Südwestfalen

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Südwestfalen ist eine Region im südlichen Teil Westfalens. Diese Region bildete bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts kein einheitliches Gebiet. Der Name wird heute für den südlichen Teil der ehemaligen preußischen Provinz Westfalen verwendet.

Gebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Region Südwestfalen ist nicht genau abgegrenzt. Zu ihr gehören das Sauerland, das Siegerland, das Wittgensteiner Land und die Hellwegbörden ohne den Kreis Unna. Damit umfasst sie den größten Teil des Regierungsbezirks Arnsberg, jedoch ohne das Ruhrgebiet. Der Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen werden nur manchmal hinzugezählt, da sie stärker in die Gebietseinteilung des Ruhrgebiets einbezogen werden. Dies gilt jedoch nicht zwingend für das Zugehörigkeitsgefühl der Einwohner. Zu nennen sind hier insbesondere Breckerfeld oder Hagen-Dahl.

Unter dem Dach der Südwestfalen Agentur haben sich die fünf Kreise Hochsauerlandkreis, Märkischer Kreis, Olpe, Soest und Siegen-Wittgenstein zusammengeschlossen. Gemeinsame Aktionen sollen das Gemeinschaftsgefühl in Südwestfalen stärken und für die Erhöhung des Bekanntheitsgrades sorgen. Unter diesem Dach wurde die Regionale 2013 ausgerichtet.[1]

Auch für eine etwas größere Region wird der Begriff Südwestfalen genutzt. Die Fachhochschule Südwestfalen mit Sitz in Iserlohn hat weitere Standorte in Hagen, Meschede, Soest und Lüdenscheid.[2] Von ihren Standorten her gehören auch die Universität Siegen und die private Hochschule UE (vormals BiTS Iserlohn) zu Südwestfalen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der größte Teil Südwestfalens ist durch eine Mittelgebirgslandschaft geprägt. Am Nordrand liegen die Hellwegbörden. Wichtige Flüsse sind Ruhr, Sieg, Lenne, Bigge und Möhne. Die einwohnerstärksten Städte Südwestfalens sind Hagen, Siegen, Iserlohn, Lüdenscheid und Arnsberg. Die fünf Kreise Hochsauerlandkreis, Märkischer Kreis, Olpe, Soest und Siegen-Wittgenstein haben etwa 1,4 Millionen Einwohner (acht Prozent der nordrhein-westfälischen Bevölkerung) und eine Flächengröße von etwa 6200 km² (rund drei Viertel des Regierungsbezirks Arnsberg).

Südwestfalen verfügt über einen großen Waldreichtum, der sich in dieser Dominanz in keiner anderen Region Deutschlands findet. Fast 60 Prozent der südwestfälischen Fläche ist bewaldet. Der Kreis Siegen-Wittgenstein mit 66 Prozent Waldfläche ist der waldreichstes Kreis Deutschlands. 65 Prozent des südwestfälischen Waldes sind im privaten Besitz – ebenfalls eine bundesweite Ausnahmestellung.

Südwestfalen hat die größten Talsperren Nordrhein-Westfalens. Die Möhne-, die Henne-, die Sorpe-, die Bigge-, die Verse-, die Fürwigge- sowie die Diemeltalsperre speichern in abflussreichen Zeiten Wasser, das in Zeiten geringer natürlicher Wasserführung als Zuschusswasser an die Ruhr abgegeben wird. Die Talsperren dienen damit einerseits dem Hochwasserschutz und andererseits der Niedrigwasseranreicherung der Ruhr in Trockenzeiten.

Die Naturparke Arnsberger Wald und Sauerland-Rothaargebirge erstrecken sich über eine Fläche von insgesamt rund 3500 km². Topographisch gesehen erstreckt sich Südwestfalen von der Tiefebene im Kreis Soest, dessen tiefster Punkt mit 65 m ü. NHN in der Lippeniederung liegt, über eine Mittelgebirgslandschaft bis zum Rothaargebirge im Südosten. Dort liegt der Langenberg, der mit 843 m ü. NHN der höchste Berg Nordrhein-Westfalens ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches zerfiel die Region in mehrere Herrschaftsgebiete. Hierzu zählten im Wesentlichen das kurkölnische Herzogtum Westfalen, die Grafschaft Mark, das Fürstentum Nassau-Siegen und die Wittgensteiner Grafschaften.

Im Wiener Kongress wurde die Region dem Königreich Preußen zugeteilt und bildete einen Teil der neu gegründeten Provinz Westfalen. Die Stadt Arnsberg wurde Sitz des Regierungspräsidenten und damit eines der drei politischen Zentren dieser Provinz. Seit 1946 ist Südwestfalen ein Teil des Landes Nordrhein-Westfalen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Beschäftigtenanteil im produzierenden Gewerbe beträgt 47 Prozent. Dies ist deutschlandweit der dritthöchste und in Nordrhein-Westfalen der höchste Wert.[3][4] Hunderte Mittelständler und Familienunternehmen verschiedener Industriebranchen, insbesondere in den Bereichen Automotive, Elektrotechnik, Gebäudetechnik und Metall- und Maschinenbau, davon viele Hidden Champions, haben ihren Sitz in der Region.[5][6] Weitere Wirtschaftszweigen sind die Land- und Forstwirtschaft und der Dienstleistungssektor (Handel und Tourismus).[7]

Zu den größten Unternehmen, sowohl mitarbeiter- wie umsatzseitig, gehören unter anderem Hueck, Kirchhoff, Kostal, Otto Fuchs, SSI Schäfer, Trilux, Viega und Vossloh.

Der Mennekes-Stecker, Batterien und Ladestationen von Hoppecke, Küchen- und Elektrogeräte von Severin, Bad- und Küchenarmaturen von Grohe, Dornbracht und Keuco, Küchentücher und Toilettenpapier von WEPA, Gläser von Ritzenhoff, Schlösser und Tresore von Burg-Wächter, SIKU-Spielzeugmodelle, Wilesco-Dampfmaschinen, Felgen und Räder von Borbet, Arzneimittel von Medice, Büroartikel von Durable, Motorradbekleidung von Römer[8] sowie die Biere von Krombacher, Veltins und Warsteiner sind einige bekannte Produkte, die in südwestfälischen Städten hergestellt und vertrieben werden. Auch die heutzutage typischen Entsorgungsbehälter ("Mülltonnen", "Müllcontainer") aus Kunststoff haben ihren Ursprung in Südwestfalen, respektive Iserlohn.

70 % der deutschen Produktion von Schaltern und Steckdosen, 60 % der Sanitärarmaturen und jede zweite in Deutschland hergestellte Leuchte kommen aus Südwestfalen.[9]

Die Handwerkskammer Südwestfalen hat ihren Sitz in Arnsberg. Zum Kammerbezirk gehören der Hochsauerlandkreis, der Märkische Kreis, der Kreis Olpe und der Kreis Siegen-Wittgenstein. Insgesamt bestehen in ihrem Bereich rund 11.300 Handwerks- und handwerksähnliche Betriebe mit etwa 84.000 Beschäftigten. Dagegen ist die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer nur für Hagen, den Märkischen Kreis und einen Teil des Ennepe-Ruhr-Kreises zuständig. Der Einzelhandelsverband Südwestfalen ist außerdem für den Ennepe-Ruhr-Kreis zuständig.

Förderprogramm Regionale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Institut für Demoskopie Allensbach wurde im Auftrag des Kreises Soest, des Hochsauerlandkreises, des Märkischen Kreises, des Kreises Olpe sowie des Kreises Siegen-Wittgenstein die Südwestfalen-Studie 2007 erstellt, in der die Menschen über Lebensqualität und Regionalbewusstsein befragt wurden. Diese Kreise traten gemeinsam unter dem Dach Südwestfalen auf und haben sich 2006 um die Ausrichtung des NRW-Strukturförderprogramms Regionale 2013/2016 beworben und dann die Regionale 2013 ausgerichtet. [10]

2017 gab es den erneuten Zuschlag, so dass 2025 die zweite Regionale stattfinden wird.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Regionale 2013: Vorbereitung und Organisation
  2. Standorte der Fachhochschule Südwestfalen. Abgerufen am 11. Dezember 2011.
  3. LWL – Christian Krajewski: Südwestfalen – Hidden Champion unter den deutschen Industrieregionen abgerufen am 10. Dezember 2014
  4. Südwestfalen Agentur: Industrieregion Nr. 3 in Deutschland , abgerufen am 20. August 2017.
  5. IHK Arnsberg, Hellweg-Sauerland: „Hidden Champions“ aufgedeckt – IHKs präsentieren Weltmarktführer aus Südwestfalen vom 14. Februar 2013 abgerufen am 10. Dezember 2014
  6. Industrie- und Handelskammern: Liste der 153 Weltmarktführer aus Südwestfalen. Abgerufen am 27. Januar 2018.
  7. Südwestfalen - eine der drei Top-Industrieregionen Deutschlands. Abgerufen am 27. Januar 2018.
  8. Geschichte des Unternehmens. Abgerufen am 27. Januar 2018.
  9. Gebäudetechnik in Südwestfalen - Die Branche. Abgerufen am 27. Januar 2018.
  10. Archiv Pressemitteilungen 2007: Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen Abgerufen 20. August 2017
  11. Große Freude über REGIONALE-Zuschlag. Abgerufen am 27. Januar 2018.