granatrote tendierend[3]
  • Geruch: charakteristischer und intensiver Geruch
  • Geschmack: herb, warm, tanninbetont, robust und harmonisch mit großer Länge im Abgang
  • Alkoholgehalt: mindestens 12,5 Volumenprozent
  • Gesamtsäure: mind. 5 g/l
  • Trockenextrakt: mind. 24 g/l

Bekannte Produzenten sind: Altesino, Baricci, Biondi-Santi, Caparzo, Casanova di Neri, Castelgiocondo, Castello Banfi, Ciacci Piccolomini d’Aragona, Col d’Orcia, Costanti, Fanti, Fuligini, La Pieve, Lisini, Loacker Corte Pavone, Pieve Santa Restituta, Pinino, Poggio Antico, Poggio di Sotto, Salvioni, Vasco Sassetti, Scopetone, Siro Pacenti, Soldera, Talenti, Vitanza Valdicava, Pian dell’ Orino, Val di Suga, Diego di Molinari.

Rosso di Montalcino[Bearbeiten]

Rosso di Montalcino bezeichnet den im Brunellogebiet erzeugten Zweitwein. Dieser ist bei vielen Betrieben – verglichen mit dem Brunello – der leichtere, fruchtbetontere, und zugänglichere Wein. Seine Ursprünge liegen in der Mitte der 1960 Jahre, als viele Erzeuger ihren landwirtschaftlichen Mischbetrieb zu Gunsten der alleinigen Brunelloproduktion aufgaben und sich die Notwendigkeit ergab, einen Zweitwein vermarkten zu können, der nicht erst vier Jahre nach der Produktion die ersten Gewinne einbrachte.[4] Noch heute ist dieses ein wichtiger ökonomischer Faktor, der es aber auch den Konsumenten ermöglicht, einen erschwinglichen Wein von zumeist beachtlicher Qualität erstehen zu können. Die DOC Rosso di Montalcino wurde 1983 eingeführt und auch für diese ist der Sangiovese die einzige zugelassene Rebsorte. Die Produktionsvorschriften sind jedoch weniger restriktiv als für den Brunello. Der Hektarhöchsertrag beträgt 90 Doppelzentner pro Hektar, der Mindestalkoholgehalt liegt bei 12 % und die vorgeschriebene Ausbauzeit beläuft sich lediglich auf ein knappes Jahr. Er darf ab dem 1. September des auf die Ernte folgenden Jahres vermarktet werden und der Ausbau in Holzfässern ist nicht vorgeschrieben.[1] Für die Qualitätssicherung und die Stellung des Brunello auf dem internationalen Weinmarkt spielt der Rosso di Montalcino eine wichtige Rolle, da für letzteren normalerweise die Weine aus den jüngsten Anpflanzungen des Betriebes oder das Traubenmaterial, das den eigenen Anforderungen für die Brunello Produktion nicht entspricht, verwendet werden. Darüber hinaus kann ein Brunello vom Produzenten, bevor er vermarktet wird, auch als Rosso di Montalcino deklassiert werden. So finden sich in schlechteren Jahrgängen die Brunellotrauben zumeist im Rosso di Montalcino wieder. Viele Erzeuger nutzen eine Kombination dieser Möglichkeiten einen Rosso di Montalcino auszuweisen, um in Abhängigkeit der jeweiligen Jahrgangs- und Marktbedingungen das Verhältnis dieser beiden Weintypen in ihrem Angebot auszutarieren.

Weinskandal 2008[Bearbeiten]

Dieser Weinskandal, auch Brunellopoli oder von der angloamerikanischen Presse Brunellogate genannt, bezeichnet eine Reihe von Ereignissen, in deren Verlauf mehrere Winzer der Weinfälschung verdächtigt worden waren. Der Ablauf der Ereignisse war stark durch das damals spärliche Vorhandensein belastbarer Informationen beeinflusst, da die ermittelnde Staatsanwaltschaft über das laufende Verfahren nicht berichten durfte und das Konsortium, wohl auch wegen der befürchteten wirtschaftlichen Auswirkungen, sich nur mit sehr zurückhaltenden und vage formulierten Verlautbarungen an die Öffentlichkeit gewandt hat.[4] Umso mehr wurde der Eklat durch die in der Presse ausgetragenen Spekulationen, die kolportierten Gerüchte und die politischen Auseinandersetzungen geprägt.

Im Frühjahr 2008 kamen in der italienischen und amerikanischen Presse erste Gerüchte auf, es gebe mehrere Erzeuger, die in das Visier der italienischen Strafverfolgung geraten seien. [5] [6] Diese ersten Mutmaßungen erhärteten sich bald und es wurde bekannt, dass vier große Betriebe des Gebietes - Antinori, Frescobaldi, Argiano und Castello Banfi - unter dem Verdacht der Lebensmittelfälschung standen und die Staatsanwaltschaft von Siena ca 1 Mio. Flaschen Brunello des Jahrgangs 2003 beschlagnahmt hatte. Genaugenommen bestand der Vorwurf darin, gegen das Produktionsreglement verstoßen zu haben und anstelle der ausschließlich erlaubten Rebsorte Sangiovese andere internationale Sorten beigemischt zu haben. Besondere Brisanz und Dynamik erhielt der Vorgang durch eine Veröffentlichung des italienischen Magazins L'Espresso mit dem Titel „Benvenuti a Velenitaly“. Letzteres ist ein Kofferwort aus Veleno (ital. Gift) und Vinitaly (die bedeutendste italienische Weinmesse) mit deren Eröffnung im März 2008 diese Publikation zeitgleich und somit sehr öffentlichkeitswirksam erschien. Dieser Artikel stellte mehrere Wein- und Lebensmittelskandale unterschiedlicher Schwere zusammenhanglos nebeneinander und berichtet über 20 beschuldigte Betriebe und möglicherweise mehrere Millionen Liter beschlagnahmten Brunello. [7] Im Mai 2008 beschließt die zuständige US Importbehörde einen Einfuhrstopp für den Brunello. Diese Ereignisse ließen einen lange schwelenden Konflikt über das strenge Produktionsreglement des Brunello öffentlich ausbrechen. Einflussreiche Stimmen unter diesen viele Erzeuger, Kellermeister und Angelo Gaia schlagen vor, die Regeln zu lockern und Brunello nicht mehr aus 100% Sangiovese herstellen zu müssen, um diesen erfolgreicher und konkurrenzfähiger auf den internationalen Weinmärkten platzieren zu können. Selbst der damalige italienische Landwirtschaftsminister Luca Zaia deutete an, Vorstöße in diese Richtung könnten wohlwollend beschieden werden.[8] Auf der anderen Seite ging es für die Gegner solcher Vorschläge um die Identität, vielleicht sogar um den Fortbestand dieses Weines, was die amerikanische Weinjournalistin Karin O'Keefe mit dem Satz „To be Brunello or not to be Brunello“ zusammenfasste. Nach zahlreichen Verhandlungen wurde das Embargo der US-amerikanischen Seite im Juli weitgehend gelockert. Im Oktober 2008 entschied das Konsortium mit einer deutlichen Mehrheit von 96 % der Stimmen für eine Beibehaltung der restriktiven Regelung bezüglich der Rebsortenreinheit für den Brunello. Wenig später wurde auch das Regularium des Rosso di Montalcino in diese Richtung gehend bekräftigt.[4] Ebenfalls im Oktober veröffentlichte die Staatsanwaltschaft eine Mitteilung, die besagte, dass die Ermittlungen im Herbst 2007 begonnen hätten und insgesamt 6,5 Millionen Liter Brunello und 700.000 Liter Rosso di Montalcino beschlagnahmt worden seien. Ein Großteil des konfiszierten Weines wurde nach einer Deklassierung als IGT oder DOC Wein von Seiten der Hersteller ab dem Herbst 2008 wieder auf den Markt gebracht, was keineswegs als Schuldeingeständnis gewertet werden kann, sondern vielmehr Ausdruck der ökonomischen Notwendigkeit den betreffenden Wein verkaufen zu müssen, bevor alle juristischen Fragen letztendlich geklärt waren.

Nur wenige Personen sind aufgrund des Eklats verurteilt worden und kaum eine Weinfälschung wurde nachgewiesen. Eine nachhaltige Auswirkung ist vielmehr die klare Positionierung des Konsortiums, die nach Meinung einiger Weinjournalisten auch eine Neuorientierung auf Seiten der Kundschaft bewirkt hat, der „Internationalisierung“ des Brunello kritisch gegenüber zu stehen.[4]

Brunello in Zahlen[Bearbeiten]

Weinbergsfläche[9]

Zeitraum Anbaufläche
60er 65 ha
70er 400 ha
80er 750 ha
1997 1245 ha
2008 2050 ha

Produktionsmenge (in Flaschen)[9]

Zeitraum Flaschen
1980/81 ca. 1,0 Mio.
1990 ca. 2,0 Mio.
2000 ca. 3,5 Mio.
2007 7,0 Mio.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brunello di Montalcino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ministero delle politiche agricole alimentari e forestali: Provvedimenti generali relativi ai Disciplinari consolidati dei vini DOP e IGP italiani, abgerufen am 30. Mai 2015
  2. Gesetzestext der Überarbeitung aus dem Jahr 1998
  3. Disciplinare di produzione del Brunello di Montalcino (Produktionsvorschriften), abgerufen am 30. Mai 2015
  4. a b c d Kerin O'Keefe Brunello di Montalcino. Understanding and Appreciating One of Italy's Greatest Wines University of California Press 2012 ISBN 978-0-520-26564-6
  5. http://www.vinoalvino.org/blog/2008/03/rumors-from-montalcino-vino-pugliese-spacciato-per-brunello.html
  6. http://www.nytimes.com/2006/02/15/dining/15pour.html?pagewanted=al
  7. http://espresso.repubblica.it/palazzo/2008/04/03/news/benvenuti-a-velenitaly-1.41743
  8. Zeitschrift Merum 4/08, ISSN 1660–8062
  9. a b Zeitschrift Merum 5/09, ISSN 1660–8062