Saalkreis

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Dieser Artikel behandelt den Saalkreis in der preußischen Provinz Sachsen und den Saalkreis im Land Sachsen-Anhalt (1990–2007). Für den Saalkreis im Bezirk Halle der DDR (1952–1990) siehe Saalkreis (Bezirk Halle).
Wappen Karte
Wappen des Saalkreises Lage des Saalkreises in Deutschland
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Verwaltungssitz: Halle (Saale)
Fläche: 605,9 km²
Einwohner: 75.457 (30. Juni 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 125 Einwohner je km²
Kreisschlüssel: 15 2 65
Kfz-Kennzeichen: SK
Kreisgliederung: 40 Gemeinden
Adresse der Kreisverwaltung: Wilhelm-Külz-Straße 10
06108 Halle (Saale)
Letzter Landrat: Knut Bichoel (CDU)
Karte
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Über dieses Bild

Der Saalkreis war ein Landkreis im Süden des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Am 1. Juli 2007 wurde er im Rahmen der Kreisgebietsreform in Sachsen-Anhalt mit dem Landkreis Merseburg-Querfurt zum neuen Saalekreis fusioniert. Nachbarkreise waren im Norden die Landkreise Bernburg, Köthen und Bitterfeld, im Osten der sächsische Landkreis Delitzsch, im Süden der Landkreis Merseburg-Querfurt und im Westen der Landkreis Mansfelder Land. Der Kreis umschloss kragenförmig die kreisfreie Stadt Halle (Saale), die Sitz des Kreises war.

Der Saalkreis bestand bereits seit der frühen Neuzeit im Herzogtum Magdeburg sowie seit 1816 in der preußischen Provinz Sachsen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das frühere Gebiet des Saalkreises fließt neben der Saale auch die Salza. Weitere kleine Flüsse sind die Laweke, Würde, Kabelske, der Strengbach und die Götsche. Während im westlichen Teil des Gebiets vorwiegend Hügel und eingeschnittene Täler vorherrschen, ist der Norden und Osten geprägt durch flache Ebenen. Der Petersberg bei Halle ist mit 250,4 m ü. NN die höchste Erhebung des ehemaligen Saalkreises und liegt in dessen Nordosten.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herzogtum Magdeburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saalkreis (Herzogtum Magdeburg)
Neumarkt
Neumarkt
Halle
Halle
Glaucha
Glaucha
Könnern
Könnern
Alsleben
Alsleben
Löbejün
Löbejün
Wettin
Wettin
Städte des Saalkreises im Herzogtum Magdeburg (blau) um 1790, Hintergrund: Karte des heutigen Sachsen-Anhalts (grau)

Unter der Bezeichnung „Saalkreis“ waren die Besitzungen des Erzstifts Magdeburg in der Gegend von Halle zusammengefasst, die seit 1680 mit dem nun weltlichen Herzogtum Magdeburg zu Brandenburg-Preußen gehörten. Der Saalkreis umfasste 1790 die folgenden Städte und Gemeinden:

1807, im Frieden von Tilsit, verlor Preußen auch den Saalkreis an das französische Kaiserreich, von dem die preußischen Gebiete an der mittleren Elbe dem neu gegründeten Königreich Westphalen zugeteilt wurden. Dort gehörte das Kreisgebiet zum neugebildeten Distrikt Halle des Departement der Saale.

Preußische Provinz Sachsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Niederlage Napoleons nahm der preußische König mit seinen „alten Provinzen“ auch den Saalkreis wieder in Besitz. 1815 wurde aus diesem „Altbesitz“ aus der Zeit vor 1807 und den aufgrund der Regelungen des Wiener Kongresses erworbenen sächsischen Gebieten die Provinz Sachsen gebildet und in deren Regierungsbezirk Merseburg als untere Verwaltungsbehörde der Saalkreis zum 1. Oktober 1816 mit modifizierten Grenzen wiederhergestellt:[2]

Das Landratsamt des Saalkreises befand sich zunächst in Wettin.

Zum 10. November 1819 wurden aus dem Saalkreis die Weinberge zwischen Gimritz und Passendorf, die Gimritzer und die Kreuzschäferei, das Rittergut Freiimfelde und das Dorf Wörmlitz in den Stadtkreis Halle umgegliedert.[3]

Am 1. Juli 1828 kam der ländliche Teil des Stadtkreises Halle, darunter die Dörfer Böllberg, Diemitz, Giebichenstein und Wörmlitz wieder zum Saalkreis.[4] Zum 1. Oktober 1833 wurde das Landratsamt von Wettin nach Halle verlegt.

Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis als Teil des Königreichs Preußen zum Norddeutschen Bund und ab 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Am 10. August 1876 wurde der Gutsbezirk Freiimfelde aus dem Saalkreis nach Halle eingegliedert. Am 1. April 1900 traten die Landgemeinden Cröllwitz, Giebichenstein und Trotha und der Gutsbezirk Gimritz vom Saalkreis nach Halle über.

Zum 30. September 1929 fand im Saalkreis entsprechend der Entwicklung im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle selbstständigen Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.

Die Gemeinde Ammendorf erhielt am 15. Dezember 1937 das Stadtrecht. Am 1. April 1942 wurde zur Beseitigung von Exklaven die bis dahin zum Saalkreis gehörende Gemeinde Löbnitz an der Linde in den Landkreis Dessau-Köthen des Landes Anhalt umgegliedert.

Als Teil des ehemaligen Regierungsbezirks Merseburg gehörte der Kreis seit der Auflösung der Provinz Sachsen mit Wirkung vom 1. Juli 1944 zur neuen Provinz Halle-Merseburg. Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet zunächst durch US-amerikanische Streitkräfte besetzt.

DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1950 kam es in der DDR zu einer ersten Gebietsreform:

Bei der Bezirks- und Kreisreform in der DDR wurde 1952 die Abgrenzung noch einmal leicht geändert:

Zum Saalkreis im Bezirk Halle der DDR siehe

Hauptartikel: Saalkreis (Bezirk Halle)

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wiedervereinigung gehörte der Saalkreis zum Regierungsbezirk Halle des Landes Sachsen-Anhalt. Bei der Kreisreform von 1994 wechselte die Gemeinde Dornstedt aus dem Landkreis Querfurt in den Saalkreis. Am 1. August 2004 schieden die drei Gemeinden Döllnitz, Hohenweiden und Lochau aus dem Saalkreis aus und wurden in die Gemeinde Schkopau im damaligen Landkreis Merseburg-Querfurt eingegliedert. Im Rahmen der Kreisreform von 2007 wurde der Saalkreis mit dem Landkreis Merseburg-Querfurt zum Saalekreis zusammengeschlossen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Quelle
1816 27.149 [5]
1843 40.126 [6]
1871 61.679 [7]
1890 82.835 [8]
1900 69.921 [8]
1910 81.683 [8]
1925 88.068 [8]
1933 93.513 [8]
1939 98.633 [8]
1955 94.600 [8]
1960 89.451 [8]
1971 80.962 [9]
1981 70.436 [9]
1990 64.400 [8]
2000 82.000 [10]
2007 75.457 [1]

Landräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1680–1681 Hans von Dieskau († 1681)
  • 1681–1711 Karl von Dieskau († 1727)
  • 1711–1719 Karl von Dieskau
  • 1719–1723 Vollrat Ludolf von Krosigk
  • 1723–1741 Andreas Friedrich von Pawlowski († 1741)
  • 1741–1754 Karl Andreas von Schomberg
  • 1754–1770 von Taubenheim
  • 1771–1775 Christoph Friedrich aus dem Winckel
  • 1776–1794 Ferdinand Anton von Krosigk
  • 1795–1806 Gottlob Heinrich Magnus von Wedell
  • 1990–2007 Knut Bichoel

Kommunalverfassung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Saalkreis gliederte sich in Städte, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständiger Auflösung im Jahre 1929 – in selbstständige Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Am 15. Februar 1937 erhielt die Gemeinde Ammendorf die Bezeichnung „Stadt“ verliehen. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 13. März 1995 durch das Innenministerium genehmigt, dabei wurde das bereits am 31. Mai 1937 verliehene Wappen bestätigt.

Blasonierung: „Geviert; Feld 1 und 4: von Rot und Silber geteilt, Feld 2: in Gold ein schwarzer rot bewehrter Löwe, Feld 3: in Gold zwei blaue Pfähle.“

Städte und Gemeinden bis 1950[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand 1950[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Saalkreis gehörten vor der Gebietsreform von 1950 vier Städte und 79 weitere Gemeinden:[8]

Vor 1950 aufgelöste oder ausgeschiedene Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensänderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurden einige Schreibweisen mit „c“ beseitigt: 1911:

  • Cönnern → Könnern

1937:

  • Canena → Kanena
  • Custrena → Kustrena
  • Mucrena → Mukrena

Städte und Gemeinden 1990–2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgliederung 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2006)

Einheitsgemeinden

Verwaltungsgemeinschaften mit ihren Mitgliedsgemeinden

Sitz der Verwaltungsgemeinschaft *

  1. Brachstedt (915)
  2. Götschetal [Sitz: Wallwitz] * (5863)
  3. Krosigk (874)
  4. Kütten (422)
  5. Morl (920)
  6. Ostrau (1260)
  7. Petersberg (690)
  1. Braschwitz (1264)
  2. Hohenthurm (1916)
  3. Landsberg, Stadt * (8518)
  4. Niemberg (1482)
  5. Oppin (1551)
  6. Peißen (1071)
  7. Schwerz (541)
  1. Brachwitz (1009)
  2. Döblitz (189)
  3. Domnitz (806)
  4. Dößel (360)
  5. Gimritz (364)
  6. Löbejün, Stadt (2287)
  7. Nauendorf (1835)
  8. Neutz-Lettewitz (913)
  9. Plötz (760)
  10. Rothenburg (867)
  11. Wettin, Stadt * (2076)
  1. Beesenstedt (1266)
  2. Bennstedt (1497)
  3. Fienstedt (236)
  4. Kloschwitz (478)
  5. Lieskau (2652)
  6. Salzmünde * (2486)
  7. Schochwitz (1251)
  8. Zappendorf (1543)
  1. Angersdorf (1195)
  2. Dornstedt (752)
  3. Höhnstedt (1584)
  4. Langenbogen (2622)
  5. Steuden (955)
  6. Teutschenthal * (9397)

Gebietsveränderungen seit 1995[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1995 fanden im Saalkreis viele Gebietsveränderungen statt.

Von den ursprünglich neun Verwaltungsgemeinschaften bestanden bei der Auflösung des Landkreises noch fünf Verwaltungsgemeinschaften. In der gleichen Zeit verringerte sich die Anzahl der Gemeinden von 59 auf 40.

Änderungen bei Verwaltungsgemeinschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Änderungen auf Gemeindeebene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensänderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kfz-Kennzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 1991 erhielt der Landkreis das Unterscheidungszeichen SK. Es wird im Saalekreis bis heute ausgegeben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hanns Gringmuth: Die Behördenorganisation im Herzogtum Magdeburg – ihre Entwicklung und Eingliederung in den brandenburgisch-preußischen Staat. Dissertation Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 1934.
  • Johann Ludwig von Heineccius: Ausführliche topographische Beschreibung des Herzogthums Magdeburg und der Grafschaft Mansfeld, Magdeburgischen Antheils. Decker, Berlin 1785.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Monatsheft 11/2007
  2. Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Merseburg 1816, S. 333
  3. Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Merseburg 1819, S. 474
  4. Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Merseburg 1828, S. 155
  5. Christian Gottfried Daniel Stein: Handbuch der Geographie und Statistik des preußischen Staats. Vossische Buchhandlung, Berlin 1819, Der Regierungsbezirk Merseburg, S. 341 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  6. Handbuch der Provinz Sachsen. Rubachsche Buchhandlung, Magdeburg 1843, Neustadt-Magdeburg, S. 239 (Digitalisat [abgerufen am 6. Juni 2016]).
  7. Königlich Statistisches Büro Preußen (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Sachsen. Verlag d. Königl. Statist. Bureaus, Berlin 1873 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  8. a b c d e f g h i j Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte: Saalkreis. Abgerufen am 2. Juni 2016.
  9. a b Statistische Jahrbücher der Deutschen Demokratischen Republik. In: DigiZeitschriften. Abgerufen am 6. Oktober 2009.
  10. Statistische Jahrbücher der Bundesrepublik Deutschland. In: DigiZeitschriften. Abgerufen am 6. Juli 2016.