Selfie-Stange

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Tourist fotografiert sich mit dem Straßburger Münster als Hintergrund

Eine Selfie-Stange (auch Selfie-Stick oder Selfie-Stab) ist eine zumeist teleskopierbare Stange, die als Armverlängerung für den Fotografen dient. Wesentlicher Verwendungszweck ist das Sich-selbst-Fotografieren, also das Erstellen eines sogenannten Selfies, mit einer Kamera, insbesondere einem Smartphone, das richtungsjustierbar an dem Handgriff gegenüberliegenden Ende montiert ist. Die Stange ermöglicht dabei mittels einer etwas entfernteren Perspektive beispielsweise Aufnahmen des Fotografen vor einem bestimmten Hintergrund oder mehrerer Personen gemeinsam.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Selfie-Stange dient dem Fotografen zur Verlängerung seines Arms. Auf diese Weise kann er sich vor einem größeren Hintergrund, in einem anderen Winkel oder mit einer Gruppe fotografieren, ohne andere Personen um Hilfe bitten zu müssen. Den Auslöser bedient der Fotograf entweder an der Stange, an der das Smartphone in etwa einem Meter Entfernung steckt, oder mittels Bluetooth.[1]

Stangen, die für Videoaufnahmen von Läufen oder Fahrten einer Person zumeist mit kleinen Actioncams dienen, müssen vibrationssteifer sein, wenn sie an Sportgeräten wie Fahrrad, Surfbrett, Snowboard oder Helm befestigt sind. Das Halten der Stange von Hand erlaubt flexibleres Wählen der Aufnahmerichtung, aber auch das Reinigen des Objektivs etwa von Schnee oder Schmutzspritzern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erster Vorläufer der Selfie-Stange wurde 1983 in den Vereinigten Staaten eine Teleskopverlängerung für Kompaktkameras patentiert.[2] Eine der ersten dokumentierten Anwendungen dieser Erfindung findet sich 1995 in einem Buch über 101 nutzlose japanische Erfindungen.[3][4] Bei der Minolta-Kamera disc-7 fand eine solche Stange wohl bereits in den 1980er Jahren Anwendung.[5]

Der Kanadier Wayne Fromm erfand 2001 die verlängerte Halterung für ein Smartphone nebst Fernauslösung.[6] Im Jahr 2005 patentierte er seine Erfindung erstmals in den Vereinigten Staaten[7] und vertreibt diese unter der Bezeichnung Quikpod seit 2011.[8] Weltweite Popularität erlangte der Selfie-Stick 2014[9] und wurde im Time Magazine unter die 25 besten Erfindungen des Jahres 2014 gezählt.[10]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Halb ausgezogene Selfie-Stange

Selfie-Stangen werden zwischenzeitlich von vielen Herstellern angeboten. In aller Regel handelt es sich dabei um eine ausziehbare Stange, die je nach Modell auf bis zu über 100 Zentimeter ausgezogen werden kann. Das eine, zumeist etwas dickere Ende ist rutschfest zum Greifen ausgeformt, am anderen (oberen) Ende ist – gelenkig abknickbar, doch fixierbar – eine Klemmhalterung für das Smartphone angebracht. Diese Klemmung erfolgt durch Reib- und Formschluss nahe den vier Längskanten, simuliert damit etwa einhändiges Halten und lässt dabei den größten Teil einer Smartphoneseite und damit ein Kameraobjektiv samt Zubehör frei. Wird das vordere Kameraobjektiv benutzt, steht zwar meist nur eine geringere Auflösung zur Verfügung, doch kann das Display als Kamerasucher zur genauen Festlegung des Bildausschnitts dienen. Die Kamera kann immer mit Selbstauslöser bedient werden.[1] Dies ist jedoch eine eher unvorteilhafte Vorgehensweise. Selfie-Stick-Hersteller sind bemüht, das Auslösen eines Bildes für den Anwender komfortabel zu gestalten. Es gibt verschiedene technische Ausführungen als Alternativen:

Während ein Einbeinstativ für etwa horizontale Aufnahmerichtungen noch kein (Kugel-)Gelenk am axialen Stativgewinde benötigt, braucht die Selfie-Stange nahe der Kamera zumindest ein klemmbares Knickgelenk, um unterschiedliche Winkelabstände der Aufnahmerichtung von der die Stange haltenden Hand zu erlauben. Für effiziente Steifheit gegen Durchbiegen und Schwingungen haben Ein- und Dreibeinstative den großen Durchmesser des Teleskopauszugs oben und damit kameranah, Selfie-Stangen haben diesen jedoch auf der Seite des Handgriffs, weil in diesem Fall hier das höchste Knickmoment auftritt.

Bluetooth-Fernbedienung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Selfie-Stick besitzt keinen Auslöser. Die am Stick angebrachte Kamera wird mithilfe einer Fernbedienung bedient, die mit der Kamera per Bluetooth-Technologie kommuniziert. Manche Selfie-Stangen haben eine Halterung für den Fernauslöser. Die Reichweite solcher Fernbedienungen beträgt etwa zehn Meter.

Bluetooth-Auslöser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Bildauslöser ist in den Griff der Selfie-Stange integriert. Dieser Auslöser kommuniziert per Bluetooth mit der Kamera.

Auslöser mit Kabelverbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Bildauslöse-Knopf befindet sich am Griff der Selfie-Stange. Der Bildauslöser wird per Klinkenstecker mit dem Kopfhörerausgang des an der Stange angebrachten Smartphones verbunden.[11]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Südkorea bedürfen Selfie-Sticks vor dem Verkauf der Zulassung durch die zuständigen Behörden. Grund hierfür sind die Funksignale, die durch die Bluetooth-Funktion entstehen. Das Ministerium für Wissenschaft und Technologie in Seoul ist der Auffassung, diese könnten technische Geräte stören und gesundheitsschädigend sein. Für den Verkauf nicht zugelassener Selfie-Sticks drohen daher Geldstrafen bis umgerechnet knapp 22.000 Euro oder bis zu drei Jahre Haft.[12]

Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbot der Selfie-Stangen in den Diokletiansthermen in Rom. Dort heißt es: Information für die Besucher: Der Eintritt mit einem Selfie-Stick ist verboten. Besucher müssen ihn in der Garderobe abgeben.

Durch die schnelle Verbreitung der Selfie-Stange kommt es immer wieder zu unangenehmen Situationen, so zum Beispiel wenn Fans bei Radrennen nah an der Strecke stehen und die Fahrer durch die Benutzung der Stange gefährden, oder in Museen mit der Stange zu nah an wertvollen Kunstwerken vorbeikommen. Aus diesem Grund sind an vielen öffentlichen Orten die Stangen inzwischen verboten.[13]

Insbesondere in Museen ist weltweit die Mitnahme der Selfie-Stangen in viele Ausstellungsräume verboten, so zum Beispiel in der Albertina in Wien, in den Uffizien in Florenz, den Vatikanische Museen und dem Louvre. Hingegen sieht man im Kunsthistorischen Museum Wiens Selfies auch mit Stangen positiv, da sich Besucher mit Werken identifizieren und die Bilder dann teilen, ja man bietet sogar Workshops für Selfie-Fotografie an und verweist dabei auf ein ausgestelltes Selbstporträt aus dem Jahr 1523.[14]

Auch in den Walt Disney Parks ist ebenso wie im Europa-Park die Benutzung der Selfie-Stangen seit Sommer 2015 nicht mehr erlaubt.[15][16]

Die Londoner Fußball-Klubs FC Arsenal und Tottenham Hotspur haben ein Selfie-Stangen-Verbot für ihre Stadien erlassen.[17] Grund hierfür ist, dass die Stange als Waffe verwendet werden könne. Zudem behindere das nach oben gestreckte Handy die Sicht der dahinter stehenden Fußballfans.[1] Auch beim Grand-Slam-Tennisturnier von Wimbledon haben die Veranstalter ein Selfie-Stick Verbot ausgesprochen.[18] Ebenso werden die Foto-Stangen bei einigen US-amerikanischen Musikfestivals als verbotene Gegenstände gelistet.[19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Selfie-Stangen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Petra Vögele: Eine Stange macht Karriere. In: Schwäbische Zeitung vom 16. Januar 2015, Seite 12.
  2. Patent US4530580 – Telescopic extender for supporting compact camera. In: google.de. Abgerufen am 22. Januar 2015 (englisch).
  3. Alex Scola: Turns Out Japan Invented The 'Selfie-Stick' 20 Years Ago. In: news.distractify.com. Abgerufen am 14. April 2015 (englisch).
  4. Georg Pichler: Selfies: Von Psychopathen und Gesäßfotos. In: derstandard.at. 18. Januar 2015, abgerufen am 22. Januar 2015.
  5. MINOLTA DISC-7 CAMERA, 1983. Auf: museumoftechnology.org.uk, abgerufen am 3. Februar 2015 (englisch).
  6. Lena Schipper: Der Mann, der den Selfie-Stick erfand. In: faz.net. 15. Januar 2015, abgerufen am 22. Januar 2015.
  7. Leo Benedictus: Is this man responsible for inventing the selfie stick? In: theguardian.com. 11. Januar 2015, abgerufen am 22. Januar 2015 (englisch).
  8. Katherine Rosman: The Selfie Stick Takes Manhattan. In: nytimes.com. 2. Januar 2015, abgerufen am 22. Januar 2015 (englisch).
  9. Statistische Auswertung für den Suchbegriff Selfie Stick. Google Trends, abgerufen am 16. Juni 2015.
  10. Time 25 best inventions of 2014 (englisch) TIME INC. 20. November 2014. Abgerufen am 28. November 2014.
  11. Raoul Wruck: Selfie Sticks – Die verschiedenen Varianten, In: myselfiestick.de. 10. März 2015, abgerufen am 12. Mai 2015 (deutsch)
  12. Selfie-Sticks: Wer knipst, kommt in den Knast. In: chip.de. 30. November 2014, abgerufen am 22. Januar 2015.
  13. Greg Keller: Selfie Sticks verboten. In: tagesanzeiger.ch. 11. März 2015, abgerufen am 1. Juni 2016.
  14. Museen verbieten Selfiestangen. In: wien.orf.at. 17. März 2015, abgerufen am 1. Juni 2016.
  15. Selfie Sticks in Disney-Parks verboten. In: spiegel.de. 27. Juni 2015, abgerufen am 1. Mai 2016.
  16. Europapark Rust verbietet Selfiesticks. In: faz.net. 4. Juli 2015, abgerufen am 1. Juni 2016.
  17. Das Selbst im Fokus. In: weser-kurier.de. 11. Januar 2015, abgerufen am 1. Juni 2016.
  18. Selfie sticks banned by Wimbledon bosses. In: telegraph.co.uk. 27. April 2015, abgerufen am 1. Juni 2016 (englisch).
  19. Schluss mit Selfie-Sticks bei US-Festivals. In: rollingstone.de. 30. März 2015, abgerufen am 1. Juni 2016.