Schell-Plan

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Der Schell-Plan war ein kurz vor dem Zweiten Weltkrieg von Oberst Adolf von Schell (1893–1967) entwickeltes wirtschaftspolitisches Programm zur Vereinheitlichung der reichsdeutschen Motorrad- und Automobilfertigung. Ziele waren die einfachere Wartung und Instandhaltung des Wehrmacht-Fuhrparks sowie eine effizientere Produktion durch eine drastische Reduzierung der Pkw- und Lkw-Typen und eine Vereinheitlichung ihrer Bauteile. Der Schell-Plan gehört damit im Rahmen des Vierjahresplans zu den wirtschaftspolitischen Kriegsvorbereitungen, die vor dem Zweiten Weltkrieg getroffen wurden.

Schon in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gab es eine wachsende deutsche und österreichische Fahrzeugindustrie und damit rege Konkurrenz zwischen den verschiedenen Automobilherstellern, was zu einer Vielzahl verschiedener Fahrzeugtypen führte. So wurden 1938 130 verschiedene Lkw-Typen produziert und unter anderem an die Wehrmacht ausgeliefert.[1] Im Kriegsfall hätte dies für die Wehrmacht große Schwierigkeiten bedeutet, da eine große Zahl verschiedener Ersatzteile und die Ausbildung an vielen Fahrzeugtypen nötig geworden wäre. Auch die Massenproduktion im Krieg wäre durch eine niedrige Typenzahl deutlich einfacher.

Aus diesen Gründen ernannte Hermann Göring, der als Chef der Vierjahresplanbehörde dafür verantwortlich war, die deutsche Industrie auf den Krieg vorzubereiten, Oberst von Schell am 15. November 1938 zum „Generalbevollmächtigten für das Kraftfahrwesen“ (GBK). Er sollte in Zusammenarbeit mit der Automobilindustrie die Produktionsverhältnisse neu ordnen.

Am 2. März 1939 erließ Göring als Beauftragter für den Vierjahresplan die „Verordnung über die Typenbegrenzung in der Kraftfahrzeugindustrie“, nach der die „Herstellung von Kraftfahrzeugen und ihren Anhängern“ der „Genehmigung des Generalbevollmächtigten für das Kraftfahrwesen unterliegt“; der „Generalbevollmächtigte setzt Bauart, Hubraumklassen, Typenzahlen und Nutzlastgrenzen fest, die jeweils vom Hersteller einzuhalten sind“; außerdem bestimmt er „die Fabriken, die Motoren für Motorfahrräder herstellen dürfen“ und erlässt Ausführungsvorschriften.[2]

Schell legte sein Programm am 15. März 1939 vor. Es sah nur einige wenige Grundtypen für Motorräder, Lkw und Pkw vor. Die 114 bislang existierenden Lkw-Typen wurden auf 19, auf vier Grundtypen aufbauende Modelle reduziert, die Pkw-Typen von 52 auf 30. Die Reichsregierung bewilligte den Schell-Plan, er trat am 1. Januar 1940 in Kraft.[3]

Die Hersteller waren ab diesem Zeitpunkt erheblich in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt. Ihnen wurde in weiten Zügen diktiert, in welcher Form und in welcher Auflage sie welche Modelle zu produzieren hatten. Der gesamte Produktionsrahmen wurde dadurch zugunsten der Bedürfnisse der Wehrmacht umgestellt.[4]

Ein charakteristisches Beispiel für einen durch den Schell-Plan komplett umgewandelten Kraftfahrzeughersteller war Borgward. War Borgward vor dem Krieg noch in erster Linie ein Hersteller von zivilen Personenkraftwagen, so musste im weiteren Verlauf der Produktionsschwerpunkt schlagartig auf Heeres-Lkws, Artilleriezugmaschinen und Schützenpanzerwagen umgestellt werden.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Kirchberg: Heeresmotorisierung, Schell-Programm und die Auto-Union. In: Peter Kirchberg (Hrsg.): Vom Horch zum Munga. Militärfahrzeuge der Auto-Union. Delius Klasing, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-7688-3143-7, S. 90–96.
  • Neil Gregor: Stern und Hakenkreuz: Daimler-Benz im Dritten Reich. Propyläen, Berlin 1997, ISBN 3-549-05604-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Holger Erdmann: Der Schell-Plan. In: kfzderwehrmacht.de. 10. August 2018;.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Kirchberg: Heeresmotorisierung, Schell-Programm und die Auto-Union. S. 93.
  2. Reichsgesetzblatt I, Jahrgang 1939, S. 386.
  3. Thomas Nosske: Ereignisse 1939. In: hs-merseburg.de. 15. September 2006, archiviert vom Original am 29. März 2021; abgerufen am 29. März 2021.
  4. Christoph Gerlts: Der Schell-Plan, Kurzeintrag. (Nicht mehr online verfügbar.) In: c.gerlts.de. 4. August 2008, ehemals im Original; abgerufen am 29. März 2021.@1@2Vorlage:Toter Link/www.c.gerlts.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  5. Andreas Falkenhagen, Christoph W. O. Matthies, Maik Ziemann: Die Automobilindustrie im Nationalsozialismus. In: millennum.de. 1. September 2006, archiviert vom Original am 18. Juli 2009; abgerufen am 29. März 2021.