Schwenninger Moos

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Neckarquelle um 1928
Schwenninger Moos, Quellgebiet des Neckar
Im Schwenninger Moos
Schwenninger Moos
Informationstafel
Schwenninger Moos

Das Schwenninger Moos ist ein Regenmoor auf der Baar bei Villingen-Schwenningen in Baden-Württemberg.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Moorgebiet ist drei Quadratkilometer groß, befindet sich 705 m ü. NN und ist Naturschutzgebiet. Durch das Moor verläuft die Europäische Wasserscheide, die die Zuläufe von Rhein und Donau trennt: Im Moor ist der Ursprung des 362 km langen Neckars, der bei Mannheim in den Rhein mündet. Eine Kalkmergel-Quelle innerhalb des Moores könnte am ehesten als Neckarursprung bezeichnet werden, liegt aber in einem geschützten Gebiet und ist daher für Besucher nicht zu sehen. Außerdem ist das Moor Quellgebiet des Talbachs, der bei Marbach, einem Stadtbezirk von Villingen-Schwenningen, in die Brigach, einen der beiden Quellflüsse der Donau, mündet.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittels der Pollenanalyse von Bohrkernen kann die Entstehung des Schwenninger Mooses nachvollzogen werden. Ca. 12.000 v. Chr., also am Ende der letzten Kaltzeit, befand sich an dem Ort, an dem heute das Schwenninger Moos ist, noch ein See. In diesem begann das Torfwachstum ca. 6000 - 5000 v. Chr., nach dem Erblinden des Sees aufgrund von Sedimentation. Zu dieser Zeit wuchsen dort hauptsächlich Röhrichte und Seggenriede, Pflanzen welche heutzutage ebenfalls noch einen relativ großen Anteil des Moores einnehmen. Ca. 2000 Jahre später stieg der Anteil des Regenwassers in den Torfen an, während der Anteil des Grundwassers immer weiter schwand. Das Fortschreiten dieses Vorgangs führte ca. 2000 v. Chr. zu einer Trennung der Torfpflanzen vom mineralstoffreichen Grundwasser und bewirkte somit den Übergang zum Hochmoor.[1]

Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flächenverbrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es rund um das Schwenninger Moos beinahe nur Wiesen- und Waldgebiete. Durch diese Erhebungen wurde dem Schwenninger Moos ständig Wasser zugeführt. Ab dem Jahr 1869 wurde die Umgebung des Schwenninger Mooses zunehmend bebaut. Die Eisenbahnstrecke von Villingen-Schwenningen nach Rottweil im Westen des Moores und Straßen und Gebäude im Osten verminderten die Wasserversorgungen des Moores.

Torfabbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Schwenninger Moos wurde ab 1748 bis in die 1950er Jahre Torf abgebaut. Bevor das Moor abgebaut werden konnte, musste es erst entwässert werden. Dazu wurden Entwässerungsgräben in einer Länge von 28,4 km gebaut. Es gab mehrere Abbauphasen und pro Abbauphase wurde etwa 1,5 m Torf abgestochen. Das heißt, dass das Moor zwischen drei und vier Meter verloren hat.

Torfabbau im Schwenninger Moos entlang der zentralen Abbaukante um 1920.

Wiederbewaldung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1944 waren 6 % des Moores mit Wald bedeckt. 1968 waren es bereits 24 % und stand 2014 waren 40 % mit Waldfläche bewachsen. Dieser Prozess ist aufgekommen, nachdem der Torfabbau ein Ende hatte. Da die Menschen nicht mehr dafür sorgten, dass es keinen Bewuchs des Moores gab, konnten Bäume sich ungehindert verbreiten und tragen durch ihren Wasserverbrauch wiederum zur Entwässerung bei.[1]

Entwicklung der Bewaldung des Schwenninger Moos in den Jahren 1944, 1968 und 2014

Renaturierungsmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1987 gründete sich ein Runder Tisch aus zahlreichen lokalen Institutionen, um das Schwenninger Moos zu retten.[2]

Durch Sperrenbau in den Gräben konnte die Verwaldung zurückgedrängt und eine Renaturierung erreicht werden. Seit 2003 werden die Moorwiesen durch Moorschnucken beweidet, die den aufkommenden Bewuchs durch Birkensprösslinge im Inneren des Mooses bekämpfen. Durchgeführt werden diese und weitere Arbeiten durch den Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg des BUND.

Pflanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torfmoose sind die wichtigsten Pflanzen im Moor. Sie sind optimale Wasserspeicher, da sie kleine lebende Zellen besitzen die Photosynthese betreiben und große tote Zellen die Wasser speichern können. Das Sphagnum-Torf zum Beispiel kann ein Wassergehalt über 90 % enthalten. Durch diese Eigenschaft können sie den gesamten Wasserhaushalt des Moores regulieren. Torfmoose sind außerdem effektive Nährstoffsammler. Moose sind auf Regenwasser angewiesen, da sie keine Wurzeln besitzen. Das Moos bindet Nährstoffe an seine Zellwand und gibt während dessen Protonen ab, weshalb der Moorboden sauer wird. Im Moor gibt es über 400 verschiedene Pflanzenarten. Darunter sind viele gefährdete Pflanzen. In den nassen Bereichen wachsen zum Beispiel Sumpf-Veilchen, Sumpf-Blutaugen und Schmalblättriges Wollgras. Die trockenen Bereiche werden zum Beispiel von der Heide-Nelke, Teufelskralle und Blassgelbem Klee bewohnt. Da es im Moor wenig Nährstoffe gibt, gehen einige Pflanzen eine Symbiose mit Pilzen ein (z.B. das Heidekraut). Karnivore Pflanzen (z.B. Südlicher Wasserschlauch) erhalten Stickstoff, Phosphor und andere Nährstoffe hingegen durch tierische Nahrung.

Wissenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um das Kerngebiet des Schwenninger Mooses führt ein Wanderweg durch Fichten- und Birkenwald, von dem aus man teilweise auf die freie Moorfläche sehen kann. Über einen kurzen Steg kann man die sich regenerierende Vegetation des Moors aus der Nähe ansehen, ohne widerrechtlich das Moor zu betreten oder zu schädigen. Im Schwenninger Moos beginnt auch der Fernwanderweg Neckarweg, der dem Neckarlauf bis zur Mündung in Mannheim folgt.

2008 wurde mit „Moosgeschichten. Begegnungen am Ursprung des Neckars“ von Klaus Peter Karger ein Dokumentarfilm über das Schwenninger Moos veröffentlicht, der in regionalen Kinos zu sehen war und auf DVD erhältlich ist.[3][4][5]

2010 fand die Landesgartesschau in Villingen-Schwenningen statt. Im Zuge der Arbeiten hierfür wurde im Stadtbezirk Schwenningen die sanierungsbedürftige Industriebrache des ehemaligen Güterbahnhofs in eine großzügige Parkanlage, den Neckarpark, verwandelt. Daran schließt sich der Stadtpark Möglingshöhe mit der symbolischen Neckarquelle sowie der Landschaftspark Bauchenberg an. Diese durchgehende Grünanlage verbindet nun die Innenstadt mit dem Schwenninger Moos.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schwenninger Moos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Naturschutzgebiet Schwenninger Moos. Referat 56-Naturschutz und Landschaftspflege, Regierungspräsidium Freiburg, abgerufen am 17. Dezember 2016.
  2. Das Schwenninger Moos – der Ursprung nicht nur des Neckars. Umweltzentrum Schwarzwald Baar Neckar, abgerufen am 14. September 2014.
  3. Silke Kohlmann: Elsa musste zurück ins Moor. Badische Zeitung, 22. April 2009, abgerufen am 18. Oktober 2015 („Moosgeschichten“: Klaus Peter Karger hat einen Film über den Ursprung des Neckar gedreht).
  4. Moosgeschichten. Begegnungen am Ursprung des Neckars. Internet Movie Database, 16. November 2008, abgerufen am 18. November 2015.
  5. Moosgeschichten – Begegnungen am Ursprung des Neckars. Kino.de, 2008, abgerufen am 18. Oktober 2015.

Koordinaten: 48° 2′ 31″ N, 8° 31′ 40″ O