Scott Brown (Politiker)

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Scott Brown
Ergebnisse der Nachwahl in Massachusetts 2010

Scott Philip Brown (* 12. September 1959 in Kittery, York County, Maine) ist ein amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei. Von 2010 bis 2013 vertrat er als Nachfolger von Ted Kennedy den Bundesstaat Massachusetts im US-Senat. Er bewarb sich 2014 erfolglos in New Hampshire für den US-Senat und ist immer wieder für politische Führungspositionen im Gespräch.

Familie, Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem seine Eltern sich hatten scheiden lassen, wuchs Scott Brown in Wakefield (Massachusetts) bei seinen Großeltern und einer Tante auf.[1] Er besuchte die Wakefield High School und studierte dann an der Tufts University Geschichte. Nebenbei arbeitete er als Model; als er für die Zeitschrift Cosmopolitan fotografiert worden war, zog er für zwei Jahre nach New York, ließ sich von der Modelagentur Wilhelmina betreuen und begann an der Benjamin N. Cardozo School of Law Kurse zu besuchen.[2] Anschließend absolvierte er die Law School des Boston College.

Mit 19 Jahren trat er in die Nationalgarde seines Heimatstaates Massachusetts ein und diente dort bis 2014, zuletzt als Colonel. Brown gehört im Rang eines Oberstleutnant dem Judge Advocate General’s Corps an. Er ist als Rechtsanwalt mit dem Spezialgebiet Familienrecht tätig.[3]

Brown ist mit der Fernseh-Journalistin Gail Huff verheiratet. Sie haben zwei Töchter, deren ältere Ayla (geb. 1988) bei der Talentshow American Idol in der fünften Staffel 2006 auftrat. Er gehört der calvinistischen Christian Reformed Church in North America an.[2]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine politische Karriere begann Scott Brown 1995 als Stadtrat in Wrentham. Anschließend war er ab 1998 für drei Wahlperioden[1] Mitglied des Repräsentantenhauses von Massachusetts und wurde 2004 in den Senat von Massachusetts gewählt, dem er bis 2010 angehörte.

US-Senator für Massachusetts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Januar 2010 bis Januar 2013 war Brown gewählter Vertreter des Bundesstaates Massachusetts im US-Senat. Nach dem Tod von Edward Kennedy, der als Galionsfigur der politischen Linken den Senatssitz 47 Jahre lang gehalten hatte, war am 19. Januar 2010 eine Nachwahl notwendig geworden. Bei dieser setzte sich Brown mit 52 zu 47 Prozent der Wählerstimmen gegen die demokratische Bewerberin Martha Coakley, Attorney General des Staates, durch,[4] was von vielen Beobachtern als Votum gegen die Gesundheitsreform Präsident Obamas gedeutet wurde.[5] Damit war er der erste Republikaner seit Edward Brooke im Jahr 1972, der für Massachusetts in den Senat gewählt wurde,[4] sowie das erste Mitglied seiner Partei aus Massachusetts im Kongress seit 1997, was ihm zu nationaler Bekanntheit verhalf.[6] Mit Browns Mandatsantritt im Februar 2010 verloren die Demokraten im US-Senat ihre weitreichende Mehrheit („super majority“) von 60 Sitzen, die Gesetzgebung ohne Hinderungsmöglichkeit durch Filibuster der Opposition ermöglichte und damit die Umsetzung von Obamas weitreichenden Reformplänen erschwerte.[7]

Da die mit der Wahl von Edward Kennedy im Januar 2007 begonnene Wahlperiode seines Senatssitzes im Januar 2013 endete, musste Brown diesen bei der Senatswahl am 6. November 2012 verteidigen und unterlag seiner demokratischen Herausforderin Elizabeth Warren.[8] Er schied am 3. Januar 2013 aus dem Senat aus.

Bewerbung als US-Senator für New Hampshire und Spekulationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brown blieb weiterhin in den Medien präsent und war immer wieder im Gespräch für weitere politische Ämter. So galt er durch das Ausscheiden John Kerrys aus dem US-Senat im Januar 2013 als Wunschkandidat vieler Republikaner, um den frei werdenden Sitz bei der Nachwahl im Juni 2013 zu erobern, was er ablehnte;[9] in den folgenden Monaten nährte er hingegen Spekulationen, dass er bei der Wahl 2014 gegen die demokratische US-Senatorin Jeanne Shaheen im Nachbarstaat New Hampshire oder im selben Jahr für die Nachfolge Deval Patricks im Amt des Gouverneurs von Massachusetts antreten werde.[10]

Brown entschied sich schließlich für eine Kandidatur in New Hampshire. Dort setzte er in einem hart umkämpften Rennen die demokratische Amtsinhaberin Jeanne Shaheen stark unter Druck, indem er die Wahl wie schon 2010 zu einem Referendum über die unpopuläre Politik Präsident Obamas erklärte[11] und die Themen Terrorismus, Grenzsicherung und innere Sicherheit emotionalisierte,[12] verlor die Wahl im November 2014 jedoch knapp mit 48,6 zu 51,4 Prozent der Stimmen.[13] Er wäre der dritte US-Senator gewesen, der mehr als einen Bundesstaat repräsentiert, und der erste in über einem Jahrhundert.[11]

Anfang 2016 brachte der in den Umfragen führende republikanische Kandidat für die US-Präsidentschaftswahl im November 2016, Donald Trump, Brown als möglichen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft und seinen Running Mate ins Gespräch.[14] Wenige Tage vor der Primary in New Hampshire, der zweiten Abstimmung im Nominierungsprozess für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten, kam es zu einem Endorsement Browns für Trump. Bereits im Dezember 2015 absolvierte Brown einen Wahlkampfauftritt mit dem Immobilien-Milliardär.[15]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brown gilt als zentristischer Republikaner mit gemäßigten Positionen in gesellschaftspolitischen Fragen. So setzt er sich für das Recht auf Abtreibung ein (Pro-Choice) und für ein Schusswaffenverbot. Zugleich kultiviert er das Image eines nahbaren Normalbürgers und ist als volksnah, aber auch populistisch in seinem Auftreten beschrieben worden.[16]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Against All Odds: My Life of Hardship, Fast Breaks, and Second Chances. Harper, New York 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Scott Brown – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Scott Brown im Biographical Directory of the United States Congress (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Thomas Frankenfeld: Brown – Jurist und Triathlet. In: Hamburger Abendblatt, 21. Januar 2010.
  2. a b Frank Bruni: Where Scott Brown Is Coming From. In: The New York Times, 22. Februar 2010 (englisch).
  3. Matthias Rüb: Scott Brown: Kennedys Erbe. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Januar 2010.
  4. a b Michael Cooper: G.O.P. Senate Victory Stuns Democrats. In: The New York Times, 19. Januar 2010 (englisch).
  5. Boston Tea Party. Massachusetts Voters Tell Democrats to Shelve ObamaCare. In: The Wall Street Journal, 20. Januar 2010 (englisch).
  6. W. James Antle: Scott Brown’s Balancing Act. In: The American Spectator, Mai 2012 (englisch).
  7. David Welna: Brown’s Entry Ends Democrats’ Supermajority. In: NPR.org, 4. Februar 2010 (englisch).
  8. Christina Hebel: Demokraten verteidigen Senatsmehrheit. In: Spiegel Online, 7. November 2012.
  9. James Hohmann: Scott Brown Says No to Senate Bid. In: Politico, 2. Januar 2013 (englisch).
  10. Katharine Q. Seelye: Ex-Senator Is Tempted by Neighbor: Scott Brown Hints at Another Senate Race – in New Hampshire. In: The New York Times, 5. April 2013 (englisch); James Hohmann: Scott Brown’s New Hampshire Flirtation. In: Politico, 24. April 2013 (englisch).
  11. a b Katharine Q. Seelye: In New Hampshire, Jeanne Shaheen Beats Scott Brown to Keep Senate Seat. In: The New York Times, 4. November 2014 (englisch).
  12. Ed Kilgore: Scott Brown Pioneered Trump’s Signature Scare Tactic of Alleging Terrorists Are Flooding Across ‘Porous Borders’. In: New York Magazine, 4. Januar 2016 (englisch).
  13. New Hampshire Election Results. In: The New York Times Election 2014, 17. Dezember 2014 (englisch).
  14. Bonnie K. Goodman: Trump Considering Scott Brown as his Vice Presidential Running Mate. In: The Washington Examiner, 16. Januar 2016 (englisch).
  15. Heather Haddon: Scott Brown Endorses Donald Trump. In: The Wall Street Journal, 2. Februar 2016 (englisch).
  16. Robert Costa: Scott Brown to endorse Trump. In: The Washington Post, 2. Februar 2016 (englisch).