Umbrien

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Umbrien
Wappen der Region Umbrien Flagge der Region Umbrien
Basisdaten
Hauptstadt Perugia
Provinzen Perugia und Terni
Fläche 8.456,04 km² (16.)
Einwohner 891.181 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte 105 Einwohner/km²
Website www.regione.umbria.it
ISO 3166-2 IT-55
Präsident Catiuscia Marini (PD)
Karte
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Umbrien (italienisch Umbria) ist eine Region Italiens, die zwischen der Toskana, Latium und den Marken liegt. Sie umfasst eine Fläche von 8.456 km², wobei 6.334 auf die Provinz Perugia und 2.122 km² auf die Provinz Terni entfallen. Umbrien hat 891.181 Einwohner (Stand 31. Dezember 2015), die sich auf 92 Kommunen verteilen. Hauptstadt ist Perugia.

Es ist die einzige Region Italiens, die weder eine Meeresküste noch eine Grenze zum Ausland hat. Zugleich birgt Umbrien den viertgrößten See Italiens den Trasimenischen See (128 km²), dazu bereits erheblich kleinere wie den Lago di Piediluco (10,5 km²) oder den Lago di Corbara (1,58 km²). Der Tiber entspringt in Umbrien, ein Fluss, der fast alle Gewässer der Region aufnimmt; die nächstlängeren Flüsse sind die Nera mit einer Länge von 116 km, der Chiascio (82 km) und der Topino (77 km) sowie der Nestore (64 km). Umbrien besteht zu fast drei Vierteln aus Hügellandschaften, 29,3 % seines Gebietes wird von Gebirgen eingenommen. Der höchste Berg ist mit 2446 m die Cima del Redentore.

Neben der Hauptstadt Perugia mit über 166.000 Einwohnern sowie Terni mit über 111.000 fällt die nächstgrößere Gemeinde Foligno mit über 57.000 Einwohnern bereits weit ab. Es folgen Città di Castello (40.000), Spoleto (über 38.000), Gubbio (mehr als 32.000), Assisi (über 28.000), Bastia Umbra (knapp 22.000), Orvieto (rund 21.000), Marsciano (knapp 19.000) und Todi (knapp 17.000).

Der Name der Region geht auf die Umbri zurück, das erste namentlich bekannte Volk des Gebietes.

Landschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umbrien wird von ausgedehnten Bergrücken mit Weidewirtschaft und Ackerbau geprägt, von Beckenlandschaften und Tälern mit intensiver Landwirtschaft und den ausgedehnten Gebirgszügen des Umbrischen Apennins im Osten, der im Monte Vettore 2478 m s.l.m. erreicht. Umbrien verfügt über mehrere Flusssysteme: den lebhaften Oberlauf des Tiber, den aus dem zerklüfteten Apennin kommenden Topino, der sich mit dem durch weitgehend unbewohnte Flächen ziehenden Chiascio vereinigt, und den Nera, dessen Tal (Valnerina) durch hügelige Landschaften geprägt ist. Nordwestlich der Hauptstadt Perugia, nahe der nördlichen Grenze, liegt der Trasimenische See.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ur- und Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leptobos etruscus, Archäologisches Museum Florenz

Paläolithische Artefakte, die zeitlich etwa 500.000 bis 200.000 Jahre zurückreichen, sammeln sich fast ausschließlich im Archäologischen Nationalmuseum Umbrien in Perugia. Unter diesen befinden sich Steinwerkzeuge aus dem Grabungen am Monte Peglia,[2] die von Neandertalern angefertigt wurden, dessen Anwesenheit vor allem um Perugia, Norcia und Gubbio belegbar ist. In der älteren der beiden Schichten am Monte Peglia, die auf tropisches Klima hindeuten, fanden sich Überreste von Leptobos, Ursus etruscus aus der Familie der Bären, Canis etruscus und Canis arnensis, Homotherium crematidens, eine Art der Säbelzahnkatzen. Um Perugia sind vor allem die Freilandstätten um Pila, San Martino in Colle, Badiola, Bosco und San Biagio della Valle zu nennen.

Um San Vito in Monte fanden sich Spuren des Homo sapiens, der, aus Afrika zugewandert und vor über 40.000 Jahren in Italien ansässig geworden, überwiegend erst im Epi-Gravettien (etwa 13.000 bis 11.000 v. Chr.) nachweisbar ist. Die bedeutendsten Überreste entdeckte man in den Höhlen von Tane del Diavolo.

Durch Zuwanderung gelangte die Bodenbearbeitung und die Viehhaltung aus dem Nahen Osten nach Italien. Diese Epoche, das Neolithikum oder die Jungsteinzeit, eine bäuerliche und viehhalterische Kulturengruppe, löste die bis in das 7. Jahrhtausend v. Chr. dominierende Zeit der Jäger, Sammler und Fischer nach und nach ab. Die Neuankömmlinge brachten neben Getreide und Vieh Keramik mit; kennzeichnend ist zudem das Dorf. Aus dem Neolithikum ragen Fundstücke aus dem unterirdischen, labyrinthartigen Komplex der Pozzi della Piana bei Orvieto heraus, wo sich zwischen dem 6. und 5. Jahrtausend v. Chr. aus religiösen Gründen Gruppen aus weitem Umkreis versammelten.

Die Kupfersteinzeit ist in Umbrien kaum belegt, sieht man vom Grab von San Biagio della Valle ab. Aus der Bronzezeit, eine Epoche, die durch eine starke hierarchische Gliederung der Gesellschaften geprägt war, sind die Funde aus der Höhle von Cetona hervorzuheben.

Der Perugia-Stein mit seiner etruskischen Inschrift. Sie beinhaltet eine Abmachung zwischen den Familien Velthina und Afuna, bei der es sich um Land dreht, auf dem sich ein Grabmal der Velthina befindet, 3./2. Jahrhundert v. Chr., Archäologisches Nationalmuseum Perugia

Aus protohistorischer Zeit ist die erste Bezeichnung des Siedlungsgebietes der Umbrer, zwischen Etrurien und Adriaküste überliefert. Die Umbrer waren ein Stamm der Italiker und gegen 1200 v. Chr. eingewandert. Ab etwa 1000 v. Chr. verstärkte sich etruskischer Einfluss. Perusia war um 400 v. Chr. Mitglied des etruskischen Zwölfstädtebundes. Städte der Umbrer waren Ameria (Amelia), Ariminum (Rimini), Tifernum Tiberinum (Città di Castello), Asisium (Assisi), Iguvium (Gubbio, Interamna (Terni), Perusia (Perugia), Spoletium (Spoleto). Gubbio ist der Fundort einer umbrischen Schrifttafel.

Etrusker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teil des Römerreiches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Odowaker, Ostgoten, Ostrom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schlacht von Busta Gallorum in Umbrien unterlagen die Ostgoten 552 gegen die oströmische Armee; ihr König Totila kam dabei ums Leben.

Langobarden, Franken, Kirchenstaat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zentrale Kirchenstaat um 1430

Teil Italiens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Abstimmungen über die Frage nach dem Anschluss an Italien entschied sich die Bevölkerung am 4. und 5. November 1860 mit 97040 Ja- gegen 380 Neinstimmen für den Anschluss.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2006 lag das regionale Bruttoinlandsprodukt je Einwohner, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, bei 96,6 % des Durchschnitts der EU-27.[4]

Quelleneditionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henricus Hubertus Janssen (Hrsg.): Oscan and Umbrian Inscriptions with a Latin Translation, Leiden: Brill 1949.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angela Baldanza, Angela Bertinelli, Roberto Bizzarri, Paolo Monaco, Guido Parisi: Lungo la costa del Mar Tirreno... due milioni di anni fa, Perugia, o. J. (online, PDF)
  • Patrizia Argenti: Plio-quaternary mammal fossiliferous sites of Umbria, in: Geologica Romana 37 (2003-2004) 67-78. (online, PDF)
  • Giuliano Valdés: Arte e Storia Dell'Umbria, Bonechi, Florenz 1993.
  • Mario Tosti: Storia dell'Umbria dall'unità ad oggi, 2 Bde, Perugia 2014.
  • Ariel Toaff: The Jews in Umbria, Brill, 1993.
  • Manuela Tascio: Todi. Forma e urbanistica, L'Erma di Bretschneider, Rom 1989.
  • Marcella Arca Petrucci, Tonino Uffreduzzi: Aree dismesse e sviluppo locale nella Provincia di Terni, Perugia 2006. (online, PDF)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Umbrien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Umbrien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. Marcello Piperno: The Monte Peglia lithic industry, in: Quaternaria XVI (1972) 53-65.
  3. Jörg Fisch: Das Selbstbestimmungsrecht der Völker oder die Domestizierung einer Illusion, Beck, München 2010, S. 125, „Tabelle 3: Die Plebiszite im Zusammenhang mit der italienischen Einigung, 1860–1870“.
  4. Eurostat Pressemitteilung 23/2009: Regionales BIP je Einwohner in der EU27 (PDF-Datei; 360 kB)

Koordinaten: 43° N, 13° O