Schlüsselburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Schlüsselburg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Stadt
Schlüsselburg
Шлиссельбург
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Leningrad
Rajon Kirowsk
Erste Erwähnung 13. Jahrhundert
Stadt seit 1780
Fläche 16 km²
Bevölkerung 13.170 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 823 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 15 m
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 81362
Postleitzahl 187320
Kfz-Kennzeichen 47
OKATO 41 475
Geographische Lage
Koordinaten 59° 57′ N, 31° 2′ OKoordinaten: 59° 57′ 14″ N, 31° 2′ 19″ O
Schlüsselburg (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Schlüsselburg (Oblast Leningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Leningrad
Liste der Städte in Russland

Schlüsselburg (russisch Шлиссельбург, 1944–1992 Петрокрепость/Petrokrepost, im Mittelalter Орешек/Oreschek; historisch schwedisch Nöteborg, finnisch Pähkinälinna) ist eine Stadt am linken Ufer der Newa am Ladogasee und liegt 35 Kilometer östlich von Sankt Petersburg. Die zur Oblast Leningrad gehörende Stadt hat 13.170 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010).[1]

Die historische Altstadt mit der Festung Schlüsselburg wurden 1990 von der UNESCO in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

eine Kreuzung in Schlüsselburg

Mittelalter und Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der eigentlichen Siedlung entstand im 14. Jahrhundert an derselben Stelle eine hölzerne Festung auf der vorgelagerten Insel in der Newa. Die Festung wurde laut der russischen Geschichtsschreibung von Juri I. Daniilowitsch angelegt, der Großfürst von Moskau und gleichzeitig Fürst von Nowgorod war. Nach der schwedischen Version wurde die Insel erstmals 1299 vom Schweden Torgils Knutsson befestigt.

1323 wurden in der Festung Verhandlungen um den russisch-schwedischen Grenzverlauf in Karelien geführt, der Abschluss wird in der deutschsprachigen Geschichtsschreibung meist als Vertrag von Nöteborg benannt. Die Festung selbst verblieb bei Nowgorod. Im Mai 1612 fiel die Festung nach neunmonatiger Belagerung im Ingermanländischen Krieg an Schweden. Während des Großen Nordischen Krieges konnte Peter I. die Festung im Jahr 1702 nach einem zehntägigen Beschuss für Russland endgültig zurückerobern. Er gab der Festung daraufhin den deutschen Namen „Schlüsselburg“, wohl weil er sie als „Schlüssel“ zur Eroberung eines Ostseezugangs ansah.

Am linken Ufer der Newa entwickelte sich ab 1702 auch die Siedlung Schlüsselburg. Sie erhielt im Jahre 1780 Stadtstatus. Ihre Anlage wurde durch die Kanal- und Schleusenanlagen des seit 1719 entstandenen, für die Newa-Schifffahrt wichtigen Ladogakanals geprägt.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. September 1941 wurde die Stadt Schlüsselburg nach schweren Kämpfen von der deutschen Wehrmacht erobert. Am 18. Januar 1943 wurde die Stadt Schlüsselburg von der Roten Armee zurückerobert.[2]

Im Jahr 1944 wurde die Stadt im Zuge der Tilgung deutscher Ortsnamen nach Peter dem Großen in Petrokrepost (Петрокрепость, wörtlich „Petersfestung“) umbenannt. Diese Umbenennung wurde 1992 wieder rückgängig gemacht.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1897 5.284
1959 7.164
1970 8.466
1979 10.212
1989 12.589
2002 12.401
2010 13.305

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt mehrere Schiffswerften in Schlüsselburg.

Transport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schleusen des alten Ladogakanals

Der Bahnstation von Petrokrepost, auf dem anderen Ufer der Newa gegenüber von Schlüsselburg hat Anschluss zum Ladoga-Bahnhof in St. Petersburg.

Die A 120 Straße, die St. Petersburg umgibt, und die R21 Autobahn, die St. Petersburg und Murmansk verbindet, passieren einige Kilometer südlich der Stadt. Die Newa und der Ladogasee sind schiffbar. Der neue Ladogakanal, Teil des Wolga-Ostsee-Kanals der an der Newa bei Schlüsselburg beginnt, verbindet die Wolchow mit der Newa.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nikolski Kirche in Schlüsselburg

Nur wenige historische Gebäude, abgesehen von ein paar Kirchen aus dem 18. Jahrhundert sind erhalten geblieben. Die vielleicht bemerkenswerteste Sehenswürdigkeit ist der Alt-Ladoga-Kanal, der auf Geheiß Peters des Großen im Jahre 1719 begonnen und unter der Leitung von Feldmarschall Münnich zwölf Jahre später vollendet wurde.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Harrison E. Salisbury: 900 Tage. Die Belagerung von Leningrad (= Fischer-Taschenbücher 4425 Geschichte). Ungekürzte Ausgabe. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-596-24425-0, S. 319–320.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schlüsselburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien