Schlüsselburg (Petershagen)

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Schlüsselburg
Wappen von Schlüsselburg
Koordinaten: 52° 28′ 55″ N, 9° 4′ 13″ O
Höhe: 31 m ü. NN
Fläche: 7,03 km²
Einwohner: 523 (1. Okt. 2010)
Bevölkerungsdichte: 74 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 32469
Vorwahl: 05761
Karte
Lage von Schlüsselburg in Petershagen
Kirche von Westen her

Schlüsselburg an der Weser ist eine Ortschaft im Weserbogen zwischen Minden und Nienburg, die sich um die Burganlage der Mindener Bischöfe an dieser Stelle entwickelt hat. Sie ist heute ein Ortsteil der Stadt Petershagen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1973 war Schlüsselburg eine selbstständige Gemeinde mit einer Gesamtfläche von rund. 7,03 km² sowie 648 Einwohnern (31. Dezember 1972)[1] und gehörte zum Amt Windheim zu Lahde im Kreis Minden. Am 1. Januar 1963 wurde die Gemeinde Wasserstraße mit damals 10,48 km² ausgegliedert.[2]

Schlüsselburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schlüsselburg und in der Folge damit auch die Ackerbürgerstadt entstanden aufgrund heftiger Grenzstreitigkeiten zwischen den Grafen von Hoya und dem Bischof von Minden. Im Jahr 1335 errichtete Bischof Ludwig von Braunschweig-Lüneburg auf einer Weserinsel die Schlüsselburg und im Gegenzug sicherten die Grafen von Hoya ihr Territorium durch das „Feste Haus“ in Stolzenau. In unmittelbarer Nähe der Burg, der „Vorburg“, siedelten sich die Burgmannen an. Der eigentliche Ort wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts planmäßig angelegt und ist in seinem Grundriss mit den drei parallelen Straßen und der engen, städtischen Bebauung weitgehend erhalten geblieben. Schon im Jahr 1400 erhielt der Ort ein begrenztes Stadtrecht. Dieses Recht umfasste neben der freien Wahl eines Bürgermeisters und Rates und eines Richters auch das Privileg, Märkte abzuhalten. Bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges entwickelte sich Schlüsselburg zu einer Kleinstadt, die ihren bescheidenen „Wohlstand“ hauptsächlich auf Ackerbau begründete.

Mit dem Dreißigjährigen Krieg, den Plünderungen und den im Zeitraum von 1617 bis 1711 fünf verheerenden Brandkatastrophen verarmte der Ort zusehends. Die Chronik berichtet, dass die erste große Feuersbrunst im Jahr 1617 den Ort bis auf die Kirche, die Burg und ein Bürger- und Backhaus vollständig in Asche legte. An diese Katastrophe erinnert noch heute der Brandgedächtnistag, der jährlich am 4. September mit einem Gottesdienst begangen wird.

Scheunenviertel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scheunenviertel

Schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts lassen sich Scheunen außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes auf der Humke nachweisen. Der Platzmangel (bedingt durch die enge Bebauung des Ortes) und die immer wiederkehrenden Hochwasser der Weser und später auch die Brandkatastrophen haben die Schlüsselburger wohl veranlasst, das Ackergerät, die Erntevorräte und das Saatgut außerhalb der Hofstätte zu lagern.

Beim Schlüsselburger Scheunenviertel handelt es sich um „zweischiffige“ Gebäude, die in ihrer Anlage so ausgerichtet sind, dass jeweils ein „Schiff“ befahrbar war. Das Fachwerk der Gebäude ist vielfach noch aus Eichenholz, die Gefache weisen zum Teil noch ihre ursprüngliche Füllung aus Lehm auf, einige Dacheindeckungen bestehen noch aus Feldbrand-Hohlziegeln.

Vor allem während des 19. Jahrhunderts wurden die Gebäude aufgrund steigender Ernteerträge ständig erweitert und vergrößert. Durch Entfernen der Innenwände wurden einige Scheunen im Laufe der Zeit den neuen wirtschaftlichen Gegebenheiten angepasst.

Das denkmalgeschützte Ensemble verdankt seine Erhaltung der Tatsache, dass die meisten Gebäude noch bis in die jüngste Vergangenheit landwirtschaftlich genutzt wurden und z. T. noch werden. In den 1970er Jahren drohten einige Scheunen zu verfallen. Durch die Unterschutzstellung dieses bäuerlichen Kulturdenkmales von überregionaler Bedeutung und durch die enge Zusammenarbeit der Eigentümer mit der Stadt Petershagen, dem Kreis Minden-Lübbecke, dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Amt für Agrarordnung konnte dieser Verfall verhindert werden. In den vergangenen Jahren wurde eine Restaurierungsphase eingeleitet, die nahezu abgeschlossen ist.

Noch 26 Scheunen sind in ihrer ursprünglichen Konstruktion des Zweiständerfachwerkbaus erhalten. Zusammen mit neun weiteren Scheunenvierteln wird das Schlüsselburger Scheunenviertel auch im Rahmen des Projektes „Regionale Scheunenviertel der Aller-Weser-Hunte-Region“ der Öffentlichkeit vorgestellt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche
Scheunenviertel
  • Die evangelische Pfarrkirche, ein kleiner Saalbau mit polygonalem Schluss und Westturm, wurde 1585 vom Drosten Ludolf von Klencke und vom Rat des Fleckens Schlüsselburg errichtet. 1864 wurde der Turm erhöht. Das Innere überdeckt eine gewölbte Holzdecke. Zur Ausstattung gehören ein Flügelaltar von 1627 mit Tafelbildern von Johann Hopffe, ein Taufbecken aus dem Jahr 1587 und ein wohl von dem Bildschnitzer Wolff dem Jüngeren gefertigtes Epitaph für Ludolf von Klencke (1527–88). Die Kanzel wurde 1676 geschaffen. Außerdem befinden sich mehrere Grabplatten aus dem 16. und 17. Jahrhundert in der Kirche.
  • Die Friedhofskapelle im Ortsteil Röhden wurde 1659 erbaut. Sie birgt einen Barockaltar von 1661.
  • Die Burg Schlüsselburg (Privatbesitz) wurde 1335 von Bischof Ludwig von Minden zum Schutz gegen die Grafen von Hoya errichtet. Das Herrenhaus wurde von 1581 bis 1585 von Ludolf von Klencke völlig neu errichtet. Es ist ein einfacher zweigeschossiger Putzbau mit Dreiecksgiebeln. Auf dem Schornstein über dem Nordgiebel befindet sich seit vielen Jahrzehnten (spätestens seit 1935) ein Storchennest.
  • Der Ortskern wird noch zum Teil von Fachwerkbauten geprägt, die ausnahmslos aus der Phase des Wiederaufbaus nach den großen Bränden von 1617 und 1711 stammen. Viele wurden jedoch in jüngerer Zeit umgebaut, durch nicht immer glückliche Modernisierungen stark verändert, oder gar abgebrochen. Nicht selten wurden die Fachwerk-Außenwände durch Backstein ersetzt. Das älteste erhaltene Haus, Hohe Straße 24, stammt von 1618. Sein Torbalken ist mit Fächerrosetten verziert. Das 1686 entstandene Haus Vorburg 7 ist mit einer Auslucht versehen.
  • Außerhalb des Ortskerns befindet sich das so genannte Scheunenviertel, eine Ansammlung von 26 Fachwerkscheunen, die vorwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen. Das älteste Scheunengebäude ist Nr. 43 (Blaas). Es stammt im Kern wohl noch aus dem 16. Jahrhundert und wurde im 18. und 19. Jahrhundert umgebaut.

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staustufe Schlüsselburg
Aalfänger

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hervorgegangen durch die für ein Dorf untypische enge Bebauung mit ihrem denkmalgeschützten Fachwerkhausensemble haben sich enge nachbarschaftliche Bindungen entwickelt, die sich heute u. a. in einem vielfältigen und regen Vereinsleben widerspiegeln. Hier gibt es jeweils einen Angel-, Männergesang- (von 1858), Segel- und Sportverein, die in der „Kulturgemeinschaft Schlüsselburg“ zusammenarbeiten. Hierzu gehören noch die Löschgruppe der Freiwilligen Feuerwehr und ihr Musikzug, der Landwirtschaftliche Ortsverein, die Jagdgenossenschaft, die „Oldtimer Traktorenfreunde Mittelweser“, die Kirchengemeinde mit ihrem Posaunenchor, der Seniorenclub und die Diakonie Minden mit ihrer Alten- und Behindertenwohnstätte „Menzestift Schlüsselburg“.

2008 wurde der neu gegründete Verein „Dat Schünenviertel“ Mitglied der Kulturgemeinschaft. Seit September 1997 gibt es ein Mitteilungsblatt der Kulturgemeinschaft, den „Schlüsselburger Info“, mit monatlicher Erscheinungsweise.

Bezug zu Schlüsselburg in Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Russland gibt es einen gleichnamigen Ort (Schlüsselburg). Dieser liegt in der Nähe von St. Petersburg an dem Fluss Newa.

Zum Gedenken an die Kämpfe im Zweiten Weltkrieg ist am hiesigen Kriegerdenkmal ein Schild mit folgender Inschrift angebracht worden:

SCHLÜSSELBURG A / NEVA UND DER
GLEICHNAMIGE ORT A / WESER
MÖGEN DIE BRÜCKE SCHLAGEN ZUR
VÖLKERVERSTÄNDIGUNG UND FÜR DEN FRIEDEN.
UND DAS GEDENKEN AN DIE GEFALLENEN
BEIDER VÖLKER EHREN DIE IHR LEBEN
LIESSEN BEIM STURM DES
INF REGTS 424 UNTER OBERST HARRY HOPPE
AUF DIE NEVA - STADT AM 8.9.1942

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Schlüsselburg (Weser) liegt an der Bahnstrecke Nienburg–Minden. Er wird nicht mehr bedient, die Züge fahren ohne Halt durch.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 118.
  2. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 280.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernd Wilhelm Linnemeier: Beiträge zur Geschichte von Flecken und Kirchspiel Schlüsselburg unter Mitarbeit von Fred Kaspar und Klaus G. Püttmann. Stolzenau 1986.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schlüsselburg (Petershagen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien