Merlot

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen belgischen Politiker siehe Joseph Merlot.
Merlot Noir
Synonyme Merlot – für weitere siehe Abschnitt Synonyme
Merlot Noir
Art Edle Weinrebe (Vitis vinifera subsp. vinifera)
Beerenfarbe schwarzblau
Verwendung
Herkunft Frankreich
bekannt seit 1784
Abstammung

Kreuzung aus
Magdeleine Noire des Charentes × Cabernet Franc

Liste von Rebsorten

Merlot Noir oder Merlot [mɛrˈlo] ist eine Rotweinsorte. Sie stammt aus Frankreich aus der Gegend um Bordeaux. Die Sorten Merlot und Cabernet Sauvignon haben in den letzten Jahrzehnten fulminant an Fläche zugelegt. Merlot ist hinter Cabernet Sauvignon und vor Airén die Nr. 2 im weltweiten Flächenranking, mit einer Gesamtfläche von 267.215 Hektar.[1]

Abstammung, Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aus Frankreich stammende Sorte ist eine Kreuzung von der nahezu ausgestorbenen Rebsorte "Magdeleine Noire des Charentes" und "Cabernet Franc".[2]

Erste schriftliche Erwähnung im Bordeaux findet sich im 14. Jahrhundert: Zu jener Zeit wurde der Merlot noch "Crabatut noir" genannt, und galt eher als Sekundärsorte. Eine erste komplette Beschreibung der Sorte wurde von Victor Rendu im Jahr 1857 in seinem Werk Ampélographie française gegeben. Im Jahr 1784 wird die Rebsorte bereits Merlot genannt und galt schon als eine der wichtigsten Sorten des Bordelais. Noch im 19. Jahrhundert ist die Sorte die dominante Sorte des Médoc.[3]

In der Region Venetien, Italien, wird der Merlot ab dem Jahr 1855 unter dem Synonym "Bordò" erwähnt und im Schweizer Tessin ist die Präsenz der Sorte seit der Zeit zwischen 1905 und 1910 dokumentiert.[3]

Forscher der University of California in Davis glaubten, dass die Rebsorte in enger Verwandtschaft zum Cabernet Franc steht und ihrerseits eine Vorgängersorte des "Carménère" ist.[3] Da Carménère- und Merlotweinstöcke sich äußerlich stark ähneln, wurden aus Frankreich importierte Reben in Chile meist in „Mischbeständen“ gepflanzt. Weil die Rebsorte in Frankreich durch die Reblausplage nahezu vollständig verschwand, geriet der Name Carménère Anfang des 20. Jahrhunderts in Vergessenheit. Man hielt die chilenischen Reben fortan wegen ihrer Ähnlichkeit für eine Variante des Merlot. Niemand konnte jedoch den deutlichen Geschmacksunterschied zwischen Merlotweinen aus Chile und denen anderer Länder erklären. Diesen Irrtum konnte der französische Ampelograph Jean-Michel Boursiquot 1994 durch DNA-Analyse endgültig beseitigen.

Die Bezeichnung Merlot kommt vom französischen Wort merle (deutsch Amsel) und soll auf die Vorliebe der Amseln für die rote Rebsorte hinweisen. Der Name kann aber auch eine Anspielung auf die schwarzblaue Färbung der Beeren sein.

Es gibt auch die Mutationen "Merlot Gris" und "Merlot Rose" (ca. 1980 in Brasilien entdeckt). Die Rebsorte "Merlot Blanc" entstand aus einer natürlichen Kreuzung des Merlot mit der Rebsorte Folle Blanche. "Merlot Khorus" entstand 2002 aus einer Kreuzung von Merlot Noir und Kozma 20-3 an der University in Udine, Institute of Applied Genetics (IGA)

Merlot Noir war Kreuzungspartner bei 51 Neuzüchtungen (Stand 2015): Artzebat, bruni 360, Bruni 452, Karminrot, Cosmo 97, Cosmo 108, Cosmo 109, Cosmo 110, Cosmo 111, Dimitra, Ederena, Evmolpiya, Ferradou, Fertilia, Hongzhilu, Incrocio Terzi 1, Mamaia, Margot, Meichum, Meinongs N, Meiyu, Mendeleum, Mendioberena, Merlan, Merlese, Merlot Blanc, Merlot Kanthus, Merlot Khorus, Meynieu 6-8, morela, Negru de Yaloven, Nigra, Plamennyi, prodest, Proffessor Guzon, Rebo, Rigotti 81-6, Rigotti 95-5, Rigotti 125, Sennen Vesna, VRH 1-11-82, VHR !-28-82, VHR 1-34-82, XIV 11-57, Yama Merlot. Sie wurde auch für Züchtung von Unterlagen verwendet wie Millardet & Grasset 11, 12, 21, 23 und 27

Ampelografische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Triebspitze ist offen. Sie ist stark wollig behaart und rötlich gerändert. Die Jungblätter sind weißflammig überzogen und bereits fünflappig ausgeprägt.
  • Die mittelgroßen bis großen Blätter sind fünflappig und mitteltief gebuchtet. Die Stielbucht ist U-förmig geöffnet. Das Blatt ist ungleichmäßig gezähnt.
  • Die walzenförmige Traube ist mittelgroß, manchmal geschultert oder verzweigt und lockerbeerig. Die rundlichen Beeren sind klein bis mittelgroß und von schwarzblauer Farbe. Die Beerenhaut sind dünnschalig.

Reife: Sie gilt als mittel bis mittelspät reifend. Auf guten Standorten früh reifend.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorteilhaft ist, dass sie geringe Ansprüche an den Boden stellt, eine gering Oidiumanfälligkeit, eine geringe Peronosporaanfälligkeit des Laubes und eine geringe Botrytisanfälligkeit besitzt. Die Beeren haben eine geringe Neigung zum Platzen.

Nachteilig ist, dass sich durch den frühen Austrieb eine höhere Spätfrostgefährdung ergibt, und dass die Sorte sehr winterfrostempfindlich ist. Die Gescheine haben eine hohe Peronosporaanfälligkeit. Durch die Blüteempfindlichkeit sind die Erträge unregelmäßig. Trockenheit wird vom Rebstock nicht gut vertragen und die Beeren werden im Reifestadium auch gerne von Vögeln aufgesucht.

Ertrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wuchskräftige Sorte erbringt häufig (vom Blütewetter abhängig) hohe Erträge. Eine strenge Ertragsregulierung ist zur Erzielung hoher Qualität unerlässlich. Kühles Blühwetter führt zum Verrieseln der Blüten, damit zu geringeren Erträgen.

Wein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sorte ergibt fruchtige, mollige, körperreiche und vollmundige Weine, die nach wenigen Jahren der Lagerung genussreif sind. Dieser Tatsache ist ihre jetzige Popularität zu verdanken. In den Cuvées machen sich bereits geringe Anteile Merlot vorteilhaft bemerkbar. Die Weine werden früher zugänglich, möglicherweise jedoch unter Einbußen bei der Langzeit-Haltbarkeit. In der Alterung (mittel bis gut) kann ein Merlot gewinnen und weicher werden, oft jedoch verringern sich die Fruchtaromen, und Kräuteraromen kommen in den Vordergrund.

Als reiner Sortenwein, so, wie er in Übersee oder im Kanton Tessin ausgebaut wird, ist der Merlot selten anzutreffen. Dies gilt speziell für den italienischen Anbau. Es gibt nur wenige Ausnahmen von dieser Regel, wie etwa in Frankreich. Dort werden die teuersten Weine von Bordeaux als reine oder fast reine höchstklassige Merlots erzeugt: siehe Château Pétrus.

Merlot eignet sich bestens zum Verfeinern und Harmonisieren anderer Sorten, wobei sich als der wohl geeignetste Partner der Cabernet Sauvignon herauskristallisiert hat. Dabei kommt dem Merlot zugute, dass er gut mit Eiche harmoniert, sich also zur Fasslagerung (im Barrique) empfiehlt. Daher haben fast alle Bordeaux-Weine einen mehr oder minder hohen Anteil Merlot in der Cuvèe.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweite Flächenentwicklung von Cabernet Sauvignon und Merlot

In fast allen Weinbauregionen der Welt spielt der Merlot eine gewichtige Rolle.

Land Rebfläche ha[1]
Gesamtfläche 2010 267215
Algerien 1510
Argentinien 6282
Australien 10028
Brasilien 766
Bulgarien 10573
Chile 10041
China 3560
Deutschland 469
Frankreich 114675
Griechenland 1970
Israel 647
Italien 28042
Japan 817
Kanada 999
Kroatien 780
Mexiko 391
Moldawien 8123
Neuseeland 1369
Österreich (2015) 694
Peru 2
Portugal 772
Rumänien 10988
Russland 1588
Slowenien 699
Südafrika 6497
Spanien 15540
Schweiz 1028
Türkei 355
Tschechien 90
Ukraine 2820
Vereinigtes Königreich 2
USA 22729
Uruguay 875
Zypern 63

Merlot in Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Weinbau in Frankreich

Bis heute ist Merlot eine der sechs Rebsorten, die für Rotweine im Bordeaux verwendet werden dürfen (die anderen Sorten sind Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Carménère, Malbec und Petit Verdot). An hohem oder geringem Merlot-Einsatz teilt sich regelmäßig die Bordelaiser Jahrgangs-Qualität: War die Reifezeit lang, so sind oft die Cabernet-betonten Weine die besseren; war die Reifungsphase jedoch witterungsbedingt eingeschränkt, so stehen oft die hoch Merlot-haltigen Weine vorn. Am gravierendsten sind die Unterschiede, wenn guter Merlot eingebracht wurde und dann die spätere Cabernet-Ernte verregnete.

Man spricht mit Bezug zum Merlot über

  • Weine vom „Rechten Ufer“: Saint-Émilion und Pomerol mit viel Merlot-Einsatz liegen am rechten Ufer der Dordogne.
  • Weine vom „Linken Ufer“: die Médoc-Halbinsel bildet das linke Ufer der Garonne. Dort werden zumeist Weine mit Cabernet-Betonung erzeugt.

Einige der besten Rotweine überhaupt werden aus der Merlot-Traube gekeltert. Hierzu zählen die aus Saint-Émilion und vor allem aus dem Pomerol, allen voran die legendären Pétrus und Le Pin. Auf den lehmigen und sandigen Böden, die in diesem Teil Bordeaux vorherrschen, ergibt sie rubinrote, fleischige Weine von größter Distinktion. Allerdings weisen sie weniger Tannin, eine niedrigere Säure und eine geringere Langlebigkeit auf als Cabernet-Sauvignon-Weine, dafür aber eine höhere Alkoholgradation. Ihr Aroma ähnelt in der Jugend dem der Cabernet-Weine, wobei statt der herben, aristokratischen Strenge eher süße, malzige Töne in den Vordergrund treten.

Merlot in Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Weinbau in Italien

Der Merlot ist Bestandteil der DOC-Weine Aprilia, Assisi, Bagnoli di Sopra, Bolgheri, Breganze, Capriano del Colle, Carso, Castelli Romani, Circeo, Colli Altotiberini, Colli Berici, Colli Bolognesi, Colli Bolognesi Classico, Colli del Trasimeno, Colli dell’Etruria Centrale, Colli di Conegliano, Colli di Faenza, Colli di Scandiano e di Canossa, Colli Etruschi Viterbesi, Colli Morenici, Colli Orientali del Friuli, Colline Lucchesi, Collio Goriziano, Contea di Sclafani, Contessa Entellina, Controguerra, Delia Nivolelli, Franciacorta, Friuli-Annia, Friuli Aquileia, Friuli Grave, Friuli Isonzo, Friuli Latisana, Garda, Garda Colli Mantovani, Lago di Corbara, Lison Pramaggiore, Mantovani del Garda, Maremma Toscana, Menfi, Montello e Colli Asolani, Vini del Piave, Pomino, Rosso Orvietano, Sant’Antimo, Sciacca, Südtirol, Terre di Franciacorta, Trentino, Valcalepio und Valdichiana.

In Italien wird der Merlot häufig mit der Rebsorte Sangiovese verschnitten. Im Weinbaugebiet Isonzo führt die Weinstraße Strada del Merlot durch Merlot-Weinberge entlang des Flusses Isonzo.

Merlot in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es in den vergangenen Jahren immer mehr ehrgeizige, jedoch meist örtlich recht umstrittene Versuche, hochwertigen Merlot zu erzeugen. Bei etlichen engagierten Winzern in der Pfalz, in Baden und in Württemberg sind schon gute Ergebnisse erreicht worden. Der Klimawandel hilft hier mit.[4]

Die Rebflächen in Deutschland verteilten sich im Jahr 2015 wie folgt auf die einzelnen Anbaugebiete:[5]

Anbaugebiet Fläche in ha
Ahr 1
Baden 45
Franken 10
Hessische Bergstraße 2
Mittelrhein
Mosel 8
Nahe 18
Pfalz 292
Rheingau 5
Rheinhessen 180
Saale-Unstrut 1
Sachsen
Stargarder Land
Württemberg 57
Gesamt Deutschland 2015 619

Synonyme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

63 Synonyme: Alicante, Alicante Noir, Begney, Bidal, Bidalhe, Bigney, Bigney Rouge, Bini, Bini Ruzh, Bioney, Black Alicante, Bordeleza Belcha, Bordeleze Belcha, Crabutet, Crabutet Noir, Crabutet Noir Merlau, Ferjansckova, Hebigney, Higney, Higney Rouge, Langon, Lecchumskij, Medoc Noir, Merlau, Merlau Rouge, Merlaud, Merlaut, Merlaut Noir, Merle, Merle Petite, Merleau, Merlo, Merlot, Merlot Black, Merlot Blauer, Merlot Crni, Merlot Nero, Merlott, Merlou, Odzalesi, Odzhaleshi, Odzhaleshi Legkhumskii, Petit Merle, Picard, Pikard, Plan Medre, Planet Medok, Plant Du Medoc, Plant Medoc, Saint Macaire, Same De la Canan, Same Dou Flube, Seme de la Canau, Seme dou Flube, Semilhon Rouge, Semilhoum Rouge, Semilhoun Rouge, Semillon Rouge, Sud des Graves, Vidal, Vini Ticinesi, Vitrai, Vitraille.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b K. Anderson, N. R. Aryal: Database of Regional, National and Global Winegrape Bearing Areas by Variety, 2000 and 2010, Wine Economics Research Centre, University of Adelaide, Dezember 2013 (erste Überarbeitung April 2014) (zweite Überarbeitung Mai 2014) (dritte Überarbeitung Juli 2014).
  2. Parentage of Merlot and related winegrape cultivars of southwestern France: discovery of the missing link. (PDF; 44 kB), von J-M. Boursiquot, T. Lacombe, V. Laucou, S. Julliard, F-X. Perrin, N. Lanier, D. Legrand und C. Meredith, in Australian Journal of Grape and Wine Research 15: Seiten 144–155. 2009
  3. a b c Oz Clarke Encyclopedia of Grapes, Harcourt Books 2001, ISBN 0-15-100714-4, S. 129
  4. Huglin-Index#Folgen_einer_Ver.C3.A4nderung_des_Huglin-Index
  5. 1. Anbaustatistik für das Jahr 2015 Statistisches Bundesamt (2016): Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. Landwirtschaftliche Bodennutzung - Rebflächen. Fachserie 3 Reihe 3.1.5.
  6. abgerufen am 25. September 2016 Merlot in der Datenbank Vitis International Variety Catalogue des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof (englisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]