Schlagerrallye

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Schlagerrallye war eine Hörerhitparade im Hörfunkprogramm des Westdeutschen Rundfunks (WDR), die von Januar 1974 bis Ende März 1995 ausgestrahlt wurde, und die nichts mit „Schlagern“ im herkömmlich verstandenen Sinn zu tun hatte, sondern eher eine Rock-/Pop-/Liedermacher-Hitparade war. Die Hörer konnten mit Hilfe von Postkarten und später, ab Februar 1986, mit dem sogenannten TED-Anruf ihre Hitparade bestimmen. Zur Wahl standen jeweils 15 platzierte Songs aus der Vorwoche sowie fünf Neuvorstellungen.

Die Top Ten wurden in der Sendung ausgespielt, die Plätze 11–15 erwähnt bzw. kurz angespielt. Die Neuvorstellungen wurden von einer monatlich neu gebildeten Jury aus freiwilligen Hörern ausgesucht, die sich einmal pro Woche beim WDR traf und aus den neu erschienenen Singles die „besten“ auswählte. Eine Neuvorstellung pro Sendung wurde aus Posteinsendungen ausgelost. Jeder Einsender schrieb daher zwei Titel auf seine Postkarte: Einen Favoriten aus den angebotenen 20 Titeln, und einen beliebigen Song als Neuvorstellung, für den nur eine Einschränkung galt: Er durfte sich in der Schlagerrallye nicht schon einmal platziert haben.

Für die Titel in der Hitparade gab es, im Gegensatz zu anderen Rundfunk- und Fernseh-Hitparaden, keine Maximal-Platzierungszeit. Erst wenn sie aus der Hitparade fielen (d. h. nicht einmal Platz 15 erreichten), konnten sie nicht mehr wiedergewählt werden.

Gesendet wurde die Schlagerrallye zunächst samstags von 19:05 bis 21 Uhr im Rahmen der Sendung „Fünf nach sieben – Radiothek“ auf WDR 2. Da das Konzept der Radiothek zwischen ca. 20:20 und 20:50 Uhr einen sog. „Wortbeitrag“ vorsah, der mit der Schlagerrallye nichts zu tun hatte, betrug die Netto-Sendedauer der Rallye ca. 85 Minuten: 19:05 Uhr Hauptteil – 20:20 Uhr Wortbeitrag – 20:50 Uhr Schnelldurchlauf.

Ab Januar 1981 wechselte die Schlagerrallye auf den Montagabend, wo sie, auf 55 Minuten gekürzt, ab 20:05 Uhr im Rahmen der neuen Sendung Pop Session ausgestrahlt wurde. Erster Moderator und Produzent war bis Ende 1983 Wolfgang Neumann, der später Unterhaltungschef des ZDF wurde. Vertreten wurde er gelegentlich von Robert Treutel (1983 bis Mitte 1984) und verschiedene andere, sporadische und kurzfristig tätige Personen. Dann ging die Sendung ab Januar 1984 an Adolf „Buddha“ Krämer, der sie bis Juli 1984 selbst moderierte und danach nur noch produzierte. Ab Juli 1984 wurde die Sendung von Wolfgang Roth moderiert, mit gelegentlichen und sporadischen Urlaubs- und/oder Krankheitsvertretungen durch Dave Colman, Stefan Bitterle und Matthias Ewert.

Nach einer Programmreform beim WDR im Juni 1986 wurde die Schlagerrallye auf WDR 1 verlegt. Die neue Sendezeit war nun samstags von 13:30 bis 15 Uhr. Ab Januar 1987 lief sie ab 13:05 Uhr und ab Oktober 1991 von 12:05 bis 15 Uhr. Durch die gründlichen Recherchen von Wolfgang Roth kam es des Öfteren vor, dass zwischen den einzelnen Musiktiteln fast 5 Minuten vergingen. Nach den einzelnen, verschiedenen Programmreformen änderten sich auch die Abläufe geringfügig, was letztendlich zu 15 platzierten Titeln und 15 Neuvorstellungen führte.

Aufgrund der verschiedenen Programmreformen änderte sich auch die TED-Anwendung mehrfach. So reduzierte sich die Anzahl der zur Verfügung stehenden TED-Zugänge in einigen Jahren, weil TED-Zugänge durch ZDF-Aktionen wie die Wahl der Sommer-Spielfilme belegt waren. Später wurde nur eine TED-Nummer verwendet, und die Hörer hatten während des jeweils laufenden Titels die Möglichkeit des Anrufs. Manipulationsversuche über TED konnten größtenteils erkannt werden.

Bekannte Unterlegmusiken der Schlagerrallye waren u. a. „The Crunch“ von der RAH Band (zumeist als Opener), „The Horse“ von Cliff Nobles & Company oder auch „Let’s Live Together“ von den Road Apples.

Durch die Umstellung von WDR 1 auf 1 Live am 1. April 1995 passte die Schlagerrallye nicht mehr zur neuen Zielgruppe des Senders und fiel somit der Programmreform zum Opfer.

Top 10 der ewigen Bestenliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Moonlight ShadowMike Oldfield – 554 Punkte – 1983/84 – 74 Wochen
  2. The Final CountdownEurope – 472 Punkte – 1986/1987 – 69 Wochen
  3. The Sun Always Shines on T.V.A-ha – 451 Punkte – 1986/1987 – 75 Wochen
  4. Don’t Bring Me Down – Electric Light Orchestra – 409 Punkte – 1979/1980 – 52 Wochen
  5. Schrei nach LiebeDie Ärzte – 383 Punkte – 1993/1994 – 48 Wochen
  6. Bohemian RhapsodyQueen – 307 Punkte – 1976 – 25 Wochen – 1991/1992 – 21 Wochen
  7. Drachen sollen fliegen – Pur – 307 Punkte – 1992/1993 – 36 Wochen
  8. The Living Daylights – A-ha – 290 Punkte – 1987/1988 – 34 Wochen
  9. Wenn sie diesen Tango hört – Pur – 276 Punkte – 1989/1990 – 37 Wochen
  10. Sie sieht die Sonne – Pur – 275 Punkte – 1994 – 33 Wochen

Platz 1 der Bestenliste von 1974 bis 1995[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1974 – Roll Away the Stone – Mott the Hoople – 110 Punkte
  • 1975 – Ur-Ur-Enkel von Frankenstein – Frank Zander – 167 Punkte
  • 1976 – MusicJohn Miles – 191 Punkte
  • 1977 – Hotel CaliforniaEagles – 231 Punkte
  • 1978 – EagleAbba – 221 Punkte
  • 1979 – Don’t Bring Me Down – Electric Light Orchestra – 190 Punkte
  • 1980 – Don’t Bring Me Down – Electric Light Orchestra – 219 Punkte
  • 1981 – Hold On Tight – Electric Light Orchestra – 179 Punkte
  • 1982 – Wir wollen leben – Grobschnitt – 154 Punkte
  • 1983 – Moonlight Shadow – Mike Oldfield – 300 Punkte
  • 1984 – Moonlight Shadow – Mike Oldfield – 254 Punkte
  • 1985 – Take on Mea-ha – 136 Punkte
  • 1986 – The Sun Always Shines on T.V. – A-ha – 402 Punkte
  • 1987 – The Final Countdown – Europe – 277 Punkte
  • 1988 – Always on My Mind – Pet Shop Boys – 210 Punkte
  • 1989 – Looking for Freedom – David Hasselhoff – 218 Punkte
  • 1990 – Enjoy the Silence – Depeche Mode – 239 Punkte
  • 1991 – Games – New Kids on the Block – 263 Punkte
  • 1992 – If You Go Away – New Kids on the Block – 238 Punkte
  • 1993 – Bed of Roses – Bon Jovi – 267 Punkte
  • 1994 – Schrei nach Liebe – Die Ärzte – 280 Punkte
  • 1995 – Wilder Westen – Hartmann – 114 Punkte (im Jahre 1995 gab es nur noch 12 Sendungen)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]