Scharpenacken

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Blick über die Wiesen
Schafherde auf dem Scharpenacken
Tal des Schmalenhofer Bachs

Der Scharpenacken ist ein rund 185 Hektar großer ehemaliger Standortübungsplatz und ein heutiges Naherholungsgebiet in Wuppertal.

Geographie[Bearbeiten]

Das Naherholungsgebiet Scharpenacken liegt auf dem Gebiet der Wuppertaler Stadtbezirke Heckinghausen und Ronsdorf und ist ein zu großen Teilen mit Wiesen bewachsener Höhenzug auf den Wuppertaler Südhöhen. Der Freiraum, der durch weitläufige Wald- und Freiflächen mit unverbauten Aussichten geprägt ist, steht unter Landschaftsschutz und beherbergt einige wertvolle Biotope, darunter den Schmalenhofer Bach als naturnahen Mittelgebirgsbach, die größten Magerwiesen des Niederbergischen Landes und besaß einige bis zu dessen Überbauung 2009 kleine artenreiche Feuchtbiotope auf einem ehemaligen Langwaffenschießstand bei Erbschlö.

Nach Norden grenzt das Gebiet im Tal des Murmelbachs an den Barmer Wald, einen Teil der Barmer Anlagen des Barmer Verschönerungsvereins und an den Vorwerk-Park am Rande des Wohnquartiers Lichtenplatz. Nach Westen steigt der Höhenzug zum Lichtscheid und zwei der ehemaligen Wuppertaler Kasernen leicht an und fällt nach Süden zum Schmalenhofer Bachtal ab. Südlich des Bachlaufs steigt das Gelände steil bis zur alten Hofschaft Erbschlö und zur Parkstraße (Landesstraße 419) wieder an und geht in den ehemaligen, nördlich der Landesstraße liegenden Teil der Ronsdorfer Anlagen über. Nach Osten ist das Gebiet größtenteils bewaldet und wird dort Scharpenacker Busch genannt. Es grenzt dort an die im Blombachtal verlaufende Bahnstrecke Wuppertal-Oberbarmen–Solingen und die Bundesautobahn 1.

Die höchste Erhebung auf dem Gelände ist der 327 Meter hohe Scharpenacker Berg nahe der Siedlung Konradswüste. Von dem Höhenrücken gibt es einen guten Weitblick die Landschaft hinein.

Etymologie[Bearbeiten]

Eine häufige Deutung des Namens Scharpenacken lautet laut dem Ortsnamenforscher Heinrich Dittmaier Scharfer Nacken (= sich scharf abzeichnender Höhenrücken). In jüngerer Zeit wird diese Bedeutung angezweifelt. Eine mögliche Deutung wäre auch "Hain am Bach Scharpe" aus der Verschleifung von "Scharpe-hagen" in "Scharpe-nacken".

Geschichte[Bearbeiten]

Im Mittelalter war der Scharpenacken Grenze des Kirchspiels Lüttringhausen im bergischen Amt Bornefeld zu der Gografschaft Volmarstein. Zwei Linien der Bergischen Landwehr, die Elberfelder und Barmer Landwehr, durchschnitten das Gebiet und schützten diese Grenze. Die Besiedlung mit einzelnen Höfen erfolgte im Mittelalter. Eine genauere Eingrenzung ist schwierig, da es keine Funde gibt. Auch die Quellen (vor allem das Kirchenbuch von Lüttringhausen) und die Landwehrforschung lassen nur grobe Rückschlüsse zu.

1936 wurde das ländliche Areal im Zuge der militärischen Aufrüstung den neu erbauten Kasernen als Standortübungsplatz zugewiesen. Der nördliche Teil der Ronsdorfer Anlagen wurde enteignet und dem Gelände zugeordnet. Die Bewohner der Höfe (Schirpkotter) Delle, Ellershäuschen, Klüting, Schirpkotten, Schmalenhof und Scharpenack (1502 erstmals erwähnt) wurden umgesiedelt und die Gebäude im Rahmen von militärischen Übungen sukzessive zerstört, bis in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nur Wüstungen übrig blieben. Auf dem Kastenberg wurde zu dieser Zeit ein mittlerweile denkmalgeschützter Langwaffenschießstand eingerichtet, der 2009 mit einer Justizvollzugsanstalt überbaut wurde. 2004 endete die militärische Nutzung des Gebietes, das – abgesehen von einer umzäunten Munitionsniederlage mit Altlasten – den Erholungsuchenden bis 15. Dezember 2008 uneingeschränkt zur Verfügung stand.

Nach der Entwidmung war kurzfristig eine Umgestaltung zu einem Golfplatz in Planung. Aufgrund von Bürgerprotesten wurde die Planung von politischer Seite letztendlich doch abgelehnt. Aus den gleichen Gründen wurde auch auf die Aufstellung von Windkraftanlagen verzichtet. Eine Einschränkung für die Besucher des Naherholungsgebietes besteht jedoch heute durch die seit 15. Dezember 2008 erfolgten Einzäunung von Teilen der bei den Besuchern sehr beliebten, weitläufigen Wiesengelände, die der jetzige Eigentümer des Geländes, der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, als Ausgleichsmaßnahme für die Bebauung des ehemals geschützten Langwaffenschießstandes vorgenommen hat.

Nutzung[Bearbeiten]

Die heutige Nutzung dient hauptsächlich der Naherholung. Neben Nutzung durch Spaziergänger, Wanderer, Jogger und Reiter werden auf dem Höhenrücken Modellflugzeuge gesteuert und man lässt Drachen steigen. Ein Schäfer bewirtschaftet die Wiesen mit einer Herde. Das Team Wuppertal der Sielmanns Natur-Ranger bemüht sich seit 2004 intensiv um eine nachhaltige Entwicklung des Freiraumes als „Natur-Erlebnisgebiet“.

Für einen 40 ha großen Teilbereich im Süden des Gebietes wurden im Jahre 2007 Pläne vorgestellt, eine Polizeikaserne, zwei Landesschulen und eine Justizvollzugsanstalt zu errichten. Die Gebäude der beiden letztgenannten Einrichtungen betreffen unter Landschaftsschutz stehende Freiflächen von etwa 30 ha, die seltene und geschützte Arten beherbergen und daher naturschutzwürdig sind. Gegen diese Pläne entstanden Proteste von Anwohnern und Naturschützern, die bisher erfolglos um die Prüfung naturschonenderer Alternativen kämpfen, während die Stadtspitze in der Hoffnung auf neue Arbeitsplätze dem Projekt aufgeschlossen gegenübersteht.

Da der Bau der neuen Justizvollzugsanstalt in einem bisher geschützten Biotop erfolgt, wurden aufgrund gesetzlich vorgeschriebener Ausgleichsmaßnahmen Teile der bisher als Naherholungsgebiet genutzten Fläche des ehemaligen Truppenübungsplatzes seit dem 15. Dezember 2008 eingezäunt. Hierdurch lebte erneut Protest u.a. in Form einer weiteren Bürgerinitiative auf. Trotz eines laufenden Normenkontrollverfahrens vor dem OVG Münster fand am 21. August 2009 die Grundsteinlegung statt.

Der Scharpenacken ist seit 2000 laut Landschafts-Plan Ost[1] Teil eines Landschafts-Schutzgebiet. Den Modellfliegern wurde im März 2012 mündlich das Verbot des Motormodellfluges mitgeteilt, seit Juni ist dieses Verbot auch durch die Presse bekannt gemacht worden. Dadurch soll ein besserer Schutz seltener Vögel gewährleistet werden.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.brd.nrw.de/presse/pressemitteilungen/2000/10Oktober/Bezirksregierung_Duesseldorf_genehmigt_3272000.html

51.2481737.208694327Koordinaten: 51° 14′ 53″ N, 7° 12′ 31″ O