Nachsuche

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Nachsuchenführer des dänischen Schweiss Registret, einer Vereinigung der dänischen Nachsuchengespanne, mit geschulterter Flinte und einem Hundehalsband mit GPS-Tracker
Typische Schweißhundrasse: Bayerischer Gebirgsschweißhund

Als Nachsuche (auch Schweißarbeit oder Fährtenarbeit) wird bei der Jagd das Suchen und Aufspüren sowie gegebenenfalls auch Erlegen (Töten) von zuvor nicht unmittelbar auffindbarem, verletztem oder totem Wild bezeichnet.[1][2] Insbesondere bei absehbar schwierigen Nachsuchen kommen dabei spezielle Nachsuchensuchengespanne bestehend aus Nachsuchen- bzw. Hundeführer und jagdlich brauchbarem Schweißhund zum Einsatz.[2] Ziel der Nachsuche ist es, sowohl verletztes Wild vor langem Leiden zu bewahren und zügig zur Strecke zu bringen, als auch bereits verendetes, aber nur schwer aufzufindendes Wild schnell zu bergen, um das Wildbret vor dem Verderben zu bewahren.

Tot- und Lebendnachsuche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ohne weitere rechtliche Grundlage wird zwischen Tot- und Lebendnachsuche unterschieden. Bei der Totsuche geht der Schütze durch Beobachtung der Schusszeichen und Pirschzeichen von einem tödlichen Schuss aus, auch wenn das beschossene Wild noch flüchtet. Diese meist einfachen und kurzen Totsuchen unterscheiden sich von den häufig aufwendigen und anspruchsvolleren Lebendnachsuchen, bei denen der Schütze von vornherein vermutet, dass das Wild nicht sofort tödlich getroffen wurde. Bei der Lebendnachsuche muss das Nachsuchengespann (Hundeführer mit Hund) das Wild unter Umständen über Tage hinweg verfolgen. Jeder brauchbare Jagdhund ist in der Lage, einfache Nachsuchen (maximal 400 m) erfolgreich zu bewältigen. Jeder Revierpächter ist zur Vorhaltung eines brauchbaren Hundes für seinen Jagdbezirk verpflichtet, so z. B. in § 28 des Hessischen Jagdgesetz.[3] Ist erkennbar, dass eine erschwerte Nachsuche (mehr als 400 m mit eventueller Hetze) vorliegt, gebietet die Weidgerechtigkeit jedoch, einen Nachsuchenspezialisten einzusetzen, um einen Erfolg zu gewährleisten.

Auch Wild, das an Verkehrsunfällen beteiligt war und nach dem Zusammenprall aus der Sichtweite geflohen ist, muss nachgesucht werden. Das Unterlassen der Nachsuche, respektive das Unterlassen der zügigen Meldung des Wildunfalls beim zuständigen Revierförster, dem zuständigen Jagdpächter oder der zuständigen Polizeistation, stellt einen tierschutzrechtlichen Verstoß dar, da das verletzte Wild bei unterlassener Nachsuche über Tage und auch Wochen nach dem Unfall noch dahinsiechen kann und unnötig lang leiden muss. Im Straßenverkehr verletztes oder getötetes Wild darf nicht in Verkehr gebracht werden.[4]

Durchführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abfangen eines Rehbocks durch einen dänischen Schweißhundeführer mittels eines gezielten Messerstichs in das Genick (jägersprachlich: Abnicken)

Die Nachsuche kann von jedem zuständigen Jäger mit brauchbarem Hund durchgeführt werden. Der Anschuss (Ort, an dem das Wild getroffen wurde) oder die Unfallstelle und die vermeintliche Fluchtstrecke des Wildes dürfen überdies in keinem Fall abgelaufen werden, weil durch das Vertreten der für das menschliche Auge kaum sichtbaren Pirschzeichen (Jägersprache für Spuren, Haare, Fell, Blut, Knochen- und Gewebefunde) die Nachsuche verunmöglicht oder extrem erschwert werden kann. Auch nach vermeintlichen Fehlschüssen muss der Anschuss des Wildes gründlich untersucht werden, um zu entscheiden, ob eine Nachsuche durchgeführt werden muss.

Die Spezialisten für Nachsuchen sind die Schweißhunde, aber auch der Deutsch Kurzhaar und andere Jagdgebrauchshunde werden dafür ausgebildet (Schweißprüfung).[5] Bei der Nachsuche vermag der Hund die Individualspur des verletzten Wildes von kreuzenden, frischeren Spuren und Fährten anderen Wildes zu unterscheiden und widersteht auch der Versuchung, auf eine frischere Spur zu wechseln, obwohl diese für den Hund als sogenannte Verleitfährte attraktiver sein könnte.

Vor Aufnahme der Nachsuche sind die Pirschzeichen am Anschuss oder an der Unfallstelle zu untersuchen und zu sichern. Wird anhand der Pirschzeichen von einer tödlichen Verletzung (zum Beispiel mit Herz- oder Lungenbeteiligung) ausgegangen, wird unverzüglich nachgesucht, um das Wildbret nicht verderben zu lassen. Ist von einer nicht sofort tödlichen Verletzung auszugehen, wird die Nachsuche nach einigen Stunden Wartezeit aufgenommen. In der Wartezeit kann das Wild Adrenalin abbauen. Es wird hierdurch vermieden, dass es, unter Adrenalineinfluss stehend, flüchtig wird und noch über weite Strecken verfolgt werden muss. Eine Nachsuche wird immer an der Schweißleine durchgeführt. Diese ist mehrere Meter lang und besteht heute oft aus flexiblem, leuchtenden Material. Eine Sonderform der Nachsuche kann sich in unwegsamem Gelände, z. B. im Gebirge ergeben. Hierzu muss der Hund abgeleint (geschnallt) werden und in der Lage sein, dem Jäger gefundenes Wild zu zeigen. Das kann er durch Verbellen hörbar anzeigen oder als Bringselverweiser. Das Bringsel hängt am Halsband und wird vom Hund in den Fang genommen, wenn er gefunden hat und so dem Jäger gebracht. Eine Nachsuche wird im ungünstigen Falle zu einer Hetze führen, wenn das kranke Wild vor dem Hund flüchtig wird. Ein ausgebildeter Hund soll das Wild jedoch spurlaut verfolgen und stellen, bis der Nachsuchenführer den Fangschuss anbringen oder es mit einer Blankwaffe abfangen kann.

Bei der Nachsuche von krankgeschossenem oder schwerkrankem Wild, das in einen fremden Jagdbezirk wechselt, kann die Nachsuche nur dann weiter geführt werden, wenn mit dem Jagdausübungsberechtigten dieses Jagdbezirkes eine schriftliche Vereinbarung über die Wildfolge abgeschlossen ist, da andernfalls der Vorwurf der Wilderei erhoben werden könnte. Heute ist es üblich, dass anerkannte Nachsuchenführer auf gesetzlicher Grundlage unverzüglich revierübergreifende Nachsuchen durchführen können.

Tradition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist üblich und stets erwünscht, dass der Jäger, der eine Nachsuche verursacht hat und vornehmen lässt, bei der Nachsuche anwesend ist. Das Erlegen des verwundeten („kranken“) Wildes bleibt dem Hundeführer vorbehalten, der beim Einsatz einer Schusswaffe (Fangschuss) oder eines Messers (Abfangen) außerdem dafür Sorge zu tragen hat, dass sein Hund dabei nicht in Mitleidenschaft gezogen wird.

Es ist jagdlicher Brauch, dass der Hundeführer dem Jäger den Erlegerbruch überreicht, von dem der Jäger wiederum einen Teil dem erfolgreichen Hund unter das Halsband („Halsung“) steckt, um ihn zu ehren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tracking (hunting) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nachsuche. In: Duden. Abgerufen am 3. September 2019.
  2. a b Stefan Mayer, Hubert Kapp: Schuss und Anschuss: Die Profitipps der Schweißhundestation Südschwarzwald. 1. Auflage. Kosmos, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-440-15402-1, Nachsuche und Hatz.
  3. § 28 HJagdG – Jagdhundehaltung (1) Bei der Such-, Drück- und Treibjagd, bei jeder Jagdart auf Wasserwild sowie bei jeder Nachsuche sind jeweils brauchbare Jagdhunde zu verwenden. (2) Die Jagdbehörde kann Jagdausübungsberechtigte zur Haltung eines zur Nachsuche brauchbaren Jagdhundes verpflichten, sofern sie nicht nachweisen, dass ihnen brauchbare Jagdhunde anderer Hundehalter regelmäßig zur Verfügung stehen. (3) Außerhalb befriedeter Bezirke gilt die Ausbildung von Jagdhunden durch Jagdscheininhaber im Hinblick auf Gebrauchs-, Brauchbarkeits- und Zuchtprüfungen sowie die Ablegung der Prüfung als Jagdausübung; sie bedürfen der Erlaubnis des Jagdausübungsberechtigten.
  4. Schlachttier- und Fleischuntersuchung
  5. Organisiertes Zucht- und Prüfungswesen. In: deutsch-kurzhaar.de. Abgerufen am 3. September 2019.
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