Sender Königs Wusterhausen

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Sender Königs Wusterhausen
Der einzige noch erhaltene 210-m-Sendemast („Mast 17“) auf dem Funkerberg
Der einzige noch erhaltene 210-m-Sendemast („Mast 17“) auf dem Funkerberg
Basisdaten
Ort: Königs Wusterhausen
Land: Brandenburg
Staat: Deutschland
Höhenlage: 68 m ü. NHN
Verwendung:
Zugänglichkeit: Sendeanlage öffentlich nicht zugänglich
Besitzer: Stadt Königs Wusterhausen
Daten der Sendeanlage
Höhe der Türme/Masten: 210 m, 67 m
Bauzeiten der Türme/Masten: (1.) 1922−1923
(2.) 1994
Betriebszeiten der Türme/Masten: (1.) 1923−1995
(2.) seit 1994
Wellenbereich: LW-Sender
Sendetypen: Mobilfunk, LW
Positionskarte
Sender Königs Wusterhausen (Brandenburg)
Sender Königs Wusterhausen
Sender Königs Wusterhausen
Koordinaten: 52° 18′ 18,7″ N, 13° 37′ 1,2″ O

Der Sender Königs Wusterhausen auf dem Funkerberg im Norden Königs Wusterhausens in Brandenburg war eine der ersten Sendeeinrichtungen in Deutschland. Der Sendebetrieb begann 1915 und dauerte bis Sommer 1995. Die noch vorhandenen technischen Anlagen sind neben weiteren Ausstellungsstücken in einem dort seit den 1990er Jahren eingerichteten Museum zu besichtigen.

Vom Funkbeginn im Jahr 1908 bis 1932[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1908 erfolgten erste Funkversuche mit fahrbaren Funkstationen vom Windmühlenberg, dem späteren Funkerberg.

1916 ging der Sender Königs Wusterhausen als militärische Funkstelle mit dem Rufzeichen LP (nach dem ersten Stationsführer Rittmeister von Lepel) mit vier Lichtbogensendern in Betrieb und gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkrieges dem Heer. 1917 unternimmt Dr. Hans Bredow mit Dr. Meißner und von Lepel erste Versuche mit Röhrensendern und Rückkopplungsempfängern an der Westfront.[1]

Zivile Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. September 1919 wurde die Deutsche Reichspost Eigentümer der Sendeanlage, die sie für das Haupttelegraphenamt Berlin, Oranienburger Straße 73–76 in den Folgejahren ausbaute. Mit vier Sendern wurde die Anlage jetzt als Hauptfunkstelle des drahtlosen Telegramm-Dienstes genutzt. Sie diente sowohl dem Inlands- wie auch Auslandsverkehr. Letzterer umfasste neben Italien und Österreich, die Staaten Nordost-, Ost- und Südosteuropas. Die Rufzeichen der Sender lauteten nun AFL bis AFT sowie AFV, AFW und AFY.

Neben dem Telegramm-Dienst sendete die Hauptfunkstelle über ihre Antennen mehrmals täglich Wetterberichte für alle Flughäfen und Funkstellen des Flugsicherungsdienstes in Deutschland. Außerdem verbreitete sie weitere Funksonderdienste: den Presserundfunk an Abonnenten im Deutschen Reich und den Drahtlosen Wirtschafts-Rundspruchdienst für Wirtschaftsnachrichten. Im Jahr 1922 startete der Wirtschaftsrundfunkdienst mit Mitteilungen über die Märkte, Preisentwicklungen, Devisen- und Effekten-Kurse an Bank- und Geschäftshäuser, Großbetriebe, Genossenschaften des Ein- und Verkaufs landwirtschaftlicher Produkte usw., die vom Eildienst für amtliche und private Handelsnachrichten (Eildienst) zur Verfügung gestellt wurden.

Hauptfunkempfangsstelle Zehlendorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die für Königs Wusterhausen dienende Hauptfunkempfangsstelle befand sich im südwestlichen (1920 eingemeindeten) Berliner Ortsteil Zehlendorf an der WannseebahnA. Beide waren über Telegraphie- bzw. Telephonie-Leitungen mit dem Hauptelegraphenamt in Berlin verbunden, wie auch die Großfunkstellen Eilvese und Nauen (einschließlich der Nauener Empfangsstelle in Geltow). Letztere bedienten zusammen mit Königs Wusterhausen und Zehlendorf sowie den Küstenfunkstellen, den Auslands-Telegrammverkehr Deutschlands.

Damals nahmen in Zehlendorf in die vier Himmelsrichtungen ausgerichtete Rahmenantennen, getragen von 27m hohen Holzmasten, die telegraphischen Signale auf. Sie wurden zur Vermeidung gegenseitiger Störungen über Goniometer-Schaltungen dann jeweils zu den 20 Audion-Geräten weitergeleitet, die auf acht Empfangshäuschen verteilt waren.
A(nicht identisch mit dem in den 1930er Jahren in Zehlendorf nahe Oranienburg errichteten Sender Zehlendorf.)

Sonntagskonzerte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reichspost unternahm von Königs Wusterhausen aus, erstmals ab Anfang 1920 Sendeversuche zur Übertragung von Sprache und Musik (Drahtlos-Telephonie auf der Wellenlänge von 1300 m, und Rundfunk über die Wellenlängen 2525, 2900 und 4000 m.) Die ersten Rundfunksendungen waren das Weihnachtskonzert am 22. Dezember 1920 und das Osterkonzert am 23. März 1921. Regelmäßige Ausstrahlungen begannen mit den Sonntagskonzerten, die in Eigeninitiative der Postbeamten stattfanden, die dazu auf ihren privaten Instrumenten Musikstücke spielten.

Die Übertragung der Telephonie- und Rundfunksendungen Anfang 1920 geschahen noch, mittels der Reichspost von der damaligen C. Lorenz AG, zur Verfügung gestellten Lichtbogen-Sendetechnik, weil der Post anfänglich kein eigener Tonsender zur Verfügung stand. Da die Firma Lorenz bereits in ihrer Versuchsfunkstelle Eberswalde einen solchen poulsenschen Lichtbogensender zur Übertragung von Sprache und Musik in Betrieb hatte, konnten die Technik betreuenden Lorenz-Ingenieure (u. a. Felix Gerth und Leo Pungs) hier ihre Erfahrungen aus Eberswalde weitergeben. Nachdem der private Empfang noch bis 1923 in Deutschland offiziell verboten war, öffneten sich am 29. Oktober 1923 die Wellen für den Rundfunk für Unterhaltung und Belehrung bzw. wie er später bezeichnet wurde: Unterhaltungsrundfunk.[2][3][4]

Erweiterung ab 1925[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauarbeiten am Stahlfachwerkturm (1925)

1925 waren bereits 20 Sender verschiedener System teilweise gleichzeitig im Einsatz. Sowohl was die eigentliche Sendequelle (entweder Maschinen-, Lichtbogen- oder mit Elektronenröhren bestückte Röhrensender) betrifft als auch die Reichweite mit der entsprechenden Sendeleistung (von 0,2 bis 50 kW) war alles dabei. Zum Ende des Jahres begann aus Königs Wusterhausen der erste Deutschlandsender (später zur Unterscheidung Deutschlandsender I genannt) über einen 5-kW-Sender, mit der Ausstrahlung eines Programmes.[5]

Zur Verstärkung der Gesamtsendeleistung, die bisher von Funkmasten in Höhen zwischen 100 (2 Masten) 150 m (5 Masten) und 7 Masten von 210 m abgestrahlt wurden, war für 1925 ein neuer wesentlich größerer Funkmast im Bau.[6] Der 243 Meter hohe Mittelturm – ein freistehender Stahlfachwerkturm – von den Einheimischen liebevoll der „Dicke“ genannt.[1]

Bald reichte der Platz auf dem Berg nicht mehr aus und die Reichspost ließ weitere Anlagen im etwa 5 km weiter südöstlich gelegenen Zeesen (heute Ortsteil von Königs Wusterhausen) für den Deutschlandsender II mit 60 kW und den ersten Kurzwellensender errichten.[6]

1926 erfolgte der Bau des 3. Sendehauses und die Inbetriebnahme von zwei 10-kW-Röhrensendern und drei 40-kW-Maschinensendern für Nachrichtendienste und dem Deutschlandsender I mit einer Leistung von 5 kW. Am 7. Januar 1926 beginnt das Programm der Deutschen Welle.

Der Sender nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten alle Einrichtungen in Zeesen und zahlreiche Anlagen auf dem Funkerberg demontiert werden. Allerdings wurden auf dem Funkerberg auch einige neue Sender installiert, unter anderem ein 100-kW-Langwellensender, der im August 1946 in Betrieb ging und bis 1992 noch als Reserve für den Sender Zehlendorf diente.

Die französischen Besatzungstruppen hatten am 16. Dezember 1948 den Mast des Senders Tegel wegen Gefährdung des Flugverkehrs am neuen Flughafen Tegel sprengen lassen. Der unversehrte Mittelwellensender wurde von den sowjetischen Technikern nach Königs Wusterhausen geschafft und dort am 20. März 1949 in Betrieb genommen. Bis 1985 wurde das sowjetische Militärprogramm "Wolga" ausgestrahlt.[1]

1959 Beginn der Arbeiten am Längstwellensender, die Inbetriebnahme der 20-kW-Stufe erfolgte 1961 und 1963 die Fertigstellung mit 70 kW Leistung.

Am 13. November 1972 stürzte der Mittelturm, der zusammen mit den weiterhin vorhandenen 210-Meter-Sendemasten eine T-Antenne trug, während des Orkantiefs Quimburga ein.

Seit 1995 statt Sendebetrieb technisches Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wiedervereinigung wurde der Sendebetrieb nach und nach zurückgefahren. Seit den späten 1990er Jahren erfolgt nur noch Sendebetrieb von einem 67 Meter hohen Mobilfunkturm aus, der 1994 errichtet wurde. Ein 210 Meter hoher, mit zwei Langdrahtantennen ausgestatteter Sendemast ist inzwischen technisches Denkmal. Der reguläre Sendebetrieb von der Sendestation Königs Wusterhausen abseits des Mobilfunks endete im Sommer 1995. Die verbliebenen technischen Einrichtungen auf dem Funkerberg dienen als Sendermuseum Königs Wusterhausen. Der 210 Meter hohe Mast 17 auf dem Funkerberg wurde 2009 generalüberholt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerd Klawitter: 100 Jahre Funktechnik in Deutschland – Funksendestellen rund um Berlin. ISBN 3-89685-500-X, S. 61–78.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Offizielle Broschüre des "Sender- und Funktechnikmuseums Königs Wusterhausen"
  2. Knut Berger: Hallo! Hallo! Hier Eberswalde! Die Versuchsstation für drahtlose Telegraphie in Eberswalde. In: Heimatkundliche Beiträge, Heft 4. Hrsg.: Stadt Eberswalde. Eberswalde 1998. S. 55–56.
  3. F. Banneitz (Hrsg.): Taschenbuch der drahtlosen Telegraphie und Telephonie. Julius Springer Verlag. Berlin 1927. S. 1045 ff.
  4. Joachim Beckh: Blitz & Anker. Informationstechnik – Geschichte & Hintergründe. Band 1. Books on Demand, Norderstedt 2005, S. 353, ISBN 3-833-42996-8.
  5. Deutsche Gesellschaft für Post- und Telekommunikationsgeschichte: Post- und Telekommunikationsgeschichte In: Band 4. Bonn 1998. S. 77.
  6. a b Das Reich der Technik. Der neue Funkturm in Königswusterhausen. In: Die Post aus Deutschland, Nr. 27/28 vom 11. Juli 1925, S. 4.