Sexting

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männliches "Nelfie"
Sexting beinhaltet oft den Versand von Nacktbildern über mobile Anwendungen.

Sexting ist die private Kommunikation über sexuelle Themen per mobile Messaging. Im engeren Sinn handelt es sich um Dirty Talk zur gegenseitigen Erregung. Seit Verfügbarkeit der Multimedia Messaging Services (MMS) und Instant-Messagern wie WhatsApp kann damit auch der Versand von erotischem Bildmaterial des eigenen Körpers über Instant-Messaging-Anwendungen durch mobile Endgeräte verbunden sein. Derartige Nacktaufnahmen werden auch als "Nelfie" (nackte Selfies) bezeichnet. Das aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum stammende Kofferwort setzt sich aus Sex und texting (engl. „simsen, SMS schreiben“) zusammen.[1][2] Im Deutschen wird das Wort hauptsächlich für das Versenden von erotischen Selbstaufnahmen per Smartphone oder Internet verwendet.[3] Seit 2012 führt Pro Juventute aus der Schweiz eine Aufklärungskampagne durch, um auf die Gefahren von Sexting aufmerksam zu machen sowie Betroffenen Hilfen anzubieten.[4]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sexting wird vor allem von Teenagern und jungen Erwachsenen praktiziert. Laut einer US-amerikanischen Studie der National Campaign to Prevent Teen and Unplanned Pregnancy (NCPTUP) von 2008 haben 20 Prozent der 13- bis 19-Jährigen und 59 Prozent der 20- bis 26-Jährigen bereits Sextings versendet. 48 Prozent der Jugendlichen und 64 Prozent der jungen Erwachsenen haben Sexting-MMS empfangen.[5][6]

Eine englische Studie für die National Society for the Prevention of Cruelty to Children geht von einer hohen Dunkelziffer in England aus und fand je nach Alter und Definition der Jugendlichen von Sexting einen Anteil von 15 Prozent bis 40 Prozent unter jungen Menschen. Die Studie zeigte auch, dass der Großteil der weiblichen Jugendlichen von den männlichen Jugendlichen unter Druck gesetzt wird, eigene Bilder zur Verfügung zu stellen.[7] Eine Erhebung unter Schweizer Jugendlichen (JAMES-Studie, 2012)[8] ergab, dass nur 6 Prozent der Befragten erotische Medien von sich selbst versenden. 2012 lancierte die Schweizer Stiftung Pro Juventute eine Aufklärungskampagne gegen Sexting.

Eine 2017 in Österreich durchgeführte Studie von SaferInternet Österreich ergab eine hohe Verbreitung von Sexting unter Jugendlichen (14–18 Jahre):

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass Sexting, also das Verschicken von Nacktbildern, unter Jugendlichen weit verbreitet ist. Fast die Hälfte der befragten Jugendlichen kennen jemanden, der bereits Nacktbilder an andere geschickt hat. Jeder Dritte hat selbst schon einmal Nacktbilder oder Videos erhalten. Für viele Jugendliche (31%) ist es völlig normal, dass man in einer Beziehung Nacktbilder – meist via WhatsApp – an seinen Freund oder seine Freundin schickt. Jeder zehnte Jugendliche kennt sogar die Nacktbilder der besten Freundin oder des besten Freundes.

[9]

Die meisten Jugendlichen nutzen die Messenger-App WhatsApp für Sexting, danach folgen, weit abgeschlagen, Facebook, Skype, Snapchat, also Instant-Messaging-Anwendungen für Smartphones und Tablets, oder aber per E-Mail.[6][9] Die mit Snapchat verschickten Fotos sollen nur eine bestimmte Anzahl an Sekunden sichtbar sein und sich dann selbst zerstören.[10] Es ist jedoch mit relativ einfachen Mitteln möglich, versendete Dateien innerhalb der Ordnerstruktur des genutzten Gerätes zu finden und wiederherzustellen.[11]

Rechtslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreiten und der Besitz von erotischem Bildmaterial Minderjähriger (Kinderpornografie) ist in den meisten Ländern verboten.

Situation in den Vereinigten Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den minderjährigen Teilnehmern an dieser Variante eines „Ich zeig dir meins – Du zeigst mir deins“ mit den Mitteln der modernen Kommunikation droht in den Vereinigten Staaten durch das Versenden eine juristische Verfolgung mit schwerwiegenden Konsequenzen.[12][13][2][14][15]

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland kann Sexting bei Minderjährigen einen Verstoß gegen § 184b oder § 184c des StGB begründen. Während laut Ersterem sexuelle Darstellungen von Kindern unter 14 Jahren ausnahmslos verboten sind, lässt §184c im Fall sexueller Darstellungen Jugendlicher zwischen 14 und 17 eine Straffreiheit zu für den Fall, dass das fragliche jugendpornografische Material „ausschließlich zum persönlichen Gebrauch mit Einwilligung der dargestellten Personen“ hergestellt wurde. Da jedoch insbesondere der §184c erst seit November 2008 Rechtsgültigkeit hat,[16] bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt abzuwarten, wie die deutsche Rechtsprechung diese neue Norm auf die Problematik des „Sexting“ anwenden wird.

Während die Betreiber von Sexting dieses als „High-Tech-Flirt“ ansehen,[17] weisen Kritiker auf die Gefahren der missbräuchlichen Verbreitung dieser Fotos, z. B. über soziale Netzwerke im Internet hin.[18]

Situation in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die österreichische Rechtslage ähnelt der deutschen insofern, dass Sexting von Unter-Vierzehn-Jährigen illegal ist, diese jedoch gleichzeitig nicht strafmündig sind. Während Herstellung und Besitz von pornografischen Darstellungen Jugendlicher (14–17 Jahre) mit deren Einwilligung stets legal war, war die durch Sexting gegebene Verbreitung bis 2016 strafbar. So wurde im März 2015 ein Jugendlicher wegen des Senden eines pornografischen Bildes seiner selbst rechtskräftig verurteilt.[19] Auf Druck der Bundesjugendvertretung kam es anschließend zu einer Gesetzesänderung.[20]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Telefonsex, die Befriedigung sexueller Wünsche über das Gespräch am Telefon
  • Cyber-Grooming, gezieltes Ansprechen von Personen im Internet mit dem Ziel der Anbahnung sexueller Kontakte
  • Cybersex, Sammelbegriff für verschiedene Formen der virtuellen Erotik, sexueller Interaktion und Pornografie
  • Internetsexsucht
  • Sextortion

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sex + Texting = Sexting. In: Washington Post online, 10. Dezember 2008 (engl.)
  2. a b Amerikanische Teenager schocken Sittenwächter. In: FAZ.net, 7. Mai 2009
  3. Eva-Maria Berendsen: Ich will was von dir sehen. In: FAZ.net. 17. Februar 2014, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  4. Sexting kann berühmt machen. Auch wenn man es gar nicht will. Abgerufen am 2. Juli 2019.
  5. Sex and Tech: What’s Really Going On – Studie. (Memento des Originals vom 21. Juni 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.thenationalcampaign.org In: thenationalcampaign.org (PDF-Datei; 485 KB)
  6. a b Warum Sexting unter Jugendlichen (k)ein Problem ist. Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Nicola Döring, medienbewusst.de – kinder. medien. kompetenz (Archiv).
  7. Jessica Ringrose, Rosalind Gill, Sonia Livingstone, Laura Harvey: A qualitative study of children, young people and 'sexting'. In: nspcc.org.uk, London 2012
  8. Ergebnisbericht zur JAMES-Studie 2012. (Memento des Originals vom 19. März 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jugendundmedien.ch S. 53 (PDF)
  9. a b Sexting: Jeder 3. Jugendliche bekommt Nacktbilder über WhatsApp. In: bravo.de
  10. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 11. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/gawker.com Gawker.com über die Eignung von Snapchat für Sexting
  11. Snapchat: Sexting-App löscht Videos nicht. (Memento des Originals vom 21. Juli 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.chip.de In: chip.de
  12. Zeigefreudige US-Teenager kassieren Kinderporno-Klagen. In: Spiegel Online, 15. Januar 2009.
  13. Ich zeig Dir meins 2.0. In: bernerzeitung.ch, 15. Januar 2009
  14. Reymer Klüver: Von Posen und Possen. (Memento des Originals vom 28. Dezember 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sueddeutsche.de In: Süddeutsche Zeitung online, 16. April 2009
  15. Schmitz/Siry: Teenage Folly or Child Abuse? State Responses to "Sexting" by Minors in the U.S. and Germany. Mai 2011.
  16. Einführung des §184c StGB (BGBl. 2008 I S. 2149)
  17. Sexting normal (Memento vom 8. März 2009 im Internet Archive) In: canberratimes.com.au, 14. Juli 2008 (engl.)
  18. Teen “Sexting” Worries Parents, Schools. In: CBS News 4. Februar 2009
  19. Sex-Selfie: Darsteller kann strafbar sein. In: diepresse.com. 29. März 2015, abgerufen am 10. Februar 2016.
  20. Tweet von BJV-Vorsitzendem David Neuber. In: twitter.com. 6. September 2015, abgerufen am 10. Februar 2016.