Schulgarten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt den Gartentyp Schulgarten. Den Schulgarten in Kronberg im Taunus siehe unter Schulgarten (Kronberg im Taunus), den Schulgarten in Lübeck unter Schulgarten (Lübeck).
Schüler, Ausschnitt aus dem Denkmal für Johann Julius Hecker.

Ein Schulgarten ist ein für Aus- und Weiterbildungszwecke angelegter Garten. Er ist ein pädagogisches Mittel, um Wissen über Gartenbau und Landwirtschaft, sowie über Natur und Umwelt zu vermitteln.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Antike sollen bereits Platon, Sokrates und Epikur zusammen mit ihren Schülern Gärten angelegt haben, um eine inspirierende Umgebung für Philosophie, Dichtung und Wissenschaft zu schaffen.

Der persische König Kyros II. soll Lehrgärten veranlasst haben, um Schüler in Obst- und Gartenbau unterweisen zu lassen.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klostergärten des Mittelalters, insbesondere der Benediktiner, dienten – neben der Versorgung der Klosterbewohner mit Gemüse, Heilkräutern, Obst und Blumen – der Vermittlung von Wissen über die Anzucht und Pflege von Gartenpflanzen. Im Auftrag Karls des Großen verfasste Ansegis im Jahre 812 die Capitulare de villis vel curtis imperii. Er nennt 73 Nutzpflanzen, 16 Obstbaumarten und unter anderem Hanf. Der St. Galler Klosterplan, möglicherweise ein Idealplan aus dem frühen 9. Jahrhundert, sieht Kräuter-, Gemüse und Obstgärten vor. Walahfrid Strabo, der Abt des Klosters Reichenau, beschrieb um 840[1] im Liber de cultura hortorum in 444 lateinischen Hexametern die Pflege der Gärten, unter anderem 24 Heilpflanzen erwähnend.[2]

Neben den Beeten für Arzneipflanzen für die mittelalterliche Heilkunde und Küchenkräuter für die Küche des Mittelalters kannte man auch Färberpflanzen, Pflanzen für kosmetische Zwecke, Zauberpflanzen (Liebeskräuter, Pflanzen mit halluzinogenen Inhaltsstoffen, Giftpflanzen) und Zierpflanzen. Die Benediktinerin Hildegard von Bingen, Begründerin des Klosters Rupertsberg, beschreibt um 1155 in ihrem Werk Physica („Naturkunde“) mehr als 500 Pflanzen, darunter auch wildwachsende. Heutige Kräuterspiralen, zugleich auch Beispiel für permakulturelle Gestaltung, berufen sich unter anderem auf ihre Pflanzenkunde.

Furttenbachs „Paradiesgärtlein“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Furttenbach, Entwurf zu einem Schulgarten, Grundriss und Aufsicht, Kupferstich, 1663

Der vielseitige Joseph Furttenbach, der sich in seinen Architekturbüchern mit großem Interesse auch den gärtnerischen Anlagen von öffentlichen und halböffentlichen Bauten widmete, empfahl sowohl in der Architectura Universalis (1635) als auch im Mannheimer Kunstspiegel (1663), Schulbauten durch Gärten zu ergänzen. Sein Schul-Paradeiss-Gärtlin, ein in vielerlei Kompartimente unterteilter Heckengarten, sollte der „Ergötzlichkeit“, Erholung, Belehrung und Erziehung dienen, in seinen Worten „hierdurch den Kindern gute Gedancken zu erwecken, in das Paradies zu spazieren, daselbst ihr Christenthumb und andere gute und nützliche und rühmliche Künsten zu exerzieren“. Die Mitte bildete ein überkuppelter Raum als Prüfungssaal, wo Disputationen gehalten und die Arbeiten der Kinder ausgestellt wurden. In den blühenden Beeten sollten die Kinder sich zur Belohnung Blumen pflücken dürfen.[3]

Johann Julius Hecker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den ersten Schulgarten Berlins und vermutlich auch Preußens ließ um 1750 der evangelische Theologe und Pädagoge Johann Julius Hecker anlegen. Hecker gliederte den Schulgarten der ebenfalls von ihm gegründeten ersten praxisorientierten „Ökonomisch-Mathematischen Realschule“ an. Bei dem neuen reformpädagogischen Ansatz, schulische und direkt berufsvorbereitende Lehrinhalte zu verbinden, spielte der Schulgarten in Heckers Konzept eine wichtige Rolle. Das Gelände befand sich auf dem heute so genannten Lenné-Dreieck.

Die volkswirtschaftliche Zeitung Leipziger Sammlungen berichtete 1750, man „... habe ganz besondere Anstalt zum lebendigen Unterricht in Plantagen-Sachen gemacht. Denn man hat ein Stück Acker gegen Erbpacht acquiriret, und läßt der Jugend in Recreationsstunden in der That selbst zeigen, was bey dem Anlegen von Hecken, dem Säen, Pflanzen, Pfropfen, Oculieren etc. und sonderlich der Wartung und Pflanzung der Maulbeer-Bäume zum Seidenbau in Acht zu nehmen.“ [4]

Der Seidenbau wurde zu dieser Zeit von Friedrich dem Großen mit dem Ziel gefördert, möglichst unabhängig vom Import den wachsenden Bedarf nach Seide befriedigen zu können.

Nach Heckers Tod im Jahr 1768 stellte der Botaniker Johann Gottlieb Gleditsch eine Inventarliste des Schulgartens zusammen und fand neben „... mehreren Treibhäusern und Mistbeeten, eine kleine Orangerie, Ananas, Cypressen, Lorbeern, Myrthen, Granaten, Aloe, Pisang, selbst Agaven und Kaffebäume...“ [5]

Weitere Wegbereiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Wegbereitern werden Johann Amos Comenius, August Hermann Francke, Friedrich Eberhard von Rochow, Christian Gotthilf Salzmann, Johann Heinrich Pestalozzi, Friedrich Fröbel, Georg Kerschensteiner und Rudolf Steiner gezählt.[6]

Schulgärten auf dem Land[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausschnitt eines Schulgartens an der Freien Waldorfschule Schopfheim.

Auch in ländlichen Regionen, z. B. in Südwestfalen, gab es bereits Ende des 18. Jahrhunderts die ersten Schulgärten, hier initiiert von Pastor Friedrich Adolf Sauer. Die „Industrieschule“ war im Herzogtum Westfalen der damals neue, durch die Reformideen der Aufklärung geprägte Volksschultyp. Zu der angestrebten ganzheitlichen Unterrichtsmethode gehörte die Förderung verschiedener Handfertigkeiten, vor allem aber der praktische Unterricht im Obst- und Gartenbau. Veredelte Obstbäume aus den Schulgärten der Industrieschulen wurden in der Region verkauft und zum Beispiel entlang der Chausseen gepflanzt. Die Landeskultur-Gesellschaft zu Arnsberg setzte 1810 erstmals eine Prämie für besonders engagierte Schulen aus. Der Preis ging nach Olpe, wo nachweislich 30.000 Apfel- und Birnenkerne gelegt, 4.500 Bäume gezogen und 700 veredelt worden waren.[7]

In Bayern gab es 1753 einen Erlass, dass entlang der Landstraßen Obstbäume gepflanzt werden mussten. Ab 1790 kam es zur Anlage von Industriegärten, in denen die Schüler in der Bodenbearbeitung, der Pflanzenkunde und der Obstbaumzucht unterrichtet werden sollten. Im 19. Jahrhundert hießen die Industriegärten dann Schulgärten. Sie dürften der Anlass sein, dass die meisten Obst- und Gartenbauvereine von Lehrern und Pfarrern gegründet und anfänglich auch geleitet wurden.[8]

Schulgartenunterricht in der DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der DDR war der Unterricht von der ersten bis zur vierten Klassenstufe Pflicht. Es gab auch entsprechende Lehrbücher. Jede Schule hatte (meistens außerhalb des Schulgeländes) ein Areal, in dem jede Schulklasse einige Beete anlegte. Das Erntegut wurde entweder der Schulspeisung zugeführt, dem ortsansässigen Einzelhandel über regulären Aufkauf angeboten oder gleich vor Ort verkauft. Die eingenommenen Gelder gingen oft in die Klassenkasse. Auch die Schüler konnten sich einen Teil mit nach Hause nehmen. Der Schulgartenunterricht war neben dem Werkunterricht Teil des Polytechnischen Unterrichts.[9]

Situation heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Grundschulen ist ein Schulgarten auch heute noch immer ein wichtiges Lehrmittel. Die Kinder lernen dabei sowohl theoretische Grundkenntnisse zu Pflanzen (ergänzend zum Sachunterricht) als auch die praktische Arbeit im Garten.

Zur Zeit erlebt die Schulgartenbewegung in Deutschland eine Renaissance. So wurde im Jahre 2002 in Fulda die Bundesarbeitsgemeinschaft Schulgarten gegründet. Weiterhin gibt es in Baden-Württemberg nach einer repräsentativen Umfrage an fast 40 % aller Schulen einen Schulgarten. In vielen Montessori-Bildungseinrichtungen existiert ein Schulgarten, um praktisch arbeiten zu können. An Waldorfschulen wird Gartenbau von Klasse 6-8 unterrichtet.

Konzepte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Vorschlägen für die praktische Arbeit zählt die Planung, Anlage und Pflege eines Gemüsebeets.[10][11]

Weitere vermittelbare Themen sind:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jeanette Maria Alisch: Schulgärten in Baden-Württemberg – unter Berücksichtigung struktureller, organisatorischer und personeller Einflussfaktoren - eine landesweite empirische Untersuchung. Pro-Business-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-86805-973-1 (Dissertation ... 2008, 180 Seiten Auszug online PDF, kostenfrei, 7 Seiten, 64,6 KB, Inhaltsverzeichnis; Inhaltstext).
  • Helmut Birkenbeil (Hrsg.): Schulgärten. Ulmer-Verlag, 1999, ISBN 3-8001-5298-3.
  • AID (Hrsg.): Lernort Schulgarten - Projektideen aus der Praxis. Bonn 2005, ISBN 3-8308-0550-0.
  • AID, Reinhard Marquardt: Schulgarten im Unterricht - Von Mathematik bis Kunst. Bonn 2010, ISBN 978-3-8308-0927-2.
  • Cornelia Jäger: Vom Hortus Medicus zur modernen Umweltbildung. Die Geschichte der Schulgärten in den Franckeschen Stiftungen. Verlag der Franckeschen Stiftungen, 2013, ISBN 978-3-939922-41-4.
  • Ursula Kilger: Schul- und Lehrgärten: ihre Entwicklung unter Bedeutung, die heutige Situation sowie Voraussetzungen und Möglichkeiten ihrer Anlage und unterrichtliche Verwendung, Wolfgang Hartung-Gorre, Konstanz 1982, ISBN 3-923200-14-5.
  • Eva Klawitter: Der Öko-Schulgarten. Unterrichtsvorschläge und Informationen für die Schulgartenarbeit. Klett, Stuttgart 1992, ISBN 3-12-258660-6.
  • Hans-Joachim Lehnert, Karlheinz Köhler, Dorothee Benkowitz (Hrsg.): Schulgärten. Anlegen, pflegen, nutzen. Ulmer Verlag 2016. ISBN 978-3-8001-1258-6.
  • Alex Oberholzer, Lore Lässer: Gärten für Kinder. 2003, ISBN 3-8001-4138-8.
  • Norbert Pütz und Steffen Wittkowske (Hrsg.): Schulgarten- und Freilandarbeit. Lernen, studieren und forschen. klinkhardt Verlag, 2012, ISBN 978-3-7815-1852-0
  • Hainer Weißpflug: „Auf dem Wege nach dem Thiergarten rechter Hand ...“. Berlins erster Schulgarten und sein Gründer Julius Hecker. In: Berlinische Monatsschrift. Edition Luisenstadt, 1997.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schulgärten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Schulgarten – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Gottfried Mayer, Konrad Goehl: Kräuterbuch der Klostermedizin. Reprint-Verlag Leipzig 2013, S. 29. ISBN 978-3-8262-3057-8
  2. Hans-Dieter Stoffler: Der Hortulus des Walahfrid Strabo. Aus dem Kräutergarten des Klosters Reichenau. Stuttgart 2002, ISBN 3-7995-3506-3.
  3. Marie Luise Gothein: Geschichte der Gartenkunst, Bd. 2, 1923, S. 102–103
  4. Leipziger Sammlungen von Wirthschaftlichen, Policey-, Cammer-, und Finanz-Sachen. Band 7. Leipzig bey Carl Ludwig Jacobi 1751, S. 722.
  5. G. W. v. Raumer: Der Thiergarten bei Berlin, seine Entstehung und seine Schicksale nach bewährten Nachrichten. Berlin 1840, S. 57.
  6. Fernande Walder: Der Schulgarten in seiner Bedeutung Erziehung. Klinkhardt, Rieden 2002, ISBN 3-7815-1242-8.
  7. Roswitha Kirsch-Stracke: 'Es ist ihnen Freude und Jubel, wenn ihre Versuche gelingen' – Zur Geschichte der ersten Schulgärten im Sauerland mit Beispielen aus dem Kreis Olpe. In: Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe. Jg. 62, 1991, H. 4, S. 218–233, ISSN 0177-2899
  8. Joseph Hager: Die Entstehung der Obst- und Gartenbauvereine in Bayern (abgerufen am 7. Februar 2015)
  9. DDR-Schulsystem der 80er Jahre.
  10. Ines Binder: Der Schulgarten: Geschichte – Konzepte – Ziele. Seminararbeit. (online) (PDF; 3,5 MB)
  11. Annette Upmeier zu Belzen, Barbara Wieder, Armin Lude: Der Schulgarten in der Grundschule. Ein Gemüsebeet in einem 3. Schuljahr planen und anlegen. In: IDB Münster, Ber. Inst. Didaktik Biologie, 13 (2004), S. 41–53. (online) (PDF; 513 kB)