Schwestern vom Göttlichen Erlöser

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seitliche Außenansicht des ersten Klosters des Ordens in Niederbronn

Die Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser (Niederbronner Schwestern) ist ein Frauenorden in der römisch-katholischen Kirche.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Kloster der Kongregation in Niederbronn

Die Ordensgemeinschaft wurde am 28. August 1849 von Elisabeth Eppinger (Ordensname: Mutter Alfons Maria) mit Unterstützung von Johann David Reichard, dem katholischen Pfarrer ihres Heimatortes Bad Niederbronn (Elsass) und der Zustimmung des Strassburger Bischofs Andreas Räß unter der Bezeichnung Orden der Töchter des Göttlichen Erlösers zur Verpflegung armer Kranken und zur Unterstützung anderer Armen gegründet. 1854 wurde die Gemeinschaft vom französischen Staat anerkannt. 1866, ein Jahr vor dem Tod der Gründerin, erfolgte die Bestätigung durch Papst Pius IX.

Noch zu Lebzeiten der Gründerin entstanden aus Niederlassungen der Niederbronner Kongregation in den Jahren 1866/67 neue Ordensgemeinschaften in Wien, Würzburg und Sopron. 1916 entstand aus der Wiener Kongregation eine weitere in Bratislava. Alle Kongregationen waren selbständig, beriefen sich aber auf die erste Regel der Ordensgründerin. Ursächlich für die Segregation war, dass Aspirantinnen sich in Niederbronn vorbereiten und dort als Schwestern jedes Jahr an Exerzitien teilnehmen sollten. Dies stieß bei den Bischöfen und Oberinnen der Diözesen Würzburg, Wien und Raab wegen der finanziellen Belastung auf Widerspruch. Die Ortsbischöfe beantragten, Noviziat und Exerzitien vor Ort abzuhalten. Verhandlungen der Generaloberin Alfons Maria, die dafür sogar nach Österreich und Ungarn reiste, verliefen ergebnislos, so dass es im März 1866 noch vor Erscheinen des Approbationsdekrets zur Loslösung der Gemeinschaften in Wien und Raab, wenig später auch in Würzburg, kam. Aus den Niederlassungen wurden eigene Ordensgemeinschaften, nur die Kommunitäten in der Würzburger Diözese entschieden mehrheitlich, sich weiterhin der Autorität von Mutter Alfons Maria zu unterstellen.[1]

In der Festschrift „Hundert Jahre Niederbronner Schwestern“ von 1949 heißt es (S. 47), dass es seither neben dem Wunsch der Wiedervereinigung auch konkrete Versuche hierzu gegeben habe. Nach dem zweiten Vatikanischen Konzil näherten sich die verschiedenen Kongregationen der Schwestern vom Göttlichen Erlöser dann einander an. 1999 fusionierte die Wiener mit der Niederbronner Kongregation, 2009 geschah das Gleiche mit der Kongregation aus Bratislava.

In Süddeutschland wird die Ordensgemeinschaft zumeist als Niederbronner Schwestern – nach ihrem Herkunftsort Bad Niederbronn im Elsass – bezeichnet. In manchen Gebieten Badens kennt man auch die Bezeichnung Bühler Schwestern nach dem früheren Provinzhaus im badischen Bühl. Das Generalmutterhaus befindet sich in Oberbronn. Am 10. April 2005 wurden die früheren Provinzen Baden-Hessen (Kloster Maria Hilf, Bühl), Bayern (Kloster St. Josef, Neumarkt in der Oberpfalz), Pfalz (Kloster St. Maria, Esthal) und Österreich (Wien) zur Provinz Deutschland und Österreich, unter einer Leitung mit Sitz in Nürnberg zusammengeführt.

Weltweit ist die Kongregation mit dem Wahlspruch "De fontibus salvatoris" (lat. Aus den Quellen des Erlösers) in Deutschland, Frankreich und Österreich sowie in den Niederlanden, Portugal, Argentinien, Bolivien, Angola, Kamerun und Indien vertreten. Sie widmet sich u. a. der Kranken- und Altenpflege, der Erziehung und Bildung, der Pastoral- und Seelsorge, der Obdachlosenarbeit sowie der Ausbildung von jungen Frauen.

Die Schwestern vom Göttlichen Erlöser sind nach dem Kirchenrecht eine Ordensgemeinschaft päpstlichen Rechts und in Deutschland zivilrechtlich eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die deutschen Einrichtungen stehen unter der Trägerschaft der TGE, "gTrägergesellschaft mbH für die Einrichtungen der Schwestern vom Göttlichen Erlöser (Niederbronner Schwestern) Provinz Deutschland" sowie der "Krankenhaus-Stiftung der Niederbronner Schwestern"[2].

2017 wurde die Eisenstädter Ordensfrau Johanna Vogl als Generaloberin gewählt.[3]

Menschenrechtsverletzungen an Heimkindern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hänsel-und-Gretel-Heim, in dem es zu Menschenrechtsverletzungen kam

Am 11. Mai 1922[4] wurde das heutige Marie-Mattfeld-Haus, damals Hänsel-und-Gretel-Heim,[5][6] in Oberammergau als Waisenhaus eingeweiht.[7] Insbesondere in den Jahren 1950 bis 1975 erlitten dort mehrere[8] Kinder teils schwerste Menschenrechtsverletzungen.[9] Das Heim stand zu dieser Zeit zwar formal unter Leitung der Stadt München,[5][7] es waren jedoch zwischen 1922 und 1999 mehrere Schwestern des Ordens im Haus tätig.[6] Sie sollten als Bezugspersonen der Kinder dienen[10] und hatten, zum Teil bis zuletzt,[6] leitende Funktionen inne.[6][11] Obwohl die Schwestern tatsächlich fast den gesamten Tag mit den Kindern zusammen waren,[11] konnten diese nur in den seltensten Fällen eine engere Bindung oder Vertrauen aufbauen.[11] Persönlicher Kontakt mit der örtlichen Bevölkerung wurde möglichst verhindert.[11] Es kam zu psychischen und körperlichen Misshandlungen sowie sexuellem Missbrauch,[11] woran mindestens eine der Schwestern aktiv beteiligt war.[11][12][13] Strafrechtlich sind die Taten verjährt,[14][15] weshalb ein Ermittlungsverfahren eingestellt werden musste.[14] Der Stadtrat Münchens entschuldigte sich im Jahr 2011 in einer Erklärung für das erlittene Unrecht.[16][17]

Provinzen und Ausbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Generalleitung des Ordens sitzt in Oberbronn im Elsass, der heutige Orden ist räumlich in verschiedene Provinzen gegliedert:

  • Provinz Deutschland und Österreich mit einer Gemeinschaft in Holland (Sitz der Leitung: Nürnberg)
  • Provinz Frankreich mit einer Gemeinschaft in Portugal (Sitz der Leitung: Nancy)
  • Provinz Slowakei mit je einer Niederlassung in Tschechien und Ungarn (Sitz der Leitung: Bratislava)
  • Provinz Indien (Sitz der Leitung: Nagercoil)
  • Provinz Angola (Sitz der Leitung: Luanda)
  • Delegation Argentinien (Sitz der Leitung: San Salvador de Jujuy)
  • Delegation Kamerun (Sitz der Leitung: Yaoundé)

Klöster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Orden unterhält derzeit 5 Klöster in Deutschland und Österreich:

Campo Santo Teutonico[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1920 waren die Schwestern der Kongregation der Schwestern der Christlichen Liebe („Mallinckrodt-Schwestern“) im Campo Santo Teutonico in Rom tätig. 2013 haben die Niederbronner Schwestern die Nachfolge angetreten.[18]

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland
(Auswahl)
Österreich

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christine Rädlinger: „Weihnachten war immer sehr schön“ Die Kinderheime der Landeshauptstadt München von 1950 bis 1975. Hrsg.: Landeshauptstadt München. 1. Auflage. Franz Schiermeier Verlag, München 2014, ISBN 978-3-943866-23-0, Das Marie-Mattfeld-Haus, S. 145–174.
  • Geschichte der Ordensgemeinschaft. In: Diözesanarchiv Linz (Hrsg.): NEUES ARCHIV für die Geschichte der Diözese Linz, 17. Jahrgang, 2005, online (PDF) im Forum OoeGeschichte.at, dort S. 236–238
  • Die Niederbronner Schwestern in Bayern, Günter Büschges und Karl Holzbauer unter Mitwirkung von Katrin Töpfer, 2002

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lucian Pfleger: Die Kongregation der Schwestern vom Allerheiligsten Heilande genannt "Niederbronner Schwestern", Freiburg i. Brsg: Herder, 1921
  2. TGE-Akademie
  3. Eisenstädterin wird Generaloberin (Memento vom 2. September 2017 im Internet Archive) vom 2. August 2017, abgerufen am 5. August 2017.
  4. Bjs: Plakette am Eingang zum Hänsel-und-Gretel-Heim in Oberammergau. 11. September 2012, abgerufen am 24. Juli 2017.
  5. a b Missbrauch im Heim: Stadt bietet Opfern Hilfe an | Stadt München. 21. Mai 2017, abgerufen am 24. Juli 2017.
  6. a b c d Garmisch-Partenkirchener Tagblatt vom 29. Juli 1999. 24. Juli 2017, abgerufen am 24. Juli 2017.
  7. a b Marie-Mattfeld-Haus; Art und Träger der Einrichtung. 28. Oktober 2016, abgerufen am 24. Juli 2017.
  8. Barbara Wimmer: Kinderschänder auch in städtischen Heimen. In: https://www.tz.de/. 6. Juni 2011 (archive.org [abgerufen am 24. Juli 2017]).
  9. Marie-Mattfeld-Haus; Aufarbeitung der Heimerziehung. 28. Oktober 2016, abgerufen am 24. Juli 2017.
  10. Beate Frenkel: Gut gemeint und schlecht gemacht – Hilfsfonds für Heimkinder. (PDF) In: Frontal 21. ZDF, 9. Juli 2017, abgerufen am 24. Juli 2017.
  11. a b c d e f Dr. Christine Rädlinger: Aufarbeitung der Heimerziehung (Fürsorgeerziehung) zwischen den Jahren 1950 bis 1975 in Münchener Heimen in stadteigener Trägerschaft. In: Landeshauptstadt München, Sozialreferat, Stadtjugendamt (Hrsg.): Kinder - und Jugendhilfereport 2013. 2013, S. 131–135 (archive.org [PDF]).
  12. Carola Alge: Als Kind hinter Heimtüren missbraucht. (PDF) In: Meppener Tagespost. Neue Osnabrücker Zeitung, 20. August 2015, abgerufen am 24. Juli 2017.
  13. Ludwig Hutter: Der böse Wolf. (PDF) In: Garmisch-Partenkirchner Tagblatt. Münchner Merkur, 27. Juni 2015, abgerufen am 24. Juli 2017.
  14. a b Staatsanwältin Gellner: Aktenzeichen 28-JS-26896-15. (PDF) Staatsanwaltschaft München II, 4. Januar 2016, abgerufen am 24. Juli 2017.
  15. Bayerischer Rundfunk: Verlorene Kindheit vom 25.05.2014: Heimerziehung in München früher | BR Mediathek VIDEO. Abgerufen am 24. Juli 2017 (deutsch).
  16. Sozialreferat der Landeshauptstadt München (Hrsg.): Kinder- und Jugendhilfereport 2011. München 2011, S. 91 (archive.org [PDF]).
  17. Stefan Hauf: Rathaus Umschau. Hrsg.: Presse- und Informationsamt der Landeshauptstadt München. Band 155. München 9. August 2014, S. 5 (archive.org [PDF]).
  18. Gudrun Sailer: „Deutsche Schwestern verlassen Campo Santo“, Radio Vatikan, 22. November 2013
  19. guterhirte-ludwigshafen.de, abgerufen am 8. November 2013
  20. theresien-krankenhaus.de, abgerufen am 8. November 2013
  21. vincentius-speyer.de, abgerufen am 8. November 2013
  22. tge-online.eu, abgerufen am 10. September 2015
  23. Schwestern vom Göttlichen Erlöser. (Wien), auf ordensgemeinschaften.at;
    Schwestern vom Göttlichen Erlöser, Wien., kulturgueter.kath-orden.at.
  24. Bildungszentrum Kenyongasse Mater Salvatoris
  25. Schwestern vom Göttlichen Erlöser. (Eisenstadt), auf ordensgemeinschaften.at;
    Schwestern vom Göttlichen Erlöser, Eisenstadt., kulturgueter.kath-orden.at.