Kraftwerksgruppe Zemm-Ziller

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Die Kraftwerksgruppe Zemm-Ziller wird von der Zillertaler Verbund AG (ehemalige Tauernkraftwerke AG) betrieben und besteht aus zwei Oberstufen, den Pumpspeicherkraftwerken Roßhag und Häusling mit den Speicherseen Schlegeisspeicher und Speicher Zillergründl und der Hauptstufe Mayrhofen mit dem Speicher Stillup. Der Speicher Stillup ist der Stausee des Kraftwerks Mayrhofen, gleichzeitig dient er den Oberstufen-Pumpspeicherkraftwerken Roßhag und Häusling als Entnahmestausee.

Zusammen mit den Kraftwerken Gunggl, Bösdornau und Tuxbach hat die Kraftwerksgruppe Zemm-Ziller eine Leistung von 965 MW zuzüglich 600 MW der Pumpen in den Kraftwerken Roßhag und Häusling. Sie verfügt also über eine Leistungsspanne von mehr als 1500 MW und ist damit die leistungsstärkste Speicherkraftwerksgruppe in Österreich.

Kraftwerk Roßhag und Schlegeisspeicher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftwerk Roßhag

Das Wasser des Schlegeisspeichers fließt in einem 7,8 Kilometer langen Stollen zum Kraftwerk , und nach der Stromerzeugung weiter zum Stillup-Speicher.

Daten des Kraftwerks
Kraftwerkstyp Pumpspeicherkraftwerk
Durchschnittl. Jahreserzeugung 313,2 Mio. kWh
Max. Leistung 231 MW
Maschinensätze 4 mit vertikaler Welle
Turbinen, Pumpen Francisturbinen mit Radialpumpen
Mittlere Rohfallhöhe 630 m
Ausbaudurchfluss 52 m³/s
Speicher Schlegeis Jahresspeicher
Nutzinhalt 126,5 Mio. m³
Bauzeit 1965–1972

Sperre Schlegeisspeicher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersicht
Blick in den Schlegeisgrund um 1900

Der Schlegeisspeicher liegt auf 1782 m (Stauziel), er bedeckt ca. 2 km² des Schlegeisgrunds (alt Schlögeisgrund).

1965 begannen die Tauernkraftwerke AG mit dem Bau der Sperre Schlegeisspeicher. Am 17. Juli 1970 startete der erste Teilaufstau, der 1973 im Stauziel (Vollaufstau) abgeschlossen war.

Das Sperrwerk ist als doppeltgekrümmte Bogengewichtsmauer ausgeführt und wird von einem Messsystem mit rund 700 Messstellen überwacht. Das Wasser des Schlegeisspeichers fließt durch einen 7,8 Kilometer langen Triebwasserstollen zum Kraftwerk Roßhag und nach der Stromerzeugung durch einen 8,6 Kilometer langen Stollen weiter zum Stillupspeicher.

Daten des Sperrwerks
Sperrentyp Gewölbemauer (doppeltgekrümmte Bogengewichtsmauer)
Höhe Bauwerk 131 m
Kronenlänge 725 m
Kronen-/Basisbreite 9 m / 34 m
Betonvolumen 960.000 m³
Seehöhe Dammkrone / Höchststau 1784,30 / 1783,55 m
Stauziel / Absenkziel 1782 / 1680 m
Speicherinhalt 129 Mio. m³
Speicher Schlegeis Jahresspeicher
Bauzeit 1965–1972
Dominikushütte um 1920

Die alte Dominikushütte ist heute vom Speichersee überflutet. Die im Zamser Grund liegende Schutzhütte wurde 1883 von der Sektion Prag des DuOeAV erbaut. Als Ersatz bauten die Tauernkraftwerke ein wesentlich größeres Bauwerk in zweigeschossiger Bauweise in höherer Lage, die neue Dominikushütte (1805 m ü. A.).

Barbarakapelle

Am Schlegeisspeicher wurde 1971 beim Zamser Gatterl von den Tauernkraftwerken eine Barbarakapelle zur Erinnerung an die 21 Todesopfer errichtet, die beim Bau zu beklagen waren.[1] Die von Elmar Kopp geschaffene Gedenktafel listet die Namen der Verunglückten und zeigt die Darstellung eines Arbeitsunfalles.[2]

Der Klettersteig Schlegeis131, mit 1260 Bohrungen für Griffe, Tritte und Sicherungen in die Staumauer gesetzt, wurde am 25. Juni 2016 von Peter Habeler per Durchstieg eröffnet. Er soll nach Eigenaussage der weltweit erste Steig an einer Staumauer sein. Die Trittbügel bestehen aus geripptem Baustahl, darüber verläuft das fixe Sicherungs-Stahlseil. Der 200 m lange Steig weist zwei Varianten mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad auf. Die Abseilplattform wird erst fertiggestellt. Erhalter sind Tourismusverband Mayrhofen-Hippach und Verbund AG.[3][4][5]

Die Staumauer ist mit 725 m Kronenlänge die längste der Verbund AG. In der Mauer finden Juni–Oktober Führungen statt.

1993 wurde eine Forschungsarbeit an der TU Wien und der Forschungsanstalt Arsenal (Wien) berichtet, die das Schwingungsverhalten (Resonanzen, Dämpfung bei 1–10 Hz Anregungsfrequenz) der Mauer erstmals bei unterschiedlichen Wasserständen im Stausee analysierten.[6]

Alpenstraße Schlegeis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Fortsetzung der Zillertalstraße B 169 ab Ginzling führt eine gut ausgebaute, 16 km lange für Motorverkehr mautpflichtige Panoramastraße zum Stausee. Die Straße ist teilweise durch ampelgeregelte einspurige Tunnels geführt und nur für Fahrzeuge bis 3,60 m Höhe von etwa Mitte Mai bis 26. Oktober befahrbar. Auch die Buslinie zwischen Mayrhofen und dem Schlegeisspeicher verkehrt hier. Die Mautstelle ist in der Nähe des Gasthofes Breitlahner. Sie wird von der Verbund Tourismus GmbH betrieben.

Die Gegend am Schlegeisspeichersee ist ein gutes Wandergebiet und Ausflugsziel. Von der Bushaltestelle und den Parkplätzen aus können Spaziergänge und alpine Touren unternommen werden. Ziele für Bergwanderer sind z. B. das Pfitscher-Joch-Haus auf der italienischen Seite des an der Grenze liegenden Pfitscher Joches, die Olpererhütte unterhalb des Olperer (3476 m), das Friesenberghaus (2498 m) in der Nähe von Friesenbergsee und Friesenbergscharte oder das Furtschaglhaus.

Kraftwerk Häusling und Speicher Zillergründl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftwerk Häusling Außenanlagen

Der hintere Teil des Zillergrundes wird Zillergründl genannt. Hier dehnt sich der Stausee des Speichers Zillergründl aus. Das Wasser strömt durch einen 7,6 km langen Stollen vom Speicher zum Kraftwerk Häusling und danach durch einen 8,5 km langen Stollen zum Stillup Speicher. Das 64 Meter hohe Krafthaus wurde 40 m tief in einen Felshang eingebaut, sodass nur rund ein Drittel des Gebäudes über dem Gelände sichtbar ist.

Kurzdaten des Kraftwerks
Kraftwerkstyp Pumpspeicherkraftwerk
Durchschnittl. Jahreserzeugung 179,4 Mio. kWh
Max. Leistung 360 MW
Maschinensätze 2 mit vertikaler Welle
Turbinen, Pumpen Francisturbinen mit Radialpumpen
Mittlere Rohfallhöhe 696 m
Ausbaudurchfluss 65 m³/s
Speicher Zillergründl Jahresspeicher
Nutzinhalt 86,7 Mio. m³
Zillergründlsperre (Höhe) 186 m
Bauzeit 1974–1988

Sperre Zillergründl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1980 wurde mit dem Bau der Sperre Zillergründl begonnen. Das Sperrwerk ist als doppeltgekrümmte Bogengewichtsmauer ausgeführt. Das Wasser des Speichers fließt durch einen 8,6 Kilometer langen Triebwasserstollen zum Kraftwerk Häusling und nach der Stromerzeugung durch einen 7,8 Kilometer langen Stollen weiter zum Speicher Stillup.

Erreichbar ist der Speichersee über eine 18 km lange Mautstraße, die für den regulären Autoverkehr ab dem Gasthof Bärenbad (km 14) gesperrt ist, von hier aus ist die Staumauer nur mit dem Linienbus oder Rad (durch 2 Tunnels) erreichbar (km 18).

Die Sperre war Drehort für viele Serien (etwa Medicopter 117 – Jedes Leben zählt).

Kurzdaten des Sperrwerks
Sperrentyp Gewölbemauer (doppeltgekrümmte Bogengewichtsmauer)
Sperrenhöhe 186 m
Kronenlänge 506 m
Kronen-/Basisbreite 6,7 m / 42 m
Betonvolumen 1,4 Mio. m³
Speicherinhalt 86,7 Mio.m³
Speicher Zillergründl Jahresspeicher
Bauzeit 1980–1987

Kraftwerk Mayrhofen und Speicher Stillup[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftwerk Mayrhofen
Speicher Stillup

Das bereits in den Kraftwerken Häusling und Roßhag genutzte Wasser wird in den Speicher Stillup am Stillupbach geleitet. Von hier aus gelangt es zum 470 m tiefer gelegenen Kraftwerk Mayrhofen . Als Abschlussbauwerk wurde ein Damm mit mehr als 480 m Länge und 28 m Höhe, sowie einem zentralen Dichtungskern aus Asphaltbeton errichtet. Die Dichtheit von Damm und Untergrund wird mit einem umfangreichen Messsystem überwacht.

Kurzdaten des Kraftwerks
Kraftwerkstyp Speicherkraftwerk
Durchschnittl. Jahreserzeugung 671,2 Mio. kWh
Max. Leistung 345 MW
Maschinensätze 6 mit horizontaler Welle
Turbinen Doppel-Peltonturbinen
Mittlere Rohfallhöhe 470 m
Ausbaudurchfluss 92 m³/s
Speicher Stillup Wochenspeicher
Nutzinhalt 6,8 Mio. m³
Stilluppdamm (Höhe) 28 m
Bauzeit 1965–1971, 1976–1977

Sperre Stillup[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sperre Stillup ist ein 28 m hoher und 480 m langer Erddamm mit einem Dichtungskern aus Asphaltbeton. Die Dichtheit des Dammes wird von zahlreichen Messstellen rund um den Damm kontrolliert. Die Ergebnisse werden in die Zentrale Mayrhofen weitergeleitet.

Kraftwerk Gunggl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wasser des Gungglbaches (bei Mayrhofen-Rauth) wird bei der Gungglalm über einen Pufferspeicher und einen 200 m langen Stollen zum Kleinwasserkraftwerk Gunggl geleitet. Der erzeugte Strom wird zur Eigenbedarfsdeckung der Kraftwerksgruppe eingesetzt.

Kurzdaten des Kraftwerks
Kraftwerkstyp Laufkraftwerk
Durchschnittl. Jahreserzeugung 6,6 Mio. kWh
Max. Leistung 4000 kW
Maschinensätze 2 mit horizontaler Welle
Turbinen, Pumpen 1 Francisturbine, 1 Spiralgehäusepumpe
Mittlere Rohfallhöhe 210 m
Bauzeit 1986–1990

Kraftwerk Bösdornau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kraftwerk in Bösdornau nutzt das abgeleitete Wasser des Tuxbaches und Zemmbaches, das über einen 840 m langen Stollen vom Zwischenkraftwerk Tuxbach kommt, und das Wasser des Stillupbaches, das über einen 680 m langen Stollen zum Kraftwerk geleitet wird.

Kurzdaten des Kraftwerks
Kraftwerkstyp Speicherkraftwerk
Durchschnittl. Jahreserzeugung 68,9 Mio. kWh
Max. Leistung 25 MW
Maschinensätze 5 mit horizontaler Welle
Turbinen 2 Francisturbinen, 2 Zwillings-Freistrahlturbinen, 1 Freistrahlturbine
Mittlere Rohfallhöhe 200,5 m
Ausbaudurchfluss 14,9 m³/s
Bauzeit 1928–1930

Kraftwerk Tuxbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tuxbach musste aus geologischen Gründen um 20 Meter höher als der Zemmbach abgeleitet werden, diese Gefällsdifferenz nutzt das Zwischenkraftwerk Tuxbach . Es liegt bei Dornau oberhalb von Bösdornau. Außerdem bekommt es eine Zuleitung von der Zemmbach-Ausleitung unterhalb vom Gasthof Karlsteg.

Kurzdaten des Kraftwerks
Kraftwerkstyp Laufkraftwerk
Durchschnittl. Jahreserzeugung 2,5 Mio. kWh
Max. Leistung 400 kW
Maschinensätze 1 mit horizontaler Welle
Turbinen Zwillings-Francisturbinen
Mittlere Rohfallhöhe 20 m
Ausbaudurchfluss 2,5 m³/s
Bauzeit 1928–1930

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beatrix Pinzer, Egon Pinzer: Zillertal – Gerlostal – Tuxertal, 2000, S. 233.
  2. Krivdic, Wiesauer: Kapellenbildstock, Gedenkkapelle hl. Barbara, Schlegeiskapelle. In: Tiroler Kunstkataster. Abgerufen am 15. Juni 2018.
  3. Für Wagemutige, Kleine Zeitung, Print, 26. Juni 2016, S. 13.
  4. https://www.bergsteigen.com/touren/klettersteig/schlegeis-131-klettersteig/ # Schlegeis 131 Klettersteig, Beschreibung, Video (1:49), bergsteigen.com, 25. Juni 2016, abgerufen 26. Juni 2016.
  5. https://www.zillertalfoto.at/2016/06/25/eroeffnung-schlegeis131-spektakulaerster-klettersteig-der-welt/ Eröffnung „Schlegeis131“ – Spektakulärster Klettersteig der Welt. zillertalfoto.at, 25. Juni 2016, abgerufen 26. Juni 2016.
  6. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 26. Juni 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dgeb.eu J. Riezinger, R. Flesch. Dynamische Untersuchungen an der Gewölbesperre Schlegeis. S. 209–223. in: Seismische Einwirkungen auf Bauwerke unterschiedlichen Risikopotentials; Europäische Regelwerke. Vortragsband Dreiländertagung 1993. DGEB. Berlin 1994. ISBN 3930108046. – Mit Zeichnungen von Längs- und Querschnitt der Staumauer und Umgebung.